Samstag, 15. September 2012

Gemordet wird immer - Tessa Korber




Inhalt

Als Viktor in den Familienbetrieb einsteigen will, ist Onkel Wolfgang wenig begeistert darüber, dass er seinen Neffen, einen Surflehrer und Weltenbummler, in die ernsten Aufgaben eines Bestatters einarbeiten muss. Als Viktor dann noch eine Patronenkugel im Rücken einer Leiche entdeckt, ist das Chaos perfekt.

Ein Bestatter deckt auf ... (Verlagsinfo)
Nun es gibt ja jede Menge Unterkategorien im Segment Thriller/Krimi, der vorliegende Roman von Tessa Korber reiht sich in das Segment „Bestatter-Krimi“ ein. Im Grunde allerdings, auf den ersten Blick handelt es sich aber um einen traditionellen Krimi. Doch weit gefehlt, denn hier spielt der Humor, die Situationskomik, aber auch die Philosophie eine nicht unwesentliche Rolle.
Eine nicht unrealistische Idee bildet die Basis dieses Krimis: Dass ein Bestatter, eine Wunde entdeckt oder ihm gar auffällt, dass der vorliegende, wenn auch tote Mensch, keines natürlichen Todes gestorben ist, ist nicht unbedingt abwegig. So ergeht es auch unserer Hauptfigur – Jungunternehmer und Nachwuchsbestatter, denn dieser erkennt bei einer Leiche eine Schussverletzung und das Projektil gleich mit.
So entwickelt dieser Nachwuchsbestatter Viktor gleich sein Talent für die Kriminologie und ermittelt Hals über Kopf, warum dieser Mann sterben musste und wer für seinen gewaltsamen Tod zur Verantwortung gezogen werden kann.
Zweifelsfrei lebt dieser Krimi durch die Charaktere. Viktor, der nach dem Tod seiner Schwester alle Brücken hinter sich abgebrochen hat und quer über die Welt Erfahrungen und Talente erwirbt, und sich doch nie wirklich zu Hause fühlt. Dann ist da noch Miriam, die Viktor in ihr Herz geschlossen hat, obwohl dieser doch nicht viel Gefühl und Verantwortung an sich ran lässt. Sein Cousin Tobias, der autistisch ist, und so mit nicht viel außer seine eigene Perspektive wahrnimmt. Hinzu kommt dann noch eine Kommissarin, die einiges überhaupt nicht verarbeiten konnte und sich chronisch in einem Burnout befindet, sowie Viktors Tante und Onkel die das Bestattungsinstitut führen, und sicherlich mehr wissen über die Umstände des Todes seiner Schwester.
Für einen Kriminalroman fehlt es leider an einer gewissen Spannung. Zur sehr wird sich der Leser auf die Dialoge und die feinen Charaktere konzentrieren, die immer wieder sehr schräge Situationen meistern müssen. Und genau in diesen Szenen spielt die Autorin feingeistig mit philosophischen Gedanken und humoristischer Situationskomik ihr As im Ärmel aus. Spannend ist hier nicht die Handlung, sondern spannend ist es hier, wie die Interaktion der Charaktere ist.
Die Autorin Tessa Korber schreibt flüssig und erzählt die Geschichte mit seichtem Tempo, sodass man den Figuren und ihren Erlebnissen gut folgen kann! Interessant ist aber nicht nur die Hauptfigur von Viktor, sondern auch Tobias, der autistisch ist und über gewisse „Talente“ verfügt, hat viel zu erzählen. Und wer die Vita von Tessa Korber gelesen hat, der weiß, dass sie einen autistischen Sohn hat und demzufolge weiß, von was sie eigentlich schreibt.
Leider geht es hier wenig um Ermittlungen und der Kreis der Verdächtigen Personen ist ungemein überschaubar, so dass sich ein Spannungsbogen fast nicht entwickeln kann.

