Freitag, 1. Dezember 2017

Legendes des Krieges - Das blutige Schwert - von David Gilman

Die Erzfeindschaft zwischen den Königreichen England und Frankreich entfaltete seine kriegerische Wucht im 100jährigen Krieg. Die Schlacht bei Crécy war wohl der historische Anfangspunkt der langjährigen Auseinandersetzung auf dem europäischen Festland. Die Heere von König Eduard III. Von England und seinem Kontrahenten Philipp VI. von Frankreich standen sich am 26. August 1346 gegenüber – England vernichtete durch seine berühmten und berüchtigten Langbogenschützen den französischen Adel.

Der britische Autor David Gilman beschreibt in seinem historischen Roman – Legenden des Krieges – mit dem ersten Band „Das blutige Schwert“ sehr detailgetreu diese brutale Schlacht. Dreh- und Angelpunkt seiner Geschichte ist die Laufbahn des einfachen Bogenschützen Thomas Blackstone, der sich in der Schlacht den Respekt des schwarzen Prinzen holt, und in den Ritterstand erhoben wird.

David Gilmans Werk ist einfach gesagt: Brutal – konsequent und schonungslos erzählt er in einem sehr drastischen und sehr ausschmückenden Stil, vom (über)leben und sterben auf dem Schlachtfeld. Strategie und Taktik nehmen ebenfalls einen großen Raum ein, sodass der Leser dem Verlauf fast schon minutiös folgen kann. Das ein Krieg, brutal, grausam, blutig, und mehr ist, ist uns lange bekannt – aber so actionreich und gleichzeitig bis ins letzte schaurige Detail beschrieben, folgt man selten der Handlung. Hart und schonungslos und nichts für sensible Seelen beschreibt er die Schrecken einer Schlacht.

Das erste Drittel des Romans ist an actionreichem Tempo kaum zu überholen, und diese Dosierung ist fast schon proportional übertrieben. Die Handlung, bzw. der Lebenslauf des Thomas Blackstones beginnt dann auch erst nach der Schlacht bei Crecy, in der er schwerste Verletzungen davonträgt und von einer französischen, jungen Adeligen gepflegt wird. Aufgenommen von einem Normannen, der auf englischer Seite steht, erlernt er ein weiteres Kriegshandwerk – die professionelle Schwertkampftechnik. Die Verwandlung, von dem einfachen Bogenschützen, zu einem ungalanten, barbarischen Ritter ist eine kleine Ruhephase in dem vorliegenden Band. Ein durchatmen in der Handlung. David Gilman versteht es ebenfalls die ruhigen Töne in der Story zu platzieren und dabei die Spannung, die Atmosphäre aufrechtzuerhalten, eine klassische Liebesgeschichte, darf dabei auch nicht fehlen.

Im letzten Drittel des Romans kehrt die Action wieder zurück. Thomas Blackstones wirken, seine erbarmungslose, rücksichtslose Herangehensweise Konflikte mit dem Schwert zu lösen, machen ihn zu einer gefürchteten Legende bei Freund und Feind.

David Gilmans erzählerischer Stil ist sehr direkt, manchmal sehr vulgär, dass könnte in den Nachfolgebänden zum Problem werden, denn das führt schon nahe zum Rand des erträglichen.

Der Roman ist historisch authentisch, allerdings ist die Charakterzeichnung der Hauptfigur überdimensioniert. Thomas Blackstone ist zwar kein formvollendeter Rittersmann, ungefähr so galant wie ein ausgehobenes Grab, aber der Autor hat ihm Eigenschaften auf dem Leib geschrieben, die etwas übertrieben sind.
Fazit

„Legendes des Krieges – Das blutige Schwert von David Gilman ist ein fulminanter Auftakt,  dieser historischen Reihe und ein Actionfeuerwerk ohne viel Konkurrenz.

Spannende Atmosphäre mit wilden Kriegern, politischen Schachspielen und einer romantischen Liebe – David Gilmans Rezeptur ist aufgegangen und präsentiert uns einen sehr guten historischen Roman.

Michael Sterzik



Dienstag, 14. November 2017

Spectrum - Ethan Cross

Ethan Cross hat neben seiner Francis Ackermann Serie, eine neue Reihe eröffnet, deren erster Band im Verlag Lübbe veröffentlicht wurde.

