Freitag, 22. November 2013

Die Burg der Könige (Oliver Pötzsch)

 Inhalt

1524. Die deutschen Lande werden von den Bauernkriegen zerrissen. Dem Adel droht der Verlust der Macht, dem Volk Hunger und Tod. Die Herrschaft Kaiser Karls V. ist in Gefahr. Da stoßen Agnes, die Herrin der mächtigen Burg Trifels, und Mathis, der Sohn des Burgschmieds, auf ein Geheimnis, das über die Zukunft der Krone entscheiden wird. Bestsellerautor Oliver Pötzsch hat einen großen Roman über die legendäre Burg der Staufer geschrieben. Der Trifels: Hort vieler Legenden und Schlüssel zum Kaiserthron. (Verlagsinfo)

Kritik

„Als Adam grub und Eva spann wo war denn da der Edelmann“?- Ein Zitat des englischen Predigers John Ball. Der neueste Roman von Oliver Pötzsch spielt um das Jahr 1525. Eine unruhige Zeit in Europa. Nicht nur aufgrund der königlich-/ kaiserlichen Kriege und Intrigen an den Höfen des Adels, sondern auch unter der armen Bevölkerung, unter den Bauern, den Leibeigenen, den unfreien macht sich massive Unzufriedenheit breit. Es ist auch, der Niedergang des herkömmlichen und traditionellem Rittertums. Die Zeit der Schwerter im Kampf um Ruhm und Ehre gehört der Vergangenheit an. Die damaligen Ritter sind zumeist verarmt, einsam und können die königlichen Steuern und Abgaben kaum mehr aufbringen. Nicht wenige werden aus Not vom Ritter zum Räuber.

Die Zeit der Burgen nähert sich dem Ende. Die Kosten sind zu hoch und zwingen den verarmten Adel zur Aufgabe. Es ist die Zeit der Gilden, der Kaufmänner, der reichen Pfeffersäcke, wie sie oftmals betitelt werden, aber auch beneidet.

Die Burg Trifels am Annweiler spielt zusammen mit ihren Bewohnern die Hauptrolle in „Die Burg der Könige“. Wie der Titel schon ahnen lässt, geht es um sagenumwobene Burg, in der schon Kaiser Barbarossa (Friedrich der I.) residierte. König Richard Löwenherz – Herrscher von England war hier drei Wochen in Gefangenschaft. So reihen sich Fabeln, Fiktion und Geschichte nahtlos aneinander und immer wieder ist die Sprache von einem sagenhaften Schatz, der hier versteckt sein soll. Die Burg der Staufer lädt den Leser ein zu einer fantastischen Geschichte.

Die Vogtstochter Agnes und der Sohn des Waffenschmieds sind die Hauptcharaktere in „Die Burg der Könige“ und kommen einem Geheimnis auf der Spur, der den Schlüssel zum Kaiserthron birgt. Agnes ist allerdings nicht das holde Burgfräulein, sondern rebellisch und eigensinnig und möchte einen goldenen Käfig für ihre Zukunft gar nicht in Betracht ziehen. Ihren Jugendfreund und vertrauten Mathis vertraut sich die junge Frau an und gemeinsam bestreiten sie einige Abenteuer.

Die Handlung wird immer abwechselnd aus den Perspektiven Agnes und Mathis erzählt. Die Dramaturgie ist vielseitig, und obwohl es ein historischer Roman ist, nimmt sich der Autor doch die eine oder größere künstlerische Freiheit. Der Bauernkrieg als Dreh- und Angelpunkt gedacht, ist gut erzählt worden, allerdings fehlt es hier oft an historischen Fakten und Entwicklungen, sodass dieser nicht Mittelpunkt ist. Sehr unrealistisch und leider manchmal deplatziert haben die Träume von Agnes gewirkt, die dazu dienen sollen sie auf den „rechten“ Weg zu bringen.
Auch die Entwicklung zum Ende hin klingt manchmal zu phantastisch und wenig plausibel. Sehr positiv dagegen sind die Nebenfiguren gezeichnet, deren manchmal leider etwas von Tiefgang fehlt. Gerade der Barde Melchior wäre als eigenständige Figur, vielleicht auch in späteren Romanen sehr interessant gewesen. Die Schwarz-Weiß Zeichnung der Charaktere ist wie in vielen anderen historischen Romanen leider auch hier zu finden.