 Fazit
„Gemordet wird immer“ von Tessa Korber ist ein unterhaltsamer und recht guter Roman und der Versuch ein Gleichgewicht zwischen komödiantischen und humoristischen Elementen zu schaffen. Dass dabei die Spannung einfach im Hintergrund gedrängt wird, ist absolut entschuldbar.
Alleine die Charaktere und natürlich der Umstand, dass die Bestatter quasi an der Schwelle von Gevatter Tod stehen, birgt viel Potenzial mit, eine ganze Reihe mit diesen Figuren zu veröffentlichen. Vielleicht stellt sich dann ja die Spannung dann etwas mehr in den Vordergrund!?  
„Gemordet wird immer“ ist als leichte und unterhaltsame Lektüre sehr zu empfehlen. Alleine schon für die Situationskomik muss man sich bei der Autorin bedanken.
Seien wir ehrlich: Für einen Bestatter-Krimi ist dieser voller Leben. Manchmal schräg und schrill, doch immer mit einem verschmitzten Augenzwinkern.
Ich hoffe, dass sich Viktor die Ehre gibt, weiter zu ermitteln. Danke Tessa Korber für diese originelle Idee und dessen Umsetzung.

Michael Sterzik


Gemordet wird immer
Ein Bestatter-Krimi

ORIGINALAUSGABE
Taschenbuch, Broschur, 288 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-74171-7
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 14,90* (* empf. VK-Preis) 

Verlag: btb
Erscheinungstermin: 13. August 2012 
Dieser Titel ist lieferbar.





Donnerstag, 13. September 2012

Vergiftet - Thomas Enger

Vergiftet - der 2. Fall für Henning Juul
»Wenn du herausfindest, wer mich verraten hat, sage ich dir, was an dem Tag passierte, als dein Sohn starb«, lautet die knappe Nachricht des inhaftierten Kleinkriminellen Tore Pulli, der für einen Mord verurteilt wurde, den er nicht begangen hat. Zumindest behauptet er das, und er will, dass Reporter Henning Juul die Wahrheit herausfindet. Die Wahrheit war für Henning nie wichtiger als in diesem Zusammenhang. Doch noch vor dem entscheidenden Treffen wird Tore Pulli im Gefängnis vor laufenden Kameras umgebracht. Für Henning bricht eine Welt zusammen. Wäre Tore wirklich in der Lage gewesen, den schrecklichen Unfall aufzuklären? Oder gibt es noch weitere Zeugen? (Verlagsinfo)

Michael Sterzik







Thomas Enger

Vergiftet

Ein Henning-Juul-Roman

Originaltitel: Fantomsmerte (2 Henning Juul)
Originalverlag: Gyldendal, Oslo 2011
Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob, Maike Dörries


Deutsche Erstausgabe
Paperback, Klappenbroschur, 464 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-7645-0394-9

€ 14,99 [D]
| € 15,50 [A] | CHF 21,90* (* empf. VK-Preis)

Verlag:
Blanvalet
Dieser Titel erscheint am: 22. Oktober 2012

Mittwoch, 12. September 2012

Am Abend des Mordes - Hakan Nesser

HÅKAN NESSER VERABSCHIEDET SEINEN INSPEKTOR GUNNAR BARBAROTTI

Im Oktober 2012 erscheint der fünfte und letzte Band der Serie bei btb
 

Buchinhalt

Wird Barbarotti kaltgestellt? Aufs Abstellgleis befördert? Nach einem persönlichen Schicksalsschlag mit privaten Problemen beschäftigt, erhält er von seinem Vorgesetzten die Anweisung, sich mit dem Fall eines fünf Jahre zuvor spurlos verschwundenen Elektrikers zu beschäftigen, als er wieder seinen Dienst antritt. Nicht nur Kollegin Backman frägt sich, ob es sich hierbei nicht nur um eine Form von Beschäftigungstherapie für einen trauernden und labilen Kollegen handelt. Und zunächst sieht es auch ganz so aus, als sei Barbarotti nun zum Spezialisten für sogenannte „kalte Fälle“ geworden, denen man nur routinemäßig nachgeht. Zum Zeitpunkt seines Verschwindens lebte besagter Elektriker nämlich mit einer Frau zusammen, die bereits einmal einen Mord begangen und dafür elf Jahre im Gefängnis gesessen hatte. Doch ohne Leiche, keine Mörderin. Beweisen konnte man ihr in diesem Fall nichts. Gunnar Barbarotti tut das, was er am besten kann: Er ermittelt. Mosaiksteinchen um Mosaiksteinchen setzt er zusammen, und als er schließlich begreift, was gespielt wird, hat das weitreichende Konsequenzen ...

