Montag, 11. Juni 2018

Missing - Niemand sagt die ganze Wahrheit - Claire Douglas

Es ist in Deutschland das Debüt der britischen Autorin Claire Douglas. Ihr erster erschienener Titel: „Missing – Niemand sagt die ganze Wahrheit“ erscheint nun im Juni 2018 im Penguin Verlag. Es ist nicht der erste Roman, den die junge, ehemalige Journalistin veröffentlicht. Der o.g. Titel allerdings der Erste, der im deutschen Buchhandel erhältlich ist. 

Der Titel richtet sich eindeutig auf die weiblichen Leser aus. Es geht um Freundschaft, Verrat und Lügen. Aber auch um Schuld und alte Geheimnisse, die in einer kleinen verschlafenen Küstenstadt sehr unbequem sein können. Vor Jahren verschwand Sophie in einer Nacht fast spurlos. An dem längst schon maroden, baufälligen Pier fand man einen Turnschuh. War es ein bedauerlicher Unfall, ein Selbstmord, oder wurde die junge Frau Opfer eines Mordes? 

Achtzehn Jahre später erfährt die ehemalige, beste Freundin, die nun in London lebt und erfolgreich eine Hotelkette aufbaut, dass in ihrer Heimatstadt eine Leiche angespült wurde. Francesca und Sophie waren die engsten Freundinnen, zusammen mit ihren Freunden verbrachten sie viel Zeit am Strand, tanzten mit Alkohol im Blut zu den Rhythmen alter Popsongs und dachten, ihnen gehöre die Welt. Falsch gedacht. 

Beunruhigt, aber entschlossen die Vergangenheit aufzuarbeiten und abschließen zu können, fährt Francesca zurück in ein altes Leben, mit alten Wunden versehen und dem Wunsch zur Ruhe zu kommen..

Die Autorin Claire Douglas muss sich unzählige Notizen gemacht haben, um das Beziehungsgeflecht ihrer Figuren, dass enorm komplex aufgebaut ist, noch logisch nachzuvollziehen zu können. Auch wenn es sich um einen recht überschaubaren Kreis der Charaktere handelt, so wirkt es manchmal allzu verwirrend. Wiederum geschickt konstruiert die britische Autorin ein abstraktes Modell von Lügen, Halbwahrheiten, Fakten und Vermutungen. Es gibt einige Verzweigungen, einige Überraschungen, die dann doch dazu führen, dass der Leser schnell begreift, was auf den nächsten Seiten, in den nächsten Kapiteln passieren wird. Die Spannung allerdings bleibt merkwürdigerweise bestehen, und das sehr stabil. 

Aufgebaut ist die Handlung auf zwei zeitlichen Ebenen. Einmal aus der aktuellen Perspektive von Francesca, zu anderen lässt die Autorin die tote Sophie plaudern, die die Vergangenheit auf ihrer ganz eigenen Sicht definiert. Das funktioniert wirklich gut und lässt erahnen, wie es weitergehen könnte. Bei so vielen Andeutungen gibt es einige, ganz verschiedenen Ereignisse, die passieren könnten. Dreh- und Angelpunkt dieser ganzen Spannung ist das Verhältnis unter Freuden, nicht nur das freundschaftliche Verhältnis von Francesca und Sophie, sondern auch das mit ihren ersten, festen Freunden und ihren Eltern. 

Die Szenen beschreibt Claire Douglas sehr authentisch, sehr sensibel und voller Emotionen, im negativen wie auch positiven Sinne. Es gibt nicht viel auszusetzen – einzig und alleine, dass die Überreste einer Leiche nach Achtzehn Jahren auftauchen, lädt ein wenig zum Schmunzeln ein und die Erklärung dazu, ist etwas hanebüchen. 

Fazit

„Missing – Niemand sagt die ganze Wahrheit“ von Claire Douglas ist ein Roman, der das Interesse durchaus weckt, mehr von dieser Autorin lesen zu wollen. 

Die Grundidee des Romans ist nicht neu, verrennt sich aber auch nicht in den klassischen Klischees, die man ggf. erwartet.  

Absolut zu empfehlen – kurzweilig, interessant, spannend und nachhaltig. 
Könnte ein prima Roman für Strandkorbtage sein.

