Sonntag, 11. Februar 2018

Kerkerkind - Katja Bohnet

Der zweite Band  „Kerkerkind“ der zwischen Köln und Frankfurt lebende Autorin Katja Bohnet wurde vor Kurzem im Verlag Knaur veröffentlicht.

Der Thriller spielt in der Metropole Berlin. Ein heißer Sommer, in der in einem Waldstück, eine verbrannte, schwangere Frau gefunden wird. Es bleibt nicht bei einem Todesfall – ein Verdächtiger verliert seinen Kopf. Die beiden sehr unterschiedlichen Ermittler des LKA Rosa Lopez und Viktor Saizew, werden mit diesem brisanten Fall betraut. Viktor leidet noch an den Folgen eines inzwischen entfernten Gehirntumors und entlässt sich selbst aus dem Charité. Seine Kollegin Rosa Lopez steht kurz vor ihrer dritten Entbindung und ist emotional stark belastet, da ihr todgeglaubter Sohn, nach acht Jahren wieder aufgetaucht ist, nur eben nicht in Berlin.

Es ist der zweite Roman von Katja Bohnet. „Messertanz“ habe ich noch nicht gelesen, sodass mir einige Passagen aus dem vorliegenden Buch natürlich völlig fremd sind, da diese sich auf den Erlebnissen aus dem ersten Band beziehen.
Der Einstieg in den Roman ist nicht leicht. Kurze, knappe Sätze, viele unnötige Umschreibungen verunsichern und man hofft, dass es nicht so weitergeht. Im Laufe der nächsten Kapitel, lernt der Leser die beiden sehr eigenwilligen Ermittler kennen. Ebenfalls lässt die Autorin das persönliche, private Umfeld der beiden Kriminalbeamten in einem sehr, sehr ausführlichen Fokus rücken. Dies ist einerseits hervorragend, andererseits verliert sich die Handlung und konzentriert sich auf das Privatleben, also den sehr reichhaltigen informativen Nebengeschichten.

Die Spannung ist nicht immer präsent. Sie taucht immer mal wieder sehr glänzend formvollendet auf, um dann in den vielen großen und kleinen privaten Herausforderungen, der Protagonisten unterzugehen. Die Handlung fächert sich auf, geht mal in diese, mal in eine andere Richtung. Viel Ermittlungsarbeit findet nicht statt, das verliert sich leider aus den gerade besagten Gründen.

Stil und Sprache sind hervorragend gestaltet. Emotional, sensibel, aber auch konsequent hart und kompromisslos, wenn es die Situation verlangt. Die Charakterfindung ist allerdings perfekt gelungen. Gerade die Person Viktor Saizew hat ungemein viel Potenzial und wirkt bei all seiner realistischen Vita und seiner harten Sensibilität und Hilfsbereitschaft sehr sympathisch. In „Kerkerkind“ spielt seine berufliche Partnerin Rose Lopez eine eher untergeordnete Rolle, die allerdings im letzten Drittel dichter wird.

Auffällig im Aufbau, sind die allzu vielen Beschreibungen und Vergleiche von Gefühlen, Situationen, Gegenständen etc. Klar, interessant und auch nötig – aber für meinen Begriff zu viel des Guten.

Fazit

„Kerkerkind“ von Katja Bohnet ist ein dichter Thriller mit herausragenden Charakteren, die die Handlung passgenau ergänzen. Ich hoffe, auf einen dritten Teil und diesen bitte hochkonzentriert auf die Haupthandlung auslegen. Den Namen der Autorin „Katja Bohnet“ muss man sich merken. Absolut empfehlenswert.

Katja Bohnert öffnet einen Kerker – und ans Tageslicht kommen Rache und Vergeltung in perfekter, faszinierender Form. Absolut zu empfehlen.

Michael Sterzik






Keine Kommentare: