Freitag, 26. Oktober 2012

Die Hure Babylon - Ulf Schiewe


Die Hure Babylon – Ulf Schiewe


Sie sprachen vom himmlischen Frieden – und riefen zum Kreuzzug auf. Sie mahnten zu Mäßigung und Keuschheit – und führten ein Leben in Verworfenheit. Rom war die biblische Hure Babylon …

Südfrankreich im 12. Jahrhundert: Der junge Edelmann Arnaut ist verzweifelt, denn wieder hat seine heimliche Geliebte, die Vizegräfin Ermengarda von Narbonne, ihr Kind verloren – ein Fingerzeig des Himmels? Arnaut will Buße tun und sich dem Kreuzzug ins Heilige Land anschließen. Mit dem fränkischen Heer zieht er gen Osten und muss doch bald erkennen, dass es weniger um Erlösung als um Macht und Eitelkeit der Herrschenden geht, dass im Namen Gottes Verrat und unvorstellbare Greueltaten begangen werden. Gefährliche Abenteuer warten auf ihn, Kampf, Intrigen – und so manche Versuchung …(Verlagsinfo)


Kritik

Nach den beiden Titeln „Der Bastard von Tolosa“ und „Die Comtessa“ von dem Münchner Autor Ulf Schiewe, ist der vorliegende Band „Die Hure Babylon“ nun der dritte historische Roman, den der Schriftsteller veröffentlicht.

In dem Band „Die Hure Babylon“ trifft man auf altbekannte Figuren aus den beiden Vorgängerromanen. Das Adelsgeschlecht der Montalban bildet den engeren Kreis der beteiligten Personen. Auch Jaufré de Montalban, der allerdings dem Winter seines Lebens entgegensieht, ist anfänglich mit von der Partie. Ebenso spielt „Die Comtessa“ eine wesentliche und nicht unbedeutende Rolle, schließlich ist sie die Person die den Enkel von Jaufré, Arnaut de Montalban, den Kopf verdreht.

Arnaut de Montalban, geplagt von Schuldgefühlen tritt in die zu großen Fußstapfen seines Großvaters und verlässt mit dem fränkischen Heer unter Führung von König Louis und seiner Frau Eleonore von Aquitanien das Land und begibt sich auf den Kreuzzug ins Heilige Land.

Ähnlich wie in „Der Bastard von Tolosa“ erzählt Ulf Schiewe, eine dramatische Geschichte von Grausamkeiten im Namen Christis, von persönlichen Machtkämpfen der Kirchenfürsten und der Bereicherung der adligen Elite. Dass dabei die ideologischen Vorstellungen des jungen Ritters eine gnadenlose Niederlage erleben ist brillant erzählt. Als einfach Ritter, getrieben von der Vorstellung Buße zu tun, wird dieser in eine Welt von Betrug, politischen Spielchen und brutaler Unmenschlichkeit gegenüber der Zivilbevölkerung, katapultiert. Seine Welt gerät buchstäblich ins Wanken und sein Glaube an Gott und der Kirche zerbricht, nicht nur zuletzt durch die persönlichen Opfer und den Tod von Freunden und Kameraden.

Die Kreuzzüge, die die Europäischen Kaiser und Könige geführt haben, sind ein dunkles und brutales Kapitel. Im Namen der Kirche unter dem Zeichen des Kreuzes fanden Hunderttausende von Rittern, Soldaten, aber auch Frauen und Kindern, die sich anschlossen, den Tod. Sicherlich waren einige Kirchenfürsten verblendet von dem Gedanken, dass die Operation „Heiliges Grab“ ein voller Erfolg werden könnte. Doch die Mehrheit des Adels und der Kirche wusste sehr genau, dass es hier im Grunde nur um Einfluss, Macht und wirtschaftliche Interessen ging. Diese Themen interpretiert und erzählt der Autor derartig spannend und nachhaltig, dass jede Seite des Buches wertvoll ist.

Neben der Spannung bietet der Roman gleich mehrere hervorragende Geschichtsstunden und beschreibt eindrucksvoll, welche verqueren Vorstellungen die Herrscher der damaligen Epoche doch hatten. Doch Ulf Schiewe erzählt in „Die Hure Babylon“ auch von Freundschaft, Liebe und Aufopferung. Er berichtet von Menschlichkeit und Akzeptanz und baut eine Brücke, um auch zu zeigen, dass es durchaus Persönlichkeiten gegeben haben muss, die Mitleid, Mitgefühl und wirkliche Ehre kannten. Alle Eigenschaften, die in einer Welt voller Blut, Trauer und Leid einzigartige Oasen sein dürften.