Michael Sterzik 

Mittwoch, 6. Juni 2018

Verrat - Leif GW Persson

In den letzten Jahren ist die Flüchtlingspolitik ein brisantes und noch immer aktuelles Thema geworden. Ist die islamistische Terrorgefahr dadurch stark vergrößert worden? Schon längst ein heikles, politisches Thema, dass viele Länder in ganz Europa betrifft. Die Rechtspopulisten wittern die Chance sich zu profilieren – Angst zu schüren und die inzwischen, doch entspannte Situation zu verschärfen und zu dramatisieren. Fakt ist leider allerdings auch, dass die Terrorgefahr allgegenwärtig hoch ist, allerdings gibt es dabei auch Einzeltäter, Amokläufer die nicht dem Islam angehören und auf ihrer ganz eigenen Frequenz leben und sterben wollen. 

Spätestens seit 9/11 – ist Welt der Geheimdienste in und außerhalb Europas zu einem digitalen Dorf geworfen. Gemeinsame Datenbanken, die Verdächtige Personen identifizieren und jeden Ihrer Schritte dokumentieren und überwachen. Kameras in Großstädten, nicht nur auf öffentlichen Plätzen, die den Alltag der Menschen im Auge haben, von der üblichen digitalen Überwachung der Messangerdienste, Email usw. einmal ganz zu schweigen. 

Auch wenn wir es nicht gerne zugeben wollen – wir Normalbürger in ganz Europa wissen wenig, ein medialer Bruchteil eines Konstrukts, dass wir dimensional auch überhaupt nicht bewerten können. Das ist auch gut so – alles andere würde alle Kritiker, Angstmacher und Wutbürger – nur noch mehr außer Kontrolle bringen. 

Der schwedische Erfolgsautor Leif GW Persson thematisiert in seinem neuesten Thriller „Verrat“, die Bedrohung eines anstehenden Terrorangriffs und die akribischen Ermittlungs- und Überwachungstätigkeiten des Geheimdienstes. Der Autor ist ein Typ – der weiß wovon er schreibt – schließlich war er lange Zeit als Profiler im Polizeidienst tätig und ist Professor der Kriminologie. Ein perfekter Insider- der den Leser also kleinere Momentaufnahmen präsentieren kann. 

In seinem neuesten Werk „Verrat“, befasst sich der Autor mit einer Vielzahl von politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen – allerdings in Kombination mit einem geplanten Terrorangriff. Diese brisanten Themen sind komplex und nicht einfach in einem Thriller zu implementieren. Leif GW Perssons Versuch diese aktuellen Themen unterhaltsam und auch informativ, dem Leser beizubringen gelingt nur Phasenweise. 

Unterhaltsam? Na ja – wer sich sowieso schon mit dem Arbeitsumfeld der Nachrichten- und Geheimdienste beschäftigt hat, für den wird dieser Roman wenig unterhaltsam sein. Auch wenn das Thema interessant ist – der Autor verrennt sich in seiner Beschreibung und Schilderung der prozessualen Ermittlungs- und Überwachungsmethodik der Geheimdienste. Eine atmosphärische Spannung vermisst man. Obwohl die Bedrohung durch einen Anschlag allgegenwärtig zu sein scheint, verliert sich diese und ordnet sich faktisch einer akribischen Dokumentation unter. Wenigstens weiß der Leser am Ende des Romans, mehr über die gewissenhafte und anstrengende Tätigkeit der Außenagenten und sieht so manches politische Thema mit anderen Augen. 

„Verrat“ ist kein Highlight der Spannungsliteratur – vielleicht ein punktuelles Glühwürmchen. Es ist vielmehr ein Buch voller Fakten, dass kann ja auch gut sein, aber wenn die Ausarbeitung der Charaktere nur oberflächlich ist, die Spannung auf der Fahndungsliste auftaucht und es eigentlich doch nur ein Sachbuch ist – sieht eine spannende Unterhaltung anders aus. 

Der Autor schreibt dennoch gut. Stil, Ausdruck und Sprache sehr angenehm. 
„Verrat“ von Leif GW Persson ist mehr ein Sachbuch, wie ein Roman. Für seine Studenten der Kriminologie sicherlich ein Pflichtwerk, als Spannungsroman allerdings ein klassischer Versager. 

Selbst die Zeichnung der Charaktere sind nicht mehr als Oberflächlich. Die Ermittlerin so verspricht es das Cover: „hart im Nehmen, entschlossen, klug – und höllisch cool – wer das geschrieben hat, könnte eine Verwandtschaft mit Pinocchio dadurch erklären, dass seine Nase nun ein ganzes Stück länger ist. 

