Sonntag, 30. April 2017

Blutpforte - Alex Thomas

„Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als unsere Schulweisheit sich erträumen lässt“.

Religion und Wissenschaft – schließen sich diese gegenseitig aus – gerade in der Parapsychologie werden solche Themen wie: Geister, Spuk, Astralebenen, Reinkarnation, Leben nach dem Tod, Nahtoderfahrungen, Botschaften aus dem Jenseits und nicht zuletzt selbst „Gott“ und der „Teufel“ infrage gestellt.

Die katholische Kirche hält sich oftmals mit offiziellen Aussagen, zu derartigen Themen konsequent zurück. Die Wissenschaftler distanzieren sich oftmals deutlich, manchmal skeptisch von diesen Themen, obwohl diese in den letzten Jahrzehnten zunehmend eher neutrale Standpunkte vertreten. Neue Erkenntnisse über den Einfluss und die Existenz anderer Dimensionen, über das Raum-Zeit-Gefüge, die Quantenphysik usw. verändern die wissenschaftlichen Standpunkte und Perspektiven enorm. Die ehemaligen Ketzer sind fast schon rehabilitiert und auch die Kirche öffnet ihre fest zugesperrten Schranken einen großen Spaltbreit.

Der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion ist so alt wie die Menschheit, nur prägt und verändert sich dieser immer. Und seien wir mal ehrlich: Hätten die holden Burgfräuleins aus ihren Türmen heraus, Flugzeuge oder Hubschrauber am Himmel gesehen, so wäre sprichwörtlich der „Teufel“ los gewesen. Also alles nur eine Frage des Fortschrittes und des Wissens.

Trotzdem gibt es so manche Geheimnisse, die der kleine Kirchenstaat im Herzen Roms vor uns und nicht zuletzt von der Wissenschaft verbirgt. So klein und überschaubar der Vatikan auch ist – desto viel größer ist sein Einfluss, und noch größer sein Wissen um verborgene Einflüsse zwischen dem Himmel und der Erde. Es gibt manche Geheimnisse, die höchstwahrscheinlich nur der amtierende Papst weiß und ein ausgesuchter Kreis von Kirchenfürsten – Kardinälen.

Im vierten Band des inzwischen in Bremen lebenden Autorenehepaars Alex Thomas, „Blutpforte“ spielen die Charaktere, die junge, medial begabte Catherine Bell und der charismatische Kardinal Marc Giban die Hauptrolle. Ihre Bühne ist diesmal ausschließlich der Vatikan und alle Sphären zwischen dem Diesseits und dem Jenseits, und der Grenzen dieser „Dimensionen“. Für sie beide wird diese Geschichte ein psychischer, wie auch physischer persönlicher Kampf um die Zukunft des Vatikans und der Menschheit. Eine brutale Mordserie in den Kirchen in Europa und den USA beschäftigen den Geheimdienst des Vatikans und warum häufen sich Geistererscheinungen in vielen Orten, deren Präsenz und Botschaften unheilvoll klingen?

„Blutpforte“ ist ein klerikaler Thriller mit inzwischen einigen fantastischen Elementen. Für Leser, die sich mit solchen Grenzwissenschaften nicht beschäftigen und sich in Ihrer Komfortzone der wissenschaftlichen Fakten bewegen möchten, werden manche Passagen durchaus befremdlich wirken. Hingegen für Menschen die wie die Autoren selbst daran glauben, dass Wissenschaft und Religion sich nicht immer widersprechen, ist „Blutpforte“ ein eindrucksvoller Kessel voller Grenzthemen.

Genau diese Themen faszinieren dermaßen, dass es den Autoren motivierend gelingt, einmal über den Tellerrand unserer physischen Welt zu blicken. Fakten und Fiktion vermengen sich zu einer höchst spannenden Story mitsamt vielen kleinen Nebengeschichten und Charakteren, die großartig positioniert wurden.

Was nun dabei der Fantasie der Autoren entspringen mag, oder was über Jahre hinweg Schätze der Recherche sind, bleibt offen.

Die Entwicklung und die daraus resultierenden Beziehungsebenen, zwischen Catherine Bell, Marc Ciban und anderen, werden weiter schlüssig ausgebaut. Zwar geben die Autoren den Lesern immer wieder Ansatzpunkte und inhaltliche Wiederholungen aus den vorigen Teilen wieder, doch um das komplexe Konstrukt der Autoren zu verstehen, ist es sinnvoll die vorigen drei Teile gelesen zu haben.

