Sonntag, 12. Februar 2012

Schutzlos - Jeffery Deaver


Ein atemberaubendes Duell auf Leben und Tod
Sein Name ist Corte, und er ist ein »Hirte«. Im Auftrag des Staates übernimmt er die Fälle, bei denen normale Bodyguards nichts ausrichten können. Als er erfährt, dass die Familie Kessler von Henry Loving – einem berüchtigten Entführer und Folterer – bedroht wird, ist er sofort bereit, ihren Schutz zu übernehmen. Zwischen Corte und Loving ist noch eine alte Rechnung offen. Um den Kesslers wirklichen Schutz bieten zu können, muss Corte allerdings erst einmal herausfinden, worauf Loving es eigentlich abgesehen hat. Denn in dieser Familie ist niemand, was er auf den ersten Blick zu sein scheint …(Verlagsinfo)

JEFFERY DEAVER

Schutzlos

Thriller

Originaltitel: Edge
Originalverlag: Simon & Schuster, New York 2010
Aus dem Amerikanischen von Fred Kinzel 
DEUTSCHE ERSTAUSGABE




Samstag, 4. Februar 2012

Unter Dieben - Douglas Hulick

Drothes Heimat ist die Unterwelt, die Welt der Gauner, Diebe und Mörder. Lange Jahre fristet er schon sein Dasein als Schmuggler im Auftrag eines grausamen Herrn. Doch das Blatt des Schicksals wendet sich für ihn, als er eines Tages in den Besitz eines geheimnisvollen Buches kommt – ein Buch so grauenvoll und mächtig, dass es Herrscher zu Fall und Reiche zum Einsturz bringen kann. Ein Buch, für das "jeder" in der Unterwelt töten würde ...(Verlagsinfo)


Sind Diebe, Attentäter die Neuen "Anti-Helden" im Genre Fantasy? Ich würde es mir nach so viel Drachen und Vampiren sehr wünschen :-)


Michael Sterzik



DOUGLAS HULICK

Unter Dieben

Roman

Originaltitel: Among Thieves Tale of the Kin Series 1
Originalverlag: Roc
Aus dem Englischen von Norbert Stöbe 
DEUTSCHE ERSTAUSGABE




Sonntag, 29. Januar 2012

Zeit des Zorns (Don Winslow)


Ophelia, genannt O. hat zwei Freunde: Ben ein hochintelligenter und smarter Surfertyp, der idealistische Vorstellungen von karitativen Projekten lebt und unterstützt. Nicht selten reist der junge Mann in Krisengebieten und hilft der dortigen Bevölkerung eine Infrastruktur aufzubauen. Man kann schon sagen, Ben ist ein Entwicklungshelfer.

Chon dagegen ist der Pragmatiker, anders als sein Freund und Geschäftspartner Ben, ist Chon ein Realist, der, wenn es sein muss, mit Gewalt so beispielslos selbstverständlich seine Interessen durchsetzt. Er ist ein Einzelgänger, allerdings würde er für O. und Ben durch die Hölle gehen. Seine Vergangenheit als SEAL, die als die härteste, militärische Eliteeinheit der USA gilt, hat den jungen Mann geprägt. Seine Einsätze in Kriegsgebieten haben Chon psychisch nicht zugesetzt. Ein Job ist für ihn ein Job, ohne Reue oder Fragen diente er als Soldat seinem Land. Allerdings zeigt sich immer wieder, dass er noch Mensch geblieben ist.

O. ist die gute Seele des Trios. Sie wäscht das verdiente Geld und gibt einen guten Teil davon selbst aus. Ben und Chon liebt sie beide, auf recht unterschiedliche Weise, doch für sie sind diese beiden ihre ganze Welt.

Alle drei Personen verbindet ihre Firma. Ben und Chon betreiben ein exklusives Drogengeschäft mit hochwertigem und in der Branche einzigartigem Dope. Es bringt ihnen Millionen an Geld ein und manchmal auch reichlich Ärger. Ihre Kundschaft allerdings ist erstklassig und ihr Ruf wird immer besser. Eigentlich läuft alles prima.