Sorry – Als Sachbuch absolut TOP, als Politthriller, oder auch Kriminalroman gesehen ist „Verrat“ nicht zu empfehlen. 

Michael Sterzik



Dienstag, 5. Juni 2018

Das Blut des Löwen - Mac P. Lorne

Wer war eigentlich dieser König John Ohneland? 

Wir kennen König Johann, oder auch im Sprachgebrauch „John“ genannt aus der englischen Sage um Robin Hood. In der Literatur, wie auch in verschiedenen Filmen wird dieser sehr negativ präsentiert. Seinen Beinamen „Ohneland“ erhielt er, weil er viele Besitzungen in der Normandie verlor und seine Rückeroberungsversuche kläglich scheiterten.

Grausam, egozentrisch, böse – doch war der historische König John Ohneland wirklich gnadenlos? Im Schatten seines Bruders Richard Löwenherz stehend, hatte er es als Nachfolger nicht leicht. England war unbefriedigt, ein ständiger Krieg gegen Frankreich, Spannungen in Schottland, Irland und Wales brachten ihn in schwierige Situationen. War und ist sein schlechter Ruf gerechtfertigt? 

Glaubt man den Quellen und Chronisten, so war John schon zu Lebzeiten nicht beliebt. Auch sie schildern seine Persönlichkeit als grausam, böse und wollüstig. Letzteres bestätigt sich durch seine legitimen, wie auch seine unehelichen Kinder.

Sein Nachruf wird auch wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit sehr negativ sein. Wahrscheinlich ermordete er seinen Neffen und eigentlichen Thronfolger Arthur, die Barone rebellierten  (Anerkennung der Magna Carta) , sein Kronschatz verlor er und seine endlosen Fehden gegen Frankreich, machten ihn schon zu Lebzeiten äußert unbeliebt. Beschäftigt man sich allerdings mit seiner historischen Person und seinen Taten, so verschwimmt das negative Bild ein wenig. Er hatte auch durch seinen Bruder und seiner Mutter eine gewisse Regierungserfahrung und hatte anscheinend ein Talent für die Organisation und der Verwaltung. Auch als Stratege im Krieg konnte er sich behaupten – seine Feldzüge gegen Irland, Wales und Schottland festigten seine Regentschaft. Allerdings und damit kommen wir wieder zur Basis seiner Persönlichkeit – er war grausam – gerade gegenüber seinen Feinden. Sein schlechter Ruf kommt also nicht von ungefähr. 

 

Nach den beiden erfolgreichen Romanen um Robin Hood und König Richard Löwenherz lässt der Autor Mac P. Lorne nun seinen „König der Diebe“ in „Das Blut des Löwen“ kämpfen. Die beiden Kontrahenten Robin Hood und König Johann Ohnland bekämpfen sich auch aus persönlichen Gründen und natürlich um England nach endlosen Jahren des Krieges Ruhe und Frieden geben zu können. 

Der dritte Roman um den legendären Langbogenschützen Robin und seinen Freunden aus dem Sherwood Forest ist auch der bisher persönlichste. Von Königin Eleonore ins liebvolle Exil in die Gascogne geschickt leben Robin und seine Frau Marian zusammen mit dem illegitimen Sohn Richards mehrere Jahre relativ ruhig. Doch William Marshal findet Robin und bittet diesen ihn zu für England zu unterstützen. 

 

Historisch gesehen: König Richard hatte aus seinen beiden Ehen keine Nachkommen. Es gab einen illegitimen Sohn: Philipp von Cognac. (franz.: Philippe de Cognac, engl.: Philip of Cognac; * wohl um 1180; † nach 1201) Doch dieser scheint keine wirklich aktive, historische Rolle eingenommen zu haben. 

Mac P. Lorne lässt also demnach seiner schriftstellerischen Freiheit etwas Raum. Aber keine Sorge – das ist absolut in Ordnung da der Nachkommen des Löwenherz in dem Roman „ Das Erbe des Löwen“ nur eine untergeordnete Position einnimmt. 
Der Erbe Richards ist John Ohneland und eben dieser bietet enorm viel geschichtliches Potenzial, um es in einem komplexen Roman zu verwenden. 

Wie schon in den beiden ersten Bänden ist auch Teil 3 der Robin Hood Saga außerordentlich gut gelungen. Mac P. Lorne schildert nun das Leben und Sterben der historischen Figur König Johns und seiner Herrschaft über England. 

