Samstag, 5. Dezember 2020

Die Hornisse - Marc Raabe

 


Nach den Titeln „Zimmer 19“ und „Schlüssel 17“ von Marc Raabe – geht nun im dritten, vorliegenden Band „Die Hornisse“ in der Tom-Babylon-Reihe weiter.  

Diese Serie verhält sich sehr originell und bietet neben der Spannung , viele Actionelemente und etwas von einer eigentümlichen Mystik.

In „Die Hornisse“ wird es persönlich für den LKA-Kriminalbeamten Tom Babylon. Aber nicht nur für ihn – denn auch die Vergangenheit holt seine Frau und seinem Vater auf dramatische Weise ein. Es gibt also demnach zwei Perspektiven: Natürlich die, der Gegenwart und in der rückblickenden Zeitschleife erleben wir dann die Ereignisse, die sich kurz vor Fall der Berliner Mauer im Jahren 1989 bei der Familie von Tom Babylon ereignet haben. Beide Perspektiven sind ungemein spannend und bilden in kurzen Kapiteln, die jeweils mit einem kleinen Cliffhanger enden, eine extrovertierte Abwechslung. Vorab sei zu sagen, dass sich der Titel inhaltlich an einem Drehbuch orientiert – und diese Reihe ist als Medium Buch eigentlich überflüssig. Eine Fernsehserie wäre das perfekte Medium für diese manchmal sehr abgefahrene Story und das Setting sowieso. Hier merkt man sehr schnell, dass der Autor Marc Raabe ein noch recht festgefahrener Filmemacher ist. Das Tempo ist hoch, die Spannung baut sich gut – die Actionelemente sind chronologisch gut eingebettet. Die Charaktere sind gut aufeinander abgestimmt – allerdings sind die Nebenfiguren nun interessanter gezeichnet, als die Hauptakteure.

Die Nebenstory, dass Tom Babylon noch immer auf der Suche nach seiner Schwester Viola ist, war im zweiten Band schon grenzwertig. In „Die Hornisse“ ist dieser Part schwächer erzählt, aber nervig ist dieser Handlungsstrang dennoch.

„I love you all“, ruft der gefeierte Rockstar Brad Galloway seinen 22.000 Fans in der Berliner Waldbühne zu. Plötzlich tritt eine unbekannte Frau ins Scheinwerferlicht und überreicht ihm einen mysteriösen Umschlag. Am nächsten Abend wird Galloways ausgeblutete Leiche ans Bett gefesselt im Gästehaus der Polizei gefunden.
LKA-Ermittler Tom Babylon wird vom Babyschwimmen zum Tatort gerufen. Gemeinsam mit der Psychologin Sita Johanns fahndet er nach der unbekannten Frau. Die Spur führt dreißig Jahre zurück – zu einer heimtückischen Kindesentführung mit dem Decknamen „Hornisse“ – und zu einer Frau, die zwischen zwei Männern stand. Beide waren bereit zu töten. Einer sinnt noch heute auf Rache.
Und das kann Tom Babylon alles kosten, was er liebt.(Verlagsinfo)

Kommissar Zufall – ist diesmal als personifizierter Nebencharakter allzu präsent. Sehen wir von der Spannung einmal ab und ignorieren den Unterhaltungswert und konzentrieren uns nur auf die Authentizität – dann driften wir schnell ab ins „Genre“ Mystik/Phantastik und finden uns inmitten einer deutschen Version von Akte X wieder.

Die komplexe und persönliche Verbindung zwischen dem aktuellen, brutalen Mord an dem Rockstar, und der Vergangenheit der Familie Babylon ist absolut unrealistisch erzählt. Ja, dass Leben erzählt die besten Geschichten, aber diese Geschichte hört sich dann nach einer billigen, unterhaltsamen Soapserie an, die völlig überzeichnet und unrealistisch ist.

Am Ende erscheint noch ein alter Feind auf der Bühne der Handlung und genau diese Szenen sind ärgerlich – weil – ich wiederhole mich gerne: „ Absolut überzeichnete, unrealistische Zufälle.

Fazit

„Die Hornisse“ von Marc Raabe ist zwar spannend, aber einer der unrealistischen Bücher im Genre „Krimi/Thriller“ – den ich je gelesen habe. Herr Raabe – schreiben Sie bitte keine Bücher – sondern konzentrieren sich bitte auf phantastische Geschichten, die ähnlich wie „Akte X“ zumutbar sind. Und wenn Sie Krimis schreiben – behalten sie bitte die Authentizität im Blick.

Michael Sterzik

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