Oliver Pötzsch der schon in die Reihe „Die Henkerstochter“ sein schriftstellerisches Talent bewies, erzählt auch hier eine spannende Geschichte, die den Leser mit  abwechslungsreicher Atmosphäre unterhält. Der Stil von Oliver Pötzsch ist nicht der gleiche wie in seinen vorherigen Werken, doch darum ist er nicht schlecht. Die Geschichte entwickelt sich hier rasanter und ist allemal actionreicher wie z.B. in „Die Henkerstochter“.

Fazit

„Die Burg der Könige“ von Oliver Pötzsch ist trotz aller Kritik ein Garant für spannende Lesestunden.

Ich hoffe, dass der Autor weiter solch hervorragende historische Romane schreiben wird. Vielleicht mit etwas mehr an historischen Figuren und Begebenheiten und weniger an fantastischen Elementen.

Machen Sie es sich gemütlich, trinken Sie eine gute Tasse Tee und lassen sie sich von Oliver Pötzsch auf Burgen entführen, mit Raubrittern kämpfen und intrigante Machtspiele erleben. Großartige Unterhaltung!


Michael Sterzik


Donnerstag, 21. November 2013

Totengeld - Kathy Reichs

Ein getötetes Mädchen im Straßengraben, ein Schmugglerring, der keine Gnade kennt: ein neuer Fall für Tempe Brennan
Der Tod einer jungen Frau, deren Leiche an einem einsamen Highway im Straßengraben deponiert wurde, bereitet Forensikerin Tempe Brennan schlaflose Nächte. Der Teenager könnte ohne Papiere ins Land gereist sein, eine Spur, die Tempe zu dem Geschäftsmann John-Henry Story führt. Doch ihr Hauptverdächtiger starb Monate zuvor bei einem mysteriösen Brand. Und dann ist da noch der Fall eines Schmugglers, der kuriose mumifizierte Artefakte in die USA schleust. Könnte eine Verbindung zwischen dem toten Mädchen und dem lukrativen illegalen Handel bestehen? An Tempes neustem Fall ist nichts so, wie es zunächst scheint. Nur auf eines kann die Todesermittlerin sich verlassen: Die Knochen kennen die Wahrheit.(Verlagsinfo)

Michael Sterzik
 



Lesen Sie auch: 
Die Nichte einer berühmten Tante: Tory Brennan ermittelt
Videoclip und weitere Infos über die Jugendbuch-Reihe



KATHY REICHS

Totengeld

Originaltitel: Bones of the Lost
Aus dem Amerikanischen von Klaus Berr 
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 448 Seiten,13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-89667-452-4
€ 19,99 [D] € 20,60 [A] CHF 28,50* (* empf. VK-Preis) 

Verlag: Blessing
Erscheinungstermin: 11. November 2013 
 Dieser Titel ist lieferbar. 

Mittwoch, 20. November 2013

Das Vermächtnis des Ketzers (Carlo Adolfo Martigli)

Rom 1497: Im Zentrum des wahren Glaubens bringt ein mysteriöses Buch die Macht der Kirche ins Wanken ...
Italien 1497: In Rom wacht der korrupte Papst Alexander VI. mit höchster Strenge über den wahren Glauben. Dann aber treffen ein Mönch und eine junge Frau in der ewigen Stadt ein und mit ihnen ein Geheimnis, das die Kirche in ihren Grundfesten erschüttern könnte: das Tagebuch von Jesus Christus. Der Gottessohn – ein Mensch aus Fleisch und Blut? Ein Vereiniger der großen Weltreligionen, statt Verfechter einer einzigen Wahrheit? Um die Vormacht der Kirche zu sichern, lässt sich der Papst auf eine teuflische Verschwörung ein. Doch mit dem heimtückischen Plan nehmen unheilvolle Ereignisse ihren Lauf …(Verlagsinfo)

Michael Sterzik





CARLO ADOLFO MARTIGLI


Das Vermächtnis des Ketzers

Roman

Originaltitel: L'eretico
Originalverlag: Longanesi
Aus dem Italienischen von Beate Kühn 
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Taschenbuch, Broschur, 608 Seiten11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-47511-7
€ 9,99 [D] € 10,30 [A] CHF 14,90* (* empf. VK-Preis) 

Verlag: Goldmann
Erscheinungstermin: 18. November 2013 
Dieser Titel ist lieferbar. 