Die Figur Robin Hoods ist nun älter geworden, nicht unbedingt weiser und allzu oft verwandelt sich sein alter Freund Little John in einen moralisch-intelligenten Kompass. Diese Dialoge laden zum Schmunzeln ein. Auch die Beziehung zu seiner respektvollen und eigensinnigen Frau Lady Marian wird thematisiert und so manches Mal steht der Haussegen sehr schief. Es geht  sehr persönlich zu, denn auch Robin kämpft nicht nur für England, sondern auch ein Stück weit für sich und seine Frau. 

Mac P. Lorne orientiert sich stringent an die historischen Ereignisse. Sehr spannend beschreibt er die Auseinandersetzungen auf englischen Boden, die schließlich in einen Bürgerkrieg münden. Der dritte Band ist inhaltlich spannender und stärker als der vorhergehende, aber insgesamt gesehen belebt der Autor eine Legende und lädt die Leser auf eine historische Reise ins mittelalterliche England ein. Ein spannender Reiseführer durch eine gewaltvolle Epoche und das hochklassig erzählt. 

In dem Roman fehlen natürlich auch nicht die klassischen Figuren wie Will Scarlett, Little John, Much oder Bruder Tuck. Leider und ist das ist sehr auffällig konzentriert sich der Autor auf seinen Roten Faden und seine Hauptfiguren, sodass die Nebenfiguren äußerst blässlich dahinleben. Ein wenig Schade – den viele hatten und haben noch immer ein großes Reservoir für spannende Nebengeschichten. 

Betrachtet man die Zeichnung der Figuren, so ist König John Ohneland sehr eindimensional geschildert – grausam und böse. Robin Hood dagegen ein Bilderbuchfreiheitskämpfer – allerdings mit deutlich mehr Ecken und Kanten versehen. 

Was mir fehlt sind Nebenfiguren, die die Handlungen mittragen. Aber auch hier nehme ich den Autor in Schutz. Die Romane sind eine Neuauflage, es waren die ersten aus seiner Feder und schließlich entwickelt man sich immer mal etwas weiter. 

Fazit

„Das Blut des Löwen“ ist eine sagenhafte, historische und spannende Reise in ein umkämpftes England. Brillante Spannung, viel Action und viele Beziehungskisten lassen auch diesen Roman großartig werden. 

Bitte weiter so – und bitte mit einigen Nebengeschichten und Figuren. 

Michael Sterzik

 


Samstag, 2. Juni 2018

Das Herz des Löwen - Mac P. Lorne

Wer war eigentlich dieser Richard Löwenherz? In jedem Fall keine Legende wie ggf. Robin Hood es ist – obwohl legendär ist Richards Königsmythos. Die beiden Charaktere Robin Hood und Richard Löwenherz sind miteinander verwoben. Den Beinamen „Löwenherz“, erhielt „Richard Plantagenet“ aufgrund seines Löwenmutes, den er wahrscheinlich wirklich verdiente. Seine historische Authentizität ist oftmals etwas sehr positiv gesehen, verklärt. Richard Plantagenet ist immer noch eine herausputzende Person. Wie seine Mutter Eleonore von Aquitanien muss er eine beeindruckende Person gewesen sein – körperlich sehr groß, ein beispielloses Charisma und sicherlich auch ein entschlossener und konsequenter Entscheider. Als er König wurde deeskalierter er den Konflikt zwischen den Angelsachsen und den Eroberern aus der Normandie, mit den Hintergedanken die Kräfte seiner militärischen Pläne zu bündeln. 

Ja, er war ein Stratege und hatte taktisches Talent als Heerführer und scheute sich nicht davor in der Schlacht selbst zu kämpfen, dass brachte ihm viele Sympathien bei seiner Gefolgschaft, aber ebenfalls auch bei seinen Gegnern. Mitunter und auch das ist historisch bewiesen, hatte er den Ruf impulsive Grausamkeiten zu begehen. 

Richard war ein unbequemer Monarch und hatte in Europa unter Königen und Adel massive Auseinandersetzungen und Intrigen, die ihm sogar kurzfristig die Gefangenschaft bringen sollte. Mit seinem Bruder Johann Ohneland hatte er einen internen Feind, der die Gefangenschaft nutzte, um sich in England zu positionieren und die Lösegeldzahlung verweigerte, bzw. dagegen integrierte. 

