Dienstag, 9. Oktober 2018

Die besten Thriller - Januar - September 2018

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Vielleicht sich Zeit zu nehmen, einmal das Thriller/Krimi Jahr Revue passieren zu lassen. Vielleicht findet sich das eine, oder andere als Geschenk für das kommende Weihnachtsfest, vielleicht auf für einen schönen Herbsturlaub, oder beim gemütlichen Lesen auf dem Sofa!? 
Ende des Jahres - Anfang Dezember gibt es meine abschließende Bewertung. 
Das sind meine bisherigen Top Ten für das Jahr 2018. Ich bedanke mich bei allen Verlagen, die mir die Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt haben. Diese findet Ihr auf meinem Blog: https://buchempfehlungensterzik.blogspot.com
Es war ein wirkliches "spannendes Jahr" mit Autoren, die ich neu entdeckt habe, mit Fortsetzungen die mich überzeugten und mich wirklich faszinierten. 
1. Origin (Dan Brown) Lübbe
2. Ragdoll/Hangman (Daniel Cole) Ullstein
3. Das Lied der toten Mädchen (Linus Geschke) Ullstein
4. Oxen (Trilogie) Jens Henrik Jensen (dtv)
5. Eifersucht (Andreas Föhr) Knaur
6. The President is Missing (Patterson/Clinton) Knaur
7. Die Opfer, der man bringt ( Hjorth/Rosenfeldt) Rowohlt
8. Die Macht des Präsidenten (Clancy/Greany) Heyne
9. Die Tränen der Kinder (Alex Thomas) Amazon
10. Im Wald (Nele Neuhaus) Ullstein 
(Es gibt keine Bewertung innerhalb dieser Top 10). 


Montag, 8. Oktober 2018

Der Krieger - Geraint Jones

„Varus, gib die Legionen zurück“ soll Augustus verzweifelt ausgerufen haben, als er den Bericht von der Vernichtung der drei Legionen im fernen Germanien vernahm. Ein Achtel der römischen Streitkräfte wurden von dem Cheruskerfürsten Arminius bis auf wenige Überlebende gänzlich vernichtet. Ausgerechnet Arminius, aufgewachsen als Geisel in Rom. Militärisch ausgebildet, hoch dekoriert, vertrauensvoll – ihm gelang es die vielen auch miteinander verfeindeten Stämme Germaniens zu vereinen. 

Irgendwo im Teutoburger Wald wurden ca. 24000 Legionäre, Hilfstruppen und wahrscheinlich ein paar tausend Familienangehörige, Zivilisten, Sklaven, usw. getötet. Die Niederlage war auch das Ende des Eroberungskrieges in Germanien. 

In dem vorliegenden Roman: „Der Krieger“ von dem amerikanischen Geraint Jones, thematisiert der ehemalige Elitesoldat, die Ereignisse dieser mehrtägigen Schlacht. 
Als Soldat war er bei mehreren Kampfeinsätzen in Afghanistan, im Irak und in Krieg gegen somalische und nigerianische Piraten. Die Schrecken eines Kampfes auf Leben und Tod, die Verzweiflung, die erlebten Verluste an Kameraden, vielleicht Freunden und nicht zuletzt die allgegenwärtige Angst, verarbeitete der Autor in diesem historischen Roman. 

„Der Krieger“ ist sein Debütroman und ja es klingt etwas merkwürdig: Ein Amerikaner, der eine „Schlacht“ zwischen Germanen und Römern beschreiben möchte? Eine gewisse Skepsis eröffnet sich dann ja doch, aber dem Autor Geraint Jones ist es gelungen, die Emotionen die so eine brutale, kriegerischen Aktion nun mal mitbringt, gut zu transportieren. 

Der Autor befasst sich nicht mit der Politik des römischen Weltreiches, auch nicht über den organisierten Widerstand der Germanen und es gibt jedenfalls in diesem Band keine Schilderung über die späteren Auswirkungen. Geraint Jones fokussiert sich ganz und gar auf die Perspektive des einfachen Soldaten und der etwas höher gestellten Feldoffiziere. Vielleicht ist etwas daran, dass Soldaten egal in welcher Epoche sie sich durchkämpften identisch, vielleicht ähnlich fühlen!? Tausende von Kilometern entfernt, alleine unter Kameraden, die Zukunft ungewiss, vielleicht den Tod als einzigen Ausweg vor Augen? 

