Sonntag, 21. August 2016

Das Gold des Meeres - Daniel Wolf


Christoph Lode hat nun unter seinem Pseudonym „Daniel Wolf“ den dritten Teil um die Kaufmannsfamilie Fleury  - „Das Gold des Meeres“ veröffentlicht.

Nach „Das Salz der Erde“ und „Das Licht der Welt“ steht die Familie der Fleurys im
Mittelpunkt der Handlung. In der dritten Generation, im Jahre des Herren 1260 steht es schlecht um das Familienunternehmen.  Nach dem gewaltsamen Tod von Michel Fleury, führt Balian Fleury die Geschäfte weiter. Doch weder hat er die Disziplin, dass Talent oder das Wissen von seinen Vorfahren geerbt ,um weiter erfolgreich sein zu können. Verschuldet begibt sich der junge Kaufmann, zusammen mit seiner Schwester Blanche auf eine vielversprechende Handelsfahrt.

Konzentrierte sich die Handlung der beiden Vorgänger Romane noch auf einem Schauplatz – das Dorf, die kleine Stadt Varennes-Saint-Jaques, in Lothringen, so lässt der Autor seine Protagonisten nun auf große Fahrt gehen. Die waghalsige Handelsreise, lässt die Hauptfiguren an ihre Grenzen gehen. Andere Länder – andere Sitten und neue Gefahren und Herausforderungen, und damit werden die Abenteuer, die zu bestehen sind, abwechslungsreich und dramatisch.

„Das Gold des Meeres“ ist ein Bravourstück im historischen Genre. Ein packender und spannender Roman mit vielen Actionelementen. Allerdings ist dieser der schwächster dieser bestehenden Trilogie. Sehr unglaubwürdige Abenteuer, lassen den Roman manchmal etwas sehr unrealistisch erscheinen. Sicherlich spannend, aber manchmal wäre etwas weniger, mehr gewesen.

Viele erzählerische Elemente sind inhaltliche Klassiker, aber der Autor hat diese insgesamt gut dosiert in die Handlung implementiert.

Die Charaktere sind multilateral konzipiert: mit viel Schwächen und Stärken und menscheln vortrefflich. Liebe, Enttäuschung, Mut, Ehre, Verluste und selbst die Dummheit und Naivität geben sich ihr Stelldichein. Natürlich fehlt die gute und ehrwürdige „Rache“ nicht, auch wenn diese nicht der Hauptmotivator ist.

Die Atmosphäre ist vielschichtig und lässt den Roman „leben“, sodass es zu langatmigen Passagen gar nicht kommt. Besonders gut gelungen, finde ich die nachhaltigen Nebenfiguren, die oftmals den Hauptakteuren die Show stehlen. Der junge Kaufmann Raphael, der ein Begleiter der Geschwister Fleury ist, erweist sich als heimlicher Star, des Ensemble. Kritisch, rebellisch, schlau, aber ehrlich herzlich stellt er Balian so manches Mal tief in den Schatten. Odet, Balian Diener dagegen, ist schrullig, vorwitzig, und obwohl er viel mit seinem Magen denkt, ein treuer Freund, den man an seiner Seite benötigt.

Fazit

„Das Gold des Meeres“ von Daniel Wolf ist ein Garant für den perfekten Lesegenuss. Auch der dritte Band überzeugt und öffnet den Leser „Türen“ in andere Länder. Eine Handelsreise mit Herz, wenig Verstand aber Glück.

Michael Sterzik


Sonntag, 14. August 2016

Unter dem Banner des Kreuzes - Astrid Fritz

Die Kreuzzüge sind immer wieder Thema von historischen Romanen. Im Gleichklang fallen dann Namen und Orte wie zum Beispiel: König Richard Löwenherz. Saladin, Jerusalem, der Heilige Gral usw. Nach mehreren verlustreichen Kreuzzügen, die faktisch als verloren und unsinnig feststehen, waren die Königshäuser Europas, der Adel und die einfachen Ritter eher unmotiviert, noch einmal das Kreuz zu nehmen und nach der Maxime „Gott will es so“ gen Jerusalem zu reisen. Die wenigen Menschen, die von den Kreuzzügen zurückkehrten, waren traumatisiert und wollten nichts mehr von Gottes Willen und dem großherzigen Erlassen von Sünden hören.