"Nesser hat mit dem Halbitaliener Gunnar Barbarotti einen würdigen Nachfolger für seine Kultfigur Van Veeteren geschaffen: tiefsinnig, lebensbejahend, humorvoll."
Brigitte
 
 

Kurzvita

14959.jpg
© Lotte Fernvall
Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der interessantesten und aufregendsten Krimiautoren Schwedens. Für seine Kriminalromane um Kommissar Van Veeteren erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in mehrere Sprachen übersetzt und wurden erfolgreich verfilmt. Daneben schreibt er Psychothriller, die in ihrer Intensität und atmosphärischen Dichte an die besten Bücher von Georges Simenon und Patricia Highsmith erinnern. "Kim Novak badete nie im See von Genezareth" oder "Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla" gelten inzwischen als Klassiker in Schweden, werden als Schullektüre eingesetzt, und haben seinen Ruf als großartiger Stilist nachhaltig begründet. Håkan Nesser lebt mit seiner Frau derzeit in London und auf Gotland. (Verlagsinfo)
 
 

Titelübersicht

» Am Abend des Mordes
» Aus Doktor Klimkes Perspektive
» Barins Dreieck
» Böse Bescherung – etwas andere Weihnachtsgeschichten
» BRIGITTE Weihnachtsgeschichten. Drei Stimmen im Schnee
» Das falsche Urteil
» Das grobmaschige Netz
» Das grobmaschige Netz/Sein letzter Fall
» Das vierte Opfer
» Das vierte Opfer/Das falsche Urteil
» Das zweite Leben des Herrn Roos
» Der Kommissar und das Schweigen
» Der Tote vom Strand
» Der unglückliche Mörder
» Die Einsamen
» Die Fliege und die Ewigkeit
» Die Frau mit dem Muttermal
» Die Perspektive des Gärtners
» Die Schatten und der Regen
» Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod
» Die Wahrheit über Kim Novak und den Mord an Berra Albertsson
» Eine ganz andere Geschichte
» In Liebe, Agnes
» Kim Novak badete nie im See Genezareth/ Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla
» Kim Novak badete nie im See von Genezareth
» Mensch ohne Hund
» Münsters Fall
» Unwiderstehlich böse... Männer
» Wunderbare Weihnachtsmorde

Dienstag, 11. September 2012

Die französische Kunst des Krieges - Alexis Jenni

Vom Krieg im Frieden
Als 1991 der erste Golfkrieg ausbricht, ist er für den jungen Erzähler von Alexis Jennis beeindruckendem Roman nicht viel mehr als ein paar harmlose Bilder im Fernsehen – ein Geschehen, weit weg, das sein Dasein nicht berührt. Er lässt sich treiben wie immer, als ginge ihn das alles nichts an. Bis er eines Tages in einem Bistro Victor Salagnon kennenlernt, einen Greis, der als junger Mann in der Résistance gegen die Deutschen kämpfte und später in Indochina und Algerien in Frankreichs schmutzigen Kolonialkriegen diente. Salagnon ist ein begnadeter Tuschezeichner, aber er kennt auch das wahre Gesicht des Krieges: Er hat noch die Kunst des Tötens gelernt und ausgeübt.

Bei diesem Mann, in dessen Wesen sich das Zivilisierte und das Barbarische merkwürdig vereint finden, lernt der Erzähler das Zeichnen. Und währenddessen erzählt ihm Salagnon von seinem Leben im Krieg und für den Krieg, von seinen Träumen und seinen Alpträumen, die ihn bis heute verfolgen. Und je länger der Erzähler dieser Geschichte lauscht, desto mehr begreift er, dass Salagnons Vergangenheit direkt in unsere Gegenwart zielt. Dass wir, die wir glauben in einer Epoche des Friedens aufgewachsen zu sein, den Krieg lediglich tabuisiert und verdrängt haben. Dass wir das Morden und Töten verlagert, es in ferne Länder exportiert haben: nach Südostasien, nach Afrika, in den mittleren Osten. Und dass der Krieg deshalb bis heute untergründig alle westlichen Gesellschaften durchzieht …

Alexis Jennis monumentaler Roman war die literarische Sensation des Jahres 2011; er ist, so die einhellige Meinung, ein Meisterwerk, das den versteckten Krieg, auf dem unser Frieden beruht, wieder sichtbar macht.(Verlagsinfo)

Michael Sterzik

 

Sonntag, 9. September 2012

Die Grenzgängerin - Jacques Berndorf


Die Grenzgängerin – Jacques Berndorf


Inhalt

Eine Frau, eintausend Kilo Sprengstoff, ein Ziel: Deutschland

Der deutsche Topagent Karl Müller geht bei einem Auftrag in Tripolis verloren. Prompt will ihm der BND fristlos kündigen – gegen den Widerstand seines Chefs Krause, der daraufhin selbst den Dienst verlässt. Die Situation im BND ist heillos verfahren, da trifft die Nachricht ein, dass eine Frau in Albanien tausend Kilogramm Sprengstoff gekauft hat und damit auf dem Weg nach Deutschland ist. Wer ist sie? Was will sie? Und vor allem: Wer kann sie aufhalten?