Den Mittelpunkt dieses Romans bilden nicht nur die gut eingebauten Actionszenen, sondern die große Stärke der Geschichte, sind die Protagonisten. Aus der Perspektive von Arnaut erleben wir unglaubliche gut erzählte Szenen, nicht nur spannende, das wäre zu einfach, sondern auch tief gehende Dialoge, die abwechslungsreich und informativ eingebettet sind.

„Die Hure Babylon“ ist ein gut gewählter Titel und interpretiert die Gräueltaten und Grausamkeiten der Kreuzzüge. Neben den fiktiven Figuren des Romans gibt es eine ganze Reihe von historischen Persönlichkeiten, auf die sich der Leser freuen kann. Das zeugt von sehr guter und intensiver Recherche, die mich ebenso fasziniert hat wie die Story selbst.

Die Spannung der Geschichte ist allzu gegenwärtig und Ulf Schiewe konzentriert sich dabei auf das Wesentliche, so dass auch kleinere Nebengeschichten nicht übermäßig viel Raum einnehmen und nicht vom eigentlichen Geschehen ablenken. Es gibt zwei Handlungsebenen, einmal aus der Perspektive Arnauts und des Weiteren, aus der Sicht der Vizegräfin Ermengarda von Narbonne.

„Die Hure Babylon“ von Ulf Schiewe ist kein historisch verklärter Liebesroman. Sicherlich spielt die „Liebe“ an sich eine Rolle, denn wie so oft, ist sie eine treibende Kraft, doch die Liebe wird hier nicht nur über zwei sich liebende Charaktere interpretiert. Die Liebe hat viele Gesichter, auch das zeigt uns der Autor.
Ebenso lässt der Autor seine Figuren leiden, lernen und lieben und er scheut sich auch nicht davor, den einen oder anderen sympathischen Charakter, quasi über die Klinge springen zu lassen.

Am Ende des Romans beweist der Autor seine dramaturgische Stärke und überrascht sehr einfallsreich und abschließend durch eine eindrucksvolle Szene.

Das ohnehin schon sehr positive Bild des Romans wird perfekt abgerundet durch die Anmerkungen des Autors, ein Glossar und ein ausführliches Personenverzeichnis der historischen Figuren.

Fazit

„Die Hure Babylon“ ist einer der intensivsten und spannendsten Romane aus der Epoche der Kreuzzüge. Ulf Schiewe beweist damit, dass es nicht darauf ankommt, viele historische Romane zu schreiben, sondern durch Qualität zu überzeugen.
Eine authentische Atmosphäre und Spannung sorgen für Unterhaltung auf höchstem Niveau.

„Die Hure Babylon“ – ein Roman zur Zeit der Kreuzzüge ist Zeugnis und Mahnung, dass Religion ein Mittel der Macht ist und über Ozeane der Zeit hinweg, die ganze Welt bis zum heutigen Zeitpunkt geprägt hat.

Grandiose, spannende Momente inmitten von Liebe, Leid und Kämpfen sind überzeugend dargestellt. Mehr davon Herr Schiewe. Danke!


 Michael Sterzik








Mittwoch, 24. Oktober 2012

Seelensplitter - Michael Koglin

Die Dämonen der Vergangenheit sind erwacht – und bringen den Tod
»Es wird mich töten, Lina«, sagte Carolin. »Uns alle.« Die junge Polizistin Lina Andersen kennt Carolin aus einer Gruppentherapie. Lina hatte schon damals Carolines paranoide Züge bemerkt, deshalb schickt sie die Frau nun weg. Außerdem will Lina nichts mehr mit der Vergangenheit zu tun haben. Das ist vorbei. Eine Woche später steht Lina vor Carolins Leiche. Die junge Frau wurde brutal ermordet. Als eine weitere ehemalige Teilnehmerin der Therapiegruppe umgebracht wird, kann Lina nicht mehr vor der Vergangenheit fliehen. Die alten Dämonen sind erwacht …(Verlagsinfo)

Michael Sterzik


Michael Koglin

Seelensplitter

Thriller


Originalausgabe
Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-47817-0

€ 8,99 [D]
| € 9,30 [A] | CHF 13,50* (* empf. VK-Preis)

Verlag:
Goldmann
Dieser Titel erscheint am: 19. November 2012
Autom. Benachrichtigung per E-Mail