Nach diesen desaströsen Verlusten und einer Ernüchterung ging die Kirche in Rom davon aus, dass das Grab Christi nicht mit Waffengewalt zurückerobert werden kann.

Im Jahre 1212 sammelten sich um den einfach Hirtenjungen Nikolaus Hunderte von Kindern, Jugendliche und jungen Erwachsenen. Ihm  sei ein Engel erschienen, der ihm aufgefordert haben sollte, dass Heilige Grab von den ungläubigen Sarazenen zu befreien.

Die in Stuttgart lebende Autorin Astrid Fritz erzählt in ihrem aktuellen Roman: „Unter dem Banner des Kreuzes“ die Geschichte des Kinderkreuzzuges.  In Freiburg schließen sich mehrere, verzweifelte Jugendliche, darunter auch die 17-jährige Anna den Heerscharen junger Leute an, deren Ziel ist, das heilige Jerusalem zu befreien. Unter fröhlichen Gesang biblischer Lieder und Gebeten zieht der Kreuzzug gen Mittelmeer. Hier so prophezeit der junge idealische Führer Nikolaus, dass sich das Meer vor den frommen  Pilgern teilen soll und diese der Weg ins Gelobte Land sei.

Als Mensch im 21. Jahrhundert ist man oftmals sprachlos, wenn man von solcher Naivität und blinden Glauben liest. Zu fremd und schwer nachvollziehbar lassen sich die Gedankengänge und Motivationen der Pilger begreiflich machen. Doch die Menschen im 13 Jahrhundert, insbesondere die arme Bevölkerung, hatte neben einem festen Glauben, einen gehörigen Respekt, gar Angst vor der Hölle und dem Fegefeuer. Gerade die sozial schwachen Menschen, die Ausgegrenzten, hilflosen und bettelarmen – für sie waren solch prophetische Aussagen und Parolen Gottes Gesetz. Sie glaubten daran, dass Gott ihre Sünden durch einen Kreuzzug erließ und sie ins paradiesische Himmelreich führte. So weit, so verklärt gut.

Die Autorin beschreibt sehr eindrucksvoll, welche Gefahren und Entbehrungen, diese „Kinder“ eingingen. Ohne viel Proviant, oder Kleidung zum wechseln, ohne Decken und Vorräte einzig allein geführt durch ihren festen Glauben machte sie sich auf. Auch wenn vielerorts die Menschen in Städten und Dörfern die Pilger durch Essen und Unterkunft unterstützten, so ist es nachvollziehbar, dass solche eine Reise mit Opfern zu beklagen ist. Hunger, Krankheiten, Unfälle – es müssen viele gestorben sein. Die historischen Quellen alleine geben allerdings nicht viel Auskunft über diese Unternehmung.

„Unter dem Banner des Kreuzes“ erzählt von dem Aufbruch, der Reise und der Rückkehr der Kinder, denn natürlich weiß ein jeder, dass das Meer sich nicht geteilt hat. Genua war also das Ende dieser kindlichen Expedition ins Gelobte Land.

Astrid Fritz erzählt die Handlung aus der Perspektive einer kleinen Gruppe aus Freiburg. Einige Kinder, ein Knappe und Beschützer von Nikolaus und Konrad, ein angehender Priester mit deutlich kritisierender und mahnender Stimme sind die Hauptfiguren des Romans.

Astrid Fritz erzählt sehr deutlich und vor allem eindringlich, dass es Menschen gab, die dieser Unternehmung mehr wie kritisch gegenüberstanden, viele hielten die Kinderschar für verrückt, beschimpften Ihren „göttlichen“ Führer und forderten sie auf, schnellsten umzukehren.

„Unter dem Banner des Kreuzes“ ist kein Kreuzzugroman, in dem viel gekämpft und getötet wird. Hier gibt es nur sehr wenige Kapitel in der zum „Schwert“ gegriffen wird, und bekanntlich kommt man dann ja um. Doch die Autorin deutet den Leser recht schnell darauf hin, dass Wörter zu „Waffen“ werden können. Die Handlung konzentriert sich auf die situativen Entscheidungen der kleinen Gruppe, um Hilfs- und Opferbereitschaft und nicht zuletzt dem Eingeständnis: Zum Teufel, was haben wir nur getan!?

