Sonntag, 10. Mai 2020

Der Weizen gedeiht im Süden - Erik D. Schulz


Postapokalyptische Untergangsszenarien gibt es in der Literatur viel. Gerade bei den Jugendbüchern und im Genre „Fantasy/Science Fiction“ gibt es dafür unzählige Beispiele. Glaubt man den Wissenschaftlern und den Politologen so steht die Uhr 5 vor 12 – die Gefahr eines Atomkrieges, der die gesamte Welt, oder Kontinente vernichtet nicht so abwegig. Die politischen und wirtschaftlichen Spannungen steigern sich – Großmächte wie die USA, Russland und China befinden sich derzeit sowieso schon in einem „kalten“ Schattenkrieg aus Gründen des Handels, aber auch wegen manipulativen Cyberangriffen, militärischen Drohungen, natürlicher Ressourcen  und Verletzungen der Menschenrechte….über das Thema könnte man fast schon endlos referieren.

Der vorliegende Roman „Der Weizen gedeiht im Süden“ von dem deutschen Arzt und Autor Dr. Erik D. Schulz erzählt vom Überlebenskampf einer kleinen Gruppe nach einem Atomkrieg, der die nördliche Hemisphäre vernichtet hat. Europa gibt es nicht mehr, und auch der amerikanische Kontinent gilt als verlorenes, verseuchtes Gebiet. Der Fallout – die atomare Strahlung und auch die Zerstörung der Umwelt lässt ein Überleben an der Oberfläche kaum mehr zu.

Solche Szenarien kennt man aus der amerikanischen, oder englischen Literatur. Die erzählerische Perspektive von Erik D. Schulz in diesem mir vorliegenden Roman ist originell und vor allem absolut realistisch aufbereitet. Die daraus resultierende Konsequenz spiegelt eine realistische und emotionale atmosphärische Dichte nach sich – die nicht nur beängstigend ist – sondern auch Hochspannung garantiert.

Der beginnende Schauplatz ist die Schweiz – ein Bunker, eine Arche in der 300 Menschen eingeschlossen überlebt haben. Bewacht und beschützt von einem privaten Investor versuchen diese Überlebenden auf engsten Raum einen gewissen Alltag zu meistern. Als dem Arzt Dr. Oliver Bertram klar wird, dass das Wasser gefährliche Strahlenwerte aufweist und ein „künstlich“ geschaffenes Weizenfeld aufgrund dieser Vergiftungen verpestet ist, entschließt sich dieser mit einer Gruppe von Elitesoldaten und anderen Familien auszubrechen. Ziel ist der afrikanische Kontinent – auf dem Leben noch möglich sein könnte.

„Der Weizen gedeiht im Süden“ überzeugt, da der Autor immer wieder realistisch die zwischenmenschlichen Spannungen einer Gruppe, die feindlichen Umwelteinflüsse und der Kampf ums Überleben gegen andere „Flüchtlinge fantastisch gelungen interpretiert.

Erik D. Schulz detaillierter Blick für diesen postapokalyptischen Alptraum ist hochemotional. Die Ängste, die Hoffnungen und Träume der Protagonisten erzählt er mit einer brutalen Ehrlichkeit – die auch endlos sein kann. Es gibt Opfer unter den Flüchtlingen, es zeigen sich dramatische Überlebenskämpfe  - der Weg des Stärkeren der töten muss um zu überleben ist inhaltlich perfekt in Szene gesetzt. Medizin – Waffen – Nahrung- Kleidung – die alltäglichen Gegenstände, die es nun nicht mehr gibt lösen Konflikte aus.

Der Autor implementiert auch eine gewisse Symbolik. Das gelobte Land – Afrika – in unseren, aktuellen Augen, ein drittes Welt-Land mit Hungersnöten, Krankheiten, Bürgerkriegen nicht ein Land wo Milch und Honig fließen, wird zum Ziel ausgesucht. Diese Idee ist nicht nur originell, sondern auch faktisch intelligent und realistisch gezeigt. Auch die dort spielenden Szenen sind voller dramatischer Elemente.
Kommen wir zu den Charakteren. Alles richtig gemacht – eine gute Mischung aus Tätern und Opfern. Sie haben alle etwas gemeinsam – es sind Überlebende und der moralische Kompass, den wir kennen, den gibt es nicht mehr. Der Autor lässt hier eine Realität zu, die überzeugt – die Welt scheint zerstört zu sein, doch noch immer gibt es eine Hilfs- und Opferbereitschaft, noch immer Liebe zu Kindern und Partnern, noch immer eine unbändige Wut, die man nicht immer kanalisieren kann und eine Trauer, zu der man gezwungenermaßen wenig Zeit hat.

Es gibt nicht viel zu kritisieren. Gerne hätte ich mehr gewusst über die Entstehung des Konfliktes, der in einen Atomkrieg mündete. Ebenfalls war mir der erste Part im Bunker erzählerisch zu kurz geraten. Persönlich und das traue ich dem Autor inzwischen zu, hätte diese Geschichte ruhig über 420 Seiten hinausgehen können, ohne an Qualität zu verlieren. Schade – denn die Konzeption dieser Idee hätte Platz für eine Trilogie haben können.

