Freitag, 6. April 2018

Die Gabe des Himmels - Daniel Wolf

Der vorliegende Band „Die Gabe des Himmels“ von Daniel Wolf ist der vierte Band der Fleury-Saga. Der in Speyer lebende Autor Christoph Lode hat unter seinem o.g. Pseudonym, eine herausragende und vielseitig, spannende historische Reihe geschaffen. 

Seit dem ersten Band um die Patrizierfamilie Fleury hat diese fiktive Familie für die kleine Stadt Varennes-Saint-Jacques viel erreichen können. 
„Das Salz der Erde“ spielte im historischen Zeitraum 1173 – 1206, der zweite Band „Das Licht der Welt“ umfasste die Jahre 1214-1248 und die Handlung von „Das Gold des Meeres“ spielt zwischen den Jahren 1256 – 1261. 

Inzwischen schreiben wir das Jahr 1346. Die Stadt ist gewachsen, der Wohlstand seiner Bürger ebenfalls, Handwerker haben sich in Zünfte organisiert, der nationale und internationale Handel floriert – doch es gibt es auch viele Probleme. Der Unmut der Bevölkerung wächst, der Rat der Stadt kann nicht jedem Berufszweig gerecht werden, eine gewisse soziale Unruhe breitet sich in den Straßen und Häusern von Varennes aus. Der Neid auf die „erfolgreichen“ Juden, die wie in vielen anderen Städten auch, in ihrem eigenen Viertel leben, entfaltet sich zu einem riskantem Hass.  
Auch die Familie Fleury hat ihre Probleme: Josseline Fleury, ein angesehener Kaufmann und Ratsmitglied verschenkt, große Teile seines Besitzes an die Kirche um seine Sünden reinzuwaschen. Sein Sohn Cesar, der ebenfalls Kaufmann ist, bekommt damit erhebliche wirtschaftliche Probleme und sieht berechtigterweise, die Existenz seiner Familie gefährdet. Adriannus, auch genannt Adrien Fleury studiert Medizin an der Fakultät Montpellier. Mit seinem wachem Geist, und seinem querdenkendem, aber wissenschaftlichem Fokus, gerät er in einem Konflikt mit der traditionellen Schulmedizin und wird kurz vor der Abschlussprüfung rausgeschmissen. Seine erworbenen, medizinischen Kenntnisse und seine tatkräftige Hilfe bei einem ansässigen Wundarzt bereiten ihn allerdings auf eine epochale Katastrophe vor, die Europa heimsuchen wird – der Pest. 

Spielte die Handlung des dritten Teils „Das Gold des Meeres“ größtenteils, wie der Titel schon preisgibt auf den Meeren, konzentriert sich der Autor mit nun auf die Stadt Varennes.  Fast alle Haupt- und Nebenhandlungen komprimieren sich innerhalb dieser Stadtgrenzen und mit ihnen alle Probleme. Das Thema Medizin im Mittelalter, ist uns spätestens seit Noah Gordons „Der Medicius“ wohlbekannt. Auch Daniel Wolf befasst sich zu einem großen Anteil mit diesem sehr interessanten und vielfältigen Beruf. Das ist auch gut so, denn wenn sich schon die ersten drei Bände fast ausschließlich mit kaufmännischen Herausforderungen befassen, warum nicht mal einen anderen Weg einschlagen. Doch es bleibt nicht nur bei der Medizin; auch Themen wie der aufkeimende und dann später eskalierende Antisemitismus gegenüber der jüdischen Bevölkerung, und der Unmut der Handwerkszünfte wird von Daniel Wolf hervorragend in die Handlungen eingepasst. Natürlich darf die Religion in einem mittelalterlichen Epos nicht fehlen, und so finden auch die Flagellanten und Geisler Einzug in die Handlung.

Daniel Wolf baut diese einzelnen Parts gewitzt und gekonnt auf, um diese dann innerhalb der Handlung zu einem Handlungsstrang zu verweben. Großartig gemacht – da sich der Spannungsbogen auf über 900 Seiten nicht abwärts bewegt. Im Gegenteil – die Erzählkunst des Autors ist ein verdammt imposantes Panorama, dem sich der Leser nicht entziehen kann. Größere und kleine Konflikte nicht nur der Hauptpersonen werden bestens in Szene gesetzt, ohne sich dabei in Langwierigkeiten zu verlieren. 