Samstag, 20. Oktober 2012

Abgeschnitten - Sebastian Fitzek und Michael Tsokos



Rechtsmediziner Paul Herzfeld findet im Kopf einer monströs zugerichteten Leiche die Telefonnummer seiner Tochter. Hannah wurde verschleppt und für Herzfeld beginnt eine perverse Schnitzeljagd. Denn der psychopathische Entführer hat eine weitere Leiche auf Helgoland mit Hinweisen präpariert.
Herzfeld hat jedoch keine Chance, an die Informationen zu kommen. Die Hochseeinsel ist durch einen Orkan vom Festland abgeschnitten, die Bevölkerung bereits evakuiert. Unter den wenigen Menschen, die geblieben sind, ist die Comiczeichnerin Linda, die den Toten am Strand gefunden hat. Verzweifelt versucht Herzfeld sie zu überreden, die Obduktion nach seinen telefonischen Anweisungen durchzuführen. Doch Linda hat noch nie ein Skalpell berührt. Geschweige denn einen Menschen seziert (Verlagsinfo).


Kritik


„Abgeschnitten“ von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos ist der neueste Thriller aus der Feder der beiden, jeder auf seinem Fachgebiet – Experten.

Der vorliegende Roman „Abgeschnitten“ unterscheidet sich im Grunde von vielen anderen veröffentlichten Büchern von Sebastian Fitzek. Nicht nur alleine, weil er einen Co-Autor hat, der ihn aus medizinischer, bzw. pathologischer Perspektive unterstützt hat. Nein, der erfahrene Autor greift zwar auf seine altbewährte Struktur zu, doch ist dieser sozialkritischer und wirft dabei eine gerechtfertigte Kritik unseres Rechtssystems auf die Bühne.

Wird „Mord“ als Kapitalverbrechen milder bestraft wie z.B. Betrug, Diebstahl, oder Steuerhinterziehung? Es sind Fragen, mit denen die Autoren den Leser immer wieder konfrontieren. Noch vor dem Prolog werden zwei Urteile gegenübergestellt, die zu Diskussionen führen, zumindest wird der aufmerksame und nicht unsensible Leser zum Nachdenken animiert.

Trotzdem ist dieser Roman ein Thriller, ein Unterhaltungsroman und er wird seine Leser davon abhalten, sich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren, als auf die Story. Diese ist gegliedert in einzelne, aber überschaubare Nebengeschichten, die wie ein Puzzle später, eine Einheit – ein Motiv zeigen.

Das Tempo ist in wahrstem Sinne des Wortes „mörderisch“, die Spannung allgegenwärtig und der Roman liest sich so gut, als würde man gebannt einen Film schauen. Mit psychologischer Raffinesse gelingt es den Autoren eine Story zu konstruieren, denen man sich nicht entziehen kann. Alleine schon aus dem Grund, weil die Hauptperson, der Rechtsmediziner Paul Herzfeld unzähligen Hinweisen folgen muss und wie Hänsel via Brotkrumen seine Gretel – seine Tochter finden muss, die entführt wurde. Nicht minder spannend, sind die Ängste der noch recht jungen Linda, die auf Helgoland ihre traumatischen Erlebnisse mit ihren Ex-Freund, der sie scheinbar noch immer bedroht, verarbeiten möchte.

Aus Film und Fernsehen kennt man schon viel Rechtsmediziner, die in der Pathologie an der Leiche eines Opfers die Todesursache ermitteln. In „Abgeschnitten“ und das ist Michael Tsokos zu verdanken, wird kühl, sachlich und nüchtern, eine Obduktion durchgeführt, die weder dramatisiert noch unrealistisch über die Seiten erzählt wird. Doch auch ohne diese Dramatik ist es interessant und vor allem spannend erzählt. Die quasi durchgeführten Schritte einer Obduktion die Linda per Telefon an der Leiche befolgen muss, sind detailliert geschildert und kombiniert mit der Vorsicht, dem Ekel, aber auch der Faszination Lindas höchst spektakulär.

Die Autoren spielen mit den Ängsten ihrer Protagonisten Schach, jeder Schritt oder auch das nicht beachten eines Hinweises, zieht Reaktionen auf sich. Zug für Zug entwickelt sich die Story, bis der oder die Täter oder das oder die Opfer schachmatt und aus dem Spiel sind.

