Samstag, 21. Juli 2018

Die Macht des Präsidenten - Tom Clancy - von Mark Greaney

Im Kalten Krieg gab es das immer mal wieder gefährdete und instabile „Gleichgewicht“ der Supermächte USA und UDSSR . Es gab Stellvertreterkriege, und die Lieferung damaliger hochmoderner Waffen an verschiedene Staaten, war ein lukratives Geschäft. Die Händler des Todes wurden reich – und nicht wenige profitierten wirtschaftlich und sowie politisch von den Kriegen auf ganz anderen Kontinenten. 

Gehen wir ein paar Schritte in der Zeitrechnung weiter. Die Weltpolitik und der Frieden stehen aktuell auf Messers Schneide. Politische Auseinandersetzungen könnten durchaus zu Kriegen führen. Gibt es ein Gleichgewicht zwischen den Supermächten der Vereinigten Staaten und Russland? Wie würde sich die Nato verhalten, sollte Russland sein Einflussgebiet mit militärischer Gewalt versuchen zu vergrößern? Über den Osten – über Litauen vielleicht, oder über den Balkan würde sich der russische Militärapparat aggressiv bewegen? 

Die Romane des verstorbenen Autors Tom Clancy waren fast schon prophetisch. Der Autor hat politische und militärische Szenarien beschrieben, die manchmal von der Realität eingeholt worden sind. Nach seinem Tod – geht die Reihe um die berühmteste Figur von Clancy – Jack Ryan weiter. Das schriftstellerische Erbe liegt nur bei dem amerikanischen Autor Mark Greaney, ebenfalls ein militärischer und politischer Experte. 

„Die Macht des Präsidenten“ von Mark Greaney ist der zwanzigste Roman aus dem Jack Ryan Universum. Wie schon bei Tom Clancy lässt der Autor auch in dem vorliegenden Band, die aktuelle Weltpolitik auf einer ganz realistischen Bühne spielen. 

Es ist leider aber auch nicht verwunderlich, dass der Autor sich eines klassischen Klischees bedient. Die guten Vereinigten Staaten von Amerika gegen den bösen, östlichen Widersacher Russland. Okay, die Grenzen sind damit klar gesteckt.

Die Handlung ist relativ fix erklärt. Der amtierende, russische Präsident ist im Zugzwang –  das Vermögen seine Gönner und Förderer ist durch westliche Sanktionen quasi eingefroren. Das regimetreue Volk ist unruhig, also müssen Erfolge her – wirtschaftliche und militärische am besten und die russische Welt erstrahlt im neuen selbstbewussten Licht. Ganz so einfach ist das nicht. Es gibt da noch die Schattenwelt der Geheimdienste, dann noch dubiose finanzpolitische Situationen, bevor alles in einen kriegerischen Schlagabtausch endet. 

„Die Macht des Präsidenten“ ist ein Actionthriller, mit satter Unterstützung von intriganten, politischen Machtspielchen. Ein direktes Duell der Präsidenten auch auf dem medialen Schlachtfeld. Im Krieg ist eben alles erlaubt – und hier werden alle Karten ausgespielt, ein Poker anmutendes Schachspiel. 

Die Story splittet sich in mehrere Ebenen auf, dass erhöht die Spannung ungemein. Der Leser wird sowieso das Gefühl haben, dass er auf einem Pulverfass platzgenommen hat – die Atmosphäre ist drastisch spannend. Die bekannten Charaktere sind sowieso mit an Bord – hier gibt es keine Überraschungen. Die Person des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika: Jach Ryan – ist diesmal in Höchstform. Ich hoffe, dass dieser Charakter in den kommenden Romanen viel mehr an Gewichtung erreicht. Diese ständigen geheimdienstlichen Abenteuer seines Sohnes sind oft ermüdend und sind  immer nach dem gleichen Schema gestrickt. Hier muss und sollte bald mal etwas Abwechslung stattfinden. 
Okay – die Handlung ist allzu realistisch, dass wissen wir ja bereits, doch auch die Protagonisten des Romans haben aktuell noch lebende Vorbilder. Der Russische Präsident hat eine sehr, sehr ähnliche Vita, wie sein tatsächlicher Akteur – Wladimir Putin. Frech, frech Herr Greaney – aber verdammt gut gelungen. Überhaupt spiegelt die Handlung, dass jetzige Russland auf politischer Ebene gut wieder. 