Mac P. Lorne – der in „Die Pranken des Löwen“ schon der Sagengestalt Robin Hood ein historisches und glaubhaftes Gesicht gegeben hat, lässt nun in seinem zweiten Band: „Das Herz des Löwen“ den berüchtigten Räuber seinem König auf den dritten Kreuzzug folgen.  Diesmal steht der grüngewandte, ehemals vogelfreier Bogenschütze aus dem Sherwood Forest und seine getreuen Freunde nicht unbedingt im Mittelpunkt. 

In dem vorliegenden Titel erzählt der Autor vom Leben und Sterben des berühmten Königs. Robin Hood ist zwar keine Nebenfigur, doch der Fokus richtet sich eindeutig auf die historische Figur des Richard Löwenherz. Mac P. Lorne verbindet Fiktion und Fakten meisterhaft. Auf dieser historischen Kulisse agieren die Figuren gemäß der historischen Ereignisse an der Seite Löwenherz. Die Handlung spielt anfänglich noch in England, dann lässt der Autor seine Figuren im Kreuzzug kämpfen und schließlich geht es heim – in ein unbefriedigtes England, das nahe an einem Bürgerkrieg steht. 

Ein historischer Roman lädt den Autor immer ein, fiktive Figuren mit künstlerischer Freiheit zu positionieren. Das ist auch gut so – ein historischer Roman ist und bleibt kein Sachbuch, kann aber wenn der Autor mit historischen Quellen, Überlieferungen, Tagebücher usw.  gut recherchiert neben einer lehrreichen Geschichte auch verdammt gute Spannung erzeugen. 

„Das Herz des Löwen“ von Mac P. Lorne kombiniert Historie mit Abenteuer. Die oben genannten Fakten werden in der Handlung eingebaut und bilden damit den roten Faden. Eine atmosphärische Spannung belebt die Story und damit ist die  Unterhaltung hochklassig. Die Interpretation der historischen Charaktere ist sehr positiv eingebaut. Mac P. Lorne räumt ein wenig mit dem Mythos des legendären Richard Löwenherz auf und schildert ihn gemäß den historischen Quellen als eine sehr authentische Figur, die manchmal wenig Ritterlichkeit zeigt.  

Etwas allerdings übertreibt es der Autor mit der Figur seines Robin Hoods. Seine Abenteuer und auch seine persönliche Entwicklung sind manchmal etwas arg überzeichnet. Damit gehen leider einige, vielversprechende Nebencharaktere leer aus.

„Das Herz des Löwen“ ist der erste Roman des Autors Mac P. Lorne. Stellenweise merkt man es, wenn sich der Autor quantitativ zu viel vornimmt und die Geschichte ausufert. Allerdings ist der sprachliche Stil, der Ausdruck und nicht zuletzt die Spannung und das Lesevergnügen hochklassig. 

Fazit

„Das Herz des Löwen“ von Mac P. Lorne ist geschichtliche Unterhaltung der oberen Klasse. Mit viel Löwenmut gibt der Autor der historischen Figur eines Richard Löwenherz auch Herz, Verstand und allerhand Grausamkeiten mit auf dem Weg. 

Auch der zweite Band der Robin Hood Saga überzeugt. Pfeilschnelles Tempo, dass ins Schwarze trifft. 

Michael Sterzik 


Mittwoch, 23. Mai 2018

Die Pranken des Löwen - Mac P. Lorne


Wer war eigentlich dieser Robin Hood? Gab es diesen englischen gesetzlosen Verbrecher wirklich in den Wäldern im Sherwood Forest, nahe der Grafschaft Nottingham? Historiker streiten noch immer um diese berühmte Figur, die sich zwischen Fakten und Fiktion in der Literatur und Film bewegt und welchem historischen Hintergrund, dieser hatte. 

Unbestritten gab es im Sherwood Forest räuberische, diebische Banden, deren Mitglieder von der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. Als Verbrecher geächtet, blieb ihnen wahrscheinlich nur die Flucht in den dichten Wald, der aber ein „Überleben“ garantierte. Wasser und Wild gab es im Überfluss, in Höhlen, oder selbst gebauten Hütten konnte man überleben. Die Banden waren mit Sicherheit keine edlen Freiheitskämpfer, die gegen die Normannen auf offenem Feld vorgingen. 


Es waren keine Rebellen oder edelmütige Schutzherren der Machtlosen, sie wurden zu Überlebenskünstlern und begannen aus der Not heraus Verbrechen. 

