Samstag, 25. August 2018

Ostseerache - Eva Almstädt


Regionale Krimis sind wahrscheinlich einer der neuesten Trends in der Thriller/Krimiliteratur in Deutschland, und das funktioniert ausgesprochen gut. Eigentlich logisch – die Leser kennen ggf. die Region, den Landkreis, die Stadt, oder das Dorf. Vielleicht sind sie die gleichen Straßen wie das Opfer oder der Täter lang gelaufen. Ein morbider bis faszinierender Gedanke, der aber verdammt gut funktioniert. Eine Verbundenheit bis in den Tod. Besonders einladend sind die Küstenorte in unserer Republik. An der idyllischen  Ost- oder auch Nordseeküste wird anscheinend gerne gemordet. Also Romantik hin oder her – die Spannung ist dort genauso ansässig, wie dunkle, geheimnisvolle Dörfer mit verschrobenen Bewohnern, die munter vor sich hin morden.

Der vorliegende Band: „Ostseerache“ von Eva Almstädt ist der dreizehnte der „Pia Korittki-Reihe. Schauplatz/Tatort der Reihe ist die Ostseeregion mit Mittelpunkt, einer der schönsten norddeutschen Städte – Lübeck – Die Königin der Hanse. Die Handlung spielt an einem kleinen Küstenort, eine junge Frau wird ermordet aufgefunden – vergiftet. Gleichzeitig taucht eine junge Frau in dem Dorf auf,  die für einen Unfall mit Todesfolge die Verantwortung trägt. Alte Wunden der Vergangenheit werden aufgerissen und auch Rache und der stille, manchmal laute Schrei nach Vergeltung kommen an die Oberfläche.

Die Autorin Eva Almstädt lässt ihre Ermittlerin Pia Korittki alle beruflichen wie auch privaten Register ziehen. Neben den Ermittlungen spielt auch die persönliche Entwicklung ihrer Person eine große Rolle. Anfang wirkt der Roman wie der Beginn eines schönen Sonnentages, doch dunkle Wolken und ein heftiger Sturm erreichen die junge Kommissarin – unbeständig halt wie die Ostsee. Der Kriminalfall steht allerdings im Fokus und hier bedient sich die Autorin alter, aber traditioneller Klischees. Rache und Vergeltung waren immer schon die besten Motive. Ebenfalls ist das Setting allzu offensichtlich. Ein Dorf voller Menschen, die auf engsten Raum ihre Ängste, Geheimnisse und Hoffnungen miteinander teilen. Abhängigkeiten, Intrigen, Liebeleien, freundschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen sind ein großartiges Geflecht für einen spannenden Background.

Eva Almstädt fokussiert sich auf die Vergangenheit und die tragische Gegenwart. Ein alter Todesfall, eine traumatisierte Täterin, die sich an vieles nicht erinnern kann und der ein Giftmord. Man muss nicht Sherlock Holmes sein, um schnell zu begreifen, dass es hier eine Verbindung geben muss. Im Grunde nichts Neues, aber die Autorin schafft eine spannende Atmosphäre. Stil, Ausdruck, Sprache und die Dialoge sind perfekt in Szenen verarbeitet. Geschickt spannt Eva Almstädt ein Netz voller möglicher Täter und wahrscheinlicher Motive.

Auch die Charaktere sind klassisch in Szene gesetzt – mal abgesehen von dem privaten Nebenschauplatz von Pia Korittki gibt es auch hier keine neuen Ideen. Eine Nebenhandlung – die Bedrohung eines inhaftierten Täters, der psychologisch Druck auf Pia ausübt, kommt leider viel zu kurz.

„Ostseerache“ ist durchweg ein Klassiker, aber spannend inszeniert, wenn auch ohne Höhepunkte versehen.

Eva Almstädt erzählerischer Stil ist allerdings großartig. Prägnant, auf den Punkt gebracht, die Spannung per Tempomat immer online, die Charaktere fein ausgearbeitet.
Die Ermittlerin Pia Korittki ist reif für den nächsten Entwicklungsschritt. Eine Mordserie über mehrere Bücher hinweg wäre vorteilhaft.

Fazit

„Ostseerache“ ist klassischer Kriminalroman. Überzeugt allerdings durch seine Figuren. Spannend allemal – und ich hoffe, dass der 14. Ausflug an die Ostseeküste für Pia Korittki persönlicher wird. Die Weichen sind ja gestellt. Ein perfekter Roman für herbstliche Besuche an der Küste. Empfehlenswerte Ostseemorde.  

Michael Sterzik

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