Die Haupthandlung neben der Medizin und dem „Schwarzen Tod – das große Sterben“ ist die Situation der Juden. Massive Einschränkungen und Übergriffe und spätere hasserfüllte Gewaltorgien werden thematisiert. Aber nicht nur diese Übergriffe, sondern werden vom Autor vielmehr auch die Gründe und Vorurteile auf dem literarischen Tisch gebracht. 

Auch die soziale Spaltung der Bevölkerung findet seine Gewichtung. Der Zwist zwischen den Patriziern und den Zünften mündet in einem gewalttätigen Aufstand, der auch die jüdische Bevölkerung angreift. 

„Die Gabe des Himmels“ ist ein großartiges Epos. Fakten und Fiktion feinsinnig miteinander kombiniert. Die Figuren mitunter und größtenteils nicht nur klassisch eindimensional, sondern facettenreich spielend aufgestellt. Die Spannung ist immer vorstellig – im gesamten Roman gibt es keine Passagen, die Langweile aufkommen lassen. Analysiert man die Verteilung der Themen, so hätte ich mir allerdings gewünscht, dass der Anteil der religiösen Massenhysterie weniger ausgebaut gewesen wäre, und der Handlungsstrang mit dem Pestausbruch deutlich mehr Beachtung gefunden hätte. 

Fazit

„Die Gabe des Himmels“ ist einer der stärksten, historischen Romane und nach „Das Salz der Erde“ wohl mit der interessanteste und spannendste dieser Reihe. Er ist nicht vergleichbar mit „Der Medicus“, auch wenn es natürlich wenige Parallelen gibt. Jedem Leser empfehle ich allerdings, die Reihe chronologisch zu lesen – es geht auch ohne, doch die Eigenarten und der Einfluss der Familie Fleury versteht man dann doch deutlich besser. 

„Die Gabe des Himmels“ von Daniel Wolf ist ein historisches Panorama, dass Spannung garantiert und die dunklen Kapitel des Mittelalters etwas heller beleuchtet. 
Pageturner und ein must-read-titel im historischen Genre.

Michael Sterzik

Freitag, 16. März 2018

Kalte Sonne - Sven Koch

Im Genre Thriller verkaufen sich die skandinavischen Thriller seit Jahren besonders erfolgreich. Egal ob die mörderische Handlung nun in Dänemark, Schweden, Norwegen oder Finnland spielt – gemordet und ermittelt wird immer. England hat seine Geister, und nun ja der Norden hat dann die Serienmörder für sich entdeckt. In Filmen und Büchern sind diese Geschichten, dann fast schon Garanten für eine spannende Unterhaltung.

Der deutsche Autor Sven Koch lässt seinen neuesten Thriller „Kalte Sonne“ in Dänemark spielen. Ein etwas außergewöhnliches Setting, die eigentlich kann die Story des Buches in jedem x-beliebigen Land spielen. Warum dann der Autor versucht als Trittbettfahrer auf dem skandinavischen Thrillerzug aufzuspringen erschließt sich nicht.

Die Handlung von „Kalte Sonne“ ist schlichtweg „einfach“ hingeschrieben. Eine junge, glückliche Familie – der Mann begeht aus unerfindlichen Gründen Suizid. Jahre später entdeckt seine Tochter in den Nachrichten den Mann wieder, den sie nur aus Fotos kennt. Die Ehefrau anfänglich noch skeptisch, recherchiert und ermittelt auf eigene Faust und findet sich wenig später in einer nationalen Verschwörung wieder.....

Atmosphärisch gesehen, geht der Handlung nach den ersten hundert Seiten, die Luft aus. Weder die Charaktere – egal ob Haupt- oder Nebenfiguren überzeugen emphatisch – egal ob negativ, oder positiv. Sie sind da ....- ja und? Innerhalb einer Handlung fast unsichtbar zu wirken – ist dem Autor gelungen. Aus jedem Charakter hätte man charakteristisch mehr modellieren können. Erste Chance vertan.