Die Figur und insgesamt die Taten eines mythischen Robin Hoods werden gerne übertrieben romantisiert. Betrachtet man allerdings die Epoche, in der dieser grün 
gewandete Geächtete mit seinen Freunden gelebt haben soll, so zeigt sich ein England, dass durch Bürgerkriege und überhaupt Kriege gezeichnet wurde. Die Not der einfachen, meist bäuerlichen Einwohner musste tragisch und elendig gewesen sein, aber auch Adelsfamilien mussten durch die Teilnahme an diesen Kriegen, einen hohen Blutzoll entrichten. Es muss eine Zeit der Willkür in den Grafschaften  gewesen sein und sicherlich bereicherten sich die verantwortlichen Grafen und ihre Sheriffs in einigen Regionen mit hohen, individuellen Steuern und Gesetzen. Das Volk wurde ausgepresst. 

Lassen wir nun die Diskussion um die Historizität eines Robin Hood. Hinter jeder Legende, jeder Sage gibt es auch Wahrheiten und Tatsachen. Es gibt unzählige Theorien, über den berühmt-berüchtigten Räuber, doch über seine Vergangenheit kann man nur mutmaßen. Historische Quellen geben hier keine Informationen preis.

Mac P. Lorne gibt in seinem erstem Band der Robin Hood Reihe, dem Freiheitskämpfer und Geächteten eine Vergangenheit. Der Autor erzählt in seinem historischen Roman: „Die Pranken des Löwen“ weitgehendstes  von seinen Eltern. Sein Vater, ein Mitglied der persönlichen Leibwache, der Tochter des englischen Königs und späteren deutschen Kaiserin. Sein Enkel, der Bogenschütze Robin Hood kommt erst im letzten Drittel des vorliegenden Romans zum Vorschein. 

„Die Pranken des Löwen“ ist ein historischer Roman – und sein Autor Mac P. Lorne transportiert historische Ereignisse und Personen großartig. Hinter dieser authentischen  Kulisse, sind dann seine halbfiktiven Figuren brillant gesetzte Nebenfiguren. Aber keine Sorge – Historische Fakten und fiktive Charaktere werden perfekt kombiniert und harmonieren. Die Handlung befasst sich fast ausschließlich mit historischen Themen und spielt noch ausschließlich in Europa – England, Deutschland, Italien. Die englische Geschichte als Nebenprodukt gewinnt allerdings immer mehr an Gewichtung und mündet dann in Geschichten um den Bürgerkrieg, um den Kampf um Englands Krone. 

Mac P. Lorne hat makellos recherchiert und diese Ergebnisse sehr lebendig auf die epochemachende Bühne befördert. Authentische Spannung, Figuren, denen man sich nicht entziehen kann und natürlich die brachiale, historische Geschichte in „Die Pranken des Löwen“ kreieren diese Interpretation des englischen Volkshelden in seinem Ursprung gesehen, brillant. Es gibt eine Menge an historisch belegten Figuren, der man folgen wird. Das Tempo der Story ist gut eingesteuert, die Spannung allgegenwärtig und verliert sich nicht in untragbare Nebengeschichten und Handlungen. Mac P. Lorne erzählt bildgewaltig und verdammt lebhaft, mit vielen lauten und leisen Emotionen und lässt nicht zuletzt auch gerne mal das Schwert aufblitzen und den englischen Langbogen singen. 

Natürlich gibt es auch Figuren, die ebenfalls Teil der Legende Robin Hoods sind, Little John, Will Scarlet, Much, Bruder Tuck und natürlich Marion sind präsent. Der Langbogen und auch die klassischen Kapitel der Sage, z.B. der Stockkampf mit Little John finden Beachtung. 

So muss Geschichte erzählt und nahegebracht werden – historisch belegte Figuren und Ereignisse in großartiger Kombination mit fiktiven Charakteren, die aber nicht minder authentisch wirken. 

Beachtlich und sehr positiv überrascht bin ich vom Stil des Autors. „Die Pranken des Löwen“  und die Folgebände wurden schon 2014 im Verlag Dorfmeister veröffentlicht. Jetzt 2018 vom Münchner Verlag Knaur wieder veröffentlicht wird man seine Robin Hood Reihe mit seinen Werken: „Der Pirat“ und „Der Herr der Bogenschützen“ vergleichen. Mein ganz persönlicher Eindruck ist, dass  in „Die Pranken des Löwen“ und auch der zweite Band, in Stil, Ausdruck, Sprache und nicht zuletzt auch der Atmosphäre besser ist, als in den neueren Romanen des Autors. 