Erfolg bringt Neider und Konkurrenz mit sich. Das mexikanische Drogenkartell Banja wird auf das Trio aufmerksam und möchte ihr Geschäft übernehmen. Das Baja-Kartell ist gewohnt, dass es sich nicht bitten lässt und setzt seine Interessen mit brutaler Gewalt durch. Auch Chon und Ben wird ein unmissverständliches Angebot unterbreitet. Doch beide Männer haben sich noch nie gerne etwas vorschreiben und befehlen lassen. Nach deren Absage an das Kartell, eskaliert die Situation. O. wird vom Kartell entführt und nun beginnt die Zeit des Zorns. Chon und Ben entwickeln einen höchst riskanten Plan und gehen damit einen Weg, von dem es für beide Seiten kein Zurück mehr gibt ...


Kritik

Wer "Zeit des Zorns" von Don Winslow nach z. B. "Satori" gelesen hat, wird hier kaum Parallelen feststellen können, was den Stil des Autors angeht. Selten habe ich zwei Romane gelesen, in denen man feststellt, dass der Autor großartig seinen erzählerischen Stil der Geschichte angepasst hat. Don Winslow beschreibt seine Szenen wie in einem Drehbuch - kurz, prägnant, rasant und brutal effektiv. Die Dialoge der Protagonisten sind auf den Punkt gebracht. Die Gedankenwelt der einzelnen Figuren wird nicht mit den Dialogen kombiniert und steht für sich alleine.

"Zeit des Zorns" ist ein harter Thriller auf einer hohen Welle der Gewalt, auf der die beiden Sunnyboys Chon und Ben reiten. Allerdings bricht sich auch jede Welle an den Klippen oder der Brandung und dann ist Geschick gefragt. Ben und Chon sind ein Dream-Team, zwar nicht immer einer Meinung, aber in dieser Situation ergänzen sie sich ausgezeichnet.
Dem Leser wird schnell klar, dass Angriff zwar die beste Verteidigung ist, aber ebenso ist es klar, dass Ben und Chon den Krieg nicht gewinnen können. Doch die eine oder andere Schlacht schlagen die beiden Männer fulminant. Ihre Waffen sind nicht nur todbringende und großkalibrige Schusswaffen, sondern auch Intrigen, Lügen, Neid und Zwietracht. Ihre Strategie von Verwirrung und Missverständnissen, von angezettelten inneren Kämpfen des Kartells geht auf. Das System wankt, aber fällt nicht. Aber das reicht auch schon, um Ophelia (O.) eventuell retten zu können.

Das Baja-Kartell wird von der Drogenlady Elena Lauter regiert. Quasi in die Rolle der Patin gedrängt, führt die Mutter einer studierenden Tochter, ihre Organisation knallhart und wirtschaftlich erfolgreich. Doch eine Tochter ist auch ein Schwachpunkt denken sich Chon und Ben - Auge um Auge - Zahn um Zahn - denn die Bibel hat doch Recht!?

Don Winslow schreibt in einer recht deutlichen Sprache und die ist verdammt vulgär. Trotz aller hartenr Worte schafft es der Autor allerdings auch, viel Zynismus und Ironie in seiner Geschichte unterzubringen. Und ebenso verhält er sich recht kritisch gegenüber unseren zivilisierten Werten, die doch nur auf das Materielle aus sind. Manche Auflistungen haben große Ähnlichkeiten mit Einkaufslisten und frönen unserer Konsumgesellschaft. Raffiniert und gar nicht deplatziert.

Wenn Winslow seine Charaktere zu Wort kommen lässt, dann überspitzt er gerne mal das aktuelle Zeitgeschehen und reflektiert mit Pointen unsere gesellschaftliche Wahrnehmung.

Der Roman macht Spaß, wenn auch der Autor es manchmal arg übertreibt in der Beschreibung von detaillierten Sex- und Gewaltszenen. Im Grunde bringt das dann die Handlung nicht weiter voran, aber steht stellvertretend für das innere Verhältnis der drei Helden.


Fazit

Zeit des Zorns von Don Winslow ist eine Achterbahnfahrt von Sex, Drugs und Rock'n Roll, durchsetzt mit Gewalt und Brutalität.

Eigentlich ist das Buch prädestiniert für eine Verfilmung, das Gute daran ist, dass quasi das Drehbuch schon vorliegt. Don Winslow greift das Thema um den Terror der Drogenkartelle in Mexiko auf. Dass er hierbei allerdings Ben und Chon nicht verurteilt, die ebenso mit Drogen und Tod Gewinne erzielen, ist manchmal etwas suspekt. Die andere Seite des Baja-Kartells dagegen wird unmenschlich und brutal betrachtet. Alles eine Frage der Perspektive?