Geraint Jones hangelt sich ganz passabel entlang der historischen Quellen. Es gibt ein paar Be- und Umschreibungen, die nicht ganz passen, aber die Storyline passt sich der Vergangenheit gut an. Es geht dem Autor auch gar nicht darum, die Schlacht „neu“ zu erzählen, ggf. neu, oder anders zu interpretieren. Die Handlung bezieht sich ausschließlich auf die psychischen Herausforderungen, die eine achtköpfige Zeltgemeinschaft während dieser Schlacht ausgesetzt ist. Es gibt die abgeklärten Veteranen, für die, die Römische Armee ein Familienersatz ist. Den einfachen Soldaten, der seine 20-jährigen Dienstzeit überleben will und es gibt junge Rekruten die den brutalen Schrecken erst jetzt kennenlernen. Der Autor erzählt von Offizieren, die intrigant agieren, von Helden, die sich nicht an ihre Vergangenheit erinnern können, oder wollen. Die historischen Figuren eines Arminius, oder seines Gegners, des römischen Statthalter Varus, sind nur Nebenfiguren. 

Transportiert in „Der Krieger“ werden hier Emotionen: Opferbereitschaft, Freundschaft, Feindschaft, Rache, Vergeltung, Liebe, Vertrauen – all das prägt und empfindet der einfache Soldat im Feld – und letztlich ist er ja auch nur ein Mensch. 
  
Geraint Jones beschreibt in „Der Krieger“ den Lärm einer Schlacht verdammt laut und kompromisslos. Natürlich wird getötet und gestorben in einer Schlacht, es müssen Entscheidungen getroffen werden, die nicht jedem gefallen können. Vor allem die verzweifelte Angst bekommt hier eine ganz eigene, durchdringende Atmosphäre – vielleicht kann man das als Autor auch nur beschreiben, wenn man es selbst er- und gelebt hat. 

Die Charaktere sind überschaubar platziert. Die Hauptfigur hat viel Potenzial – bleibt aber immer etwas im Schatten seiner selbst stehen. Dessen Beziehung zu dem Rädelsführer, Verräter und germanischen Freiheitskämpfer Arminius allerdings ist der größte Kritikpunkt des Buches. Es wirkt einfach zu wenig realistisch und allzu wild und absolut künstlich konstruiert. Die Handlung wie schon erwähnt schildert leider auch nur größtenteils die Perspektive der Römer – die Germanen und deren Motive bleiben unberücksichtigt. Nur Arminius erzählt, warum er diesen Weg gewählt hat – der dramatisch gesehen, auch sein eigener Untergang sein wird. 

Die Zeltgemeinschaft – diese acht Soldaten sind die Hauptakteure und sind gut und in sich stimmig ausgearbeitet. Den einen oder anderen könnte man ggf. in dem zweiten Teil dieser geplanten Reihe wieder treffen. 

Als Debütroman gesehen ein solider, historischer Roman, der die erschreckende Perspektive des einfachen Soldaten schildert. Geraint Jones sollte in seinen nächsten Werken mehr Nebengeschichten und Figuren einbauen, die ggf. auch historisch belegbar sind. Mehr vom Leben erzählen, und etwas weniger vom sterben und ganz sicher muss der übergreifende historische Augenblick eingefangen werden. 

„Der Krieger“ von Geraint Jones ist eine brutale, laute Momentaufnahme der Bestie namens Krieg. Erzählerisch gut, aber noch weit ausbaubar und bitte eine konzentrierte Handlung mit dem Blick auf die kleinen, wichtigen Details. 

Michael Sterzik 
   



Montag, 1. Oktober 2018

Macbeth - Jo Nesbo

Der englische Dramatiker Shakespeare verstand es das Publikum im 15./16. Jahrhundert mit Tragödien zu unterhalten. Und jetzt knappe 500 Jahre später, werden seine Werke noch immer von jeder Generation interpretiert und gerne als Film, Buch, Oper oder Musical adaptiert. Auch der norwegische Autor Job Nesbo hat für ein Projekt – „The Hogarth Press“, dass von Virginia und Leonard Wolf gegründet wurde, um in alter Tradition Shakespeare Werke zeitgenössisch zu interpretieren, dass Werk „Macbeth“ neu erzählt. 