Wie schon in seiner ersten Reihe, bedient sich der Autor sehr exzentrischen Charakteren. Diesmal allerdings ist die Hauptfigur kein schwerkrimineller, hyperintelligenter Serienmörder, sondern ein Freak, ein Monster, als das er sich selbst bezeichnet. August Burke ist anders, wie seine Mitmenschen, hochsensibel, hochintelligent, eine besondere Auffassungsgabe, die Muster erkennt und bis ins kleinste analysieren kann. Burke hat das Asberger-Syndrom, eine autistische Erkrankung, die ihn durch seine Andersartigkeit, sozial ausgrenzt. Er wirkt auf andere fremd, merkwürdig und verschroben. Andere Menschen sind für Burke eine Herausforderung, manchmal eine mentale Überforderung und er schützt sich dadurch, dass er sich selbst der nächste ist und sich isoliert.

Als Berater für das FBI löst der promovierte und aktive KFZ-Mechaniker Dr. August Burke „Cold Case Fälle“.

Eine brutale Geiselnahme bei einer Hochsicherheitsbank beginnt auf dramatische Weise zu eskalieren. Unter der Bank in einem Geheimlabor wurde wahrscheinlich an der Entwicklung biologischer Waffen gearbeitet. Das gewalttätige Trio verschwindet aus dem umstellten Gebäude, ohne Beute – aber was war das Ziel, dieses im Detail geplanten Verbrechens?

Soviel also zur Story. Ein gewieftes, brutales Verbrechen und eine offensichtliche Verschwörung – nichts Neues, wenn man sich im Genre Thriller wohlfühlt und viel liest. Der Autor Ethan Cross konzentriert sich allerdings mehr auf seine erdachten Figuren, als auf die Handlung. August Burke ist nicht der einzige Charakter, der besonders ist und dadurch, dass die Handlung aus ganz verschiedenen Perspektiven erzählt wird, ist sie zum einen abwechslungsreich, zum anderen zu jedem Zeitpunkt spannend. Es gibt einen alternden FBI Agent, der Burke ins Spiel bringt, dann einen Polizisten einer SWAT-Einheit, der ein Spross einer Mafiaähnlicher Organisation ist, eine afrikanische Polizeibeamtin, deren Motor nur Rache sein kann. Das also ist das Ensemble der guten Seite – doch auch der Gegenpart der Bösen ist nicht ohne: Ein afrikanischer Profikiller, eiskalt, brutal, der von seinem Gewissen in die Knie gezwungen wird, eine Ehefrau an seiner Seite, die sich ebenfalls dem Morden verschrieben hat, und ein großer, noch finsterer Bösewicht, der die Fäden zieht.

Wo führt das ganze hin? In jedem Fall ist es keine spannende Verhaltensstudie, vielmehr ist „Spectrum“ eine komplexe, manchmal ausufernde Aneinanderreihung physischer Gräueltaten. Spannend allemal und man glaubt es kaum – stellenweise sehr witzig. Durch die Vielzahl dieser „Freaks“ gestalten sich interessante Dialoge und Szenen, die sich zumeist um August Burke drehen – er ist halt ein „Klugscheißer“ – nervig, unbequem, schwierig und doch immer einen Schritt voraus.

„Spectrum“ ist ein Thriller der mit Lichtgeschwindigkeit eine Spannung erzeugt, der man sich nicht entziehen kann. Es dauert ein wenig, bis man mit Burke sympathisiert, aber es lohnt sich. Insgesamt gibt es noch genug Potenzial zur Steigerung – aber wer bis zum Ende dran bleibt, wird belohnt werden – es geht weiter und erst am Ende weiß der Leser, was „Spectrum“ zu bedeuten hat.

Michael Sterzik




Samstag, 11. November 2017

Schwert und Krone - Der junge Falke - Sabine Ebert

Nach dem beeindruckenden Erfolg ihres ersten Teils der geplanten Romanreihe:  Schwert und Krone – Meister der Täuschung, veröffentliche nun die bekannte, in Leipzig lebende Autorin Sabine Ebert ihren nächsten Band: „Der junge Falke“.

Das Spiel um den Königsthron geht imposant geschildert und verdammt spannend weiter. König Konrad, aus dem Adelsgeschlecht der Staufer regiert das römisch-deutsche Reich mit vielen internen Schwierigkeiten und nicht unbedingt mit einer konsequenten, harten Hand. Intrigen am Hofe Konrads, der Kreuzzug und der Wendenkreuzzug gegen die Slawen offenbaren politische Schwächen und stärken die Position seines Kontrahenten, dem jungen Herzog Heinrich der Löwe, aus dem Geschlecht der Welfen.

