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Montag, 8. Dezember 2025

Der Silberbaum - Das Ende der Welt - Sabine Ebert


Sabine Ebert, die Grande Dame der historischen Literatur, nimmt uns in "Der Silberbaum – Das Ende der Welt" erneut mit in die düstere, faszinierende Welt des Mittelalters. Es ist eine Epoche, in der der allgegenwärtige Glaube an Himmel und Höllenfeuer das tägliche Leben regiert und keinen Halt vor sozialen Schranken macht. Doch die wahre Macht entfaltet sich nur in den Händen von Kaiser, König und Papst, deren politisch-religiöse Konflikte sie ihre Bevölkerung leichtfertig dem Leid und dem Tod aussetzen lassen.

Der noch junge Meißner Fürst Markgraf Heinrich muss sich einer nie da gewesenen Bedrohung stellen. Doch als endlich bessere Zeiten anbrechen, er glänzende Turniere veranstaltet, die Aussicht bekommt, Thüringen zu erben und seinen Sohn mit einer Kaisertochter zu vermählen, trifft ihn ein schmerzlicher Verlust. Dann wird auch noch der Stauferkaiser Friedrich II. von der Kirche für abgesetzt erklärt. Heinrich muss viele Stufen von Verrat miterleben, als sogar enge Verwandte die Seiten wechseln. In diesen dunklen Zeiten stehen ihm vor allem Marthes Sohn Thomas, ihr Enkel Christian und ihre Enkelin Änne zur Seite. Die Dichterin Milena wird nicht nur zur Chronistin der Ereignisse, sie beweist auch die Kraft von erzählter Geschichte. (Verlagsinfo) 

Der eigentliche Fokus dieses historischen Romans, so stellt sich schnell heraus, liegt auf der erschreckend genauen Darstellung der Rolle der Frau. Fernab jeder Emanzipation werden wir Zeugen eines Lebens, das von Abhängigkeit, willkürlicher Brutalität und klar definierten Pflichten bestimmt wird. Ebert gelingt hier eine brillante, wenngleich oft schockierende Präsentation des weiblichen Alltags: Der Wert einer Frau war gering, die arrangierte Ehe diente als politisches Pfand, nicht der Romantik.

Schwache Handlung, starke Frauenporträts

Leider präsentiert sich der zweite Band der Reihe als spürbar schwächer und oberflächlicher als seine Vorgänger. Die großen politischen Auseinandersetzungen, der Streit der Könige auf dem Schlachtfeld oder die kirchliche Brandmarkung des Kaisers als Antichrist – alles, was die Epoche so brisant macht – wird viel zu wenig beleuchtet. Sekundär gestreift, aber nicht im Detail ausgeführt.

Stattdessen rücken die Schicksale der fiktiven weiblichen Protagonistinnen ins Zentrum, teils bis ins kleinste Detail beschrieben. Obwohl die historische Detailtreue in Bezug auf Bräuche und Alltagsgegenstände unbestreitbar ist, lässt die Romanhandlung in ihrer Erzählung um Markgraf Heinrich viele Handlungsstränge unbeachtet und Schicksale ungeklärt.

Besonders die Darstellung der Religion ist ernüchternd realistisch. Ebert spart nicht mit Kritik an der römisch-katholischen Kirche jener Zeit und karikiert humorvoll die Menschen, die in prophetischer Weltuntergangsfurcht Hab und Gut verschenken – um dann festzustellen, dass das Ende der Welt wieder einmal nicht eingetreten ist.

Fazit:

"Der Silberbaum – Das Ende der Welt" ist ein Roman für eine spezifische Zielgruppe. Wer sich tief in die historischen Details und die alltäglichen Dramen der Frauen des Mittelalters einlesen möchte, wird hier fündig. Wer jedoch ein fesselndes Epos mit starkem Fokus auf die politischen und militärischen Machtkämpfe des Adels erwartet, wird enttäuscht. Der Roman bietet zwar den gewohnt hohen Unterhaltungswert einer historischen Koryphäe, lässt aber in seiner Eindimensionalität viele Fragen offen und verharrt zu sehr an der Oberfläche der großen Geschichte. Schade.