Wer Rom kennt und vielleicht auch den Vatikan einmal besucht hat, wird es wie ein nach Hause kommen sein. Die Atmosphäre dieser klerikalen Reihe ist einzigartig – keine Verschwörungstheorien werden hier aufgewärmt erzählt, oder Reinkarnationen biblischer Gestalten geben sich ihr Stelldichein -  Nein – die Autoren gehen andere Wege – eigene und das sehr zielgerichtet und mutig.

„Blutpforte“ ist die Tür zu offenen Gedanken, Thesen und Theorien – die Autoren spielen mit Elementen der Wissenschaften und der Religionen und überzeugen durch brillante Spannung.

Es gibt nur wenig auszusetzen. Ich hätte mir gewünscht, dass es mehr Nebengeschichten gegeben hätte. Die Story ist voll von Figuren, die dafür prädestiniert sind – allen voran der geheimnisvolle Lazarus. Eine eigene Romanreihe um diese Gestalt wäre phänomenal.

Blutpforte – ein himmlischer Thriller, der höllisch überzeugt.

Michael Sterzik







Mittwoch, 19. April 2017

Todestrank - A. J. Kazinski

Die beiden dänischen Autoren Klarund und Weinreich haben unter ihrem Pseudonym „A.J. Kazinski“ schon zwei Wissenschafts-/Mystische-Thriller „Die Auserwählten“ und „Der Schlaf und der Tod“ in Deutschland veröffentlicht.

„Todestrank“ ist nun der dritte Roman um den eigenwilligen Kommissar Niels Bentzon. Der Titel bezieht sich auf das Gift des gefleckten Schierlings – wer den Tod des Sokrates kennt, weiß um dieses pflanzliches Gift, das effektiv aber grausam tötet, da der Vergiftete bei vollem Bewusstsein erstickt.

So weit so gut  - im Roman geht es genau um dieses Gift und einen Mord im Hochsicherheitsgefängnis Sikringen. In dieser ausgewählten Haftanstalt, sitzen die berüchtigtsten und gefährlichsten Massenmörder, Psychopathen und Vergewaltiger Dänemarks. Eine Flucht ist kaum möglich und die Inhaftierten werden diese Sicherungsstation kaum lebendig verlassen. Als der Psychiater der Anstalt tot aufgefunden wird, stehen die Behörden vor einem schier unlösbaren Rätsel.

Niels Bentzon lässt sich auf ein gefährliches Spiel ein  und soll als „Patient“ dort verdeckte Ermittlungen durchführen. Zwischen etwas irrem Personal und noch gefährlicheren Patienten wird aus dieser Aktion schnell nur noch ein Kampf ums überleben.

Der Schauplatz des Thrillers ist schon außerordentlich interessant gewählt und die Erwartungshaltung einer spannenden Geschichte sehr hoch. Alleine schon die „Gäste“ dieses Hauses bieten mit ihrer zwischenmenschlichen Konflikt- und Gewaltbereitschaft viel Potenzial.

Wo bleibt denn nun die mystische Komponente des Thrillers? Diese offenbart sich relativ schnell in der Handlung. Es geht um Reinkarnation und Rache. Sehr originell und richtig gut in die eigentliche Handlung eingearbeitet. Man mag nun über das Thema kritisch nachdenken: Wiedergeburt, Seelenwanderung, etc., doch wer sich mit der im Roman geschilderten Thesen und Themen beschäftigt, könnte schnell fasziniert werden. Zumindest könnten Menschen, die solche von der Wissenschaft als offiziellen Quatsch titulierten Themen offen gegenüberstehen, mehr davon erfahren wollen. Im christlichen Glauben ist dieses Thema ja nicht so unbedingt gefestigt, im Glauben des Buddhismus gehört die Wiedergeburt zum Kern des Glaubens. Die Schere zwischen dem Osten und Westen ist hier noch arg weit geöffnet. Religion und Wissenschaft sind in westlichen Ländern eben noch stark wenig miteinander verbunden, trotz der Quantenphysik und der offensichtlichen Gestaltung unserer dimensionalen Begrifflichkeiten Raum und Zeit.

Genau dieses Thema „Reinkarnation“ beherrscht den vorliegenden Roman und der tödliche Schierlingsbecher ist sagen wir mal, ein Werkzeug, eine Fahrkarte in ein „neues“ Leben.