Fazit

„Der Weizen gedeiht in Süden“ ist mit das Beste an postapokalyptischen Endzeiterzählungen, was ich bisher gelesen habe. Eine emotionale Härte – eine ungemein dichte Atmosphärische Spannung – und auch die brillante Charakterzeichnung versprechen eine Unterhaltungsqualität die überzeugt.

Erik D. Schulz schriftstellerisches Talent hat sich für meine Begriffe hier offenbart. Das war großartiges, intelligentes Kopfkino. Hochklassig und eines der Bücher, dass man lesen sollte und nicht nur geeignet für den jugendlichen Leser. Die Welt und das Überleben geht uns alle an.

Michael Sterzik

Samstag, 9. Mai 2020

Das neunte Haus - Leigh Bardugo


Der vorliegende Band von Leigh Burton, der im Genre Fantasy positioniert ist, birgt eine sehr interessante Story. Eine Protagonisten, die mediale Fähigkeiten vorweisen kann – sie kann „Geister“ sehen – im Buch auch beschrieben als die „Grauen“ (Greys). Eine Eigenschaft, die übrig magiekundigen Studenten der Elite Universität Yale nur möglich ist, wenn sie sich magischer Getränke bedienen.

Leigh Burtons erzählerische Bühne ist die amerikanische Elite-Universität Yale. Deren Studenten – die organisiert sind – in acht „Studentenverbindungen“, oder auch Häuser genannt. Jedes Haus verfügt nicht nur über eigene Grundsätze und Losungen, sondern haben sich auch verschiedenen Magischen Lehren angeeignet. Diese Rituale sind nicht ganz ungefährlich, ihre Macht manchmal schwer händelbar und die Auswirkungen können nicht nur für den Campus eine Katastrophe bewirken. Das „neunte“ Haus in der auch die Hauptprotagonisten Galaxy Stern – genannt „Alex“ studiert – überwacht als Kontrollinstanz die Regeln und die Beschwörungen dieser acht „magischen“ Häuser.

Der Plot klingt absolut faszinierend mit seiner Magie, Beschwörungen und ruhelosen Geistern, doch eine wirkliche spannende Atmosphäre kommt gar nicht erst auf, und wenn dann nur sehr sporadisch und situativ. Die Autorin Leigh Bardugo verrennt sich ein einem Labyrinth von Gegenwart und Zukunft, die nicht nur über proportionierte Längen aufweist, sondern auch inhaltlich in einer konstanten Langeweile ausartet. Die Charaktere sind so fahl konzipiert, dass sich eine Sympathie nicht entwickelt. Einzig und allein sind die „Geister“ interessant beschrieben, aber auch deren Potenzial bleibt eindimensional – was hätte man doch großartiges daraus entstehen lassen können!? Schade.

Ein Mord – eine Verschwörung und die dunkle Vergangenheit der ruhelosen Geister – alles Chancen, die die Autorin nicht aufgegriffen hat. Man hat den Eindruck, dass die Autorin von allen Geistern verlassen ist – so großes Potenzial und nicht wirklich strukturiert verwendet. Würde man die inhaltlosen Handlungen, die überflüssigen, ausufernden Dialoge mit einen Rotschrift streichen, so hätte man eine interessante Kurzgeschichte in den Händen. Ein wirklicher und das ist mitunter der größte Kritikpunkt ist, dass die magische Welt  dem Leser verschlossen bleibt. Zu wenig fokussiert sich Leigh Burton auf einen Punkt – erst zum Ende hin, wird es leidlich spannend und die Auflösung ist dann zwar innovativ, aber diese kommt mit einer so satten Verspätung, dass der Unterhaltungswert abschließend einfach negativ ist.

Fazit

„Das neunte Haus“ von Leigh Bardugo ist der erste Band einer Reihe. Leider klingt das negative Echo so intensiv nach, dass ich nicht zum zweiten Band greifen werde. Ich bin sehr enttäuscht, dass man aus einer so verdammt großartigen Idee nichts Vielversprechendes gemacht hat. Für mich ein sehr, sehr schwacher Fantasy-Roman – wenig Spannung, überflüssige Dialoge, keine Atmosphäre und eine enorme Anzahl von Ideen und Möglichkeiten die nicht erkannt wurden.

Michael Sterzik

Sonntag, 3. Mai 2020

Die Macht der Geheimdienste - Uwe Klußmann


Spione und Agenten – alles Schattenspieler, die für souveräne Staaten Wirtschaft und Politik unterwandern und ausspähen wollen. Schon seit Jahrhunderten bedienen sich Staatsmänner fast aller Regierungen dieser taktisch und strategischen Berufsgruppe. Doch die Tätigkeit dieser Agenten unterscheidet sich mitunter stark. Pläne zu neuen Technologien und Waffen sind äußerst interessant für die Männer und Frauen, die sich der Kultur, der Religion, der Gesetze usw. des jeweiligen Landes vielleicht auf Jahre hin anpassen müssen. Verlockend auch die politische Ausrichtung zu manipulieren um sie ggf. zu destabilisieren.

Gemäß dem Motto: Im Krieg und in der Liebe ist alle erlaubt, bedienen sich diese Schattenkämpfer allen Möglichkeiten – auch ein Mord, ein Attentat kommt in Frage und auch mit amourösen Überzeugungstaktiken ala „Der Spion der mich liebte“ - bei Sekretärinnen und Assistenten kann man mithilfe einer Romanze liebevoll Informationen sammeln.