Die Stärke der Autoren sind vor allem die überwiegenden, realistischen Momente, in denen die Protagonisten katapultiert werden.  Der Leser, wird unterschwellig motiviert sich selbst Gedanken und Vermutungen über den Tathergang zu machen, auch wenn man immer wieder böse zu einer gezwungenen Kehrtwendung aufgefordert wird.

Die Dialoge der Protagonisten konzentrieren sich ebenso auf das Wesentliche. Die Autoren konzentrieren sich auf ihre Spannung und verlassen sich nicht darauf den Leser abzulenken und auch jeder scheinbar unwichtiger Punkt hat dennoch seine Bedeutung.

Fazit

 „Abgeschnitten“ gleicht einer hellen Explosion in dunkler Nacht.

Der Leser lebt und leidet mit, denn nicht nur körperliche Schmerzen, sondern gerade seelische Grausamkeit und Hoffnungslosigkeit denen sich die Charaktere stellen müssen, lassen diese authentisch wirken.

Die Atmosphäre des Buches ist atemberaubend und exzellent. An Kritikpunkten gibt es nicht viel, dass Ende des Romans ist, gut plausibel und ich denke, dass sich die Autoren ein Hintertürchen auflassen, denn die Charaktere, allen voran der Pathologe Paul Herzfeld, sowie sein sympathischer „Assistent“  und ebenso Linda, haben viel Potenzial für neue, faszinierende Geschichten.

„Abgeschnitten“ ist dicker wie Blut und schneller als Wasser“. Unbedingt lesen.

Michael Sterzik





Die Autoren

Sebastian Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren. Gleich sein erster Psychothriller "Die Therapie" eroberte die Taschenbuch-Bestsellerliste, wurde als bestes Debüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert und begeisterte Kritiker wie Leser gleichermaßen. Mit den darauf folgenden Bestsellern "Amokspiel", "Das Kind", "Der Seelenbrecher", "Splitter" und "Der Augensammler" festigte er seinen Ruf als DER deutsche Star des Psychothrillers. Seine Bücher werden in über zwanzig Sprachen übersetzt. Als einer der wenigen deutschen Thrillerautoren erscheint Sebastian Fitzek auch in den USA und England, der Heimat des Spannungsromans.

Michael Tsokos, geboren 1967 in Kiel, ist Professor für Rechtsmedizin an der Berliner Charité. Er leitet das Institut für Rechtsmedizin der Charité und das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin.
Er ist der bekannteste deutsche Rechtsmediziner und regelmäßig als Experte im In- und Ausland tätig, beispielsweise für die UN zur Identifizierung ziviler Opfer in Kriegsgebieten.
Seine spektakulären Fallsammlungen "Dem Tod auf der Spur" und "Der Totenleser" wurden 2009 und 2010 zu Bestsellern und hielten sich monatelang auf der Spiegel-Online-Bestsellerliste.




Die Hank-Thompson-Trilogie - Charlie Huston


Einstecken will gelernt sein! Eigentlich soll sich Hank von einer Nierenoperation erholen, doch plötzlich tauchen von überall her merkwürdige Typen auf, die es auf ihn abgesehen haben und die auch über Leichen gehen. Was folgt, ist eine unglaubliche Odyssee durch den New Yorker Großstadtdschungel bis nach Mexiko und über Kalifornien zurück nach Manhattan, an die sich der Leser noch lange Zeit erinnern wird. Die perfekte Kulttrilogie für Fans von »The Big Lebowski und Pulp Fiction«.

(Verlagsinfo)

»Ich liebe Charlie Hustons Werke aus mehreren Gründen. Zum einen ist er ein brillanter Geschichtenerzähler und schreibt die besten Dialoge seit George V. Higgins, doch was mir am besten an ihm gefällt, sind sein morbider Sinn für Humor und die scheinbare Mühelosigkeit, mit der er finstere und gleichzeitig komische Schurken erfindet, die Beavis und Butthead wie Sonntagsschüler aussehen lassen.« Stephen King

Michael Sterzik


Die Hank-Thompson-Trilogie
Thriller
Originaltitel: The Hank-Thompson-Trilogy
Originalverlag: Ballantine
Aus dem Amerikanischen von Alexander Wagner, Markus Naegele
Taschenbuch, Broschur, 1.024 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-43700-5
€ 13,99 [D] | € 14,40 [A] | CHF 20,50* (* empf. VK-Preis) 

Verlag: Heyne
Dieser Titel erscheint am: 10. Dezember 2012 
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