Sonntag, 17. November 2013

Das letzte Testament der Heiligen Schrift - James Frey

Die Bibel - jetzt erst recht!
Mehr als 2000 Jahre hat das Christentum auf die Rückkehr des Erlösers gewartet, jetzt ist er wieder da. Heute. In New York. Er begibt sich zu den Ärmsten der Armen. Er schläft mit Männern und Frauen. Er mengt sich unter Penner und Junkies. Er verachtet die Kirche und wird vom Staat verfolgt. Er heilt die Kranken. Er gibt Liebe und wird gehasst. Lest das letzte Testament – und vergesst es nie! (Verlagsinfo)

Michael Sterzik










JAMES FREY

Das letzte Testament der Heiligen Schrift

Roman

Originaltitel: The Final Testament of the Holy Bible 
Originalverlag: Tolkemitt & Haffmans
Aus dem Amerikanischen von Harry Rowohlt 
ERSTMALS IM TASCHENBUCH
Taschenbuch, Broschur, 448 Seiten11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-453-41048-0
€ 9,99 [D] € 10,30 [A] CHF 14,90* (* empf. VK-Preis) 

Verlag: Heyne
Erscheinungstermin: 11. November 2013 
 Dieser Titel ist lieferbar. 



Sonntag, 10. November 2013

Tatjana - Martin Cruz Smith

Ermittler-Ikone Arkadi Renko im Kampf gegen die russische Mafia
Martin Cruz Smith hat mit Arkadi Renko einen der legendärsten Ermittler der zeitgenössischen Literatur erschaffen: Er hat den Wandel der Sowjetunion ins Neue Russland miterlebt, das weiterhin geprägt ist von Brutalität und Geheimniskrämerei. 

Die furchtlose Moskauer Journalistin Tatjana Petrowna stürzt aus dem sechsten Stock in den Tod, in der gleichen Woche, in der ein milliardenschwerer Mafiosi erschossen wird. Die beiden Fälle scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, doch Arkadi entdeckt Tonbänder, auf denen Tatjana schreckliche Verbrechen dokumentiert hat. Die Spur führt nach Kaliningrad, dem Heimathafen der Baltischen Flotte, Hunderte von Kilometern vom restlichen Russland entfernt.

Mit seinem neuesten Thriller zeichnet Martin Cruz Smith ein überzeugend realistisches, überaus düsteres Porträt des heutigen Russlands.(Verlagsinfo)

Michael Sterzik



MARTIN CRUZ SMITH

Tatjana

Thriller

Originaltitel: Tatiana
Originalverlag: Simon & Schuster, New York 2013
Aus dem Amerikanischen von Susanne Aeckerle 
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Paperback, Klappenbroschur, 320 Seiten13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-570-10191-9
€ 14,99 [D] € 15,50 [A] CHF 21,90* (* empf. VK-Preis) 

Verlag: C. Bertelsmann

Montag, 4. November 2013

Todesengel - Andreas Eschbach

Todesengel –Andreas Eschbach

Ein strahlend weißer Racheengel geht um in der Stadt, heißt es, der überall dort auftaucht, wo Unschuldige in Gefahr sind, und diejenigen, die ihnen Gewalt antun, brutal bestraft: Ist das wirklich nur die Schutzbehauptung eines alten Mannes, der Selbstjustiz geübt hat?
Ein Journalist deckt auf: Es gibt diese Gestalt tatsächlich – er kann es beweisen.
Und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf …(Verlagsinfo)

Kritik

Das Thema „Selbstjustiz“ ist in dem Roman „Todesengel“ von Andreas Eschbach das tragende Thema.  Der Autor kombiniert aber sehr geschickt weitere aktuelle und brisante Fragen, die uns immer wieder begegnen.

„Auge um Auge – Zahn um Zahn“....ist dieses alte biblische Zitat aus der Tora Israels wirklich die ausschlaggebende Entschuldigung, für Blutrache, Fehde und Selbstjustiz? Wo hört oder fängt das Grundrecht des Einzelnen an oder wann eskaliert die Spirale der Gewalt in Form von Verlust und Angst mit potenziellen  Unschuldigen als Kollateralschaden?

Die Grenze ist entschieden zu dünn und doch ist das Opfer eher bereit sich zu rächen, als zu vergeben und zu vergessen, verdrängen. Welche elementare und primäre Rolle spielt der Staat mit seinen Gesetzen, seiner Polizei und seiner Staatsanwaltschaft? Ist er dieser Gewalt gewachsen und respektiert er die Rechte der Opfer und auch der Täter? In welcher Situation legalisiert sich vor dem Gesetz das Recht auf Notwehr wenn Leib und leben oder das von Angehörigen in Gefahr ist. Greift man dann zu legalen Methoden und Waffen und macht man sich strafbar, wenn der Täter sich auf einmal als Opfer sieht und selbst Anklage erhebt?