Unser Hauptakteur Niels Bentzon muss hinter den Mauern des Hochsicherheitsgefängnisses manches über sich ergehen lassen um den Täterkreis näherzukommen und zu verstehen, um welches Mordmotiv es sich handeln mag. Eine große Hilfe ist dabei seine eigene Frau Hannah Lund, eine geniale Physikerin, die ein Rätsel aus der Vergangenheit lösen kann.
„Todestrank“ von A.J. Kazinski ist eine unterhaltsame und sehr spannende Mixtur aus Wissenschaft-, Thriller und Mystik. Doch der Roman hat auch seine inhaltlichen Längen, so fein und vor allem plausibel das Thema Reinkarnation an die Leser transportiert wird, so schwach dagegen sind die Erlebnisse und Dialoge im Hochsicherheitsgefängnis. Ich hätte mir hier gewünscht, dass die Mithäftlinge des Kommissars eine größere Rolle hätten spielen können.

Trotzdem ist der vorliegende Roman „Todestrank“ sehr zu empfehlen. Gerade für Leser, die sich gerne mit dem Themenbereich zwischen klassischer Wissenschaft und Religion auseinandersetzen, ist dieser Roman großartig geeignet.

Michael Sterzik






Freitag, 31. März 2017

Rezension: Schwarze Brandung - Sabine Weiss

Der vorliegende Krimi ist das Debütwerk von der bekannten in Hamburg lebender Schriftstellerin Sabine Weiss. Durch die historischen Titel „Die Hansetochter“ und „Die Feinde der Hansetochter“ konnte sie ihre Leser überzeugen. Doch nun erweitert sie ihre Leserschaft, indem sie sich einem für sie neuen Genre widmet.

Die Handlung ihres Romans „Schwarze Brandung“ spielt auf der viertgrößten Nordseeinsel Sylt. Die friesische Insel ist als Touristenort vielleicht die bekannteste, nicht zuletzt durch die vielen Prominenten und der High Society, die Immobilien besitzen, oder regelmäßig in den angesagten Clubs feiern. Sylt ist in jedem Fall eine Reise wert, sei es um sich in den attraktiven Wellnessoasen zu erholen, lange Spaziergänge an den Stränden zu genießen, oder die Angebote von Kunst und Kultur wahrzunehmen.  

Es ist interessant und sehr gut nachzuvollziehen, dass sich die Autorin bezüglich der Handlung auf die doch sehr überschaubare Insel Sylt konzentriert. Der Tatort ist somit eingeschränkt, die Spuren ebenfalls und selbst der Täterkreis kann logisch nicht allzu groß sein. So schön die Insel auch ist – so abgründig grausam wurde der Mord an der jungen Frau ausgeführt. Insgesamt ist also die Kulisse mitsamt seinen Protagonisten recht überschaubar.

Die Ermittler aus dem Kommissariat Flensburg, werden mit den Ermittlungen beauftragt. Einer der Kommissare ist die junge Liv Lammers. Liv ist die Insel sehr bekannt, aufgewachsen als Tochter eines Immobilienhais, verbinden sie nach ihrer Revolte und dem draus resultierenden Bruch mit ihrer Familie einige sehr unschöne Erinnerungen.  Als sie dann noch Kontakt zu ihrem Neffen aufnimmt, der sie kontaktiert, da eine enge Freundin verschwunden ist, wird der Mordfall persönlich. Dadurch setzt sie sich selbst enorm unter Druck und ist emotional befangen. Das bringt für die intensiven Ermittlungen Probleme mit sich.

Sabine Weiss Stil ist absolut authentisch. Die Spannung steigert sich recht langsam und die Autorin hangelt sich erzählend akribisch durch die einzelnen Ermittlungen. Von Kapital zu Kapital entwickelt sich die Spannung sehr positiv und es wird langsam sehr transparent, welche Personen hier ein eventuelles Motiv hätten und wahrscheinlich ziemlich viel Dreck am Stecken haben. Der Mord an der jungen Frau steht im Vordergrund, es gibt aber noch ein paar andere Verbrechen, die sich quasi unaufgefordert anschließen und dies sind keine Kavaliersdelikte.