Vielleich liegt es daran, dass eine Handlung auf vier Bände gesplittet, dem Autor mehr Raum gibt um seine Figuren und die Handlung zu entwickeln. Ein komprimierter Einzelband beschränkt natürlich. Mac P. Lorne sollte ruhig mal versuchen, in Zukunft über eine historische Reihe nachzudenken. Manchmal ist ein Schritt zurück, zwei Schritte vor. 

Es gibt nicht viel zu bemängeln. Dass der Autor in der Handlung einen Blick auf kommende Ereignisse wirft, zum Beispiel: Er sollte es bereuen; es sollte das letzte Mal sein usw. wirken störend und absolut überflüssig. Schmunzeln musste ich, wenn der Autor seine Figur Robin Hood von seinen wackeren Merry Man sprechen lässt. Das wird deplatziert und mitunter absolut lächerlich und lässt den Ernst ein wenig abdriften. Es fällt aber wahrscheinlich kaum auf.

Fazit

„Die Pranken des Löwen“ ist eine Auferstehung, die perfekte Reanimation einer Legende. Pfeilschnelle Interpretation eines Volkshelden, die literarisch ins schwarze Zentrum trifft.  „Robin Hood“ lebt – danke Mac. P. Lorne. 

Michael Sterzik

Sonntag, 20. Mai 2018

Legenden des Krieges - Der einsame Reiter - David Gilman

Der 100jährige Krieg zwischen dem englischen und französischen Königreich war ein gewalttätiges Ereignis. Ein Krieg deren Opfer nicht nur Ritter, Söldner und einfache Soldaten waren, sondern auch die zivile Bevölkerung einen hohen Blutzoll ausrichten musste. 

Baronate und Grafschaften, die je nach Lage des Krieges die Hoheiten wechselten, die katholische Kirche, die zumeist ihre weltliche Macht und ihren Einfluss auf die Herrscher vergrößern wollen. Unendliches Leid für die Bauern, und selbst Städte waren vor marodierenden Söldnern und Siegern nicht sicher. Doch auch im südlichen Europa, in Italien gab es zwischen den kleineren Königreichen kriegerische Auseinandersetzungen. 

David Gilman schleudert seinen Protagonisten Thomas Blackstone ins Exil nach Italien. Als Söldner verpflichtet, geht der Krieg für ihn und seine Freunde blutig weiter. Doch sein blutbefleckter Streifzug endet, als ihn eine Nachricht erreicht um wieder für seinen König zu kämpfen. Über die verschneiten Alpen geht es zurück, auch zu Frau und Kind – aber das Grauen verfolgt und holt ihn ein....

Der Schreibstil, der Ausdruck, sein Stil und nicht zuletzt, die atmosphärische Spannung, die der britische Autor hier zeigt, erinnert sehr an Bernard Cornwell. Sicherlich hat jeder seine persönliche Note, doch stilistische Werkzeuge werden sehr ähnlich verwendet. 

Der dritte Band der Reihe: „Legenden des Krieges – Der einsame Reiter“ ist wie seine beiden im Rowohlt Taschenbuchverlag erschienen Titel hochklassig. Spannung in jedem Kapitel, abwechslungsreiche Perspektive und inhaltliche gute Dialoge sind der Grundstein für einen erfolgreichen Roman. Die Atmosphäre des Titels ist nicht nur bühnengerecht spannend, sondern auch voller Dramatik. 

In diesem Roman ist natürlich auch ein persönlicher Erzfeind des Thomas Blackstone vertreten und damit auch die gute, alte Rache, die der Story aber gut tut und bis zuletzt an Wucht nichts verliert. David Gilman schreibt allerdings ähnlich wie sein berühmter Kollege, sehr drastisch. Nicht nur, dass Thomas Blackstone konsequent auftritt und brutal tötet ,wirkt manchmal schockierend, sondern auch die Strafen und Hinrichtungen sind an geschilderter Brutalität manchmal schwer zu verdauen. Das schreckliche daran ist ebenfalls, dass sich diese Grausamkeiten, nicht der Autor fiktiv ausgedacht hat, sondern tatsächlich so von dem damaligen Adel ausgeübt wurden.

