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Sonntag, 7. Juli 2019

Magus - Die Bruderschaft - von Arno Strobel


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Der Titel – Magus – Die Bruderschaft von Arno Strobel ist im Verlag dtv neu veröffentlicht worden. Allerdings ist dies nicht der aktuellste Titel des Autors, sondern es ist sein Debütwerk aus dem Jahre 2007, den er damals erstmals selbst in viel kleinerer Auflage publizierte.
Klerikale Thriller haben mich schon immer interessiert. Der Vatikan – dieser kleine Staat inmitten Italiens hütet so viele Geheimnisse, aus Jahrtausenden angesammelt, wie ein kleiner Schatz. Es ranken sich so viele Mythen und Legenden um den Sitz des Papstes und seiner in Purpur gekleideten Kirchenfürsten. Der Vatikan besitzt enorm viel Macht – vielleicht nicht mehr den politischen Einfluss wie zu Zeiten des Papstes Johannes Paul II. , doch alleine schon aus dem Aspekt das sich katholische Priester in fast allen Ländern der Welt relativ frei bewegen können.
Finanziell unabhängig – ein eigener „Geheimdienst“ – eine Ideologie mit Vereinen, Stiftungen, karitativen Einrichtungen usw. lassen es zu im Hintergrund zu agieren und auch Einfluss auf das Weltgeschehen nehmen zu können. Internes dringt fast nicht an die Öffentlichkeit. Verfehlungen der Priesterschaft schon – doch übrig bleibt in Summe gesehen, ein voller Speicher unsäglicher Geheimnisse.
Arno Strobel hat in seinem 2007 erschienen Roman – „Magus – Die Bruderschaft“ verschiedene Ideen verarbeitet, um den klerikalen Kreis der elitären Gesellschaft Jesu zu unterwandern. Eine Bruderschaft – die seit Jahrzehnten darauf ausgerichtet ist, die Kurie in Schlüsselpositionen zu unterwandern um Jahre später selbst die Möglichkeit zu erlangen, den gesamten Vatikan zu übernehmen!? Und dies von einer Geheimgesellschaft, die ihre Wurzeln aus der NS-Zeit, dem dritten Reich hat?!
Ja klar – es gibt sie – Geheimgesellschaften, immer schon, ob und wie weit sie uns schützen, bedrohen, die Wirtschaft lenken und sowie die gesamte Menschheit – wurde immer schon für die Literatur und Film medial verarbeitet. Arno Strobel hat hier mit seiner Idee nicht den Grundstein gelegt – seine Interpretation und seine Ideen sind nicht neu, doch solide umgesetzt.
„Magus – Die Bruderschaft“ von Arno Strobel ist ein durchschnittlich, befriedigender Thriller. Seine Grundidee, die elitäre Kirche zu unterwandern tollkühn – die Umsetzung allzu lückenhaft, unlogisch, nicht zu Ende gedacht. Tolle Idee – faktisch schlecht umgesetzt – Schade und enttäuschend. Die Grundzüge der Rahmenhandlung beginnen spannend und vielversprechend und münden dann nur wenig später in eine zähe Story, mit viel inhaltlich blassen Szenen und Charakteren, die langweilig agieren und mich nachhaltig überhaupt nicht überzeugen können.
Die Charaktere sind wenig tiefgründig – viel mehr klassisch aufgebaut. Die Schlüsselfigur des „Magus“ ist absolut wenig charismatisch und als Führungsperson stolpert er von einem Kardinalfehler in den anderen. Logische Löcher – unsagbar viele und noch mehr offene Fragen die nicht zu Ende gebracht werden. Dann noch die „Liebe“, die als fester Bestandteil eines Thrillers natürlich nicht fehlen darf, so unsagbar seicht und vorhersehbar installiert, dass es weder die Story, noch die Charaktere stärken kann.
Man kann dieses ggf. alles nur noch über die Tatsache entschuldigen, dass es das Debütwerk von Arno Strobel ist. Warum der Autor allerdings sich nicht die Mühe gemacht hat, diese Geschichte einer völligen Restaurierung zu unterziehen, erschließt mich hier nicht. Es hätte sich in jedem Fall gelohnt.
Viel zu wenig bedacht wurde die Perspektive aus der Sicht der Kirchenfürsten – einen wirklichen Einblick. in den kleinen, aber wichtigen Kosmos des römischen Kirchenstaates mit seinen Prozessen, Abläufen usw. bekommt der Leser dieses Thrillers nicht vor Augen geführt. Analysieren wir die „Authentizität“ der Story – die realistische Umsetzung dieser Handlung, den Kirchenstaat zu unterwandern – so stellt man absolutes versagen fest. Sicherlich darf ein Thriller auch mal unrealistisch unterhaltsam sein – aber dieser Titel ist so unsagbar unrealistisch, dass es peinlich ist.
Fazit
„Magus – Die Bruderschaft“ von Arno Strobel ist einer der schlechtesten Thriller, die ich je gelesen habe, wenn es um Geheimgesellschaften, oder den Vatikan geht. Nicht spannend – überfrachtet mit unzähligen, sinnlosen Inhalten, durchsetzt von logischen Fehlern und mit Charakteren versehen, mit denen man einfach keine Basis findet.
Warum werden solche, offensichtlich schwachen Titel nicht von Grund auf neu überarbeitet? Was übrig bleibt – Zeitverschwendung! Nicht zu empfehlen. Die Fortsetzung schenke ich mir dann besser.
Michael Sterzik
dtv Verlagsgesellschaft