Die Autorin Sabine Ebert versteht es auch mit dem zweiten Band ihrer auf zehn Bände ausgelegten Reihe, ein Stück deutscher Geschichte, informativ, lehrreich und sehr spannend darzustellen. Eine große Rolle spielt „der junge Falke“ – Friedrich von Schwaben, der spätere König und Kaiser Friedrich I., später bekannt als Barbarossa. Die Umschreibung „junger Falke“ ist von der Autorin sehr gut gewählt. Der junge Adelige, zum Teil Staufer, zum Teil Welfe, beherrscht das gefährliche Spiel um den Thron mit einem sehr politisch-orientierten Blick für eine kommende Regentschaft. Aus einer beobachtenden Perspektive, mit dem übergeordneten Blick eines Falken, der seine Umgebung sondiert und analysiert, bereitet er sich vor.  

Es gibt viele historische Romane, die sich mit der englischen, mittelalterlichen Geschichte beschäftigen, unzählige Geschichten von Königen und Kreuzzügen füllen neben dramatischen Frauenschicksalen, die Bücherwände unserer Buchhändler. Doch was ist mit unserer eigenen Geschichte und unseren Adelshäusern? Höchstwahrscheinlich wissen wir wenig, viel zu wenig.

Als Autorin historischer Romane kann der erzählerische Grad zwischen Fakten und Fiktion sehr schmal ausfallen. Sabine Eberts Bühne sind überwiegend die geschichtlichen Fakten. Seit ihren Bänden 1813 und 1815, die sich mit der Völkerschlacht bei Leipzig beschäftigen, widmet sie sich der deutschen Vergangenheit.

Nach den zwei Bänden: „Meister der Täuschung“ und dem vorliegenden Band: „Der junge Falke“, kann man sagen: Es ist ihr ein Bravourstück gelungen. Meisterlich recherchiert und geschichtliche Lücken sauber interpretiert und in die historische Handlung eingepasst. Die Autorin, die sich bei Recherchen zu ihren Romanen, historischer Fachliteratur bedient und sich aktiv mit Historikern über Quellenlagen informiert, weiß, wovon sie schreibt.

Der zweite Band aus der Reihe „Schwert und Krone“ – der junge Falke – schließt direkt an den ersten Band an. Ihre Schilderungen der beiden Kreuzzüge, und die direkte, politische Auseinandersetzung der führenden Adelsdynastien, bergen eindrucksvolle, spannende Geschichten, voller Dramatik und Tragik. Weder manipuliert die Autorin die vorhandenen, geschichtlichen Fakten, noch bedient sie sich einer hohen, erzählerischen Freiheit. Das ist weder stocknüchtern, oder bierernst – es ist unsere Vergangenheit – unser Erbe, dass spannend wie nie erzählt wird. 

Wenn Freunde, aus politischen Gründen zeitweise zu Feinden werden, Kreuzzüge in Katastrophen enden, sich Menschen für Ideale opfern – und diese Szenarien nicht nur spannend, sondern auch feinfühlig, sensibel erzählt werden, dann ist das optimale Kopfkino des Lesers eingeschaltet.

Es gibt einige Szenen in dem Roman, die den Leser aufrütteln werden – der Leitspruch – „Taufe oder Tod“ und natürlich das bekannte „Gott will es“ , bergen einen Schrecken, den die Autorin perfekt transportiert. Ebenfalls gibt es ein paar wohldosierte Gänsehautmomente, wenn Figuren sich ihrem endlichen Schicksal stellen.

Es gibt nur wenige Kritikpunkte, die ich für mich erkennen kann. Zum einen habe ich vermisst, dass die Perspektive der Slawen praktisch wenig behandelt wird, allerdings betonte die Autorin, dass die Quellenlage außerordentlich sparsam ist. Im ersten Band, gab es neben der Vielzahl historisch verbürgte Personen, einen sympathischen, spionierenden Spielmann, der wunderbar in die historische Rahmenhandlung eingepasst wurde – den Luxus einer fiktiven Figur, spart sich die Autorin diesmal für den dritten Band auf.

„Schwert und Krone“ der junge Falke von Sabine Ebert ist brillant. Die Handlung realistisch, konsequent und mit viel Platz für Dramatik und Tragik grandios. Ein Stück unserer Geschichte verpackt in mit einer historischen Schleife, ein literarisches Geschenk, dass zum Pageturner wird.