Es ist ein ambitionierter Titel, der wahrscheinlich entweder begeistert, oder über den man sich ärgern mag. Der Autor wird auf ewig mit seiner Figur „Harry Hole“ verbunden sein. Diese literarische Bindung aufzubrechen und sich von einem integren, moralischen Ermittler zu lösen, um dann einen Charakter wie Macbeth zu begegnen ist schwer. In seinem Thriller „Macbeth“ hält sich der Autor grundlegend gut an die Charakterisierung der Figur Shakespeare. Macbeth ist ein Mörder, kein moralischer Mensch, seine haltlose Gier nach Macht ist sein dramatischer Untergang. 

Der Untertitel „Blut wird mit Blut“ bezahlt, zeigt schon sehr genau wo es hingeht. Es wird blutig, der Bodycount summiert sich recht schnell und unschuldig ist sowieso keiner. Wer Shakespeares Stück schon kennt, wird die Handlung und die Figuren sehr schnell wiedererkennen. Den sprichwörtlichen Weg des Schicksals  und der Rahmenhandlung, hat der norwegische Bestsellerautor fast identisch übernommen. 

Die Handlung spielt nicht in unserer Zeit – „Macbeth“ Bühnenshow spielt in den 1970er Jahren in einer Stadt – Capitol, der sehr an Frank Millers „Sin City“ erinnert. Eine immerwährende Dunkelheit, ein Großstadtdschungel dessen Atmosphäre alles   Licht und alles „Gute“ einfängt. Es geht auch nicht um ein Spiel um schottische Throne, die es zu erobern gilt. Der Thron ist hier das Amt des Chief Commisioners, oder später auch das des Bürgermeisters. Beide Ämter sind natürlich besetzt und beide Inhaber, denken gar nicht daran diese aufzugeben. Aber es gibt natürlich brachiale Eroberungsmöglichkeiten und genau darum geht es um. Die Gier nach Macht und Einfluss machen aus den moralischen und netten Menschen Macbeth, der hier Leiter einer polizeilichen Spezialeinheit ist, ein mordendes Monster, dessen moralischer Kompass absolut am Durchdrehen ist. Seine Frau – nennen wir sie ruhig „Lady Macbeth“ ist die Motivationsspritze, eine durchgeknallte drogenabhängige Casinobesitzerin. Derer Spiel wird ein Roulette des Todes sein. 
„Macbeth“ von Jo Nesbo ist eine Sammlung von Massakern, die nicht harmlos in Szene gesetzt wurden. Erschreckend dabei ist es, dass es bei den Charakteren kaum unschuldige gibt. Aus Polizisten die eigentlich Gesetz und Ordnung symbolisieren werden kaltblütige Mörder, die für ihren persönlichen Vorteil morden. Die unschuldigen Menschen, die im Wege stehen, die Liebe und Familie symbolisieren, sind die Bauernopfer, die einbezogenen, kalkulierten Opfer. 
Warum all diese Morde? Es ist die Liebe – die uns umbringt – entweder schnell oder langsam. In „Macbeth“ außerordentlich schnell. Die Täter empfinden eine perverse Liebe. Eine vertrauensvolle Zuneigung für ihre Vorgesetzten, ihre Familie und ihre ehemaligen Freunde. Verrat – ist ein zusätzlicher Motor. Shakespeare hat auch romantische Liebesgeschichten verfasst. „Macbeth“ ist eine „Liebesgeschichte“, allerdings ohne Romantik, dafür viel Tragik und Dramatik. Shakespeare hatte es halt drauf.  