Karl Müller wird nach Tripolis geschickt, um einen libyschen General »abzuschöpfen«, der mit dem deutschen Geheimdienst zusammenarbeitet. Doch plötzlich ist Müller spurlos verschwunden. Seine Kollegin und enge Freundin Svenja Takamoto reist ihm ohne offiziellen Auftrag hinterher. Beiden Agenten steht deswegen vonseiten der BND-Rechtsabteilung die fristlose Kündigung ins Haus. Das will ihr Chef Krause nicht hinnehmen, der bereits im offenen Kampf mit der Finanzabteilung steckt und nur noch von zu Hause arbeitet. Schnell stürzen die Konflikte die ganze Behörde ins Chaos. Dann kommt eine erschreckende Nachricht: Angeblich hat eine Frau in Albanien tausend Kilogramm C4-Sprengstoff gekauft – eine Ladung, mit der man mehrere sechsstöckige Häuser pulverisieren könnte. Und sie soll mit dem Stoff auf dem Weg nach Deutschland sein. Doch niemand weiß Genaueres, Müller und Svenja bleiben verschwunden, und die Gefahr wächst von Tag zu Tag ...(Verlagsinfo)


Kritik

Jacques Berndorf ist einer der wenigen, deutschen Autoren denen es erlaubt war eine Blick hinter die Kulissen des Deutschen Geheimdienstes dem Bundesnachrichtendienstes (BND) zu werfen. Trotz alledem bleibt es dabei es ist und bleibt ein Geheimnis welche Rolle der deutsche Geheimdienst in Krisenregion spielt. Mit Sicherheit keine unerhebliche, doch alle Aktionen bleiben stets im Verborgenen, und es breitet sich ein Deckmantel des Schweigens aus unter den offiziellen Meldungen.

Das „(Erfolgs)Geheimnis ist wohl die Unauffälligkeit der Agenten, die als Touristen, als Geschäftsmänner, Wissenschaftler, Entwicklungshelfer oder weniger versteckt als Diplomaten, ihrer nicht ungefährlichen Arbeit nachgehen. Ziel ist die Aufklärung in Krisengebieten, Unterlagen sammeln, Spionage der Infrastruktur des Landes – geografisch wie auch politisch einen Blick hinter den Vorhang zu werfen. Und hier besteht das eigentliche Risiko der Agenten, es sind Menschen, von denen sie die meisten Informationen sammeln können.

Jacques Berndorf erzählt in seinen Romanen um seine Hauptfigur „Karl Müller“ sehr realistisch und ist darauf bedacht, weniger extrovertiert und auffällig aufzutreten.

Seine Agenten sind ganz normale Menschen nach außen hin, doch sie führen ein Leben im Schatten. Ein Privatleben findet meistens wohlkontrolliert und wenig transparent statt. Ein Familienleben ist schwierig zu einzuordnen unter den vielen Einsätzen, von denen man selbst der Partnerin oder Ehefrau, am besten gleich gar nichts erzählt. Egal welchen Gefahren sie sich aussetzen im Außendienst, erhalten sie wenig bis gar keinen Dank und Anerkennung.

All das erzählt der Autor des vorliegenden Titels: „Die Grenzgängerin“ zwischen den Zeilen. Zu allererst lässt er den TOP Agenten Karl Müller im Tripolis von der Leine. Das Land ist durch den Bürgerkrieg zerrüttet und der ehemalige Staats- und Regierungschef Gaddafi hinterlässt auf seiner Flucht eine Menge Leiche und sowieso ein in Trümmern liegendes Land.

Die Mission des Agenten ist es, eine Quelle anzuzapfen und Information zu erhalten. Doch seine menschliche Quelle ist fürchterlich illoyal und lässt den Bundesagenten in eine Falle laufen. Der Kontakt zu seinen Dienstherren in Deutschland reißt ab und seine Geliebte und Kollegin Svenja Takamoto hält nichts mehr aus und sie reist mithife ihrer eigenen „Quellen“ nach Libyen um Müller zu befreien.