Die Story ist sehr komplex und gerade diese aktuellen Nebengeschichten hat die Autorin passgenau eingearbeitet. Das sich dabei die romantisierte Vorstellung dieser nordfriesischen Insel ins Dunkle treiben lässt, ist absolut sinnvoll, wenn auch beklemmend und verstörend. Das dabei die Touristikbranche und der Umgang mit billigen Arbeitskräften thematisiert und kritisiert wird, gehört zu den Stärken des vorliegenden Romans. Aber so dürfte es nicht nur auf Sylt zugehen, die anderen ebenfalls hochfrequentierten Inseln dürften die gleichen Herausforderungen und Probleme haben.

Eine der Nebengeschichten ist natürlich die Vergangenheit von Liv Lammers. Die Dämonen der Vergangenheit begleiten sie bei den Ermittlungen auf Schritt und Tritt, dadurch passieren Fehler, aber es öffnen sich auch ein paar Hintertürchen, die Nebenfiguren präsentieren und der Story den letzten und abschließenden Schliff geben.

„Schwarze Brandung“ ist hoffentlich der Auftakt einer neuen Reihe um die selbstbewusste und zugleich manchmal etwas ins Fettnäpfchen tretende Ermittlerin. Ihre Methodik ist manchmal etwas unkonventionell, aber menschlich nachzuvollziehen.

Fazit

„Schwarze Brandung“ von Sabine Weiss ist ein Regionalkrimi, der gerne im kommenden Urlaub im Strandkorb auf Sylt gelesen werden kann. Als Auftakt einer geplanten Reihe sehr gelungen. Die Autorin beschreibt Sylt durch viele Details; Dörfer, Straßen, Ortschaften uns Sehenswürdigkeiten – mehr oder minder bekannt wurden wie in ihren früheren Werken sehr gut eingesetzt. Das fördert die ohnehin schon authentische Atmosphäre und für alle, die die Insel schon kennen wirkt es schnell vertraut.

„Schwarze Brandung“ ist ein regionaler Krimi, der spannend überzeugt und nachhaltig auf eine Fortsetzung hin drängelt. Die Figur der Liv Lammers, die sich emotional auf der Insel Sylt wie eine einsame Insel fühlen mag, ist noch lange nicht zu Ende erzählt. Die Vergangenheit wird sich hoffentlich an die Oberfläche treiben lassen, denn niemand ist wirklich eine Insel.

Michael Sterzik



Montag, 27. März 2017

Rezension: "Schwert und Krone - Meister der Täuschung von Sabine Ebert

Die erfolgreiche Autorin Sabine Ebert lässt in ihrem neuesten Werk „Schwert und Krone“ – Meister der Täuschung ein Spiel um die Throne Deutschlands im 12. Jahrhundert entstehen. Es ist der Auftakt einer ganzen Romanreihe, wie viele Bände es letztlich sein werden, ist noch nicht absehbar.

In ihren letzten beiden Romanen –  1813 Kriegsfeuer und 1815 Blutfrieden hat die in Leipzig lebende Autorin, die Zeit zwischen der Völkerschlacht bei Leipzig und Waterloo als Thema behandelt. Diese napoleonische Epoche hat Sabine Ebert schon faszinierend spannend und sehr unterhaltsam erzählt. Anders als in den herkömmlichen historischen Romanen, in denen starke Frauen, ihrem Schicksal trotzen und über sich und andere hinauswachsen, befasst sich die Autorin mit historischen Quellen wie Tagebücher, Chroniken, Aufzeichnungen, Urkunden usw. Sicherlich spielen auch Frauen in ihren Romanen Hauptrollen, aber die Handlung konzentriert sich auf die historischen Elemente und wird nicht wie so oft  durch klischeereiche Ereignisse getrübt.

Im vorliegenden Roman „Schwert und Krone“ bildet das 12. Jahrhundert die historische Kulisse. Ort der Handlung wieder Deutschland – das Heilige Römische Reich deutscher Nation. Es gab in dieser Epoche vier mächtige Familien – Dynastien, die mit aller brutalen Gewalt, Intrigen, Bestechungen und Erpressungen das Spiel um die Throne kompromisslos beherrschen. Allen voran die Fürstenhäuser der Staufer, Welfen, Askanier und Wettiner. Jedes dieser Fürstenhäuser paktiert mal miteinander, gegeneinander, gehen Bündnisse mit der Kirche ein, brechen diese, verraten einander und nicht wenige Menschen sterben in den daraus resultierenden Kriegen. Ganze Herzogtümer wechseln die Besitzer, ganze Landstriche verwüstet. Hungersnöte bedrohen die ländliche Bevölkerung.