Samstag, 26. Januar 2019

Vespasian - Der falsche Gott - Robert Fabbri


Der in London und Berlin lebende Autor Robert Fabbri lässt den späteren Römischen Kaiser Vespasian – im dritten Band dieser großartigen Reihe „Der Falsche Gott“ aufleben.
Vom einfachen Bauernjungen, der er einmal war und keinen Gedanken daran verschwendete, eine militärische Laufbahn einzuschlagen, findet sich Vespasian inmitten der politischen und militärischen Mühle der Weltmacht Rom wieder.

Als Kaiser Tiberius stirbt, ergreift Caligula konsequent die Macht und erklärt sich zum faktisch zum Gott. Viele Versprechungen richtet er an das einfache Volk und den Senat Roms, nur um diese wenig später als Gottkaiser völlig unkontrolliert und willkürlich zu kippen. Mehr und mehr entwickelt sich Caligula als ein Gewaltherrscher, der dekadent zu einem Despoten wird. Leben und Tod – werden durch seine wechselhaften Launen gesteuert. Ausschweifende sexuelle Orgien, grausame – tödliche Spiele in seinem Palast, eine Atmosphäre der Angst und des Todes umgeben die Senatoren und die militärischen Größen dieses Imperiums. Auch Vespasian – einst und immer noch ein enger Freund des Wahnsinnigen bekommt einen Auftrag – Mission impossible – Er soll den Brustpanzer von Alexander dem Großen aus dessen Grab stehlen….

Robert Fabbri bedient sich allerhand historisch verbürgter Personen. Selbst die Inhaftierung und Kreuzigung von Jesus finden hier im Prolog eine thematische Interpretation. Parallel dazu die angespannte Situation der römischen Besatzung in Jerusalem und die innere Politik und Interessen der jüdischen Priester. Selbst Maria Magdalena wird erwähnt – eine interessante Theorie, die nicht neu ist, aber originell eingepasst. Selbst Saulus/Paulus sprengt mit seiner arg gewaltvollen Auffassung einer Idee des aufkommenden Christentums den Rahmen. Das Besondere an diesen ganzen Theorien, die der Autor hier beschreibt ist – sie sind absolut nachvollziehbar und plausibel.

Wie schon in den beiden vorigen Bänden, beschreibt der Autor sexuelle und gewaltstarke Szenen konsequent plakativ und resolut. Ebenfalls übermittelt der Autor hervorragend die Gefühle seiner Protagonisten: Wut, Angst, Erschöpfung, Hoffnung, Trauer..usw. Diese hohe Konzentration an stilistischer Feinarbeit entwickelt eine solche, großartige Atmosphäre, die den Leser einfängt und fesselt – Spitzenklasse.

Selbst der Humor kommt nicht zu kurz. Marius – dass Gewissen, der Schutzengel, der Beschützer und Freund Vespasian ist mitunter der schlauste Kopf von allen. Als Nebenfigur konzipiert, übt er insgesamt großen Einfluss auf und gewinnt damit alle Sympathien. Vespasian dagegen ordnet sich der sozialen, politischen und militärischen Struktur unter. Gezwungenermaßen macht er für sich allerdings das beste aus der jeweiligen Situation – Pragmatisch.

Die historische Figur des wahnsinnigen Caligulas ist erschreckend (Gut) interpretiert. Alle antiken Quellen sind sich einig, dass er ggf. Geisteskrank war. Größenwahnsinnig sowieso – ein brutaler Machtmensch, der zu seinem persönlichen Spaß willkürlich mordete. Herr über Leben und Tod zu diesem Zeitpunkt der Story beschrieben. Interessant allerdings wird es, wenn er sich selbst am Ende des Romans im Beisein Vespasian analytisch charakterisiert. Ganz, ganz starke Szene.

„Fazit“

„Vespasian – Der falsche Gott“ von Robert Fabbri ist hochspannend. Historisch – wie auch die anderen Bände großartig umgesetzt. Ganz starke Figurenzeichnung – spannende Story, die absolut kompromisslos, konsequent aufgebaut ist. Pures Lesevergnügen mit einer Unterhaltungsgarantie.

Michael Sterzik

Samstag, 17. November 2018

Vespasian - Das Schwert des Tribuns - Robert Fabbri

Rom –26 n. Chr. Es gibt keine Republik mehr, regiert wird das Römische Reich durch Kaiser Tiberius. Und diese Epoche ist nicht weniger blutig und durch politische Intrigen zersetzt, als die vorherigen Bürgerkriege es schon vorgemacht haben. Die Legionen des Kaiserreiches kämpfen an verschiedenen Fronten, um die Grenzen des Imperiums weiter auszudehnen. Viele Staaten wurden mit konsequenter Brutalität annektiert – es gilt die Macht des Stärkeren, immer schon. 