„Macbeth“ von Jo Nesbo ist kein spannender Pageturner. Auch keine Liebesgeschichte wie „Romeo und Julia“, kein „Sommernachtstraum“, oder „Viel Lärm um nichts“, obwohl es an Ecken und Kanten innerhalb der Handlung knallt. 
Der Roman überzeugt durch eine Sinfonie des Todes – keiner ist unschuldig und am Ende interessiert nur noch, wer überlebt dieses Drama. 
Inhaltlich gibt es manche Längen, auf die man sich einstellen muss, aber auch spannende Actionszenen, die den Roman retten. Die Dialoge spiegeln das Gesamtbild wider: Liebe, Macht und was ist man bereit dafür zu tun, und welche Opfer sind nötig!?
„Macbeth“ ist ein abgeschlossenes Buch und somit kann man sich entspannt zurücklehnen bis der 12 Band von „Harry Hole“ kommt. Der Titel: Das Messer.

Fazit
„Macbeth“ von Jo Nesbo ist ein blutiges Stück Shakespeare. Ein kleines, brutales „Game of Thrones“ im Genre Thriller. Empfehlenswert – denn am Ende gilt nur die Frage: Wer überlebt es?!

Michael Sterzik 





Dienstag, 25. September 2018

Der Spielmann - Die Geschichte des Johann Georg Faust von Oliver Pötzsch

Goethes „ Doktor Faustus“ ist den meistens wohlbekannt. Der Alchemist, ein Zauberer, ein Gelehrter, der einen Pakt mit dem Teufel einging und dafür grausam mit seinem Leben bezahlte. Doch hinter diesem berühmten Werk Goethes – versteckt sich eine historische Person – Johann Georg Faustusus
Die Legende um diesen Wunderheiler, Alchemist, Magier, Astrologe und Wahrsager ist nahezu unsterblich. Zu tragisch, zu wunderlich und bei weitem zu dramatisch um von der Literatur, oder überhaupt der Kunst nicht aufgegriffen zu werden. Wie bei jeder guten Legende verbergen sich eine ganze Reihe von Halbwahrheiten, Lügen, aber auch immer ein Funken Wahrheit. Welcher Anteil nun wie groß ist, überlassen wir den Historikern, allerdings ist die historische Quellenlage der realen Person Faustus sehr gering. Geboren wurde Faustus wahrscheinlich um 1480 rum, gestorben um 1541. 
Der Münchner Autor Oliver Pötzsch hat nun im Verlag List den ersten Band der Reihe um Faustus veröffentlicht: „Der Spielmann“. Der Autor der durch seine Erfolge mit der historischen Krimireihe „Die Henkerstochter“ national und international bekannt wurde, hat mit seinem neuesten Titel, sein bisher bestes Werk verfasst. 
Die Lebensgeschichte des Johann Georg Faustus interpretiert und erzählt er mit einer spannenden Atmosphäre, die teuflisch überzeugt.
Alles fängt in den Kindheitstagen von Faustus an und spielt sich dann weiter durch bis ins Jahr 1513. Sein Lebenslauf liest sich spannender als so mancher Krimi, oder Thriller. Oliver Pötzsch transportiert das Gedankengut der Menschen im 16 Jahrhundert perfekt. Die einfachen Menschen haben ihre Seele Gott verschrieben, ein tiefer (Aber)Glauben herrscht, der sich durch alle sozialen Gesellschaftsschichten fortbewegt, und sich bei einigen Menschen als unumstößliches Gesetz festsetzt. Die fortschrittliche Wissenschaft in dieser Epoche hatte es schwer und nicht zuletzt übte die Kirche, auch durch die berüchtigte Inquisition einen gewissen tödlichen Druck auf andersdenkende aus. Faustus war zu seiner Zeit ein polarisierender Charakter – als Alchemist, als Heiler, als Astrologe und eben auch als Magier. Zwischen Religion und Wissenschaft tänzelnd ein schmaler Grat auf dem Vulkan. 
Oliver Pötzsch erzählt das Leben dieses Mannes – durch die spärliche Quellenlage, vermischt der Autor Fakten und Fiktion. Allerdings verläuft er sich nicht in wilden Fantasien. Die Interpretation ist „frei“ – es ist ein historischer Roman, da Oliver Pötzsch den Nebenfiguren, dem Land, den Bräuchen, der Lebensart der Menschen viel Raum gibt und den Roman zu einem farbenprächtigen Gemälde des Mittelalters verhilft. 