Wer die Fernsehserie „Game of Thrones“ aus Buch und Film kennt, wird unweigerlich beim Lesen des Romans von Sabine Ebert einige Ähnlichkeiten feststellen – nur das diese aus Fakten beruhen und nicht ein Konstrukt der Fantasy sind.

In der deutschen Geschichte weisen sich Lücken auf, die den Autoren eine gewisse schriftstellerische Freiheit geben, diese zu interpretieren. Sabine Ebert ist bekannt dafür, dass sie eine detektivische Recherche für ihre Romane durchführt. Genau diese Lücken werden von ihr argumentativ logisch gefüllt. Ob diese nun der Wahrheit entsprechen, ist natürlich nicht belegbar, doch selbst Historiker streiten sie noch mehrere Hundert Jahre später darüber, was ggf. wie und wo abgelaufen ist. Sabine Ebert schlägt eine großartige Epoche auf, eine Zeit, die Deutschland bis heute geprägt hat und deren Spuren und Wirkung wir noch immer spüren. Die Autorin lässt überwiegend historische Figuren auf ihrer historischen Bühne spielen, nur wenige Protagonisten entspringen der Fantasie.

Es gibt nach Tod des Kaisers Lothars (1137) einen erbitterten Kampf um die Thronfolge zwischen den Geschlechtern der Welfen und Staufer. Andere Fürstentümer schätzen ihren Chancen ein, ihre Töchter und Söhne sinnvoll mit anderen Häusern zu verheiraten, um noch mehr an Einfluss und Macht zu gewinnen. Das Schicksal ihrer eigenen Kinder wird gerne vernachlässigt. Die Rolle der Frau, ob nun adelig, oder nicht war in einer von Männern dominierten Welt nicht unbedingt als gleichwertig anzusehen. Doch gab es auch Frauen, die durchaus ihren Mann standen und geschickt manipulativ ihre Kräfte einsetzten. Sie agierten manchmal im Schatten ihrer Männer, oder Kinder – aber durchaus die Hosen an. Nichtsdestotrotz ist das Schicksal einiger junger Frauen Inhalt der Handlung.

Eine Liebegeschichte darf natürlich nicht fehlen, aber diese ist zum Glück nicht der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Handlung. Interessanter dagegen sind die daraus entstehenden Szenen, in den mächtige Männer der Kirche ihre Intrigen spinnen und so mancher König im Netz hängen bleibt, oder ein einfacher Spielmann als Spion zwischen den Fürstentümern nachrichtendienstliche Aufgaben erledigt.

Sabine Ebert konzentriert sich in diesem Roman nicht auf das Leiden der Bevölkerung, die unter diesem tödlichen Spiel um die Throne bluten, sondern widmet sich der Motivation und den Argumenten der Herrscher. Das mag sich ggf. noch in den nächsten Bänden ändern, insbesondere dann, wenn schon die Rede eines Kreuzzuges gegen die slawische Bevölkerung ist. Der Feind meines Feindes kann sehr schnell zum Freund werden – auch das findet man in dieser Handlung wieder.

Qualitativ ist der Roman „Schwert und Krone“ ein Meisterwerk. Sabine Ebert ist eine Meisterin, wenn es darum geht historische Puzzlestücke in ein großartiges und sehr komplexes Gebilde einzubauen. Die Spannung entwickelt sich nicht – sie ist immer da – zu jedem Zeitpunkt der Handlung verfolgt der Leser die Perspektiven aus der Sicht der verschiedenen Könige, Herzöge und Grafen ohne das die Story langweilt.

Fazit

„Schwert und Krone“ – Meister der Täuschung ist schon jetzt eins der wichtigsten Werke, wenn man sich unterhaltsam der deutschen Geschichte widmen möchte. Sabine Ebert beweist wieder einmal, dass sie eine großartige Erzählerin ist, die Fußspuren deutscher Geschichte nachhaltig spannend und unterhaltsam wiedergibt.

Rebecca Gable für die Königin der englischen Geschichte im Genre „Historischer Roman“. Sabine Ebert ist die Majestät der deutschen Geschichte.

Ich freue mich auf die nächsten Romane dieser Reihe – das Spiel um die Throne geht weiter. Band 2 wird voraussichtlich auch in diesem Jahr erscheinen.

Michael Sterzik