Der britische Autor Robert Fabbri erweckt in seinem Debütroman: „Vespasian – Das Schwert des Tribuns“ erschienen im Rowohlt Verlag, das alte Rom. Es gibt inzwischen im Genre „Historischer Roman“ eine ganze Reihe von Autoren, die diese Epoche reanimieren wollen. Robert Fabbri – ist ein Autor, den man sich gut merken sollte. Sein sehr plakatives und vor allem lebendiges Bild des Kaiserreichs am Tiber, sowie die selbstbewusste und selbstverständliche Authentizität, die Robert Fabbri in diesem vorliegenden Band entwirft, verdienen hohen Respekt. 

Die Jugendjahre des späteren Kaisers Vespasian, der erstaunlicherweise eines natürlichen Todes starb, und seinen Militärischen Aufstieg inmitten einer traditionell verankerten intriganten Politik im Herzen des Imperiums erzählt, sind hochspannend. Als junger Tribun nimmt er Teil an der Zerschlagung einer Rebellion in Thrakien und erlernt dort das effektive und kompromisslose töten der Feinde Roms...

Robert Fabbris Perspektive eines kaiserlichen Roms ist schlichtweg großartig. Der erste Band dieser mehrteiligen Reihe überzeugt durch eine grandiose Spannung und einem hohen Wissen über die damalige Zeit. Er ist einer der wenigen Autoren, denen es gelingt schon in den ersten Kapiteln eine Atmosphäre aufzubauen, die einem völlig fasziniert. Ich war und bin sehr positiv erstaunt mit welcher Selbstverständlichkeit der Autor, dass Leben, die Politik, die Traditionen und auch die Religion in seiner Story einbaut. Absolut perfekt dosiert und faktisch überzeugend beschrieben, bekommt man sofort den Eindruck, dass der Autor weiß, wovon er schreibt. 

Die historischen Quellen, wissen relativ viel von diesen und jenen Kaiser dieser Epoche. Die römischen Historiker konnten uns viel Wissen ermitteln, aber dennoch gibt es Lücken. Im Nachwort zeigt Robert Fabbri darauf auf, dass er sich natürlich der schriftstellerischen Freiheit bedient hat, allerdings sind seine Interpretationen und Ideen absolut nachvollziehbar und entspringen nicht irgendwelchen abgedrehten Phantasien. Ansonsten hält sich der Autor gut an der verbürgten Biographie des späteren Kaisers. 

„Vespasian – Das Schwert des Tribuns“ braucht sich hinter den Werken eines Bernard Cornwell, oder eines David Gilman nicht zu verstecken. Im Gegenteil – absolut ebenbürtig verleiht er dieser römischen Epoche eine erzählerische, spannende Wucht, die überzeugt. Robert Fabbri Schilderung einer römischen Feldschlacht gehen unter die Haut. Historisches Breitbildkino in der man förmlich hört und spürt, wie tausende von römischen Legionären die brutale, militärische Tötungsmaschine Roms in Gang bringen. Der Autor nimmt hier kein Blatt vor dem Mund – der einzelne Legionär zählt nichts, dass Leben eines Soldaten – uninteressant. Die ethischen und moralischen Ideale und Vorstellungen verlieren an Gewichtung, wenn die Legionäre über siebenhundert Sperre den Angreifern entgegenschleudern, oder die Kurzschwerter in einer streng aufgebauten Formation zwischen den Schilden zücken müssen. Ach – und wer das berühmte Wagenrennen von dem Klassiker Ben Hur – noch kennt – das gibt es hier auch – aber um einiges besser geschildert. 

Robert Fabbri ist konsequent – es gibt kein Glanz und Gloria, keine romantisierten Vorstellungen, keine selbstlosen Heldentaten inmitten eines Schlachtfeldes. Es gibt wenige Autoren – die sich nicht davor scheuen, zu beschreiben, wie es ggf. gewesen sein kann – Robert Fabbri gehört ganz gewiss dazu. 

Die Figurenzeichnung von Robert Fabbri ist sehr, sehr gut. Stellenweise überzeichnet, aber Haupt- und Nebenfiguren tragen die inhaltliche Spannung gut verteilt auf den Schultern. Selbst an situativer Komik, die durch eine Nebenfigur immer mal wieder mit einer sarkastischen und frechen Note aufkommt, fehlt es nicht. 

Fazit

„Vespasian  - Das Schwert des Tribuns“ von Robert Fabbri gehört mit zu den besten historischen Romanen, die ich dieses Jahr gelesen habe. Geschichtlich Hochklassig – Unterhaltungswert in der ersten Liga und Spannung allgegenwärtig. 

Zu erwähnen sei noch, dass es dem Autor gelingt, dem Leser diese Epoche so schmackhaft zu machen, dass dieser mehr erfahren möchte. 

Unbedingte Leseempfehlung. Schlichtweg „Brillant“. 

Michael Sterzik