Die Gegenwart, die Zukunft und auch die Vergangenheit der Spione behandelt der Spiegel-Redakteur Uwe Klußmann sehr lehrreich und unterhaltsam. Selbstverständlich dürfen historische Spionagethemen und Persönlichkeiten wie z.B. die erotische Verführungstänzerin Mata Hari nicht fehlen. Doch bei dieser sagenumwobenen Person rückt Uwe Klußmann mal die Legende Mata Hari zurecht. Spione sind auch nur Menschen und somit wird ebenfalls im Buch „Die Macht der Geheimdienste“ von Pleiten, Pech und Pannen gesprochen.

Geheimdienste haben ein schillerndes Image: Es changiert zwischen dem Glamour von James Bond, der Verruchtheit von Mata Hari und der Skrupellosigkeit des Mossad. Da Spione und ihre Organisationen auch in demokratischen Ländern der Kontrolle durch die Öffentlichkeit weitgehend entzogen sind, entfalten sie ihre Macht vor allem im Verborgenen – und agieren nicht selten an der Grenze der Legalität. SPIEGEL-Autoren und Geheimdienstexperten enthüllen anhand von berühmten Agenten und spektakulären, mitunter auch spektakulär gescheiterten, Missionen die Geschichte der Geheimdienste von den Höfen der Könige und Kaiser bis zum Cyberwar der Zukunft. Dabei zeigen sie auch, wie diese Organisationen seit dem 20. Jahrhundert so mächtig werden konnten wie niemals zuvor. (Verlagsinfo)

Die Kapitel sind kurzweilig, aber von den Redakteuren sprichwörtlich auf den Punkt gebracht. Behandelt werden viele Themen und Personen – nicht nur aus Europa, sondern auch von den Machtapparaten China und der USA. Das Buch stellt allerdings keinen Bezug zu Werken aus der Belletristik her – James Bond & Co. gehören obwohl dessen Schöpfer selbst Spione und Agenten waren, größtenteils der Fiktion an. Doch die Autoren erzählen auch von einer lebensgefährlichen Tätigkeit, eine Enttarnung könnte bestenfalls eine Inhaftierung bedeuten, schlimmstenfalls der endliche Gang zum Galgen.

Uwe Klußmann erzählt aber auch von kryptischen Geheimschriften und der individuellen und ideenreichen Möglichkeiten einer Chiffrierung. In den letzten Kapiteln befassen sich die Autoren mit dem Fluch und dem Segen der Digitalisierung, deren Transparenz neue Wege, aber auch neue Gefahren bergen.  

Der Kalte Krieg hat sich in einem Cyberkrieg verwandelt – aber auch hier gilt die Losung, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht – Wissen ist Macht.
„Die Macht der Geheimdienste“ ist beschränkt, sie können keinen Krieg entscheiden, aber durch eine Schlacht beeinflussen. Es ist ein gefährliches Geschäft zwischen Gesetz und Verbrechen. Ein situatives Geschäft  der Informationen – dessen Ehrlichkeit auch immer aus der Perspektive des jeweiligen Auftraggebers sich stark unterscheidet.

Fazit
„Die Macht der Geheimdienste“ von Uwe Klußmann ist unterhaltsam und lässt uns einen Blick hinter den Spiegel von Manipulationen, Idealen und zwischen Lügen und Wahrheiten werfen. Das Buch motiviert, wenn man an der Thematik interessiert sich , anderen Büchern zu widmen. Eine Empfehlung weitere Titel aus dem Ressort liegt bei.

Spannend und unterhaltsamer Titel  – ein Blick in einer Grauzone, deren Realismus nicht ungefährlich für die Spione und Agenten ist.

Michael Sterzik


Freitag, 1. Mai 2020

The Expanse - Cibola brennt - von James Corey


Das Autorenduo hat schon längst mit seiner Reihe: „The Expanse“ bewiesen, dass Science Fiction auch andere Möglichkeiten bereithält, wie märchenhafte Weltraumschlachten und exotische Aliens, die unsere Ressourcen verwenden möchten. „The Expanse“ ist ein eigenes kleines Universum und die wahrscheinliche „Realität“ der bisherigen drei Titel wirkt absolut überzeugend.

Aufeinander aufbauend stellt sich die Zukunft der Menschheit, die den Weltraum und andere Planten kolonisieren möchte, als wie immer uneinig dar. Aber neben der Erde, dem Mars und der Fraktion der Gürtler bringen die beiden Autoren unter dem Pseudonym James Corey nun auch Industrieunternehmen mit ins Spiel, die nach den Ressourcen der Planeten hinter dem Ring trachten. Eine Eskalation steht also in den Startlöchern, denn auch die Kolonisten, die eine neue Siedlung aufbauen wollen und natürlich die Wissenschaftler, die die sehr alten Ruinen der Aliens erforschen wollen haben eigene Pläne.