Mit all diesen Fragen und auch Antworten setzt sich der Autor in „Todesangel“ auseinander.

Die Protagonisten des Romans teilen sich auf in Opfer und Täter, und löblich und für die Story förderlich ist es, dass es der Autor damit schafft, sich auf einem schmalen Grat sicher zu bewegen. Hier wird die Selbstjustiz nicht verherrlicht, sondern durchaus kritisch gesehen. Doch ebenso kritisch setzt sich der Autor mit der Deutschen Gesetzgebung auseinander und spart nicht mit authentischen Beispielen die den Leser dazu ermutigen sich Gedanken über diese prekären Situationen zu machen.

Nicht nur die Tat hinterlässt offensichtliche und zumeist körperliche Schäden. An welchen schweren Traumata die Opfer innerlich zerbrechen und welche psychischen und kaum heilbaren Schäden sie davontragen, auch davon ist in dem vorliegenden Buch die Rede.

Die Unmächtigkeit der Justiz und das Versagen von Ethik und Moral gehören mit zu den stärksten Botschaften des Autors in seinem Roman „Todesengel“. Das dabei die Macht der medialen Unterhaltung, die noch mehr Öl ins Feuer gießt und es nicht schafft eine objektive Berichtserstattung zu gewährleisten, ist allzu offensichtlich.

Der Autor Andreas Eschbach ist ein wahrer Fingerpointer  und nutzt den Roman dazu sich in der Gesellschaft und vielleicht auch in den Medien Gehör zu verschaffen. Die Kernaussage vertritt der Autor allerdings sehr transparent: Selbstjustiz ist inakzeptabel – zu groß ist hier die Gefahr Unschuldige zu verletzen.

Fazit

Mit „Todesengel“ wirkt Andreas Eschbach derart überzeugend, dass man diesen Roman lesen muss. Aktualität und dazu schierer Realismus der Story wirken lange nach.

Spannend und unterhaltsam ist „Todesengel“ in jedem Fall, doch vielmehr überzeugt die Story durch die Passagen, in der das Gesetz gebrochen, überdehnt und individuell ausgelebt und interpretiert wird.

Die Verantwortung gegenüber dem Schutz der Bevölkerung trägt der Staat und manchmal versagt dieser grundlegend. Vielleicht, dient der Roman auch als Anstoß über Opferschutz nachzudenken und nicht über die Rechte von Straftätern zu debattieren.

„Todesengel“ ist einer der Thriller, die man schwerlich vergisst, zu bewegend und geradezu offensiv setzt man sich dann unweigerlich mit diesen Fragen auseinander. Damit gehört „Todesengel“ zu den stärksten und nachhaltigsten Thrillern in diesem Jahr. Großartig Herr Eschbasch.

Michael Sterzik



Samstag, 5. Oktober 2013

Lockwood & Co. (Jonathan Stroud)


Lockwood & Co. (Jonathan Stroud)

Geister, Ghoule, Grabgeflüster: Die Agenten von LOCKWOOD & CO. sind allem gewachsen

LONDON, ENGLAND: In den Straßen geht des Nachts das Grauen um. Unerklärliche Todesfälle ereignen sich, Menschen verschwinden und um die Ecken wabern Schatten, die sich nur zu oft in tödliche von Geisterwesen ausgesandte Plasmanebel verwandeln. Denn seit Jahrzehnten wird Großbritannien von einer wahren Epidemie an Geistererscheinungen heimgesucht.

Überall im Land haben sich Agenturen gebildet, die in den heimgesuchten Häusern Austreibungen vornehmen. Hochgefährliche Unternehmungen bei denen sie, obwohl mit Bannkreisketten, Degen und Leuchtbomben ausgerüstet, nicht selten ihr Leben riskieren.

So auch die drei Agenten von LOCKWOOD & CO. Dem jungen Team um den charismatischen Anthony Lockwood ist allerdings bei einem Einsatz ein fatales Missgeschick passiert.