Das gelingt ihr auch, aber unauffällig ist etwas anderes. Zu Hause gibt es nun Probleme mit den Medien und innerbetriebliche Intrigen machen es der Abteilung um Müller nicht leichter. Zudem taucht noch eine extreme Bedrohung auf, denn eine geheimnisvolle Frau hat 1000 Kilogramm hochexplosives C4 gekauft und ist damit auf den Weg nach Deutschland. Ihr Ziel ist es wohl einen Anschlag auszuführen, doch wer oder was ist das Ziel dieser Aktion? Die Zeit rennt den Geheimdienstlern davon...

Jacques Berndorfs neuester Spionage-Thriller überzeugt durch eine abwechslungsreiche Handlung mit interessanten Nebenschauplätzen. Gerade im ersten Teil nimmt die Handlung ein irrsinniges Tempo auf, die Ereignisse überschlagen sich dabei ein wenig und schon befindet sich der Leser inmitten von BND-Intrigen, absolut schmutzigen CIA-Aktionen und der Indiskretion der Medien.

In „Die Grenzgängerin“ versuchen die Agenten möglichst lautlos ihren Job zu erledigen. Zwar ist das nicht immer möglich, doch mit der Rücksichtslosigkeit eines 007 hat das nichts gemeinsam. Wenn Gewalt ausgeübt werden muss, dann schnell, hart und konsequent. Bei Jacques Berndorf bewegt sich dies allerdings sehr realistisch. Die Spannung wird hier nicht nur durch Kugelhagel und Befreiungsaktionen erzeugt, sondern durch messerscharfe Dialoge, die man sehr genau lesen muss, die aber ungemein vergnüglich sein können. Viel Wert legt der Autor und Journalist auf die Konzeption seiner Charaktere, die absolut bodenständig und authentisch erzählt wird.

Müller wird sein eigenes unbeständiges Leben vor Augen geführt, wenn seine Tochter ihn bittend von ihm aufgenommen zu werden, da sie bei ihrer Mutter nicht bleiben möchte. Die Schattenseiten ihres Berufes holen sie auch im Privatleben ein. Jedenfalls dass, was davon übrig geblieben ist. Ein klägliches Stück „Normalität“ das immer weiter schwindet.

Sehr interessant und vielschichtig auch ist die Figur der Svenja Takamoto. Wenn Müller das Hirn des Duos ist, dann ist seine Geliebte und Kollegin in jedem Fall der schlagkräftigere Teil, der manchma,l wenn es sein muss, auch über Leichen geht.
Bei diversen Nebenfiguren hat Jacques Berndorf seinen ganz persönlichen Spielplatz entdeckt. Jede Figur hat seine Eigenarten, oftmals schrullig und merkwürdig „lebendig“ doch immer menschlich und nicht nur sympathisch.

Trotz aller Nebenfiguren und Handlungen konzentriert sich die Handlung zumeist auf die Bedrohung der 1000 Kilogramm C4 mit der man ganze Wohnblöcke einebnen könnte. Der Autor lässt eventuell den Leser einen Blick hinter die Methoden der Recherche blicken lassen. Denn es gibt ja auch Agenten, die von ihrem Arbeitsplatz am Schreibtisch Bedrohungen analysieren und versuchen auszuschalten.

Fazit

„Die Grenzgängerin“ ist ein faszinierender Agenten- und Spionage-Thriller mit einer kristallklaren Leseempfehlung. Abwechslungsreich, Authentisch und die Kombination zwischen Handlung und Figuren absolut ausgewogen.

Seit Jahren habe ich keinen Berndorf mehr gelesen, aber nun kann ich es kaum erwarten, dass der deutsche TOP-Agent des BND und seine Kollegen die Welt retten, oder zumindest die kleine BRD.

Ich glaube das sich so mancher Agent des BND beim Lesen des Titels, schmunzelt oder zumindest seiner Frau oder Partner(in) zum Lesen empfiehlt.

Perfekter und gar nicht geheime, hochkarätiger Agententhriller und gar nicht Top Secret.


Michael Sterzik


Die Grenzgängerin
Roman


Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 400 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-453-26672-8
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,50* (* empf. VK-Preis) 

Verlag: Heyne
Erscheinungstermin: 13. August 2012