Michael Sterzik


Sonntag, 29. Oktober 2017

Das Fundament der Ewigkeit - Ken Follett

Nach den Welterfolgen: „Die Säulen der Erde“ und dem zweiten Band: „Die Tore der Welt“ hat nun der britische Bestsellerautor Ken Follett mit seinem neuestem Titel: „Das Fundament der Ewigkeit“ – die geplante Trilogie vervollständigt.

Die Rückkehr in die fiktive Stadt „Kingsbridge“ ist auch ein Weg zurück zum Grundstein seines literarischen Fundaments – der den klassischen, mittelalterlichen Historienroman stabil etablierte. Die Kathedrale als bauliches Meisterwerk faktisch nicht von Bedeutung.

Um es vorwegzunehmen, dass beschauliche Kingsbridge ist nur noch ein Nebenschauplatz, die Handlung spielt in den Metropolen London und Paris. Es ist eine blutige Zeit der religiösen Auseinandersetzungen und beginnt kurz nach dem Tod Heinrich VIII. Seine nun legitimierte Tochter Königin Maria I. auch dank ihrer grausamen Verfolgung und Vernichtung protestantische „Ketzer“, liebevoll „Bloody Mary“ genannt, herrscht bis zu ihrem Tod über England. Die Linie der Tudors wird mit der jungfräulichen Königin Elisabeth I. fortgesetzt. Ebenfalls geht es nun bei dem religiösen Extremismus weiter, denn die recht eigenwillige Herrscherin hat innenpolitisch mit katholischen Aufwieglern einige Probleme, und diese Aufrührer werden konsequent auf dem Richtblock ein Ende finden. Europa ist religiös zerrissen, politisch sowieso ein Pulverpass und das erzkatholische spanische Königreich strebt eine faktische Alleinherrschaft über England an. Intrigen, Verrat, geplante Umstürze, Rebellion, Verfolgung und Hass bestimmen die Handlung in dem Roman: „Das Fundament der Ewigkeit“.

So historisch nun auch, der vorliegende Band ist, der Autor lässt es zu, dass das Echo der Vergangenheit, auch in der Gegenwart zu hören ist. Idealistischer Fundamentalismus, islamistischer Terror, sowie nationalistische, politische Stimmen werden lauter den je. Ken Folletts Botschaft also eine Botschaft aus der Vergangenheit? In dem Roman, erzählt Follett von der Geburt der britischen Geheimdienste: Infiltration, Verrat, Spione, Agenten sind zwar nachrichtendienstliche Instrumentalisierungen eines demokratischen Staates – aber es zehrt die Seelen dieser Personen aus. Ja es werden Leben gerettet, nur zu welchem Preis? In dem Roman ist der Bodycount relativ hoch, noch höher sind allerdings die dramatischen Elemente, und diese sind grandios erzählt.

Ken Follett schreibt einfach, aber erzählt packend und vor allem gut strukturiert. Einen Überblick über die handelnden Familien aus England, Frankreich und Spanien zu behalten ist einfach, und im Laufe der Handlung verweben sie sich. Das ist typisch für Follett, aber der Erfolg seiner Weltklasseromane gibt ihm schlussendlich recht. Ebenfalls sind Intrigen, Liebe und persönliche Feindschaften wie gewohnt vorhanden. Bei einigen Protagonisten ist es dem Autor überzeugend gelungen, diese nicht eindimensional zu zeigen, bei vielen anderen allerdings ist dieses gut/böse-sein viel zu einseitig.

Wie schon oben beschrieben, fokussiert sich die Handlung ausschließlich auf die religiöse Konfrontation. Viele historische Ereignisse, innen- wie auch außenpolitisch werden vom Autor nicht verwendet. Selbst die Regierungszeit Königin Elisabeth I. wird beispiellos einseitig erzählt da ihre sonstigen Taten und Einflüsse keine Beachtung finden. Es gab eine Menge an einflussreichen Personen am Throne der jungfräulichen Königin: Sir Walter Raleigh, Francis Walsingham, Robert Dudley, Sir Francis Drake usw. – aber sie beeinflussen die Handlung nur als stille Randfiguren.  

Die Bartholomäus-Nacht in Paris und der Konflikt mit Maria Stuart und der Seekrieg gegen die spanische Armada sind die Kerninhalte des Romans. Alle drei Ereignisse sind grandios und spannend vorgestellt. Zwischendurch immer wieder persönliche Feind- und Liebschaften – manchmal weniger spannend, aber hier wird jeder Leser seine Interpretation anders auslegen.