Das ist mit Sicherheit auch so gewollt – ein überzeichnetes Spiegelbild, leicht verzerrt, aber deutlich erkennbar. 

„Fazit“

„Die Macht des Präsidenten – Tom Clancy“ von Mark Greaney ist nicht der beste seiner Reihe, aber überzeugt voll und ganz. Es ist an der Zeit – die Action ein wenig einzudämmen und diese erzählerischen Elemente in einer politisch geprägten Handlung auszubauen. 

Jack Ryan zeigt sich in diesem Roman – als konsequenter, laut und direkt agierender Präsident. Hochintelligent – etwas impulsiv und einige Amerikaner werden sich beim lesen diesem Titels ein Wechsel der realen Präsidentschaft wünschen. J

„Die Macht des Präsidenten“ ist einer der spannungsreichsten Thriller in diesem Jahr. Ein Thriller den man gelesen haben muss. 

Michael Sterzik 




Freitag, 13. Juli 2018

Die 7 Kreise der Hölle - Uwe Wilhelm


Menschenhandel – Prostitution – Versklavung – Folter – immer noch aktuelle, grausame Themen in manchen Regionen unserer Welt, die eigentlich zivilisierter sein sollte. Jedenfalls behauptet man das immer mal wieder. Es sind die kriminellen Parallelwelten, die immer Mal wieder die gesellschaftliche Oberfläche erreichen. Es gibt sie und mitunter verbergen sich Charaktere aus der Politik, der Wirtschaft und der Religion. Getrieben von urbanen, brutalen Ideen, ein Bedürfnis seine Ängste, die Wut zu kanalisieren, sind solchen Menschen alle Mittel Recht.

Uwe Wilhelm greift diese Thematik in seinem neuesten Buch: „Die 7 Kreise der Hölle“ auf. Nach dem ersten Teil: „Die 7 Farben des Blutes“ geht es nun mit der Protagonistin – die Figur der Staatsanwältin Helene Faber weiter.

Der Autor lässt Helene Faber und ihren Ex-Mann Robert in abgrundtiefe, grausame Höllen hinabsteigen. Ja es wird persönlich und Frau Faber sieht Rot – und lässt die Göttin des Rechts - Justitia hilflos stehen. Selbstjustiz – und das getrennte Ehepaar jagen gemeinsam, die Entführer ihrer Töchter. Ankläger – Richter – Henker – das Ehepaar ist rücksichtslos und verfolgt die Rettung ihrer Kinder konsequent und mit allen Mitteln. Das sie dabei ebenfalls zu Mördern werden, dass sie sich der Folter bedienen, lässt sie dabei nicht unbedingt sympathisch erscheinen.

Auch psychologisch gesehen, verlangt „Die 7 Kreise der Hölle“ den Leser einiges. Thematisch sowieso am Rande des Erträglichen, gibt es radikale Gewaltexzesse und die erzählerische Perspektive des Martyriums der entführten Töchter, ist psychologisch gesehen, nachhaltig effektiv. Die Grundidee einer verschworenen Gemeinschaft, mit Personen des öffentlichen Lebens aus vielen sozialen und beruflichen Schichten unseres Sozialsystems, ist nichts Neues. „Der Club der Humanisten“ wie dieser hier genannt ist, bleibt in einer Schattenwelt verborgen. Schade, denn über eine Organisation und über die Motive der Mitglieder wäre dies ein spannendes Thema gewesen. Hauptsächlich handelt es sich bei der Story um eine actionreiche Schnitzeljagd, eine Blut- und Leichenspur. „Die durch die Hölle“ gehen wird zu einem Mantra für Helena und Robert Faber. Aber nicht nur Leichen pflastern ihren Weg – auf der Strecke bleiben auch die Vernunft, die Moral, die Ethik und das Vertrauen und realistischer wird die Story dadurch auch nicht. Eine respektable Realität, eine authentisch-glaubhafte Story beinhaltet „Die 7 Kreis der Hölle“ nicht. Plakative Gewalt in Kombination mit psychologischem Terror und Simsalabim fertig ist der Bestseller?