Ein interstellares Portal hat sich geöffnet. Angespornt von den ungeahnten Möglichkeiten, die sich damit bieten, bricht die Menschheit zu den Sternen auf und besiedelt fremde Welten. Inmitten der blutigen Raumschlachten um die Ressourcen der neuen Planeten stoßen die Siedler auf die Überreste einer uralten Zivilisation. Für Captain James Holden und seine Crew beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn das, was die außerirdische Zivilisation ausgelöscht hat, ist immer noch dort draußen…(Verlagsinfo)

Captain James Holdens Charakter ist auch im vierten Band interessant gezeichnet. Er mag sich noch immer in seiner Gedankenwelt als „neutral“ bezeichnen, doch ist er davon weit entfernt, eigene Entscheidungen zu treffen. Immer wieder lässt er sich instrumentalisieren – jetzt soll er auf der neuen Kolonie als neutraler Botschafter vermitteln. Dabei begegnet ihn ein Konzern, der sich der Rohstoffe bemächtigen könnte und dessen Vertreter auf dieser neuen Welt buchstäblich mit Waffengewalt sich durchsetzen möchte, hinzu befindet er sich noch auf einem fremden Planeten, auf dem nicht nur viel neues zu erforschen gibt, sondern auch tödliche Gefahren von jeder Seite alle Neubewohner bedrohen.

Die Autoren zeichnen somit ein nicht fremdes Bild einer egoistischen Menschheit, die visionär einfach versagen. Die Motivation nach „Das-gehört-jetzt-mir-und-niemanden-anders“ – durchdringt die ganze Geschichte. Wer also annimmt, dass sich die Menschheit im Zug der Eroberung in Bezug auf Ethik und Moral weiterentwickelt hat, liegt vollkommen daneben. Die Spannung im vorliegenden Roman ist eher durchschnittlich gemessen. Zwischen den Rivalitäten der Interessengruppen liegt der Fokus einzig und allein auf die Gefahren, die von diesem Planten ausgehen. Leider gibt es dann aber auch viel zu wenig neue Erkenntnisse über die Aliens, die auf diesen Planeten einst gelebt haben müssen. Ruinen, Abwehrmaßnahmen, Kraftwerke – aber wer und was waren die Erbauer. Nach dem vierten Band sollten die beiden Autoren jetzt einmal etwas Licht in diese hervorragende Space-Opera bringen.

Die üblichen Besatzungsmitglieder von James Holden spielen nicht unbedingt tragende Rollen. Auch hier wäre es vorteilhafter gewesen, diesen drei Crewmitgliedern mehr erzählerischen Raum zu geben.

Besonders gefallen hat mir der gute Geist dieser Geschichte – also die Figur „Millers“. Eine inzwischen unmenschliche „Kreatur“, mit menschlichen Zügen, einer bitteren und humoristischen Natur, deren Präsenz sich hoffentlich auch in den nachfolgenden Bänden einfindet.

Fazit

„The Expanse – Cibola brennt“ schafft den neuen Balanceakt zwischen Expansion und Wissenschaft so gerade eben. Die Möglichkeit die Story weiterzuentwickeln ist offener denn je! Werden andere Planeten erforscht? Wie verhalten sich die drei Fraktionen in Zukunft – und die alles entscheidende Frage – wer und was sind die Aliens und die Mächte, die sie anscheinend vertrieben, vielleicht getötet haben?!

Insgesamt ist „Cibola brennt“ ein sehr spannender und unterhaltsamer Roman mit leichten Schwächen. Die Neugier entwickelt sich dennoch und nimmt an Fahrt auf. Seien wir also gespannt in welcher Richtung sich dieses umfassende Universum bewegt.

Michael Sterzik


Sonntag, 19. April 2020

Interview zu seiner True-Crime-Reihe - mit Dr. Andreas Gößling


Hallo Herr Gößling. Vielen Dank, dass Sie sich für dieses Interview etwa Zeit nehmen.

1. In den letzten Jahren haben Sie im Genre „Thriller“ als Einzel- sowie als Co-Autor sehr erfolgreiche wahre Kriminalgeschichten thematisch in Romanform verfasst. Warum glauben Sie fasziniert die Leser „True“ Crime“ so sehr?
Darüber kann ich nur spekulieren. Die Beweggründe der Leser dürften mindestens so vielfältig sein wie die Ausformungen des True-Crime-Genres. Beim „Experten-True-Crime“ bspw. mit dem Namen eines erfahrenen Ermittlers oder Forensikers auf dem Cover schätzen Leser wohl hauptsächlich die Realitätsnähe der geschilderten Untersuchungen. Generell sorgt die Vorstellung, dass die erzählten Schrecknisse „wirklich passiert“ sind, anscheinend für den zusätzlichen Kick, den frei erfundene Mordgeschichten nicht bieten können. Eine Rolle spielt vermutlich auch, dass Überbietungswettbewerbe im Krimi- und Thriller-Genre zumindest teilweise zu abstrusen Plots führen, bei denen Plausibilität und Wahrscheinlichkeit zu den ersten Opfern gehören.