"Zeit des Zorns" von Don Winslow ist anders als "Satori", aber weder besser noch schlechter - nur schneller und brutaler.

Anschnallen, lesen, durchatmen und vielleicht einen Drink nehmen, um sich beruhigen zu können.


Autor

Don Winslow arbeitete als Privatdetektiv in New York, schmuggelte Geld in Südafrika, verkaufte Safaritouren in China und lebt heute als Autor und Surfer in Kalifornien.


Taschenbuch: 338 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (24. Oktober 2011)
ISBN-13: 978-3518463000

www.suhrkamp.de
Michael Sterzik 







Dystopia - Patrick Lee


Dystopia

Spring in die Zukunft! RETTE DIE WELT!

Ein unscheinbares Gerät mit ungeheurer Macht:
Es stellt eine Schleuse in die Zukunft her. Forscherin Paige Campbell wagt als Erste den Blick ins Morgen. Und sieht nichts als eine tote Einöde: Ruinenstädte und Knochenberge. Offenbar steht das Ende der Menschheit schon in wenigen Wochen bevor – es sei denn, Paige und ihr Partner Travis finden heraus, welche Kräfte unsere Zivilisation zu zerstören drohen. Die beiden müssen den Sprung wagen,sie müssen in die Zukunft. Auch auf die Gefahr hin, nicht mehr zurückzukehren. (Verlagsinfo)

Michael Sterzik




rororo
Taschenbuch, 416 S.
01.03.2012
9,99 €
978-3-499-25479-6

Freitag, 27. Januar 2012

Tom Clancy: Gegen alle Feinde


Internationale Intrigen, explosive Action – der neue große Tom Clancy
Seit Jahren tobt der Konflikt im Mittleren Osten. Nun sieht es so aus, dass sich der Kriegsschauplatz verlagert hat. Die Taliban bedienen sich für ihre Machenschaften eines mexikanischen Drogenkartells und tragen den Kampf ins Heimatland des Erzfeindes – in die Vereinigten Staaten von Amerika. Tom Clancy, der Meister des internationalen Politthrillers, stellt uns seinen neuen Helden vor: Ex-Navy-SEAL Max Moore. Und der steht allein – gegen alle Feinde.
Ein Bombenanschlag in Pakistan löscht das gesamte CIA-Team von Max Moore aus, der als Einziger überlebt. Der Ex-Navy-SEAL taucht daraufhin bei der Suche nach der Terrorzelle tief in die gefährlichen Stammesstrukturen des Landes ein. Dabei stößt er auf eine Verschwörung, die unerwartet an einem weit entfernten Ort des Globus stattfindet: an der mexikanisch-US-amerikanischen Grenze. Dort tobt ein Drogenkrieg zwischen zwei verfeindeten Kartellen, der schon viele Opfer – sowohl Drogendealer als auch Unschuldige – gefordert hat. Und jetzt will hier ein noch weitaus gefährlicherer Feind mitmischen. Max Moore stellt eine Spezialeinheit zusammen, die in dieser explosiven Situation inoffiziell operiert. Und er deckt den perfiden Plan zu einem Anschlag auf, der Amerika in seinem Innersten erschüttern soll.(Verlagsinfo)


Erscheint im Verlag Heyne am: 26.03.2012

TOM CLANCY

Gegen alle Feinde

Originaltitel: Against All Enemies 
Originalverlag: Putnam
Aus dem Amerikanischen von Michael Bayer 
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 848 Seiten,13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-453-26830-2

Freitag, 20. Januar 2012

Ich habe den Todesengel überlebt - Ein Mengele-Opfer erzählt (Eva Mozes Kor)


"Dreimal in der Woche gingen wir in das Hauptlager von Auschwitz zu Experimenten. Diese dauerten sechs bis acht Stunden. Wir mussten nackt in einem Raum sitzen. Jeder Teil unseres Körpers wurde vermessen, betastet, mit Tabellen verglichen und fotografiert. Auf jede Bewegung wurde geachtet. Ich fühlte mich wie ein Tier in einem Käfig. Dreimal in der Woche gingen wir ins Blutlabor. Dort wurden uns Keime und Chemikalien injiziert, und sie nahmen uns viel Blut ab."
- Eva Mozes Kor: Heilung von Auschwitz und Mengeles Experimenten


Die Konzentrationslager im Dritten Reich, in Nazi-Deutschland, sind ein Schrecken, eine Mahnung an weitere Generationen und ein Beweis für ein Verbrechen, das in der Geschichte beispielslos ist. Mit dem Holocaust verbinden wir die Ermordung von sechs Millionen Juden und unzähligen Menschen, die aufgrund von Krankheiten, Behinderungen oder aufgrund von anderen ideologischen Gedanken grausam getötet wurden.