„Das Fundament der Ewigkeit“ umfasst stolze 1156 Seiten und es gibt hier durchaus inhaltliche Längen. Insgesamt wäre es vorteilhafter gewesen, die Handlung weniger seitenstark zu erzählen. Vergleichbar mit seinen beiden Vorgängern: „Die Säulen der Erde“ und „Die Tore der Welt“ ist der Roman allemal, auch hier der gleiche Aufbau, ähnliche Schicksale der Figuren.

Für Leser „Historischer Romane“ kann der Roman eine Enttäuschung sein, da sich der Roman auf die Religionsfragen reduziert und historische Persönlichkeiten hier nur sekundär betrachtet werden.

Fazit

„Das Fundament der Ewigkeit“ von Ken Follett, zusammen mit den ersten beiden Bänden, ist sein literarisches Fundament, mit dem er sich als Autor Historischer Romane unsterblich gemacht hat. Es muss aber auch bitte der Abschluss sein, denn es wäre nicht schlecht, wenn sich der walisische Autor, vielleicht keinem neuem Genre zuwendet, aber ggf. eine andere Epoche widmet.

Der Roman „Das Fundament der Ewigkeit“ ist wie oben beschrieben, ein abschließendes Meisterwerk – Platz 3 von 3 – gut, aber auch gut, dass es jetzt vorbei ist.

Michael Sterzik




Sonntag, 8. Oktober 2017

Die Zeichen des Todes - Michael Tsokos

Professor Michael Tsokos ist anerkannter und internationaler Experte auf dem Gebiet der Forensik. In Berlin leitet er die Rechtsmedizin seit 2007 des Charité und das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medien.

Bekanntlich schreibt das Leben, die besten Geschichten. Das kann man ebenfalls adaptieren, wenn man sich im Bereich der Kriminologie bewegt. Es gibt Verbrechen, die manchmal außerordentlich grausam sind, ebenfalls Morde, die zwar nicht verjähren, aber noch immer nicht aufgeklärt wurden. Es gibt höchstwahrscheinlich eine hohe Dunkelziffer an Morden, die als Krankheiten, oder als Unfall zu den Akten gelegt wurden. Gibt es denn auch den perfekten Mord? Eine Frage, die man nicht unbedingt weder mit Ja oder Nein beantworten kann, die Ermittlungsmethodik und nicht zuletzt die Möglichkeiten in der Rechtsmedizin gehen große Schritte nach vorne und die Ermittlungserfolge bewegen sich weit über 90% - es ist also alles andere als leicht, jemanden perfekt ins Jenseits zu katapultieren.

In seinem neuesten Buch erzählt Michael Tsokos von prominenten Mordfällen, von Unfällen, Überforderung, Selbstmord oder nicht, usw. Den Einblick den Michael Tsokos den Lesern liefert, ist nur Spannend, es ist eine morbide, faszinierende Unterhaltung mit mörderischer Ausrichtung.

Der Einblick in die Ermittlungsmethodik der Rechtsmedizin ist eindringlich und informativ. „Im Zeichen des Todes“ ist der endliche Tod manchmal verblüffend, tragisch und es gibt auch Momente, die den Leser grinsen lassen. Wie dilettantisch und bescheuert, so mancher Krimineller sein kann ist schon sehr originell.  Michael Tsokos beschreibt diese Fälle wie sie sind: authentisch, allerdings bewertet er auch das eine oder andere aus seiner Perspektive. In seiner Expertenposition absolut passend, nicht arrogant, oder herablassend. Der eine oder andere verbale, kleine Seitenhieb auf Ermittlungen, der Politik und der Justiz seien ihm also gestattet.

Es gibt 12 behandelte Kapitel – also Fälle, die uns Michael Tsokos detailreich und nachhaltig erzählt. Auf knappen 345 Seiten also komplexer Realismus, der unterhaltsam erzählt wird. Persönlich hätte ich es als optimaler empfunden, wenn es weniger an einzelnen Geschichten gegeben hätte und diese noch ausführlicher hätten dargestellt werden können.

Fazit

„Die Zeichen des Todes“ von Michael Tsokos bittet hochklassigen True Crime. Gute Erzählkunst kombiniert mit einer authentischen Atmosphäre auf hohem Niveau. Informativer und packender Einblick die Methodik von Ermittlungen im Sektionssaal.

Michael Tsokos ist zwar ein „Aufschneider“ – aber vielleicht der erste Rechtsmediziner in Deutschland, der spannend und schelmisch erzählen kann. Bravo.


Michael Sterzik