2. Für diese Art von Thriller, müssen Sie vermute ich mehr als sonst recherchieren? Erzählen Sie uns wie Sie vorgehen und welche Personen sie einbeziehen - alle beteiligten Personen sofern sie noch leben- Kriminalbeamte – Opfer – Zeugen – Täter?
Um beim Schreiben festen Boden unter den Füßen zu haben, ist es mir zunächst einmal wichtig, die Schauplätze der (realen) Geschehnisse auf altmodisch analoge Art aufzusuchen. Zur Vorbereitung von „Drosselbrut“ verbrachte ich einige Zeit in Charleroi, der heruntergekommenen belgischen Industriestadt, von der aus Dutroux operiert hat. Und bevor ich „Rattenflut“ schrieb, war ich sogar in Indonesien und habe entlegene Inseln per Boot und zu Fuß erkundet, die dann zu realen Vorbildern der fiktiven Insel Maipaan wurden.
Wichtig sind natürlich auch die persönlichen Gespräche mit Personen, die aus erster Hand berichten können. Während der Vorbereitung von „Drosselbrut“ konnte ich bspw. mit Hinterbliebenen eines von Dutroux verschleppten und ermordeten Mädchen sprechen und hatte das Glück, auf hochrangige Personen aus der politischen Administration Belgiens zu treffen, die mir aufschlussreiche Materialien zu den Tathintergründen zuspielten.
Von Investigativreportern und Ermittlern bekomme ich gleichfalls immer wieder hilfreiche Auskünfte. Dazu gehört allerdings auch der dringende Rat, bei den Nachforschungen eine bestimmte Grenze nicht zu überschreiten, also weder das Leben von Informanten noch das eigene aufs Spiel zu setzen.
Oftmals kann man sich auch mit Erkenntnissen zu einem ähnlich strukturierten Fall oder Täter behelfen; bei meiner Trilogie geht es ja um kriminelle Kartelle, also letztlich mehr um Muster und Systeme als um individuelle Details, die natürlich von Fall zu Fall variieren. So kam mir bei den Recherchen zu „Wolfswut“ zugute, dass ich in einem anderen Fall an der Suche nach einer vermissten jungen Asiatin im „Untergrund“ Berlins beteiligt war, wie sie dann sehr ähnlich im Roman geschildert wird. Und sicher hat es auch nicht geschadet, dass ich schon vor Jahren ausführliche Interviews mit verurteilten Mördern und Sexualstraftätern geführt habe. Auf diesen Gesprächen sowie auf Fallschilderungen von Experten für Täter- und Opferpsychologie fußt nicht zuletzt die Darstellung des Serientäters Tycho Terry alias Kilroy, der in „Rattenflut“ aus der Innenperspektive dargestellt wird.

3. Die „Wahrheiten“ , die Sie als Schriftsteller aufarbeiten und thematisieren sind mitunter gewagt – da Sie ja auch indirekt darauf eingehen, dass prominente Persönlichkeiten, Staat- und Regierungschef, Vorstände, Richter und Staatsanwälte zu den „Täterkreis“ gehören?! Hat man Sie nach dem Erscheinen von „Wolfswut“ und „Drosselbrut“ gewarnt, oder bedroht?
Glücklicherweise nicht. Bei meinen teilweise aufwendigen Recherchen ziehe ich von vornherein die oben erwähnte Grenze: Niemand soll durch meine Nachforschungen gefährdet werden, mich selbst eingeschlossen; letzten Endes handelt es sich ja „nur“ um Unterhaltungsliteratur. Gerade bei ihren Recherchen zum noch immer brisanten Fall Dutroux haben ein Enthüllungsreporter und ein Privatermittler mir eindrucksvoll geschildert, an welcher Stelle sie aufgrund welcher Überlegungen jeweils beschlossen, ihre Nachforschungen einzustellen.

4. Wie verarbeiten Sie diese Eindrücke, damit meine ich die Ergebnisse Ihrer Recherche und die Gespräche mit den beteiligten Personen? Können Sie das professionell verarbeiten – oder wie behelfen Sie sich als Autor und Mensch den moralischen Kompass zu justieren?
Um Geschehnisse im Extrembereich menschlicher Erfahrung nachvollziehen und jenseits von Klischees davon erzählen zu können, ist es aus meiner Sicht zwingend erforderlich, sich in alle Beteiligten – auch in die Täter – bis zu einem hohen Grad hineinzuversetzen. Also sich nicht nur kriminalistische Fakten und psychiatrische Theorien zu Gemüte zu führen, sondern auch die Grenze zwischen „normal“ und „abnorm“, von der man sich sonst zum Wohl der eigenen seelischen Gesundheit fernhält, in der Imagination gezielt zu überschreiten. Hierfür habe ich im Lauf der Jahre eine Mentaltechnik entwickelt und immer weiter verfeinert, die mir sowohl die extreme Annäherung als auch den rechtzeitigen Rückzug erlaubt. Hilfreich ist hierbei wohl auch meine Erfahrung als Buch-Ghostwriter, der sich über Jahrzehnte darin geübt hat, so minimalinvasiv wie maximal erfolgreich in die Köpfe seiner Top-Klienten (und späteren Cover-Autoren) aus Wirtschaft und Wissenschaft vorzudringen.

5. Zusammen mit Prof. Dr. Michael Tsokos haben Sie eine sehr erfolgreiche Trilogie veröffentlicht. Als Co-Autor ist man ja etwas die „graue Eminenz“ wie war die Zusammenarbeit mit dem wohl bekanntesten Aufschneider der Republik?