Die Handlung hatte überragende Chancen zu überzeugen. „Hatte“ – denn auch hier hat Sven Koch fließende Chancen vertan. So ein aktuelles und brisantes Thema, gesellschaftlich, kulturell und auch politisch nicht weiter auszubauen um sich dann haltlos nach einem Spannungsabbau inmitten der Handlung, überschlagend in einem Showdown wiederzufinden, wirkt einfach nur gehetzt.

Die Perspektive der Ehefrau und Mutter nimmt viel zu viel Raum ein. Keine Nebengeschichten, in denen sich die Figuren entwickeln und profilieren können – die Nebenfigur des pensionierten Polizisten wäre prädestiniert gewesen, um diesen in einem interessanten für die Handlung wichtigen Fokus zu bringen – aber nein – auch hier nicht genutzt.

Stattdessen viel Selbstmitleid der Hauptfiguren, viel Melancholie – und dann wieder wilder Aktionismus, der dramatisierend wirkt, aber am Ende nicht überzeugt. An meisten verärgert es mich, dass die Aktualität der oben genannten Themen nur beiläufig eingebaut wurde. Wenn man schon so etwas einbaut – dann bitte doch konzentriert und nachhaltig und nicht als Lückenbüßer.

Fazit

„Kalte Sonne“ von Sven Koch ist ein enttäuschender Krimi. Inhaltslos unauffällig – atmosphärisch undicht und die Figuren so schlecht konzipiert, dass ich diesen Roman nicht empfehlen kann.

Michael Sterzik


Dienstag, 13. März 2018

Die letzte Schlacht - Herrscher des Norden von Ulf Schiewe

Die Trilogie um den norwegischen Wikingerkönig Harald Hardrada von Ulf Schiewe findet nun seinen Abschluss mit dem gerade erschienenen Titel: „Die letzte Schlacht“.  Der dritte Band schließt unmittelbar an seinen Vorgänger an. Noch immer befindet sich der zukünftige König mit seinen Nordmännern in Konstantinopel inmitten einer Palastrevolte, einer Rebellion. Seinem Gewissen folgend, beteiligt sich der junge Krieger aktiv am Sturz des Herrschers um die Kaiserfamilie wieder an die Macht zu bringen. Es gelingt ihm unter Verlusten den Despoten abzusetzen, doch wenig später verlangt es Harald in dieser unruhigen Zeit, Konstantinopel zu verlassen. Mit seinem angesammelten Reichtum an Beute und Sold, ist er in seinem Heimatland Norwegen eine Bedrohung für seinen amtierenden Neffen Magnus, der inzwischen auch König von Dänemark ist.

Er ist bereit seinen Anspruch auf den norwegischen Thron notfalls mit Gewalt einzufordern....

„Die letzte Schlacht“ von Ulf Schiewe ist der krönende Abschluss einer hervorragend erzählten Saga um König Harald, auch der Harte genannt. Insgesamt etwas leiser erzählt, überzeugt der Titel allerdings durch einen überlegenen Spannungsaufbau. Es wird weniger das Schwert und die Axt geschwungen, doch gibt es an dieser Stelle auch scharfe Dialoge und dramatische Entwicklungen, die überzeugen.

Macht korrumpiert – Macht verlangt nach Durchsetzung und Gewalt  - gerade diese Entwicklung, die seine Figur Harald nun alles abverlangt, ist spannender als jede erzählte blutige Schlacht. Die gab es in den letzten Bänden genug – „Die letzte Schlacht“ gibt uns den Einblick, dass die Königswürde eine Bürde sein kann, und ob diese nun glücklich, oder auch einsam macht, kann man so oder so interpretieren. Ulf Schiewe lässt Harald alle Himmel und Höllen durchlaufen. Die Atmosphäre des Romans ist demnach außerordentlich intensiv und auch hier hat der Autor stilistisch noch einmal nachgelegt.