Ohne wilden Aktionismus, verfügt der Roma über eine dichte Atmosphäre, die sensibel und kristallklar aufgebaut ist. Der Leser pilgert quasi in der Handlung mit und fiebert, wer denn wohl dieses Kapitel von „The Walking Dead“ überlebt.

Fazit

„Unter dem Banner des Kreuzes“ ist ein anderer, aber ein besonderer Kreuzzugroman. Ohne viel Krach und Gewalt – aber mit viel Leid und Nächstenliebe erzählt Astrid Fritz von einer großen Katastrophe mit kleinen Menschen.

Die Autorin gibt diesem Roman viel individuelle Tiefe mit. Die historische Quellenlage ist sprichwörtlich schon versiegt. Feinfühlig, wie die Autorin es schon in ihren letzten Romanen gezeigt hat, ist „Unter dem Banner des Kreuzes“ ein kleiner Aufschrei und ein kluger Fingerzeig, nicht allen Parolen und Befehlen religiöser Fanatiker Folge zu leisten. Ein Buch für stille Stunden – aber mit nachhaltiger Stimme. Bravo.

Michael Sterzik



Sonntag, 7. August 2016

Der Pirat - Mac P. Lorne



Piraten – Raubritter der Meere faszinieren mit ihrem blutrünstigen Abenteuern und melodramatischen Auftritten noch immer Leser und Cineasten. Raue Männer, die „Frei“ und uneingeschränkt die Herren der sieben Meere waren. Romantisiert, ehrenvoll, mutig, galant, gefährlich und ein wenig Sex and Crime – wundervolle Rezeptur für kunstvoll ausgeschmückte Geschichten, die mit der Realität nichts zu tun hatten.

Ja, sie waren oftmals ein wirklicher „Fluch der Karibik“ und es gab auch historische Piratenpersönlichkeiten, die einem Gentleman recht nahekamen. In der Geschichte der Seefahrt tummeln sich viele Legenden und Sagen – daraus ist nicht selten ein Mythos um die Person entstanden.

Neben „Blackbeart, „Henry Morgan“, „Charles Vane“ und vielen anderen historischen Freibeutern, gab es noch die schillernde Figur „Sir Francis Drake“ – Der Pirat.

Im Goldenen Zeitalter Englands und der Regentschaft der jungfräulichen Königin Elisabeth I. war Spanien eine Weltmacht und unter der Herrschaft von König Philip, ein erzkonservativer Katholik, eine Bedrohung.

Der deutsche Autor Mac P. Lorne gibt mit seinem neuesten Buch – „Der Pirat“ der historischen Gestalt Francis Drake, ein unterhaltsames und gut recherchiertes Bild. Francis Drake war nicht der romantisierte Herr der sieben Meere – er war weithin mehr: Entdecker, Weltumsegler, Vizeadmiral und ein erfolgreicher Pirat. Letzteres, so stellt es auch der Autor in seinem Roman dar, war er immer – seine Motive waren vermögend zu werden und zu Ruhm und Ansehen zu gelangen. Da er eher in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist, ein plausibler Grund.

„Der Pirat“ schildert die chronologische Lebensgeschichte Drakes, allerdings startet die Geschichte nach seiner Weltumseglung und der Ankunft im heimischen England. Francis Drakes Erfolge und seine reichliche Beute, imponieren Königin Elisabeth, die seine nächsten Unternehmungen, wenn auch nicht offiziell unterstützt und billigt. Seine Erzfeindschaft gegenüber dem Königreich Spanien, ist ebenfalls die ihre.

Mac P. Lorne stellt den Günstling und Piraten Francis Drake sehr authentisch da, oftmals allerdings in einem zu sympathischen Auftreten. Befasst sich der Leser mit der historischen Figur „Drakes“, so wird ihm ein ganz anderer Pirat präsentiert. Er soll rechthaberisch, egoistisch und aufbrausend gewesen sein und nicht der Menschenfreund, wie es der Autor darstellt. Doch der Autor sagt selbst: „Francis Drake“ war ein Kind seiner Zeit. Wer also so erfolgreich auf den Meeren segelte und raubt, muss eine gewisse Führungspersönlichkeit gewesen sein, tja und damit sind alle demokratischen Entscheidungen auf See inakzeptabel. Auf hoher See war Drake „Alleinherrscher“.  