Längere Zeit durchaus interessant, denn wie so oft bei Ghostwriting- oder Ko-Projekten gelangte ich in einen Mikrokosmos, den kommunizierbar zu machen nicht ohne Reiz war. Bei mehr als vierzig Büchern, die bis heute unter meinem Namen erschienen sind, kann ich es auch verschmerzen, wenn ich mal nicht auf dem Cover eines Buchs stehe. Allerdings ziehe ich es normalerweise vor, solche Bündnisse nach ein bis zwei Büchern zu beenden, um mich neuen Herausforderungen zuzuwenden. Ich bin ein entschiedener Anti-Spezialist, dem es bald langweilig wird, wenn sich Routine einstellt. Bei der Zusammenarbeit mit Tsokos war ich quasi Opfer unseres Erfolges, bis ich schließlich die Zusammenarbeit aufkündigte, um wieder vermehrt (allein) unter eigener Flagge zu segeln.

6. Überlegen Sie ggf. ein Sach-/Fachbuch über die Kriminalfälle zu verfassen, mit denen Sie sich in den letzten Jahren beschäftigt haben?
Nein, das überlasse ich den jeweiligen Fachleuten. Mein Fach ist das Erzählen.

7. Wieviel „Wahrheit“ steckt hinter dem fiktiven Charakter „Kira Hallstein“?
Hallstein ist eine extreme Persönlichkeit, die es so in der Realität der Landeskriminalämter nicht gibt – hoffentlich, sollte man wohl hinzufügen. Ihre eigene Traumatisierung macht die Besessenheit plausibel, mit der sie zur Jägerin der „Bruderschaft“ wird. Für mich personifiziert Kira zugleich eine tiefere Wahrheit: Als Rächerin wird sie denen, die sie zur Strecke bringen will, auf verstörende Weise immer ähnlicher; eine Entwicklung, die sich mit Einsichten der Traumapsychologie deckt.

8. Können Sie uns, ohne zu viel verraten etwas von Ihren künftigen Projekten erzählen?
Dem True-Crime-Genre werde ich vielleicht nicht für immer den Rücken kehren, aber im Moment reizt es mich mehr, einen rein fiktionalen Psychothriller zu schreiben. Eingebettet aber wiederum in die gesellschaftliche Wirklichkeit des heutigen Berlin. Daneben arbeite ich kontinuierlich an Neuausgaben meiner seit den 1990ern erschienenen Werke, die in der Edition Marbuelis (www.marbuelis.de) als Hardcover erscheinen. Schon mein erster Roman, „Der Irrläufer“, entstanden Ende der Achtzigerjahre, war übrigens ein Psychothriller.

9. Waren Sie schon einmal an einem Punkt, bei dem Sie sagten – Sorry, dass geht zu weit, dass kann und will ich nicht schreiben? Und wenn ja aus welchen Gründen?
Nein, das ist nie passiert. In meinen Romanprojekten lote ich oftmals Nachtseiten menschlicher Wahrnehmung und Erfahrung aus, in die sich sonst kaum jemand vorwagt. Aber wie weit ich gehe, liegt ja bei mir.

10. Man munkelt, dass Sie einen Band mit düsteren lyrischen Texten veröffentlichen werden. Stimmt das?
Das stimmt. Er heißt Die Stunde der Mörder und wird hoffentlich noch im Jahr 2020 erscheinen.
Dankeschön Herr Gößling. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.
Ich danke Ihnen.

Michael Sterzik / Andreas Gößling

Samstag, 18. April 2020

Rattenflut - Andreas Gößling


Mit den ersten beiden Bänden seiner True Crime Trilogie – „Wolfswut“ und „Drosselbrut“ zeigt uns der Autor Dr. Andreas Gößling die dunkelsten und tiefsten Abgründe von adaptierten, authentischen Kriminalfällen. Die persönlichen Empfindungen beim lesen unterscheiden sich, wenn man dabei bedenkt – dass dieser „Unterhaltungsroman“ einen realen Hintergrund besitzt.

In dem vorliegenden Roman „Rattenflut“ begibt sich der Leser in einer Hölle von Missbrauch, Folter, Versklavung und letztlich den organisierten Mord an Kindern und Jugendlichen.  Andreas Gößling zeigt uns allerdings ein realistisches und besorgniserregendes Abbild einer „Gesellschaft“ hier genannt „Bruderschaft“, deren Mitglieder öffentliche Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, der Regierung, des Showbusiness sind. Sie fragen sich vielleicht an dieser Stelle – gewagte These, etwas weit aus dem Fenster gelehnt? Nein – leider nicht. Die Annahme, dass es eine Organisation gibt, deren Mitglieder eine verschworene Gemeinschaft sind, die mit ihrem Einfluss, ihrem Geld, ihren Beziehungen und ihren staatlichen Befugnissen systematisch und perfekt organisiert Menschen zum Vergnügen foltern, sexuell missbrauchen und umzubringen – sind real und entspringen nicht der Phantasie von Autoren.   

In „Drosselbrut“ z.B. thematisiert Andreas Gößling die Sexualverbrechen und Morde von Marc Dutroux. Nach seiner Verhaftung und im anschließenden Prozess verstarben 27 Zeugen – Unfälle – Suizid – Mord – mysteriöse Krankheiten…! War Marc Dutrox ein Einzeltäter, oder handelte er im Auftrage eines Pädophilennetzwerkes, dass Verbindungen bis in höchste belgische Regierungskreise hat und durch Auslöschung dieser Zeugen, eine Aufklärung brutal verhinderte!? Letztlich deutet alles darauf hin.