Was ist Wissenschaft? Was ist Magie? Was ist Religion? Gibt es eine ultimative Wahrheit, die gleich die anderen Ebenen vollständig ausschließt? Versetzen wir uns doch literarisch ins Mittelalter des Johann Georg Faustus. Das 15./16 Jahrhundert war nicht ungefährlich, die ewige Verdammnis, aber auch die Unsterblichkeit im Paradies – daran glaubte man. Es war ebenfalls eine Zeit der Gaukler, des fahrendes Volkes, dass die Bewohner von kleinen Dörfern, aber auch größeren Städten, durch Zaubertricks, Geschichten, durch Musik und Tanz und andere Attraktionen vom hartem Leben ablenkte. Man konnte damit Geld verdienen, allerdings als unehrliche Person auch schnell in Schwierigkeiten geraten. 
Oliver Pötzsch lässt seinen Faustus reisen – als Gaukler, Spielmann, Magier, zuletzt als Gelehrter, der von Freund und Feind geachtet wurde. Die erzählerische Atmosphäre ist so lebendig und authentisch, so packend und spannend erzählt, dass der Roman nachhaltig das größte Lesevergnügen garantiert. Natürlich darf bei einer so tragischen Gestalt der „Teufel“ nicht fehlen, und auch das „Böse“ hat in dem Titel „Der Spielmann“ seine großen Auftritte. 
Die Figur des Faustus – ist wie die Quellen es auch angeben, ein verlorenes Kind seiner Zeit. Hochintelligent, neugierig, talentiert, alles infrage stellend wird dem Leser sowieso schnell klar, dass wird kein gutes Ende nehmen. Muss es auch nicht – das Ende ist ja sowieso bekannt, aber der Weg dahin ist spannender als so mancher Krimi. Zurück zur Person des Johann Georg Faustus und seinen Nebenfiguren: Allesamt und in jedem Kapitel findet der Leser neben großer Theatralik – großartige dramatische und tragische Entwicklungen – die den späteren Gelehrten in keinem sympathischen Licht erscheinen lassen. 
(Aber)Glauben, Wissenschaft, Magie – ja es ist bei weitem auch ein mystischer Roman. Die große und überzeugende Kraft des Romans, ist die großartige Stimmung, die uns einfängt und nicht wieder loslässt. Die schriftstellerische Freiheit, die sich der Autor nimmt, ist überhaupt nicht negativ zu sehen. Es gibt genug historische Details, die er aufnimmt und verarbeitet.
Im Nachwort, im kleinen Reiseführer und den Quellenangaben, kann sich jeder Leser noch etwas besser informieren. Nicht nur informativ, sondern auch witzig verfasst und ich gebe dem Autor recht, die Deutsche Bahn kann auch inspirierend wirken. 
Fazit
„Der Spielmann“ von Oliver Pötzsch ist ein packender und teuflisch spannender Roman, der höllisch gut unterhält. Einer der stärksten, historischen Romane in diesem Jahr und der stärkste des Autors. 
Schließen Sie bitte einen weiteren Pakt mit dem Teufel – damit Band 2 – der im September 2019 erscheint, so heiß wird wie der vorliegende.
Prädikat: Absolute Leseempfehlung. Ein historischer Titel, den man dieses Jahr lesen muss.
Michael Sterzik

@ullstein-verlag.de


Dienstag, 18. September 2018

Oxen - Gefrorene Flammen - von Jens Henrik Jensen

Der skandinavische Autor Jens Henrik Jensen schließt mit dem vorliegenden Band um den Ex-Elitesoldaten Niels Oxen seine Trilogie um die dänische Geheimorganisation Danehof ab. 

Diese Thriller-Reihe überzeugt durch eine sehr intelligent aufgebaute Storyline und herausragenden Charakteren, die konzipiert wurden. Das alte Lied der Verschwörungen wurde neu orchestriert und entstanden ist eine spannende Sinfonie. 

„Gefrorene Flammen“ ist der abschließende Band und der eigentliche Hauptdarsteller Niels Oxen ist nur eine wichtige Nebenfigur in diesem Roman des dänischen Autors. Wir erinnern uns an das Ende des zweiten Teils – Das Imperium schlägt zurück – der Danehof hat sich gerächt und das Leben seiner Kontrahenten systematisch zerstört. Entlassen aus ihren Jobs, oder gezwungen abzudanken sieht die Zukunft eher düster für diese aus. Niels Oxen hat den Mordanschlag allerdings überlebt und wird zum Anlasser einer ausgeklügelten Rache. 