„Der Pirat“ ist eine spannende Räuberpistole, ein sehr unterhaltsamer Roman ohne Seemannsgarn oder romantisierte Heroisierung. Der Autor baut sein großes Fachwissen um nautische Aktivitäten, Strategie und Taktik in Seegefechten ein. Doch auch auf dem Festland schildert der Autor die politischen Ränkespiele der Königin, sowie Spionage und Liebeleien am königlichen Hofe.
Francis Drake Privatleben ist ebenfalls Teil seiner Geschichte. Primär verlagert sich die Handlung auf die imposant geschilderten Seegefechte mit viel Kanonendonner, Gewalt und Tod. Duelle mit dem Rapier, tödlicher Enterkämpfe, aber auch ehrenvolle Rettung und Gnade gegenüber besiegten Feinden, sind die größten Elemente der Geschichte. Selten konnte sich der Leser näher in einem Seegefecht wiederfinden.

Die Handlung wird fast immer aus der Perspektive Drake erzählt, obwohl hier auch die Spanier ihre Sicht der Situationen schildern und dem Leser ein sehr umfassendes Bild dieser Ereignisse.

Mac P. Lorne gibt dem Roman eine grandiose Atmosphäre und gibt der Figur eines Francis Drake, eine sehr individuelle, aber plausible Note. Es gibt nur sehr wenig zu kritisieren. Die Charakter Zeichnung von Drake ist schlichtweg eindimensional – einfach zu ehrenhaft, zu glatt konzipiert. Obwohl sein Handeln plausibel ist, vermute ich, dass Drake als Seemann alter Schule, weniger ehrenhaft und rücksichtsvoll war, als es der Autor schildert. Doch das ist ganz alleine meine Meinung und spiegelt nicht die Meinung des Autors wieder.

Fazit

„Der Pirat“ ist ein fulminanter Seekriegsroman mit allem Drum und Dran. Präsentes Kopfkino mitsamt Kanonendonner, klirrender Säbel und lauten Befehlen, katapultieren den Leser inmitten der Seegefechte.

Sehr empfehlenswerter, historischer Abenteuerroman, ich hoffe, es gibt weitere Piratengeschichten aus der Feder des Autors, es gibt genug berühmt-berüchtigte Piraten.

Ohne Seemannsgarn – stattdessen schlachtrufend Piraten hi ho...

Michael Sterzik

06.08.16




Sonntag, 31. Juli 2016

Das Schwert der Götter - Axel S. Meyer

Der neue historische Roman von Axel S. Meyer ist der dritte Band des Wikinger-Fürsten Jarl Hakon. Erschienen im Verlag Rowohlt sind ebenfalls die Vorgänger „Das Lied des Todes und „Das weiße Gold des Nordens. Der Autor lässt nun die Wikinger in Norddeutschland und Dänemark, um Land, Einfluss und Ehre kämpfen. Die Hauptmotive der handelnden Personen sind Rache und Verrat. Neben den nordischen Wikingern, spielen die Sachsen eine tragende Rolle und ebenfalls kommt die Kirche Roms in den Geschmack von Reichtum und Einfluss.

Axel S. Meyer bietet den Leser einen soliden Unterhaltungsroman mit vielen erzählerischen Schwächen, allerdings mit sehr interessanten Charakteren. Der Autor hat hervorragend recherchiert, Orte, Riten, Traditionen – all das zeichnet der Erzähler in einem authentischen Gesamtbild.

Die Atmosphäre des Romans schränkt die Lesefreude ein wenig ein. Die Handlung ist manchmal sehr langatmig beschrieben und kommt nicht so richtig in Fahrt. Erst viel zu spät, am Ende kommt das erzählerische Potenzial des Autors zum Vorschein.

Fazit

Ein unterhaltsamer Roman der wenig nachhaltig ist und nur die Charaktere retten. Hier muss in späteren Romanen, die Atmosphäre deutlich ausgeprägter sein.