Auch in „Rattenflut“ gibt es einen historischen Hintergrund – der größte Missbrauchsskandal in Großbritannien.

Offiziell ist Kira Hallstein nach den Ereignissen in »Drosselbrut« aus gesundheitlichen Gründen vom LKA Berlin beurlaubt worden – inoffiziell arbeitet sie unter einer neuen Identität für eine geheime Sondereinheit von Europol. Ihre Aufgabe: alles erdenklich Notwendige zu unternehmen, um endlich »Die Bruderschaft« zu Fall zu bringen, die für Verschleppung, Versklavung, Folter und Missbrauch von Kindern und Jugendlichen weltweit verantwortlich ist.

Eine renommierte Krebsklinik für Kinder in Berlin scheint zum weltweiten Netz der Bruderschaft zu gehören, und Kira ist es gelungen, Kontakt zu einem der Pfleger dort aufzunehmen. Doch bevor sie irgendetwas Nützliches von ihm erfahren kann, wird der junge Mann bei einem fingierten Raubüberfall brutal ermordet …

Erst nach dem Tod des BBC-Showmasters Jimmy Savile im Jahr 2011 kam ans Licht, dass Savile jahrzehntelang Hunderte Kinder und Jugendliche in Hospitälern  und Hospizen missbraucht hatte, zu denen er als Schirmherr und Spendensammler uneingeschränkten Zugang hatte. (Verlagsinfo)

„Rattenflut“ ist der dritte und abschließende True Crime Thriller der Kira Hallstein Reihe von Andreas Gößling. Die Figur der Kira Hallstein ist noch immer besessen davon, die Bruderschaft zu vernichten und ihr sind alle Mittel recht – legale wie auch illegale. Dabei nimmt sie menschliche Kollateralschäden in Kauf – Ihre Undercover Tätigkeit fürs BKA schließt auch ihren Kollegen und „Freund“ Max ein. Dieser bereitet sich auf seinen „Tod in Einsatz“ vor – eine Unterwanderung dieses mörderischen Netzwerkes – eine Reise, die sowieso nur einen Ausgang nehmen kann.

Die Entwicklung – körperliche und geistige Navigation dieser Figuren, ist der rote Faden der Handlung. Ihre Aktionen sind absolut grenzwertig und damit positioniert sie sich in einer Ecke, in der die Sympathie für die Figur auch abnehmen kann. Aber darum geht es gar nicht – es geht um die „Bruderschaft“ und hier ist die adaptierte Figur von „Jimmy Savile“ im Fokus.

Andreas Gößling erzählt „Rattenflut“ auch aus dessen Perspektive. Einer psychisch kranken, zerstörten Figur, deren Menschlichkeit nur noch eine Tarnung ist. Dieser Storyline ist hart, dessen Gedankenwelt, und die eigene Interpretation seines „kranken“ Weltbildes ist großartig, wie auch verstörend erzählt. Auch dessen Verbindungen zu der „Bruderschaft“ sind plausibel. Er ist nicht das „Hirn“ der Organisation – mitunter ist er derjenige, der die Drecksarbeit erledigen muss.

Sicherlich kommt immer mal die Frage auf: Wie realistisch ist das überhaupt? Um diese Frage zu beantworten – kann ich jeden raten, sich nach dem lesen von „Rattenflut“ etwas zu recherchieren. Man findet eine Dunkelheit vor, ein schwarzes Loch deren tödliche Brisanz und realistischer Hintergrund einen schaudern lassen.

„Rattenflut“ ist auch der actionreichste Roman dieser Reihe. Der Showdown auf einer kleinen Insel – dem „Zentrum“ der Bruderschaft lässt „James Bond“ laut „weiter so“ und „gebt es Ihnen“ rufen. Temporeich – brutal – dramatisch mit einem realistischen Ergebnis.
Besonders gefallen haben mir die Nebenfiguren dieser Reihe – Hallsteins moralisch-menschlicher Kompasse Max – ist prädestiniert dafür sich in einer späteren Hauptrolle vorzudrängeln. Tolle Konzeption.

Man kann jeden Roman dieser Reihe auch als Einzeltitel lesen – doch empfehle ich es nicht – da der Entwicklungsprozess der Figuren wichtig ist, und sowie das Gesamtbild der „Bruderschaft“ vollumfänglich nachvollziehen zu können.

Inhaltlich ist „Rattenflut“ für mich nicht der stärkste dieser Reihe. Ich hätte gerne Max mehr auf der Bühne gesehen, andere dagegen lieber weniger intensiv. Ebenfalls wäre es von Vorteil gewesen – wenn die Strukturen und Hintergründe der „Bruderschaft“ thematisch mehr Gewichtung hätten.

Fazit

„Rattenflut“ ist True Crime Hardcore. Die Urgewalt dieser ganzen Reihe ist das „Authentische“ – der brachiale Aufschlag auf den dunklen Boden in der Hölle der Tatsachen. Erzählerisch perfekt – die Dialoge messerscharf,  die Figuren treffsicher positioniert – bietet diese Reihe sehr hohen, spannenden Unterhaltungswert.