Um die Klage abwenden und den Schadenersatz dafür aufbringen zu können, müssen die drei Agenten von LOCKWOOD & CO. einen hochgefährlichen und zutiefst dubiosen Auftrag annehmen. Dieser führt sie in eines der verrufensten Herrenhäuser des Landes und stellt sie auf eine Probe, bei der es um nichts weniger als Leben oder Tod geht … (Verlagsinfo)

Kritik

Jonathan Stroud hatte als Autor mit seiner „Bartimäus – Reihe einen beachtlichen Erfolg vorzuweisen. Es folgte mit „Valley“ ein durchschnittlich erfolgreicher Roman, dem es aber nicht gelang Witz, Ironie und Spannung miteinander zu kombinieren. Der britische Autor erreicht mit seinen fantastischen Büchern nicht nur jugendliche Leser, sondern begeistert natürlich auch die Erwachsenen mit seinen Geschichten von Dämonen und anderen paranormalen Wesen.

Mit „Lockwood & Co.“ besinnt sich der in London lebende Autor wieder seine Stärken und katapultiert den Leser nach London, den Schauplatz dieser wirklich geistreichen Geschichte.

Jonathan Stroud Rezept ist gradlinig und einfach. Sein Stil wie gewohnt flapsig und trifft den Leser genau, wie er es beabsichtigt. In Lockwood & Co. Ist die Welt eine bunte Mischung, aus übernatürlichem und normalem Wahnsinn. Als völlig selbstverständlich treiben sich Geister nicht nur auf heimischen Friedhöfen um, sondern wandeln auch durch die nebeligen Straßen Londons und verbreiten Angst und Schrecken. Und harmlos sind sie natürlich auch nicht. Als neues Geschäftsmodell machen sich Geisterjägeragenturen breit. Deren Mitarbeiter sind meistens sensible Kinder und Jugendliche die feinfühliger und offener sind als ihre erwachsenen Eltern.

Die Hauptfiguren sind nicht nur der Inhaber der Agentur Anthony Lockwood, sondern ebenfalls seine noch jugendlichen Partner und Angestellten Lucy Carlyle und George. Das perfekte und manchmal (un)ausgewogene Trio kämpft mit silbernen Degen, Salz und einer Menge Selbstvertrauen. Dass dabei natürlich nicht alles gelingt und das Chaos in ihr Leben tritt, ist unausweichlich.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive Lucy, die als Geisterjägerin unerfahren, doch mit viel Talent gesegnet ist. Lockwood, ihr Chef ist das Genie des Trios – charismatisch, immer optimistisch mit dem Drang zur arroganten Selbstdarstellung.  George, der Dritte im Bunde nimmt die Rolle des schwächsten Mitgliedes ein. Introvertiert, tollpatschig und ein wenig einsam, schaut er zu seinem Idol, Freund und Chef Anthony Lockwood auf.

Die Charakterzeichnung ist dem Autor fast schon perfekt gelungen und ist das Geheimnis dieser Geschichte. Die Dialoge der Protagonisten sind im typisch englischem Humor angesiedelt und passen sich perfekt der düsteren Atmosphäre an.

England – London als Bühne dieser Geschichte ist perfekt inszeniert, wo anders findet sich ein breites und vielseitiges Spektrum von verrückten, irren und rachsüchtigen Geistern!? Man merkt das sich der Autor beim Schreiben dieses Romans nicht nur Mühe gegeben hat, sondern es ihn auch viel Spaß gemacht haben muss.

Doch „Lockwood & Co“ ist mehr als eine einfache Geistergeschichte, es ist unter anderem auch ein Thriller, ein spannender Krimi der durch eine komplexe Story verfügt und kreativ immer mehr an Tempo gewinnt.

Fazit

„Lockwood & Co“ – Die seufzende Wendeltreppe“ ist ein sehr gelungener und einfallsreicher Roman. Liebevolle Details, verschrobene, originelle Charaktere und eine „Geistreiche“ Geschichte wirken absolut überzeugend und machen Lust auf mehr, auf viel mehr Geschichten aus der Feder des Autors.

Mit diesem Roman gelingt es Jonathan Stroud erneut sich in die Herzen und Gedanken seiner jungen und jung gebliebenen Leserschaft zu schreiben.

Für mich eines der stärksten Jugendbücher in diesem Jahr.

Witzig, ironisch, spannend und einfallsreich, dabei etwas verrückt, abgefahren und verfügt über geistreichen Zauber. Perfekte unkonventionelle Unterhaltung.

Michael Sterzik