Die Spannung verliert sich in einem Irrgarten der Gewalt – schade. Vielleicht etwas mehr Handlung, weniger ungeschickte aggressive Verhandlungen mit Schusswaffen wären hier vonnöten gewesen. Es gab auch wenige Charaktere, die tiefsinnig konzipiert wurden – einzig und alleine die Figur von Rashid Gibran, leider nur ein blasser Nebencharakter hatte die Möglichkeit hier wirklich zu faszinieren. Doch dieser blieb jenseits aller Chancen.
„Die 7 Kreise der Hölle“ endet allerdings höllisch logisch. Allerdings sind die Kreise noch nicht gänzlich geschlossen. Dieser Part ist erstaunlicherweise überraschend gut gelungen – und „Good“ und „Evil“ zeigen sich mit vielen Schattenseiten. Atmosphärisch absolut stark beschrieben und das der Autor Uwe Wilhelm eine nicht erwartete Ausfahrt nimmt, kommt einen geplanten dritten Teil sehr gelegen.

Fazit

„Die 7 Kreise der Hölle“ von Uwe Wilhelm ist der Eingang zu  einer höllischen Odyssee. Zwar nicht 10 Jahre – aber mindestens 10 Stunden spannender Unterhaltung, die durchaus noch hätte besser sein können. Wir hoffen mal auf mehr Handlung, etwas weniger Blut und einen wirklich intelligenten Widersacher.

Michael Sterzik

Mittwoch, 27. Juni 2018

Legenden des Krieges - Der grosse Sturm - David Gilman

Der britische Autor David Gilman veröffentlichte nun im Verlag Rowohlt den neuesten Titel um seinen Helden Thomas Blackstone. Es ist der vierte Teil einer noch nicht abgeschlossen Reihe. 

Der 100jährige Krieg zwischen den Erzfeinden der beiden Königreiche England und Frankreich geht in die nächste unerbittliche Runde. David Gilman spricht eine allzu deutliche Sprache und er rechnet ab – mit vielen Vorurteilen und Klischees, die wir aus Film und Fernsehen kennen. Die Ritter – meist stolze, edle Recken getrieben von moralischen Werten, gesteuert von Ehre, manchmal sogar mit Verstand – in seiner Reihe interpretiert er die Ritterlichkeit authentisch. Die edlen Recken sind bei dem Autor nichts anderes als egozentrische, brutale und rücksichtslose Kämpfer. Getrieben von der Gier nach Beute und der Aussicht mit dem Ruhme und der Ehre ganz nebenbei sich bei ihrem König zu profilieren. Vielleicht gibt es ja noch einen netten Adelstitel und ein Stück Land, dass man auspressen kann. 

Ich will nicht sagen, dass alle Ritter so wunderbare, sozial eingestellte Kämpfer waren. Sicherlich gab es auch Männer, die den Ehrenkodex etwas mehr lebten und diesen nicht in Richtlinien interpretierten. David Gilman gibt dem Krieg eine brutale Fratze. Auch Gewinner einer Schlacht können rücksichtslos sein und den Schrecken und das Elend der Zivilbevölkerung eher verschlimmern. Nach unseren Maßstäben können wir Entscheidungen und Motive nur sehr schwerlich nachvollziehen. 

David Gilman verwendet manchmal auch eine herbe Sprache, aber die ist der Situation und ihren Protagonisten angemessen. Überhaupt und sowieso legt der Autor viel Wert auf die Entwicklung seiner Charaktere. Thomas Blackstone – ist nach dem gewaltsamen Tod seiner Tochter und seiner Frau kalt und unberechenbar geworden. Sein Charakter wurde mit Blut, Tränen und einer verdammten Wut in den Schlachten geschmiedet. Relativ rhetorisch unbewaffnet hat er auch wenig Talent für die Diplomatie und  so stößt er jedem vor dem Kopf, auch gerne gekrönten Häuptern. 

In „Der große Sturm“ wird ebenfalls auch gerne wiederholt auf das Leben und Sterben der Zivilbevölkerung eingegangen. Auch diese waren nicht immer Unschuldslämmer und nahmen sich gerne, was sie kriegen konnten, selbst wenn es das denunzieren von Heilkundigen war. Der Glaube an schwarze Magie und teuflische Hexerei ist einer der Nebenhandlungen in dem vorliegenden Roman. 