Beschäftigt man sich mit der historischen Figur, stellt man fest, dass Ulf Schiewe sich brillant an die herkömmlichen Fakten und Quellen orientiert hat. Die Gewichtung an historischen Protagonisten, die hier zu Wort und Tat kommen, ist außerordentlich hoch – erdachte Nebenfiguren haben natürlich eine gewisse Daseinsberechtigung und fügen sich in die Rahmenhandlung gut ein.

Ulf Schiewe lässt Harald in einem sehr wirklichkeitsnahen Bild erscheinen. Sympathie für diese Figur kommt zwar auf, aber einige seine Handlungen und Entschlüsse lassen diesem in keinem rühmlichen Licht erscheinen. Aber diese Epoche lässt es auch nicht zu, dass man gerade auf den Thron sitzend nur mit Mitgefühl und Gnade herrschen kann – nicht in einer Zeit, nicht bei den Wikingern, bei denen Härte und Gewalt zum Alltag gehören. Ulf Schiewe lässt einen tiefen Blick auf einem weiten Eskalationsraum werfen. Jeder Funke, jede Handlung oder auch nicht Nichthandlung und schon entsteht ein Flächenbrand, der ggf. sich nicht nur in Norwegen, sondern auch Schweden und Dänemark breitmachen könnte. Das Recht des Stärkeren – ist die Botschaft der „Herrscher des Nordens“.

Dadurch, dass der Roman so nachhaltig gut erzählt wird, hätte ich mir gewünscht, dass gerade der Part um den „König“ Harald und seiner Herrschaft gründlicher und vor allem länger erzählt ausgefallen wäre.

Ulf Schiewe ist einer der Autoren von historischen Romanen, die den Kriegern auch eine menschliche und sensible Seite zeigen können. Nicht immer glorreich, sondern auch mit vielen Fehlern und Fehlentscheidungen lebendig erzählt.

Schlachten, Krieg, Gewalt, Blut, Opfer....ja klar, gehört alles zu den rauen Wikingern, aber die leisen Töne der „menschlichen“ Seiten dieser Nordmänner werden brillant geschildert.

Fazit

„Die letzte Schlacht“ aus der Reihe „Herrscher des Nordens“  von Ulf Schiewe ist der stärkste, dieser Reihe. Laute Kriegseinsätze, blutige Schlachten, fein gesetzte Dialoge und schwierige Politik und natürlich auch nicht immer die glückliche Liebe lassen diese Trilogie brillieren.

Ganz Stark Herr Schiewe. Ein lauter Wikingerroman mit leisen Tönen und perfekt orchestriert.

Michael Sterzik


Freitag, 9. März 2018

Odins Blutraben - Herrscher des Nordens - Ulf Schiewe

Nach dem ersten Teil der Wikingersaga um dem Norwegischen König Harald Hardrada ist nun auch der zweite Teil: „Odins Blutraben“ von Ulf Schiewe im Münchner Verlag Knaur erschienen.

Erzählte der erste Roman noch vom Fall seiner königlichen Familie und seiner Flucht ins Exil mit einigen seiner Freunde und Krieger, ist nun Harald erwachsen geworden. Bei einem Großfürsten der Rus erkämpfe sich der junge Wikingerfürst den Ruf eines kompetenten Söldnerführers. Mitsamt seinen Nordmännern die außer dem Kriegshandwerk nicht gelernt haben, wird dieser nach Kiew beordert. Die große Stadt befindet sich in enormer Gefahr. Ansässige Steppenreiter, Tausende von ihnen bedrohen die Region und die Stabilität des Reiches. Als der Großfürst wenig später familiäre Bande mit Harald schließen möchte und ihm die Hand seiner Tochter anbietet, treibt den jungen Mann die Gier, nach Reichtümern, ins ferne  Konstantinopel. Ebenfalls als Söldner bekämpft er die Piraten und befriedet das Mittelmeer, doch seine Vergangenheit holt ihn immer wieder ein, und als er als Spielfigur in die Machtkämpfe um den Thron einbezogen wird, findet er sich in einer mörderischen Schlangengrube wieder...

