Sonntag, 16. Februar 2020

The Expanse - Calibans Krieg - James Corey


Das Autorenduo „James Corey“  hatte mit seinem ersten Roman aus der Reihe „The Expanse“ – Leviathan erwacht – einen überraschend, großen Erfolg. Die Reihe, die auch erfolgreich in Zusammenarbeit mit den beiden Autoren als Fernsehserie verfilmt wurde, gibt dem Genre „Science Fiction“ eine neue Gewichtung und sowieso eine ganz andere Orientierung. Diese Buchreihe erlebt nicht zuletzt durch die Verfilmung eine sehr attraktive Offensive in diesem manchmal wenig beachteten Genre.

Bestechend neben einer großartigen Spannung ist das komplexe, inhaltliche Bild unseres bekannten Universums so außerordentlich episch beschrieben, dass auch wenn es sich um reine Fiktion handelt, es sich realistisch in einer nicht allzu fernen Zukunft ggf. so abspielen könnte.

Die große Stärke auch des vorliegenden zweiten Bandes „Calibans Krieg“ sind die Figuren. Ihnen wird sehr, sehr viel Raum gegeben in diesem Sonnensystem – einmal um sich charakterlich zu entwickeln, zum anderen reist das Quartett um Captain James Holden durch unser kolonisiertes System und katapultiert sich mal mehr mal weniger in grenzübergreifende Interessen der Erde, des unabhängigen Mars und der Fraktion der Gürtler.

Ein Jahr ist vergangen, seit Captain James Holden und die dreiköpfige Crew der Rosinante nicht unmaßgeblich zu den Auseinandersetzungen zwischen Erde, Mars und Gürtel beigetragen haben, aber auch für die Zerschlagung des Konzerns Protogen verantwortlich gezeichnet haben. Während die Rosinante noch immer für die AAP tätig ist, geschieht auf Ganymed unglaubliches und einzig die marsianische Soldatin Bobbie überlebt knapp den verheerenden Angriff eines merkwürdig mutierten Wesens, das recht unzweifelhaft mit dem auf der Venus niedergegangenen Protomolekül in Verbindung steht. Auf der Erde müht sich die stellvertretende Unterstaatssekretärin Avasarala redlich, Licht ins Dunkel der Ereignisse auf Ganymed zu bringen, während auf der Station noch immer der Ausnahmezustand herrscht und ein Botaniker namens Prax verzweifelt darum bemüht ist, seine verschwundene Tochter ausfindig zu machen…(Verlagsinfo)

Wie schon im ersten Band spielen „Aliens“ eine absolute untergeordnete Rolle – direkt begegnet man Ihnen nicht. Man weiß das diese existieren, oder existiert haben – einzig allein ihre Technologie wird als „Biologische Waffe“ untersucht und natürlich  werden auch durch große Wirtschaftskonzerne Experimente durchgeführt.
Brillant ist die Konzeption der Charaktere und ihre Beziehungen untereinander. Literarisch sind sie noch lange nicht als intellektuell erwachsen zu bezeichnen, aber ihrer Entwicklung sind keine Grenzen gesetzt. Auch in „Calibans Krieg“ kommen vergangene Aspekte in kleineren Bruchstücken an die Oberfläche. Fein konstruiert sind die Dialoge, die inhaltlich nicht nur informativ und abwechslungsreich sind, sondern auch viel an Humor vorzuweisen haben.

„Calibans Krieg“ ist hochspannend und dramatisch. Die Action kommt auch nicht zu kurz – gekämpft wird auf Planeten selbst, oder im eiskalten Weltraum. Politische Machtspielchen wirken sich oft planetarisch aus und die Gefahr eines Krieges zwischen Erde und Mars schwebt wie ein Damokles-Schwert über die gesamte Handlung – ggf. ist es das Schicksal der ganzen Reihe. Der Gewinner, oder der Verlierer – steht noch nicht fest – am Ende können alle verlieren. Man ahnt es schon – auch 400 Jahre später hat sich nicht viel geändert – Macht, Einfluss, Intrigen – der Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung, aber auch der Wille und die Entscheidungen Opfer zu bringen, all das sind inhaltliche Bestandteile dieser wundervollen Reihe.

Wenn wir über die Dramatik reden müssen, dürfen wir diese nicht mit einer künstlichen Theatralik verwechseln, letztere gibt es nicht. Natürlich gibt es erzählerische und inhaltliche Klischees, die aber passgenau von den Autoren verwendet wurden. Die Anzahl der Charaktere ist überschaubar und wächst langsam, und Verluste gibt es praktisch (noch) nicht. Aber es dürfte eine Frage der Zeit sein – bis einer der Hauptfiguren sich verabschieden wird.

Fazit

„The Expanse – Calibans Krieg“ ist der zweite Teil dieser Reihe und ist noch stärker erzählt, als der erste Band. Spannend – abwechslungsreich – humoristisch zeichnet diesen Band aus. Ein Lesevergnügen aus einer anderen Welt – in der wir aber trotzdem wohnen.
Prädikat: Eine Reihe die man lesen muss – alleine schon wegen den Kotzzombies.

Michael Sterzik

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