Leitend und federführend ist der Charakter des inzwischen kaltgestellten Geheimdienstchef Axel Mossman. Langsam aber stetig sammelt er Informationen, nutzt sein berufliches Netzwerk, analysiert und positioniert seine ehemaligen Kollegen und nun Opfer dieser elitären Geheimgesellschaft, die sich bereitmachen den „Danehof“ zu zerschlagen. 

„Gefrorene Flammen“ liest sich spannend, ist aber bei weitem nicht so actionlastig wie die beiden Vorgänger. Das Niels Oxen ist den Hintergrund verdrängt worden ist, mindert nicht die Spannung. Interessant ist es, wie die Machtstrukturen der Geheimgesellschaft verflochten sind mit der Justiz, der Wirtschaft und nicht zuletzt der Politik. Verschwörungen hin oder her – es wird der Zeitpunkt kommen, bei der sich der Leser fragen wird: Wie realistisch ist es, dass eine elitäre, im Schatten agierende Gesellschaft der Staat innerhalb eines souveränen Staates ist?! 
Kann die Politik, die Wirtschaft – die legislative, die Judikative und die exekutive Gewalt manipuliert und missbraucht werden, um den Staat in eine gewünschte Richtung zu lenken? Und wenn ja: Warum und wieso? Geht es um demokratische Werte, oder um die simple Motivation sich wirtschaftlich zu bereichern? Es gibt Länder in Europa – z.B. Italien mit einer Loge, die Elemente der Kriminalität schon längst erfolgreich implementiert haben. Die Mafia ist ruhiger geworden, eine neue Generation wächst heran und die Motivation der „Chefs“ verlagert sich allzu deutlich in Richtung der Wirtschaft und der einflussreichen Politik.  

Analysiert und bewertet man die Konzipierung der Charaktere, so überlässt der Autor ebenfalls nichts den Zufall. Es gibt allerdings auch keine neuen Erkenntnisse, oder Überraschungen. Fokussiert erzählt der Autor die Story zu Ende. Stil, Ausdruck und Sprache sind aufeinander abgestimmt. 

Der Autor Jens Henrik Jensen gibt dazu Antworten, ob diese nun befriedigend sind, oder nicht, überlässt der den Leser selbst. Der Abschluss dieser Reihe ist aber sehr gut inszeniert und lässt kaum offene Fragen zurück. 

Wie geht es denn nun weiter, oder geht es überhaupt weiter?! Ja es geht weiter – es geht auch weiter mit Niels Oxen – allerdings nicht mit dem Danehof. 
  
Fazit

„Oxen – Gefrorene Flammen“ von Jens Henrik Jensen ist ein perfekter, sehr intelligenter Thriller. Elementarische Einflüsse aus der Politik, der Wirtschaft, des Geheimdienstes und die gute alte Rache harmonieren hier perfekt. In Summe ein krönender Abschluss. 

Michael Sterzik 


Donnerstag, 13. September 2018

Oracle Year - Tödliche Wahrheit von Charles Soule

Wissen ist Macht! Allerdings kann „Wissen“ auch mächtig gefährlich werden. Die Möglichkeit, die scheinbar relative Zukunft mit einer Prophezeiung aus den Angeln zu heben, könnte einer dieser Effekte sein. In unserer Menschheitsgeschichte gibt es unzählige Propheten die uns positive, wie auch negative zukünftige Ereignisse mitteilen. Einige davon bewahrheiten sich, andere verfehlen weit das Ziel. Nehmen wir zum Beispiel die Prophezeiungen des französischen Arztes und Apothekers Nostradamus. Seine kryptischen Prophezeiungen lassen sich in vielen verschiedenen Richtungen interpretieren. Seine prophetischen Vierzeiler sind noch immer rätselhaft und manchmal auch überhaupt erst viel zu spät erkennbar. Manchmal erst dann, wenn dieses Ereignis, in welchen Ausprägungen auch immer stattgefunden hat. 