Es gibt wenige Autoren – die den Verlauf einer Schlacht so authentisch, und sprichwörtlich gewaltig wiedergeben können. Sein Kollege Bernard Cornwell ist einer dieser Autoren – David Gilman allerdings toppt das manchmal. Trotz all dieser blutigen und brutalen Szenarien, driftet der Autor nicht in überzeichnete Schilderungen ab. Immer wieder blitzt die Menschlichkeit und der Verstand auf, immer wieder klopft das Gewissen an. Diese Abwechslungen geben der Handlung den besonderen Flair, die besondere Stimmung, der man sich nicht entziehen kann. 

Historisch betrachtet macht David Gilman alles richtig. So wie es auch sein muss – verwendet der Autor historische Ereignisse und baut diese passgenau und unterstützt mit fiktiven Personen ein.

Man kann sicherlich noch weitere vier Bände und mehr schreiben und Thomas Blackstone den 100jährigen Krieg ausleben lassen. Doch hoffentlich wird dies nicht geschehen. Thomas Blackstone ist „erwachsen“ geworden, seine Seele dürfte in mehr wie ein Teil gesplittert sein. So hoffe ich doch, dass diese Reihe zeitnahe ein Ende finden wird. Gerne mit einem grandiosen Schrecken – aber immer noch besser, als wenn der Protagonist sich selbst und die Spannung überholt. 

Im September 2018 geht es mit dem Titel: „Das zerrissene Land“ weiter. Wir dürfen also weiterhin gerne beobachten wie Thomas Blackstone und seine posttraumatischen Wunden nicht behandelt werden und sein Wolfsschwert Tod und Verderben bringt. 

Fazit

„Legenden des Krieges – Der große Sturm“ von David Gilman ist ein brutal, gutes Buch. Rücksichtslos spannend und emotional wie ein Richtschwert. Trotz allem ein Pageturner. 

Michael Sterzik






Dienstag, 26. Juni 2018

Mit aller Gewalt - Tom Clancy - von Mark Greaney

Im Oktober 2013 verstarb der Bestsellerautor Tom Clancy. Berühmt geworden ist er mit seiner berühmten Politthriller Reihe um den CIA Analysten Jack Ryan, der auch als Außenagent und später als Präsident der USA agierte. 

Tom Clancy war ein Experte für Militärtechnik, er verfasst auch etliche Sachbücher über dieses Thema und verwendete natürlich einiges Wissen in seinen belletristischen Titeln. Die Basis seiner Romane waren aktuelle, politische Themen, die Sonnen- und Schattenseiten der Geheimdienste, sowie auch die neueste Militärtechnik. 

Wer seine Romane über die letzten 20 Jahre verfolgt hat, musste leider feststellen, dass die Storys des Autors nahezu prophetisch waren. Verdammt realistisch und meisterhaft gut recherchiert – wurden einige seiner auf Papier gebrachten Szenarien grausame Wirklichkeit. Nach 9/11 wurde Clancy als externe Berater der Regierung berufen.

Inzwischen ist das Universum seiner Protagonisten mächtig gewachsen. Jack Ryans Sohn ist ebenfalls Analyst geworden, zieht es allerdings vor mit der Waffe in der Hand die westliche Welt zu retten. Das Besondere an den Romanen Clancys und seinen Co.-Autoren ist die Aktualität. Der Kalte Krieg wurde genau wie der Krieg gegen den organisierten Drogenhandel in Südamerika thematisiert. Aber auch Terroranschläge durch islamische Gruppen und die Bedrohung durch ein erstarktes Russland wurden als Storyline aufgegriffen. 

Auch nach seinem Tod wird es weitere Romane um Jack Ryan und Sohn geben. Der amerikanische Autor Mark Greaney, der internationale Beziehungen und Politikwissenschaften studiert hat, ist einer seiner Erben.  Im Heyne Verlag wurde nun der Titel: „Mit aller Gewalt“ veröffentlicht. 