Doch es gab noch grausamere Schicksale als das Endgültige und die für viele Menschen willkommene Erlösung durch den Tod. Unter der Leitung von deutschen Ärzten wurden an lebenden Menschen medizinische Experimente durchgeführt. Es ging hier nicht primär um die Entwicklung von lebensrettenden Medikamenten, sondern um die Erforschung von Infektionen und Krankheiten sowie um das Erreichen, sauberes Erbgut zu produzieren. In Auschwitz wurden kleinere Lager und Sektionen eingerichtet, um gerade Zigeuner- und jüdische Kinder zu selektieren und gesondert unterzubringen.

Dr. Josef Mengele, ein charismatischer, höflicher und gut aussehender Arzt, übernahm die Leitung in Auschwitz-Birkenau. Ehemalige Häftlinge beschrieben Dr. Mengele immer als gut gekleidet, höflich und zuvorkommend. Trotzdem war er ein Mörder, der für Zehntausende Opfer verantwortlich war, die er durch medizinische Experimente und Versuche umgebracht hat. Er war ein eiskalter Todesengel, der schon beim Eintreffen von neuen jüdischen Familien durch seine persönliche Selektion über Tod oder Leben entschied.

Besonders die medizinische Forschung an ein- und zweieigen Zwillingen war eines seiner größten Interessengebiete. Die Erforschung des identischen Erbgutes war zu der Zeit das interessanteste Thema, um sich vielleicht in medizinischen Gesellschaftskreisen profilieren zu können.


Die jüdische Überlebende Eva Mozes Kor, die zusammen mit ihrer eineiigen Zwillingsschwester Miriam in Auschwitz interniert war, erzählt in ihrem Buch "Ich habe den Todesengel überlebt" von ihrer lebensgefährlichen Zeit, in der das Zwillingspaar missbraucht worden ist.

Sehr eindringlich erzählt die überlebende Autorin ihre, noch anfänglich unbekümmerte Kinderzeit, die sich immer weiter durch Verfolgungen und Bedrohungen verschlimmerte. Sie schildert die Ankunft in dem KZ, die letzte Begegnung mit ihren Eltern und Geschwistern die es nicht überlebt haben. Der Alltag in den Fabrikanlagen des Todes ist menschenverachtend, die Glücklichen sterben als Erste, die anderen, besonders Kinder, sind oftmals nur "Meerschweinchen" für die dortigen Ärzte.

Eva Mozes Kor transportiert ihre Erlebnisse, ohne zu dramatisieren. Erzählt von anderen Kindern, die nicht überlebt haben, von Versuchen an ihr und ihrer Schwester, die so morbide grausam klingen, dass es unmöglich ist, Dr. Mengele noch als Mensch bezeichnen zu können. Doch sie verurteilt oder beurteilt diesen Mann nicht, sie berichtet nur aus ihrer eigenen Wahrnehmung und Perspektive.

Bezeugt werden Experimente mit Injektionen von Fremdstoffen und Krankheitserregen, mit Bluttransfusionen und chirurgischen Eingriffen, die ohne Narkose durchgeführt wurden. Mengele tötete oder beauftrage andere Ärzte, er war der Tod in Person.

Eva und Miriam überleben die Tortur in Auschwitz. Evas Schwester allerdings ist schwer krank und stirbt an den Folgen der Experimente 1993. Die Autorin erzählt von den Jahren später, erzählt von ihrer Übersiedlung ins Gelobte Land Israel. Doch das Grauen und die Ereignisse kann sie nicht vergessen. Mithilfe der Jugendbuchautorin Lisa Rojany Bucceri gelingt es ihr, das erlebte Grauen auf Papier zu bringen. Es ist ihr Nachlass, es ist ihre Mahnung und es auch eine Botschaft vergeben zu können.

Sie ist eine der letzten Zeitzeugen und erzählt gerade auch für jugendliche Leser ihre Lebensgeschichte, ohne  mit künstlichen zu dramatisieren.