Der erste Teil der Trilogie hatte seine inhaltlichen Schwächen – atmosphärisch überzeugte er mich nicht unbedingt. Der zweite Teil ist neben seinem Hauptprotagonisten erwachsen geworden. Starke positive Entwicklung, keine überzeichneten Charaktere mehr und eine spannende Atmosphäre die nicht abfällt, sondern anhält. Auch wenn der Dreh- und Angelpunkt natürlich der spätere König Harald ist – so ist er seinen frechen Flegeljahren entwachsen und stellt sich seinen Herausforderungen. Ein selbstbewusster starker Anführer einer kleinen, aber effektiven Armee von Nordmännern. „Band of Brothers“ des Nordens.

Stärke hin oder her – auch Harald ist ein verletzbarer Mensch und auch in diesem Roman wird er persönlich leiden und an seine Grenzen stoßen. Betrachten wir die vorherrschenden Charaktere, so sind diese überschaubar positioniert und bilden einen engen Kreis. Allerdings gibt es in „Odins Blutraben“ keine Nebengeschichten – Figuren ja und eine Menge an Statisten, aber Ulf Schiewe konzentriert sich maßgeblich auf zwei Handlungsstränge – die Kämpfe um Kiew und zu guter Letzt die Unruhen in Konstantinopel, die in bürgerkriegsähnliche Zustände eskalieren.

Ein besonderes Verhältnis entsteht allerdings zu seinem Erzfeind und zeitweisen verbündeten Sigurd – dito ein Wikinger, verschlagen, grausam und verdammt unberechenbar. Augenzwinkernd nicht unbedingt der personifizierte Bad Guy, doch interessant und vielschichtig konzipiert. Natürlich darf sich das tragische Rad der Liebe auch mal drehen, aber Romantik sollte man nicht erwarten.

Der Autor befasst sich in diesem Roman nicht intensiv mit der Lebensart der Wikinger. Über die klassische Erwartungshaltung der wilden Männer aus dem Norden kommt man nicht hinaus, also wenige internes über die einflussreichen räuberischen und rauen Gesellen. Man vermisst das allerdings auch zu keinem Zeitpunkt.

Ulf Schiewe wandelt ein wenig auf den Spuren des erfolgreichen britischen Autors Bernard Cornwell, der mit seiner eigenen Wikingersaga Uthred eine Beachtungswerte Reihe erschaffen hat. Atmosphäre und detailreich bei der Darstellung von kriegerischen Auseinandersetzungen wird sich nichts geschenkt. Es geht brutal und blutig zugange – aber das erwartet man ja auch. Packend lässt Ulf Schiewe die Brutalität des Schlachtfeldes aufleben.
Doch es gibt auch ein Gewissen – das Harald und die starken Männer lenkt und antreibt. Als Söldner kämpft und tötet man fürs Geld – aber es gibt noch mehr für das man kämpfen mag. Diese leisen Töne und Dialoge die Ulf Schiewe hier präsentiert sind sehr gut und auch dieser Part ist wie die Verteidigung von Kiew und die Geschehnisse in Konstantinopel historisch mit Quellen belegt.

„Odins Blutraben“ ist ein historischer Roman – natürlich nimmt sich ein Autor immer etwas künstlerische Freiheit heraus, aber Ulf Schiewe hat perfekt anhand vieler Quellen und Überlieferungen recherchiert und geschichtliche Lücken passgenau interpretiert.

Fazit

„Odins Blutraben“ ist ein historischer Roman mit vielen Gesichtern. Außerordentlich gut recherchiert, noch besser erzählt und ungemein spannend, lässt er die rauen Männer auf die Leser los.

Ich freue mich auf den Abschluss der Saga um Harald – der Geschichtsinteressierte Leser wird sich mit seinem Schicksal schon befasst haben, aber der Weg nach Walhalla ist blutig und verlustreich.

Großartiger, spannender Roman. Axt und Schwert werden Odins Blutraben weitere Krieger in die nordischen Hallen schicken müssen.