Thema des vorliegenden Bandes ist die Bedrohung durch eine neue Atommacht – Nordkorea. Und schon haben wir wieder ein aktuelles Thema in der Hand. Dieser internationaler Konflikt bedroht nicht nur die Nachbarstaaten, sondern in erster Linie natürlich auch direkt die USA. Mark Greaney schreibt brillant, und vor allem sehr, sehr realistisch die politische und geheimdienstliche Perspektive.  Plakativ und konzentriert wird die Story aus der individuellen Sicht von vielen verschiedenen Protagonisten erzählt. Vom einfachen Feldagenten, über Nordkoreanischen Politiker, von privaten Sicherheitsagenten, die mit Krisen das große Geld wittern, bis zum Präsidenten selbst, erhält hier jeder das Wort. Das alleine ist mit der Grundstein für eine allgegenwärtige Spannung. Weitere wichtige Steine ist die angespannte Innenpolitische Situation und die Einschüchterung des einfachen Nordkoreanischen Volkes, sowie die Schattenwelten der Geheimdienste – insbesondere wenn private Sicherheitsfirmen sind in internationale Konflikte aktiv einmischen. 

Es gibt genug sehr actionreiche Momentaufnahmen, die mit Diplomatie allzu wenig zu tun haben und die aggressiv und sehr endlich ausfallen. Mark Greaney erzählerischer Stil ist atmosphärisch hochklassig. Es gibt überhaupt keine Kapitel, die in das Konstrukt nicht passgenau eingefügt wurden. Das der Autor die Story aus vielen Erzählungsebenen wiedergibt halten und fördern die Spannung  sehr  aufbauend. Großartige ebenfalls, dass der Autor die Figuren Clancys weiterentwickelt. Die charakterliche Ausprägung mit all seinen menschlichen Facetten finden genauso viel Beachtung, wie die Analyse und Interpretation von internationalen Beziehungen. 

Man muss die anderen Bücher des Jack Ryans Universum nicht unbedingt gelesen haben, aber es ist in jedem Fall sehr förderlich, da Mark Greaney immer mal wieder Bezug nimmt auf Ereignisse und Entwicklungen, die in früheren Romanen eine wesentliche Rolle gespielt haben. Auf den letzten Seiten hat der Verlag sich lobenswert mit der vollständigen Chronologie der Titel befasst und präsentiert diese in Reihenfolge. 

Kritik – es gibt kaum welche. Persönlich würde ich es gut finden und empfehlen, dass der Part um Präsident Ryan deutlich ausgebaut wird. 

Fazit

„Mit aller Gewalt“ ist ein aggressiver Roman. Nicht leise – sondern unschlagbar laut und einer effektvollen Stil. Spannung allgegenwärtig. Es gibt wenig Autoren, die einen politisch geprägten Roman so spannend inszenieren können. Das Erbe Tom Clancys ist in guten Händen.

Michael Sterzik

Sonntag, 17. Juni 2018

Eifersucht - Andreas Föhr

Vor zwei Jahren – 2016 erschien im Verlag Knaur der Titel: „Eisenberg“ von Andreas Föhr. Es war die Geburtsstunde der taffen Rechtsanwältin Rachel Eisenberg. Ähnlich wie dessen Protagonistin, hat der Autor ebenfalls eine juristische Laufbahn eingeschlagen und in München promoviert. 

Natürlich geht es hier nicht um eine versteckte, autobiografische Aufarbeitung des Autors. „Rachel Eisenberg“ ist eine fiktive Person – aber sehr realistisch dargestellt. 

„Eifersucht“ ist der zweite Teil einer Thriller-Reihe und überzeugt durch seinen Realismus und seine interessanten Figuren. Die Handlung des Romans ist schon eine ziemlich abgefahrene Räuberpistole, doch je länger man nachdenkt, nicht unbedingt speziell unglaubwürdig. Abwechslungsreich und manchmal überraschende Wendungen geben der Handlung eine solide Geschwindigkeit, in der die Spannung leicht folgen kann. 