Aber was würde mit unserer Welt – unserer Gesellschaft, unseren Machtzentren, der Kultur, der Religion geschehen, wenn es jemanden wirklich geben würde, dessen Prophezeiungen wenig später wirklich eintreten würden!? So eine immense Macht könnte man missbrauchen, oder sich geschäftstüchtig und wirtschaftlich gesehen auf einen Handel einlassen!? Göttliche Kraft oder teuflischer Fluch? 

Der amerikanische Autor Charles Soule übernimmt dieses Thema in dem vorliegenden Titel: „Oracle Year – Tödliche Wahrheit. Ein junger, erfolgsloser Musiker erwacht eines Morgens mit über 100 Prophezeiungen die durch seinen Kopf schwirren. Anfangs noch als Traum interpretiert, ist der Schrecken groß, als er feststellt, dass seine Visionen sich realisieren. Das „Orakel“ wie man ihn später bezeichnet, wird sich seiner Verantwortung bewusst – und wie gefährlich sein Wissen um zukünftige Ereignisse sein werden kann....

Die Grundidee des Romans ist wahrlich brillant. Die Erwartungshaltung damit unweit hoch. Das Ergebnis ernüchternd negativ. Der Roman soll ein Thriller sein – also expliziert spannend, abwechslungsreich, überraschend, vielleicht auch innovativ – aber in jedem Fall unterhaltsam! Er ist weder das eine, noch das andere. Die Story so viel hochgradiges Potenzial diese auch vermuten mag, spielt es einfach nicht aus. Dialoge die so endlos lange währen – Charakter, deren Motive man zwar folgen kann, aber so wenig an tiefe vermitteln sie. Die Storyline überlebt nur aufgrund der Neugierde – schließlich will man wissen, woher diese Visionen kommen und vor allem von wem? 

Die Handlung wirft Fragen auf – allerdings Antworten gibt es kaum welche. Immer mal wieder labyrinthisch der Versuch die Handlung in stringente Bahnen aufs Parkett zu befördern. Leider ohne Erfolg. Und es hilft auch an dieser Stelle kein Perspektivwechsel der Figuren. Die Nebenfiguren sind überschaubar und auch hier leider verpasste Möglichkeiten diese nicht grau im Regen stehen zu lassen. 

Philosophisch passiert hier auch nicht viel – die Religion mischt sich zwar ein, aber diese verhält sich provokativ und wenig weltoffen. Der Pastor – als Nebenfigur – das wäre ein allzu ernster Ansatz gewesen. Seine Ehrlichkeit und seine Motivation seilen Willen durchsetzen waren interessante Momentaufnahmen. 

Selbst das Ende der Geschichte wirkt einfallslos – eine Armee von Fragezeichen bleibt übrig. 

  
Fazit

„Oralcle Year – Tödliche Wahrheit“ von Charles Soule ist ein einfallsloser, blasser Titel. Keine Wahrheiten – nur Vermutungen und Überlegungen die sich in einem Dickicht von Halbwahrheiten und Lügen verlaufen. 

Michael Sterzik 

Freitag, 7. September 2018

Land im Sturm - Ulf Schiewe


Unsere Geschichte – die Geschichte Deutschlands wird in dem vorliegenden Roman „Land im Sturm“ des Münchner Autors Ulf Schiewe thematisiert. Welche beschwerlichen und auch gefährlichen Wege mussten unsere Ahnen gehen? Familiengeschichten sind, taucht man tiefer in die Recherchen ein, immer überraschend und vor allem zeigen diese: „Wer waren wir?“ und die spätere Ableitungen: „Wer sind wir nun“ – welche Spuren haben vergangene Generationen hinterlassen? Die deutsche Geschichte ist nicht so unspektakulär, gar langweilig wie man oftmals vermutet und Ulf Schiewe lädt die Leser ein, eine Familie an die 1000 Jahre literarisch durch die historischen Epochen zu begleiten. Diese Familie ist fiktiv, es gibt also keine historischen und authentischen Hintergründe, oder Quellenangaben. Nicht zu den Personen – aber die Ereignisse und die Situationen, in denen sich die Protagonisten bewegen sind authentisch.