Das Buch "Ich habe den Todesengel überlebt - Ein Mengele-Opfer erzählt", ist berührend und authentisch und gerade auch für Schulklassen, die den Holocaust im Geschichtsunterricht behandeln, äußerst empfehlenswert.

Am Ende gibt es neben einigen Bildnachweisen noch eine chronologische Zeitleiste und ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen, die auch in diesem Buch vorkommen.

Ich habe größten Respekt vor der Autorin, die betont, dass das Vergeben wichtig sei, aber man nicht vergessen dürfte, was den Kindern und natürlich auch den anderen Opfern des Nazi-Regimes angetan wurde. Körperliche Wunden heilen, doch seelische Narben schmerzen für immer.


Fazit

"Ich habe den Todesengel überlebt - Ein Mengele Opfer erzählt" von Eva Mozes Kor und Lisa Rojany Bucciere ist eine wahre Geschichte, die man gelesen haben sollte.

Als Erinnerung an ihrer Schwester, als Mahnung und als Botschaft vergeben und vergessen zu dürfen, hinterlässt und die Autorin ein Plädoyer für den Willen zu überleben.

Eines der ganz wichtigen Bücher in diesem Jahr und für alle jugendlichen Leser eines, das man gelesen haben sollte.


Autoren

Eva Mozes Kor (geborene Eva Mozes; * 30. Januar1934 in Portz, Rumänien) ist eine Überlebende des Holocaust und wurde zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Miriam von Josef Mengele für Experimente in der Zwillingsforschung missbraucht. Sie löste kritische Reaktionen bei anderen Holocaust-Überlebenden aus, als sie am 50. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz persönlich allen Nationalsozialisten ihre Taten vergab.
Kor wurde 1944 mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert und erhielt die Gefangenennummer A-7063. Ihre Eltern und die zwei älteren Schwestern starben in den Gaskammern. Sie und ihre Zwillingsschwester aber überlebten die grausamen Experimente und kehrten nach dem Krieg nach Rumänien zurück. 1950 siedelten beide nach Israel über und traten später der israelischen Armee bei. Den Amerikaner Michael Kor, ebenfalls ein Überlebender der Konzentrationslager, heiratete Eva Mozes im Jahr 1960 und zog nach Terre Haute in Indiana, wo sie noch heute lebt.

Kor gründete die Children of Auschwitz-Nazi's Deadly Lab Experiments Survivors (C.A.N.D.L.E.S.) und konnte bisher 122 Überlebende der Zwillingsexperimente ausfindig machen. Sie kämpft bis heute darum, die medizinischen Folgen und Hintergründe der Versuche in Erfahrung zu bringen - nur so können die Opfer hinreichend behandelt werden.

Die Filmemacher Bob Hercules und Cheri Pugh begleiteten Kor über Jahre hinweg mit der Kamera, woraus der Film "Forgiving Dr. Mengele" entstand.

Lisa Rojany Buccieri hat über 100 Kinderbücher verfasst, darunter auch mehrere Bestseller und preisgekrönte Werke. Sie arbeitet zudem als Lektorin und ist seit mehr als 20 Jahren in der Branche tätig. Lisa Rojany Buccieri lebt mit ihrer Familie in Los Angeles.


Taschenbuch: 224 Seiten
ISBN-13: 978-3570401095

www.randomhouse.de/cbjugendbuch
Michael Sterzik





Paganinis Fluch - Lars Kepler


Carl Palmcrona wird im Stockholmer Nobelstadtteil Östermalm in seiner Wohnung tot aufgefunden. Das Zimmer, in dem er an einem Strick hängt, ist unmöbliert - es gibt darin nichts, worauf er hätte steigen können, um Selbstmord zu begehen. Am selben Tag wird auf einer Jacht, die in den Stockholmer Schären treibt, eine tote Frau entdeckt. Ihre Lungen sind mit Meerwasser gefüllt, ihr Körper und ihre Kleider jedoch vollkommen trocken. Sie ist auf einem Boot ertrunken, das noch schwimmt ... Die beiden Todesfälle geben der Polizei Rätsel auf. Bis Kommissar Joona Linna zwischen ihnen eine Verbindung entdeckt. Die Spur führt zu einem Mann, der die Violinen des Teufelsgeigers Paganini sammelt - und Albträume wahr werden lässt.