Als gelernter Jurist gibt Andreas Föhr kurze, aber prägnante Momentaufnahmen aus dem Leben einer Rechtsanwältin. Der Autor konzentriert sich allerdings auch auf den Ausbau seiner Charaktere. Alleine die Angeklagte: Judith Kellermann ist eine Sympathische, wenn auch völlig konfuse Figur. Naiv, freundlich usw. menschelt sie sich durch die Handlung. Als Mensch echt nett – als Angeklagte ein kompliziertes Grusellabyrinth. Rachel Eisenberg muss also alle Register ziehen und sich durch einen Privatdetektiv helfen lassen in einen Dschungel aus Lügen und noch mehr Halbwahrheiten.  

„Eifersucht“ nimmt sich wenig Zeit, um auf seinen Vorgänger „Eisenberg“ einzugehen, dass muss er auch nicht. Einige Personen aus dem ersten Teil tauchen auch wieder auf und geben den Nebengeschichten interessante Spannungsmomente. Selbst der Täter aus dem ersten Band; ein alter Freund von Rachel Eisenberg, der nun im Gefängnis sitzt, spielt im Privatleben der selbstbewussten Anwältin, eine nicht unerhebliche Rolle.  

Der Autor hat an alles gedacht, und entstanden ist ein spannender Justizroman. Sehr lobenswert sind nicht nur die Actionszenen, sondern vielmehr die Rededuelle mit der Staatsanwaltschaft und dem Richter. Es wird argumentiert, verschwiegen, geschwindelt, geblufft – der nordische Gott Loki hätte seine helle Freude gehabt. Der Humor kommt auch nicht zu kurz, alleine schon die Handlungen und die Erlebnisse der Angeklagten werden den Leser, neben einem unglaubwürdigen Kopfschütteln, schmunzeln lassen. 

Ich hoffe sehr, dass der inhaftierte Mörder und Freund von Rachel Eisenberg, auch im nächsten Band einen Auftritt, oder mehr hat. Sehr charismatisch, intelligent und mit verdammt viel Potenzial Rachel Eisenberg das Leben sehr, sehr schwer zu machen. Warten wir also ab. 

Fazit

Intelligente und spannende Unterhaltung. Toller und informativer Ausflug in das deutsche Rechtssystem. Sympathische Figuren – Andreas Föhr könnte ein deutscher John Grisham werden. Bitte weitere Romane mit „Eisenberg“. 

Michael Sterzik 


Mittwoch, 13. Juni 2018

Forgotten Girl - von Eva-Maria Silber

Die Autorin Eva-Maria Silber veröffentlichte im Digital Publishers Verlag im März  2018 ihren titel: „Forgotten Girl“ - einen zutiefst schockierenden Thriller. 

Die ehemalige Rechtsanwältin und Strafverteidigern, die in 2014 ihr erstes Buch veröffentlicht hat, orientiert sich mit ihrem aktuellen Roman „Forgotten Girl an einem nicht aufgeklärten Mordfall aus Finnland. An dem See „Bodominjärvi“ wurden am 5. Juni 1960 vier Teenager die dort zelteten in der Nacht angegriffen. Ihr Zelt zerfetzt – drei Teenager wurden erstochen und erschlagen. Ein Junge überlebt den Angriff verletzt, konnte sich aber später an den Tathergang und die Ereignisse überhaupt nicht mehr erinnern. Medial wurde diese Tat durch Bücher, Filme und nicht zuletzt der Musik verwendet. Legenden und Schauermärchen entstanden aus dem sogenannten Bodem-Mord. 

Die Autorin Eva Maria Silber konzentriert sich in ihrem True-Crime Thriller auf das wesentliche. Es gibt keine Nebenhandlungen, keine Nebencharaktere, somit ist die Handlung übersichtlich und auf den Punkt gebracht. Allerdings schildert die Autorin den Fund der Leichen und den Ablauf der Tat sehr brutal und schockierend. Es könnte auch die nüchterne Beschreibung eines Polizeiberichts sein, die Autorin hält sich mit konkreten Beschreibungen nicht zurück.  Das ist auch gut so – den Schrecken, auch die emotionale, psychische Gewalt, die posttraumatisch immer wieder an die Oberfläche kommt – ist authentisch erzählt. Dadurch wird „Forgotten Girl“ zu einem konzentriert-spannenden Psychothriller. 