Michael Sterzik




Sonntag, 4. März 2018

Rotröcke - Bernard Cornwall

Die Handlung von dem vorliegenden Roman „Rotröcke“ von Bernard Cornwell spielt direkt im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg – 1777. Die Briten haben es schwer in ihrer Kolonie, einzelne Regionen rebellieren offen und mit militärischer Gewalt gegen die englische Krone und fordern ihre Unabhängigkeit.

Man nennt sie noch immer Rotröcke – die englische Infanterie, das Rückgrat der britischen Armee. Streng diszipliniert, effektiv, entschlossen und Kaltblütig sind die oftmals jungen Soldaten, die weit entfernt von ihrer Insel für ihren König auf einem anderen Kontinent leben und sterben.

Ihre Uniform war in Weiß und Rot gehalten -  Als Rotröcke wurden sie von den Yankees allgemein bezeichnet. Sicherlich waren diese Soldaten auf dem Schlachtfeld in strenger Formation eindrucksvoll – Ihre todesverachtende Disziplin tat wohl ihr übrigens bei, sie fürchten zu müssen. In Filmen, die diese militärischen Einheiten zeigen, haben sie nicht unbedingt alle Sympathiepunkte auf ihrer Seite.

Im Verlag Rowohlt ist nun der Titel: „Rotröcke“ von Bernard Cornwell veröffentlich worden. Der Autor erzählt von einer dramatischen Entwicklung zweier junger Brüder – die als Rekruten den roten Rock Ihrer Majestät tragen und einer Familie aus Philadelphia, die sich der englischen Krone nicht verpflichtet sehen. Also es gibt in dieser historischen Kulisse genug an dramatischem Potenzial, dass der Autor ausspielen kann. Zwischen einem Eid auf einem fernen König und seinem persönlichen Gewissen und einer „freien“ Entwicklung fernab von England wird Geschichte geschrieben. Wie immer mit viel Blut – viel Krieg, Opfern, mit Verrat und Mut – es entstehen die Vereinigten Staaten von Amerika.

Der Roman „Rotröcke“ ist 1988 das erste Mal veröffentlich worden. Damit ist dieser im Vergleich zu den anderen Titeln des Autors schwer zu vergleichen. Er stellt sich als völlig anders dar. Der erzählerische Stil des Autors war damalig noch lange nicht so packend und atmosphärisch dicht niedergeschrieben, wie man es ggf. nun gewohnt ist. Sollte die Erwartungshaltung also sein, dass man sich inmitten vieler verlustreichen und dramatischen Schlachten wiederfindet – sorry – der wird enttäuscht sein. Es gibt das eine oder andere Scharmützel, und natürlich gibt es auch die klassischen Bösewichter, die den beiden Brüdern als Vorgesetzte, dass Leben mehr wie schwer machen. Auch die Liebe stellt der Autor außerordentlich in dem Fokus, so dass diese an Gewichtung fast schon überhand nimmt. Der Aufbau dieses Romans ist also fast schon identisch zu den aktuellen.

Der erzählerische Stil, und die konkrete Atmosphäre, der Handlung, die 30 Jahre in der Vergangenheit spielt, wirkt sich negativ aus. Die Handlung teilt sich in zwei Perspektiven – der englischen und der amerikanischen und beide sind langatmig und fast zu dialogreich. Hier wird der Leser zweifelsohne schnell feststellen, dass auch der Autor Bernard Cornwell sich den letzten 30 Jahren sehr zum positiven entwickelt hat. Sprache und Stil verändern sich mit der Zeit und müssen der Erwartungshaltung der Leser gerecht werden. Bernard Cornwell hat sich also demzufolge modernisiert.

Fazit


„Rotröcke“ von Bernard Cornwell ist der schwächste, historischer Roman des Autors. Atmosphärisch ungelenk, fast unbequem, packt die Handlung mich zu keinem Zeitpunkt. Langatmig – geradliniges Konstrukt ohne Überraschungen und Wendungen kann man die nächsten Seiten prophetisch vorhersagen. „Rotröcke“ gehört also zu den wenigen Titeln des Autors, auf den man verzichten kann.

Michael Sterzik