Michael Sterzik


Freitag, 22. November 2013

Die Burg der Könige (Oliver Pötzsch)

 Inhalt

1524. Die deutschen Lande werden von den Bauernkriegen zerrissen. Dem Adel droht der Verlust der Macht, dem Volk Hunger und Tod. Die Herrschaft Kaiser Karls V. ist in Gefahr. Da stoßen Agnes, die Herrin der mächtigen Burg Trifels, und Mathis, der Sohn des Burgschmieds, auf ein Geheimnis, das über die Zukunft der Krone entscheiden wird. Bestsellerautor Oliver Pötzsch hat einen großen Roman über die legendäre Burg der Staufer geschrieben. Der Trifels: Hort vieler Legenden und Schlüssel zum Kaiserthron. (Verlagsinfo)

Kritik

„Als Adam grub und Eva spann wo war denn da der Edelmann“?- Ein Zitat des englischen Predigers John Ball. Der neueste Roman von Oliver Pötzsch spielt um das Jahr 1525. Eine unruhige Zeit in Europa. Nicht nur aufgrund der königlich-/ kaiserlichen Kriege und Intrigen an den Höfen des Adels, sondern auch unter der armen Bevölkerung, unter den Bauern, den Leibeigenen, den unfreien macht sich massive Unzufriedenheit breit. Es ist auch, der Niedergang des herkömmlichen und traditionellem Rittertums. Die Zeit der Schwerter im Kampf um Ruhm und Ehre gehört der Vergangenheit an. Die damaligen Ritter sind zumeist verarmt, einsam und können die königlichen Steuern und Abgaben kaum mehr aufbringen. Nicht wenige werden aus Not vom Ritter zum Räuber.

Die Zeit der Burgen nähert sich dem Ende. Die Kosten sind zu hoch und zwingen den verarmten Adel zur Aufgabe. Es ist die Zeit der Gilden, der Kaufmänner, der reichen Pfeffersäcke, wie sie oftmals betitelt werden, aber auch beneidet.

Die Burg Trifels am Annweiler spielt zusammen mit ihren Bewohnern die Hauptrolle in „Die Burg der Könige“. Wie der Titel schon ahnen lässt, geht es um sagenumwobene Burg, in der schon Kaiser Barbarossa (Friedrich der I.) residierte. König Richard Löwenherz – Herrscher von England war hier drei Wochen in Gefangenschaft. So reihen sich Fabeln, Fiktion und Geschichte nahtlos aneinander und immer wieder ist die Sprache von einem sagenhaften Schatz, der hier versteckt sein soll. Die Burg der Staufer lädt den Leser ein zu einer fantastischen Geschichte.

Die Vogtstochter Agnes und der Sohn des Waffenschmieds sind die Hauptcharaktere in „Die Burg der Könige“ und kommen einem Geheimnis auf der Spur, der den Schlüssel zum Kaiserthron birgt. Agnes ist allerdings nicht das holde Burgfräulein, sondern rebellisch und eigensinnig und möchte einen goldenen Käfig für ihre Zukunft gar nicht in Betracht ziehen. Ihren Jugendfreund und vertrauten Mathis vertraut sich die junge Frau an und gemeinsam bestreiten sie einige Abenteuer.

Die Handlung wird immer abwechselnd aus den Perspektiven Agnes und Mathis erzählt. Die Dramaturgie ist vielseitig, und obwohl es ein historischer Roman ist, nimmt sich der Autor doch die eine oder größere künstlerische Freiheit. Der Bauernkrieg als Dreh- und Angelpunkt gedacht, ist gut erzählt worden, allerdings fehlt es hier oft an historischen Fakten und Entwicklungen, sodass dieser nicht Mittelpunkt ist. Sehr unrealistisch und leider manchmal deplatziert haben die Träume von Agnes gewirkt, die dazu dienen sollen sie auf den „rechten“ Weg zu bringen.
Auch die Entwicklung zum Ende hin klingt manchmal zu phantastisch und wenig plausibel. Sehr positiv dagegen sind die Nebenfiguren gezeichnet, deren manchmal leider etwas von Tiefgang fehlt. Gerade der Barde Melchior wäre als eigenständige Figur, vielleicht auch in späteren Romanen sehr interessant gewesen. Die Schwarz-Weiß Zeichnung der Charaktere ist wie in vielen anderen historischen Romanen leider auch hier zu finden.

Oliver Pötzsch der schon in die Reihe „Die Henkerstochter“ sein schriftstellerisches Talent bewies, erzählt auch hier eine spannende Geschichte, die den Leser mit  abwechslungsreicher Atmosphäre unterhält. Der Stil von Oliver Pötzsch ist nicht der gleiche wie in seinen vorherigen Werken, doch darum ist er nicht schlecht. Die Geschichte entwickelt sich hier rasanter und ist allemal actionreicher wie z.B. in „Die Henkerstochter“.

Fazit

„Die Burg der Könige“ von Oliver Pötzsch ist trotz aller Kritik ein Garant für spannende Lesestunden.

Ich hoffe, dass der Autor weiter solch hervorragende historische Romane schreiben wird. Vielleicht mit etwas mehr an historischen Figuren und Begebenheiten und weniger an fantastischen Elementen.

Machen Sie es sich gemütlich, trinken Sie eine gute Tasse Tee und lassen sie sich von Oliver Pötzsch auf Burgen entführen, mit Raubrittern kämpfen und intrigante Machtspiele erleben. Großartige Unterhaltung!


Michael Sterzik