Das Verbrechen holt eine der überlebenden Protagonisten immer wieder ein. Ihre Persönlichkeit verändert sich, physisch und psychisch geht sie durch ihre eigene Hölle. Sozial grenzt sie sich aus und findet in ihrem Beruf einen Anker, der sie überleben lässt – immer an der Grenze des überhaupt erträglichen. 

Eva-Maria Silber offenbart und analysiert das „Leben“ und „Sterben“ ihrer Protagonisten. Ebenfalls genau wie in Handlung selbst – dreht es sich um die Überlebende, die sich Jahrzehnte später mit dieser traumatischen Nacht auseinandersetzen muss. Kriminiltechnik und Ermittlungsmethoden haben sich verändert – das Zauberwort „DNA-Analyse“ lässt es nun zu, dass alte Coldcase-Fälle wissenschaftlich neu betrachtet und interpretiert werden können. Für die Opfer bedeutet es nun mehrere Schritte, in die Vergangenheit zu gehen. Die Täter könnten allerdings beunruhigt sein. 

Die Gefühlsdimensionen der Teenager finden eine ausführliche und realistische Betrachtung in „Forgotten Girl“. Die Pubertät mit all ihren Nebenwirkungen, Gefahren und Herausforderungen werden thematisiert. Auch diese Erzählkunst beherrscht die Autorin außerordentlich gut. 

Die Handlung wird aus zwei Perspektiven erzählt – die dramatische Tat in der Vergangenheit 1984,  und die Ermittlungen die zwanzig Jahre später - 2014 erfolgen. Diese gliedert sich dann in zwei Abzweigungen auf – die damalige und jetzige Kriminalbeamtin und der Blickwinkel der Überlebenden Frau.

„Forgotten Girl“ ist ein starker und sehr spannender Psychothriller – kurzweilig und doch sehr empfehlenswert. Der Schrecken der Tat und das spätere Trauma wirken authentisch, packend und schockieren zumal. Sehr löblich allerdings, dass es die Autorin hier nicht übertreibt und der brutale Schrecken, die psychologische Spannung überholt.

Es gibt aber auch wesentliche Chancen, die die Autorin nicht wahrgenommen hat. Ich vermisse durchaus Nebenhandlungen und Figuren, dadurch wirkt die Story bisweilen oberflächlich und ähnlich verhält es sich mit den Charakteren. Der Roman hätte durchaus 200 Seiten stärker sein können. Dadurch hätte man die Jahre zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählerisch attraktiv beleuchten können. Die Charaktertiefe hätte dadurch nur noch mehr gewinnen können.

Weiterhin frage ich mich: Warum hat die Autorin nicht in einem Nachwort Bezug genommen auf diesen historischen Kriminalfall? Auch das erwarte ich, wenn man sich schon im Genre True Crime bewegt.

Fazit

„Forgotten Girl“ ist der erste Roman der Autorin Eva-Maria Silber, den ich gelesen haben. Hohes Tempo – authentische Spannung – düstere Atmosphäre.  Absolut empfehlenswert. Ich bin gespannt, auf das nächste Projekt. 

Michael Sterzik 




Montag, 11. Juni 2018

The President is Missing - Bill Clinton und James Patterson

Der frühere US-Präsident Bill Clinton und der Rekordinhaber für die meisten, regelmäßigen Bestseller im New York Times Ranking – James Patterson haben ihren ersten gemeinsamen Thriller geschrieben. Im Münchner Verlag Droemer ist dieser nun mit dem Titel: „The President is Missing“ veröffentlicht worden. 

Der Demokrat Bill Clinton regierte von 1993 – 2001 im Weißen Haus und steuerte einen der mächtigsten Staaten der Welt durch die politischen Höhen und Tiefen.
In diesen acht Jahren lernte er die Schattenseiten und Sonnenseiten seines Amtes kennen. Über seine Regierungszeit wollen wir aber nun nicht sprechen – dazu gibt es einige Sachbücher, auch von Clinton selbst verfasst. Nichtsdestotrotz war er im Zentrum der Macht in Washington. Der ehemalige Präsident kennt also viele Interna, viele geheime Prozesse und Abläufe. Wer kann diesen nicht geringfügigen Hochdruck nicht besser in Worte auf Papier bringen, wie jemand der dieses Amt jahrelang innehatte?!