Michael Sterzik






Mittwoch, 13. Juli 2016

Eisenberg - Andreas Föhr


Justitia ist das Symbol für die Personifikation der Gerechtigkeit. Ebenfalls wurde sie in der Vergangenheit als strafende, rächende Gerechtigkeit gedeutet. In Kunst und Literatur steh sie als Sinnbild des Rechtswesens.

Die Justiz – Rechtsanwalt, Staatsanwalt, Schöffen und Richter ist ein hochkomplexer Apparat unseres Rechtssystems. Doch schließlich und letztlich ist es kein perfektes Instrument gegen das Unrecht. Der menschliche Faktor und sein unmissverständliches Talent Fehler zu produzieren kann für den Angeklagten dramatische Konsequenzen bedeuten.

Der Autor Andreas Föhr hat in seinem neuesten Roman: „Eisenberg“ der Justiz eine spannende und packende Bühne gegeben. Doch es menschelt sehr vorteilhaft in diesem Justizthriller. Die erfolgreiche Dr. Rachel Eisenberg, Mitbesitzern einer eigenen, erfolgreichen Kanzlei in München, übernimmt als Verteidigerin einen hochbrisanten medienwirksamen Fall. Doch dieser Fall wird schwieriger als gedacht – sie kennt den Angeklagten, der eine junge Frau brutal getötet und verstümmelt haben soll – nicht nur einmal wird sie sich im Laufe des Falles fragen, ob sie ihrem alten Freund wirklich trauen kann. Ist der ehemalige Universitätsprofessor unschuldig und damit auf dem besten Weg ein Justizopfer zu werden, oder ist er in der Lage jemanden kaltblütig zu töten?!

„Eisenberg“ ist ein hochkomplexer Thriller – der eine Wage in den Händen von Justitia sein könnte.  Die Story ist abwechslungsreich und zeigt die Arbeitsgebiete von Staatsanwaltschaft und Verteidigung sehr deutlich. Doch brillant versteht es der Autor dabei die Geschichte nicht stocknüchtern zu erzählen, sondern gibt durch ein paar gut eingesetzte Nebengeschichten seinen Protagonisten viel Raum sich frei zu bewegen. Rachel Eisenberg ist eine toughe Anwältin, sie versteht ihren Job als Berufung, aber als Mutter einer pubertären Tochter und dazu noch alleinerziehend, hat sie es manchmal nicht allzu leicht. Auch wenn der Fokus auf die Hauptstory niemals stolpert, lebt der Roman gerade von seinen perfekt inszenierten Charakteren.

Hochprofessionell versteht es Andreas Föhr den Leser spannend zu unterhalten und gibt Gelegenheit zu vielen Interpretationen über den weiteren Ausgang und die Motive nachzudenken. Irrwege, Sackgassen und Überraschungen sind perfekt delegiert.  

Auch wenn die Story hochrealistisch zu sein scheint, gibt es leider ein paar unlogische Aspekte in der Schilderung der Ermittlungsarbeit. Der Kriminalpolizei passieren ein paar dilettantischer Fehler, die so vermute ich in der Realität nicht zu finden sind. Ebenfalls blieben einige Fragen hinsichtlich des Tathergangs offen im Raum stehen.  Für Vielleser von Thrillern und Krimis sehr offensichtlich und vielleicht sogar etwas ärgerlich.

Trotzdem ist „Eisenberg“ ein genialer und faszinierender Pageturner. Dass Andreas Föhr eine juristische Ausbildung eingeschlagen hat und jahrelang als Rechtsanwalt praktizierte, gibt der Geschichte den besonderen und wichtigen Blick aufs Detail. Er weiß, wovon er schreibt – ebenso wie sein amerikanischer Kollege John Grisham, überzeugt er durch einen Mix von Fakten und Fiktion.

Fazit

„Eisenberg“ gehört mit zu den stärksten Justizthrillern in der deutschen Belletristik. Andreas Föhr bietet mit seinem Justizthriller eine nachhaltige und spannende Story, die einzigartig überzeugend ist.

Ich hoffe, dass die Reihe schnell fortgesetzt wird. Der Roman gehört zu den stärksten Thrillern in diesem ersten Halbjahr 2016.

Michael Sterzik