Kritik

"Paganinis Fluch" von Lars Kepler alias Alexander und Alexandra Ahndoril ist der zweite Kriminalroman des Autorenduos. Schon in "Der Hypnotiseur" spielte der finnisch-stämmige Kriminalkommissar Joona Linna die Rolle, des eigensinnigen, aber hochkompetenten Ermittlers. In Stockholm kommt es dubiosen Morden und der Täter scheint nicht gerade zimperlich gewesen zu sein.

Schon in den ersten Kapiteln wird sich der Leser fragen, was in aller Welt die vermeintlichen Morde mit dem Teufelsgeiger Paganini zu tun haben! In "Paganinis Fluch" geht es um mehr als leidenschaftliche Musik oder einen Pakt mit dem Teufel. Politik kombiniert mit Waffenhandel bilden die Haupthandlung in diesem Roman des schwedischen Autorenpaares.

Umso verwirrender ist demnach der Titel des Buches. Weder viele Geigen noch ein Fluch sind Bestandteil der Handlung. Als Eyecatcher gedacht, verspricht der Titel überhaupt mysteriöse Spannung, doch dieses Mal ist der Plot gar nicht so spannend, wie es der Leser nach "Der Hypnotiseur" erwartet.

Die Handlung birgt zwar Konflikte und Komplikationen, aber entwickelt sich in einem gemächlichen Tempo. Allerdings haben es die Autoren geschickt verstanden, die Charaktere in die Handlung zu integrieren. Naive Erpresser treffen auf Auftragskiller und Politiker gehen mit Rüstungskonzernen Bande eine. Hinzu kommt dann ein dekretierendes Foto, welches das zentrale Thema für Joona Linna wird. Nach und nach lichtet sich der Nebel und der Leser kann die verschiedenen Handlungsstränge miteinander verweben, sodass er den ermittelnden Beamten gut folgen kann und manchmal ist der konzentrierte Leser den Ermittlern sogar eine Nasenlänge voraus.

Diese Perspektive ist zwar interessant, aber leider vermeiden es die Autoren, so manches Detail zu verstecken. Zu transparent werden die Handlungen der Protagonisten, was zur Folge hat, dass der Spannung keine Möglichkeit gegeben wird, sich entwickeln zu können.

Viel Mühe und Aufwand hingegen gaben sich die Autoren mit der Konzeption ihrer Protagonisten. Axel Riessen, der das politische Amt des Rüstungskontrolleurs innehat, ist der Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Sein musikalisches Talent an der Geige konnte er nicht weiter ausbauen, da er indirekt getötet hat. Und diese Geister der Vergangenheit haben ihn mit dem Fluch der chronischen Schlaflosigkeit zurückgelassen. Sein gestörtes Verhältnis zu sich selbst und zu einem noch minderjährigen und psychisch-gestörten Mädchen klingt höchst interessant, aber ist dennoch recht unglaubwürdig. Und genau an dieser Stelle löst sich das Rätsel um den Titel des Romans in Wohlgefallen auf.

Das sehr aktuelle Thema "Waffenhandel" wird leider in den Hintergrund gedrängt. Das Schweden so tief in den internationalen Waffenhandel involviert ist, vermutet der deutsche Leser gar nicht. Diese Brisanz hätte in dem Roman großartig verarbeitet werden können, allerdings verläuft auch diese Thematik im Sande.


Fazit

Die Erwartungshaltung war groß, gerade nach dem genialen Start mit "Der Hypnotiseur" greift man nur allzu gerne nach dem zweiten Titel des schwedischen Autorenpaares.

Trotz sehr guter Ideen und einer fast schon perfekten Figurenzeichnung, verliert sich die Spannung in der oftmals unstrukturierten Handlung. Daran kann auch der interessante Joona Linna nicht viel ändern, der deutlich unterfordert erscheint.

"Paganinis Fluch" ist ein solider Thriller und nicht unbedingt ein Kriminalroman, da hier zu viel verraten wird. Auch wenn ein wenig Enttäuschung vorherrscht, der dritte kommende Band, kann hoffentlich wieder an "Der Hypnotiseur" anknüpfen.


Gebundene Ausgabe: 624 Seiten
Originaltitel: Paganinikontraktet
ISBN-13: 978-3785724286

www.luebbe.de


Lars Kepler bei Buchwurm.info
"Der Hypnotiseur"
"Der Hypnotiseur" (Lesung)
Michael Sterzik