Die Erzfeindschaft und überhaupt, dass Verhältnis dieser beiden Königshäuser, wird gut thematisiert, aber verliert an Gewichtung, da der Autor sich eher auf das Schicksal von Thomas Blackstone fokussiert. Auch der Aufstand der Bauern, der einfachen Bevölkerung, die sich gegen ihre „Herren“ erheben wird aufgegriffen und gehört mit zu den Kapiteln, die höchst spannend erzählt werden. Man kann ja durchaus Sympathie für die Bevölkerung und ihre Motive entwickeln, aber auch diese begehen Kriegsverbrechen an Frauen und unschuldigen Kindern, die schockieren. Im Krieg gibt es halt keine unschuldigen, nur Opfer und Täter – alle schuldig. 

Es wird auch nach diesem schockierenden, aber wichtigen und richtigen Ende der Handlung, noch weitere Bände geben. Die Darstellung und Entfaltung von Thomas Blackstone wird hier offenbar weitergeführt, wie – dass bleibt hier die große Frage. 


David Gilman gibt nicht nur dem Krieg ein realistisches Gesicht, sondern schafft es auch, die Charaktere auf solide Entwicklungsbahnen zu lenken. Nein – Philosophie gehört nicht dazu – aber Ehre, Freundschaft, Mut und Aufopferung – davon ist hier die Rede. 

Fazit

„Legenden des Krieges – der einsame Reiter – von David Gilman ist ein Pageturner im Genre gewalttätiger „historischer“ Roman. Brutal wie eine Streitaxt, fein erzählt wie ein gut geschmiedetes Schwert und mit Intrigen und Rache gerüstet – was will man mehr? 

Absolute Empfehlung für alle Leser, die schon gute Erfahrungen mit Bernard Cornwell machen konnten. Großartig.

Michael Sterzik

Samstag, 12. Mai 2018

Der Totenmacher - Stuart MacBride

Es gibt Thriller, die sind fürchterlich gut geschrieben, sie sind spannend, atemberaubend einfallsreich, mit vielen Wendungen und Überraschungen. Es gibt Thriller, die dramatisch, fast tragisch sind und uns nachhaltig noch immer lange bewegen. Aber es gibt auch Thriller – die wie ein directors cut wirken, und die es nicht schaffen sich auf den eigentlichen Handlungsstrang zu konzentrieren. 

Der vorliegende Titel: „Der Totenmacher“ von dem britischen Autor Stuart MacBride – ist streng genommen weniger ein Thriller, sondern ein versuchter Spannungsroman mit hoch dosierter Komik.  Ja, die Grundidee klingt ja vielversprechend – eine Mumie, die auf einer Mülldeponie im schottischen Oldcastle gefunden wird und nach Röntgenaufnahmen klar wird, dass diese Mumie vor Kurzem noch gelebt haben muss...

Man kann ja über vieles diskutieren, und bestimmt vortrefflich über den manchmal sarkastischem und schwarzem Humor, der Briten, aber ein Autor sollte sich auf ein Genre fokussieren. „Der Totenmacher“ von Stuart MacBride ist überfrachtet von Humor und lässt die Spannung immer hinterherhinken. Wirklich spannend ist der „Thriller“ zu keinem Zeitpunkt. Der Humor verschlingt nicht nur die Spannung, sondern lässt auch die Charakterisierung der Figuren, deren Aufbau und Entwicklung einfach so im Regen stehen. Leider kann man über diese humoristischen Einlagen, nicht mal milde lächeln, so deplatziert wirken diese. 

Weiterhin ist der Thriller mit seinen 800 Seiten einfach zu voluminös. Nach 300 Seiten hätte schon Schluss sein können. Langatmig, sich verlierend, überfrachtet mit Dialogen und Szenen, die einfach ins Leere laufen. Betrachtet man die Entwicklung der Figuren mitsamt ihren Nebengeschichten und Schauplätzen passt diese unwiderruflich ins gleiche Schema. Längen, wenig Tempo, zu dramatisch und unwirklich. 

Fazit

„Der Totenmacher“ von Stuart MacBride ist ein überflüssiger Thriller. Überhaupt nicht empfehlen und eine satte Zeitverschwendung. Atmosphärisch ohne Wirkung und so langweilig, dass das Lesevergnügen nicht vorhanden ist. 

Das geht besser – viel besser, wäre es ein Erstlingswerk – selbst dann könnte man es nicht verstehen und entschuldigen.

Michael Sterzik