In „The President is Missing“ werden solche Prozesse und Abläufe sehr stark in die Story eingewoben. Die Bürde und die Verantwortung für 300 Millionen Einwohner der USA auf den Schultern gesetzt, macht das Leben nicht leichter. Sich persönlich dem Kongress, oder einem Untersuchungsausschuss, gar einem Amtsenthebungsverfahren zu stellen, um für seine Entschlüsse einzustehen und sich zu verantworten, kann und wird nicht leicht sein.  Es sind zwei politische Haifischbecken der Innen- und Außenpolitik und die Haie sind verdammt hungrig. Gerade diese Atmosphäre spürt man – auf jeder Seite, in jedem Augenblick. Das ungewöhnliche Autorenduo, das sehr eng zusammengearbeitet hat ,um diesen Roman eine inhaltliche Seele zu geben, hat einen hochklassigen, politischen Spannungsroman veröffentlicht. 

Außenpolitisch gesehen – leben wir in einer sehr unruhigen Zeit. Es ist schon längst 5 vor 12 – Krisenherde gibt es genug und es gibt auch genug Präsidenten verschiedener Länder – nicht nur in Europa, deren Profilneurosen gefährlich sind. Standen wir bei der Kuba-Krise schon auf der Willkommensfußmatte zum 3. Weltkrieg – sind wir nun sicherlich bereits einen kleinen Schritt weitergegangen. Doch welche Art von Krieg könnte uns erwarten – ein Atomarer, ein konventioneller, eine kriegerische Auseinandersetzung mit biologischen, chemischen Waffen? 

Nein – Bill Clinton und James Patterson entwerfen ein uneingeschränkt realistisches Bedrohungsszenario. In unserer digitalen Welt sind abhängig geworden. Die Infrastruktur eines Landes ist totalitär darauf ausgerichtet. Globale Vernetzungen – nicht nur der sozialen Medien machen die Weltpolitik zu einem Dorf. Alles wird gesteuert, ist vernetzt und voneinander  abhängig – Selbst die Wasserversorgung, Stromversorgung, Atomkraftwerke – ohne eine 1 und 0 geht hier gar nichts mehr. Ein „Blackout“ würde die Zivilbevölkerung in Chaos und Anarchie stürzen. Die Folgen – auf Jahre hin militärisch, wirtschaftlich in den Grundfesten des Landes erschüttert. 

Ein Cyber-Krieg ist nicht abwegig. „War Games“ ist nicht so weit entfernt. Diese Thematik transportieren Bill Clinton und James Patterson meisterklassig. Natürlich geht es patriotisch zu. Natürlich gibt es den offenen Bezug zu aktuellen, politischen, wirtschaftlichen und militärscher Themen. Dieses mahnende Fingerpointing allerdings ist der Dreh- und Angelpunkt – Erschreckendes Szenarien über die der Leser auch noch lange nach Ende des Roman nachhaltig denken wird. 

Die fiktive Figur des Präsidenten Duncan ist großartig in Szene gesetzt. Ob nun realistisch gesehen, darüber lässt sich bestimmt streiten. Die Nebenfiguren, selbst die innenpolitischen bösen Buben, die Auftragskiller und befreundet-befeindeten Politiker sind faszinierend. Hier wird niemand in ein Klischee gedrängt. 

Die Außenpolitik ist das reale Spiegelbild. Die Bedrohungen allzu reell, aber auch die inneren Probleme werden aufgenommen und gut verarbeitet: Polizeigewalt gegen Afroamerikaner, Worte zur Gesundheitsreform, oder auch der Umgang mit Veteranen, die im Stich gelassen werden, finden hier Gehör. 

Schmunzeln musste ich bei zwei fiktiven Namen von den Protagonisten: Der BND-Chef heißt Kohl, der Kanzler Richter J

Fazit

Bill Clinton und James Patterson präsentieren mit „The President is Missing“ einen hochklassigen Politthriller. Deutliches Mahnen, eine versteckte Abrechnung mit aktuellen Themen – Spannung auf einem meisterklassigen Niveau. 

Brillant – Ein Titel, den man dieses Jahr gelesen haben muss.

Michael Sterzik