Ulf Schiewe ist bekannt dafür, dass er vorbildlich und exakt für seine historischen Romane recherchiert. In dem Roman „Land im Sturm“ versteht es der Autor hervorragend, die faktischen Ereignisse als Bühne für seine fiktiven Figuren aufzubauen. Aufgeteilt ist der Roman in fünf Abschnitte – Kurzgeschichten einer Familie, die an der Schlacht bei Augsburg gegen die Ungarn und an dem schicksalshaften Kreuzzug gegen die Wenden teilnehmen. Der dritte Part spielt gegen Ende des 30jährigen Krieges und Generationen später beginnt sich Preußen gegen Napoleon und die französische Besatzungsmacht aufzulehnen. Letztlich mündet dann alles in die beginnende Industrialisierung – auf der Schwelle zu unseren Ur-ur-Großeltern. Jeder Part ist ungefähr 200 Seiten stark. Aufgrund dieser kurzen Kapitel ist zwar die Handlung intensiv, nicht aber die Charaktertiefe. Doch in sich sind diese Abschnitte spannend erzählt.

Erzählerischer Stil und Ausdruck sind exzellent umgesetzt. Leider enden diese Kapitel so schnell wie sie angefangen haben und vieles was noch hätte passieren können, bleibt der Fantasie des Leser überlassen. Rückblickend tauchen die Ahnen auf dieser epochalen Ereignisstrecke wenig auf. Einzig und alleine, die Namen und ein altes ungarisches Schwert wechseln über Generationen die familiären Hände.

Diese historische Reise auf der Überholspur ist kurzweilig, aber das Konzept sieht ggf. vor, dass sich der Leser selbst entscheiden kann, welches Zeitfenster aus der Vergangenheit für ihn interessant sein könnte. Was jeder später für sich geschichtlich entdecken könnte, dass liegt ganz bei dem Leser.

Die einzelnen Kapitel sind erzählerisch durchaus unterschiedlich. Atmosphärisch stellen die ersten drei Geschichten, die letzteren beiden weit in den Schatten. Die letzten beiden, spielen die schriftstellerische Stärke und zu erzeugende Spannung nicht aus. Nicht uninteressant und absolut auch nicht unwichtig für die Entwicklung und Reformierung unseres Landes, doch die Atmosphärische Stimmung lässt nach. 

Eine wichtige Botschaft des Buches ist es, aufzuzeigen, dass jeder Sturm, jeder Orkan des Lebens, einer ganzen Generation auch endlich ist. Ja, es müssen Opfer gebracht werden, aber wir lernen hoffentlich daraus. Wir zerstören – bauen es aber umso stabiler wieder auf. Wir leiden, lieben und lernen – das ist das Leben. Umso wichtiger ist es zu begreifen, dass eine literarische Reise uns auch immer wieder die Möglichkeit vor Augen führt, andere Perspektiven und Motive nachvollziehen zu können.

Ulf Schiewe ist inzwischen ein erfahrener Autor. Er hat nicht nur erzählerisches Talent, sondern platziert auch geschickt alltägliche Gegenstände aus den ganz verschiedenen Zeitzonen. Auch gesellschaftliche Normen, Stände und Erwartungshaltungen, soziale Strukturen usw. werden so anschaulich und packend erzählt, dass es zu einem vergnüglichen Geschichtsunterricht wird.

Fazit

„Land im Sturm“ sind großartige Doppelstunden Geschichtsunterricht. Spannend, unterhaltsam, lehrreich. Es gibt keine Nebengeschichten und nur wenig Nebenfiguren – fokussiert auf einer durchdachten Haupthandlung, ist der Roman stark. Kritisieren kann ich bis auf die manchmal langatmigen letzten Kapitel wenig. Ein Glossar, ein Nachwort, eine Zeittafel, vielleicht noch Quellenangaben vermisse ich ein wenig – aber ändert nichts daran, dass „Land im Sturm“ mehr ist wie ein seichtes Lüftchen im historischen Genre.
„Land im Sturm“ ist ein schneller Galopp durch 1000 Jahre deutscher Geschichte. Unterhaltsame Spannung mit hohem Tempo und exzellent erzählt.

Michael Sterzik