Letzte Anmerkung: Geben Sie „Max“ die Chance aus dem Schatten von „Hallstein“ hervorzutreten. Er hat es sowas von verdient.

Prädikat: Qualitative Hochspannung – ein grauenvoll guter Pageturner. Lesen.

Michael Sterzik

Freitag, 10. April 2020

Die Sekte - Es gibt kein Entkommen - Mariette Lindstein


Personenkulte – Sekten gibt es schon seit Jahrhunderten. Eine der bekanntesten und zugleich der umstrittensten ist Scientology, deren Netz und Mitglieder sich überall in der Welt etabliert haben. Es ist eine „neue“ religiöse Vereinigung, die das Ziel hat, dass Leben aller zu verbessern, mithilfe von systematischen umprogrammierenden Eingriffe in der Psyche der Mitglieder. Also Pseudowissenschaft mit religiösem Charakter, dessen Ziel es ist nicht nur die Persönlichkeit zu verbessern, sondern auch an Macht, Geld und Einfluss zu gewinnen.

Die schwedische Autorin Mariette Lindstein war selbst 25 Jahre Mitglied dieser sektenähnlichen Vereinigung Scientology. Ihre Erlebnisse und Eindrücke hat sie nun in ihre Buchreihe „Die Sekte“ verarbeitet.

Auf einer nebeligen, sturmgepeitschten Insel vor der Westküste Schwedens hat sich der charismatische Franz Oswald, Anführer der Bewegung Via Terra, mit seinen Anhängern in einem herrschaftlichen Anwesen niedergelassen. Sofia Bauman ist fasziniert von dem Mann und dem geheimnisumwitterten Ort. Als er ihr einen Job anbietet, fällt es ihr leicht alles hinter sich zu lassen. Doch Oswald entpuppt sich als sadistischer Psychopath, der Sofia zu seinem Spielzeug machen will. Sie muss fliehen, aber sie ist längst in einem dunklen Netz aus Abhängigkeit, Liebe und Gewalt gefangen … (Verlagsinfo)

„Die Sekte – Es gibt kein Entkommen“ ist der erste Teil einer Reihe und soll laut der schwedischen Zeitung „Aftonbladet“ Nervenzerreisende Spannung garantieren. Ich weiß nicht welches Buch, dass Nachrichtenblatt meint, aber der Titel „Die Sekte – Es gibt kein Entkommen“ ist so spannend wie das „Sandmännchen“ für Erwachsene Zuschauer.

Die Story ist weder spannend, noch unterhaltsam, weder originell, noch abwechslungsreich. Eine Ansammlung von logischen Fehlern, von klassischen Handlungselementen – wenn jemand das Stichwort „Sekte“ beschreiben möchte. Hinzu noch zum allergrößten Teil so etwas von unrealistisch abdriftend beschrieben, dass es einen ärgert.

Ein Beispiel ist die Charakterisierung des Anführers und Oberhauptes Franz Oswald. Absolut unrealistisch und überzeichnet, dass eine große Gruppe von Menschen auf dieser Insel einzig und alleine EINEM Mann folgt. Nein – keiner Gruppe – nur dieser Franz Oswald besitzt so viel Charisma und ein Talent professionell zu manipulieren, dass alle nach seiner Rattenfänger-Pfeife tanzen?!  Zweites Beispiel: Monatelanger Druck und psychologische Folterspielchen, sowie Schlafentzug und körperliche Bestrafung der Mitglieder – und niemand aus deren Reihen erhebt sich, niemand revolutioniert in diesem längeren Zeitraum? Keiner möchte fliehen? Keiner gibt Widerworte?

Nur die Hauptfigur „Sofia Bauman“ beginnt die Thesen von Franz Oswald anzuzweifeln?
Die ganze Story ist völlig unrealistisch und spielt mit einer kindgerechten Dramatik die billig – zum Sonderpreis eingepflegt ist. Die Charaktere sind so eindimensional, wie ich es selten wahrgenommen habe – Gut – Böse …das war es auch schon. Hätte man nicht besser die Story aus der Perspektive von zwei Figuren erzählen können – Sofia Baumann und Franz Oswald?

Stil, Ausdruck und Sprache sind einfach schlecht. Die Dialoge in sich so simpel und einfach dargestellt, die man aus Groschenromanen kennt. Wiederholungen – Übertreibungen – logische Fehler sind das Grundgerüst dieser Story. Überhaupt verfügt die Storyline, über so viele überflüssigen Informationen und Beschreibungen, dass jegliche Atmosphäre, die die Autorin gerne platziert hätte, gar nicht möglich ist.

Die Autorin setzt sich auch nicht mit der Thematik einer "Sektenähnlichen" Vereinigung auseinander. Weder mit deren Struktur, noch mit deren Motiven. Alles insgesamt zu oberflächlich.

Fazit

„Die Sekte – Es gibt kein Entkommen“ ist mitunter, dass schlechteste was ich die letzten zehn Jahre gelesen habe. Wenn das ein Debüt sein sollte – ist es allzu amateurhaft gescheitert.  Es ist kein Talent zu erkennen – keine Qualität – keine originelle Idee.
Ein verunglückter Roman – der beispielhaft und mahnend dafür steht – wie man Spannung nicht erzeugen kann.

Michael Sterzik