Mittwoch, 11. Januar 2017

Rezension: Die Tochter des Fechtmeisters - Sabine Weiß

Die deutsche Autorin Sabine Weiß hat schon mit den Titeln: „Die Hansetochter“ und „Die Feinde der Hansetochter ihre Leser davon überzeugt, dass Sie vorbildlich recherchiert und das Mittelalter, die Hansezeit aufleben lässt.

Ihr neuester Roman „Die Tochter des Fechtmeisters“ spielt in Rostock 1608. Mittelpunkt der Geschichte ist wie auch in den anderen Bänden eine starke Frau. Ebendiese Tochter eines Fechtmeisters – Clarissa hat schon in jungen Jahren gelernt, mit dem Schwert Perfekt umzugehen. Ihr Vater ist Lehrer und Inhaber einer bekannten und angesehenen Fechtschule, in der junge Adelige und Kaufmänner in der Kunst des Schwertkampfes unterwiesen werden.

Diese Fechtschulen in Deutschen Landen sind untereinander verfeindet, sie buhlen um das Ansehen des Kaisers und jährlich treffen sich die Meister der Schulen mit ihren Lehrlingen zu Wettkämpfen im hessischen Frankfurt. Clarissa begleitet ihren Vater auf diese anstrengende und gefährliche Reise. Bei einem feigen Überfall wird ihr Vater getötet, sie selbst kann fliehen und wird fortan als Mörderin verdächtigt. Als sie von einer Verschwörung gegen den Kaiser erfährt, ist sie in noch größerer Gefahr.

Kritik

Der Kampf mit dem Schwert ist eine Kunst. Mehr noch, ein Sport der dem Kämpfer vieles  an Können und Einsatz abverlangt: Disziplin, Kraft, Mut, Geschicklichkeit und ebenfalls im hohen Masse Intelligenz. Nicht jeder wird in diesen Fechtschulen aufgenommen und noch weniger Schüler dürfen sich nach langen Jahren der Ausbildung: Ein Meister des Schwertes nennen. Der Schwertkampf ist ehrenvoll, wenn auch das Ziel das Töten oder Verletzen des Gegners ist. Viele Schüler und Lehrer bilden in Kriegszeiten Soldaten aus und erhalten ein hohes Offizierspatent in der Armee des amtierenden Herrschers.

Sabine Weiß hat mit ihrem aktuellen Titel: „Die Tochter des Fechtmeisters“ wieder einmal bewiesen, dass ein historischer Roman nicht nur der perfekten Unterhaltung dient, sondern auch viel an Wissen übermitteln kann. Es gibt interessante und sehr informative dokumentiere Fechtbüchern, die genaue Schritt- und Schlagfolgen beschreiben. Für historische Chronisten und auflebenden Fechtschulen, auch in unserer Zeit ein wahrer Schatz. Längst schon wird auch heutzutage, dass historische Fechten zu einer attraktiven Sportart. Wie anstrengend und vor allem, welcher Einsatz an Kraft und Konzentration dieser Sport, oder vielmehr diese Kunst abverlangt, wird unterschätzt. Also bei Interesse selbst einmal ausprobieren. Die Autorin wird u.a. selbst einmal das Schwert geschwungen haben, um einschätzen zu können, was sie von ihren fiktiven Figuren verlangt.

Ihr Fachwissen, und das beweist Sabine Weiß immer wieder ist groß. Ein Bild vom romantischen Glanz und Gloria wird man hier nicht finden. Die mittelalterliche Welt wird so realistisch und plausibel wiedergegeben wie möglich. Der Alltag der Bevölkerung in Städten und Dörfern wird perfekt in Szenen beschrieben. Ein großes Lob geht an die Autorin, da sie beschreibt, in welchem Umfang die jüdische Bevölkerung zu leiden hat und wie sozial ausgegrenzt sie wurden. Erschreckend, aber ehrlich gut ausgedrückt.

Die Figuren sind konzeptionell gut aufgebaut. Zahlreiche Klischees werden zwar bedient, aber nicht überdreht in die Geschichte eingesetzt. Die zahlreichen erzählten Kämpfe mit dem Schwert werden spannend erzählt, auch wenn man die einzelnen Fachbegriffe in Verwendung erst einmal so gar nicht versteht. Nach kurzen Erklärungen ist man allerdings wieder im Thema und etwas schlauer.

Die Geschichte allerdings ein paar erzählerische Längen, die deutlich auffallen. Den wirklichen „Roten Faden“ der Geschichte findet man nur schwer und erst im letzten Drittel des Buches offenbart sich der Kern der Story. Für mein Verständnis, leider etwas zu spät.

Sabine Weiß überspannt allerdings nicht den Boden und findet schnell wieder Anschluss an ihren eigentlichen Pfad. „Die Tochter des Fechtmeisters“ hätte besser ausfallen können, wenn Sabine Weiß ggf. die Geschichte etwas actionreicher aufgebaut hätte. Durch einige Nebengeschichten entstanden einige langatmige Passagen. Es wäre vorteilhafter gewesen, kriegerische Auseinandersetzungen mit dieser Verschwörung zu kombinieren.

Fazit

„Die Tochter des Fechtmeisters“ ist ein guter historischer Roman. Nicht so scharf geschnitten wie erwartet, doch insgesamt überzeugend. Wie schon in den anderen Titeln zuvor geht Sabine Weiß im Nachwort auf die Fechtkunst und ihre historischen Hintergründe ein und vervollständigt den Roman durch ein umfassendes Glossar.

Michael Sterzik


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