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Dienstag, 6. September 2022

Im Bann des Adlers - Daniel Wolf


Die Friesen-Saga um die Familie Osinga geht endlich weiter. „Im Bann des Adlers“ von Daniel Wolf geraten die leidenschaftlichen Schiffsbauer inmitten der Fehden friesischer Häuptlinge. Für die Region, in der überwiegend die Land- und Forstwirtschaft, die Fischerei und das Handwerk lebensnotwendig ist, bringen die Überfälle und territorialen Machtansprüche nur unsagbares Leid mit sich.

Die Ostfriesen waren schon ein kriegerisches Häufchen. Den Gedanken alle Regionen Ostfriesland unter einem Banner zu vereinen, hatten viele Häuptlingsfamilien die sich allerdings immer wieder in Bündnissen vereinten, nur um sich wenig später zu verraten. Die Vitalienbrüder, auch Likedeeler, profitierten zeitweise von den kriegerischen Auseinandersetzungen. Die „Bruderschaft“ der Piraten, deren Stammsitz auch auf Helgoland war, machten sich neben einigen Freunden, auch mächtige Feinde. Die Hanse jagte die berühmt-berüchtigten Likedeeler und richteten die Seeräuber und die bekannten Hauptleute, Klaus Störtebecker, Gödeke Michels, Hennig Wichmann und Magister Wigbold auf dem Hamburger Grasbrook 1401 hin.

Diese Themen und diese historischen, legendären Charaktere bilden die Grundstory in „Im Bann des Adlers“. Das ostfriesische Adelsgeschlecht der tom Brok, bzw. der eingesetzte Vogt von Marienhafe vereinnahmen den Krisenmittelpunkt im zweiten Band der „Friesen-Saga“.

Friesland 1390: Der 21-jährige Folkmar Janns Osinga ist Schiffszimmermann mit Leib und Seele. Gemeinsam mit seinem Vater Jann baut er begehrte Koggen, das Unternehmen der Familie floriert. Als Folkmar die junge, kluge Almuth kennenlernt, scheint sein Leben perfekt. Doch dann wird er Opfer einer perfiden Intrige: Des Mordes bezichtigt, muss Folkmar fliehen, sowohl Almuth als auch seiner Heimatstadt den Rücken kehren. Verzweifelt versucht er, seine Unschuld zu beweisen. Seine Lage ist hoffnungslos – bis er den Vitalienbrüdern begegnet und sich den berüchtigten Piraten anschließt…(Verlagsinfo)

Wer ein Vielleser im Genre „Historischer Roman“ ist, wird unweigerlich sehr schnell Parallelen zu anderen Autoren erkennen. Rebecca Gable, Ken Follett – die auch „Familiensagen“ hervorbrachten, standen nicht „Pate“ – aber vergleicht man diesen Roman von Daniel Wolf mit diesen erfolgreichen Autoren – erkennt man fix, ein sehr ähnliches Schema. Ein unschuldiger Held, der sich behaupten muss, eine unglückliche Liebe, ein Tyrann, der das Leben der Bevölkerung mehr als schwer macht. Flankiert von Ereignissen wie Mord, Verrat, Eifersucht und Gewalt ist die Handlung spannend. Aufgrund von gewissen fast schon überflüssigen inhaltlichen Längen im Roman verliert die Atmosphäre aber sehr deutlich. Gerade der jahrelange Überlebenskampf des Folkmar Osinga ist ausufernd und auch nicht unbedingt wichtig für die Gestaltung seines Charakters.

Alle Charaktere, bis auf die historischen Piraten-Persönlichkeiten sind eindrucksvoll eindimensional entworfen und damit sind auch deren Handlungen sehr vorhersehbar. Im letzten Drittel des Romans steigert sich die Spannung mit dem Auftauchen der Likedeeler. Endlich zeigen sich mit der Bruderschaft der Freibeuter ambivalente Persönlichkeiten und inhaltlich wird es nicht nur spannender, sondern auch viel informativer und abwechslungsreicher. Insgesamt geht es auch mit der Präsentation der Piraten nicht ungemein blutdürstig zu. Die Gewalt ist zwar ein Thema, aber Daniel Wolf erspart uns inflationäres Abschlachten und detailreiche Beschreibungen vom Töten und Sterben. Der Fluch der Nord-/Ostsee erzählt Daniel Wolf so grandios, dass ich mir fast wünsche, seine nächste Saga könnte wohl gerne eine längere Piratensaga werden.

Die Politik und die Wirkung der Hanse spielt noch eine untergeordnete Rolle, vielmehr liegt die Konzentration wie schon erwähnt auf die Fehden der friesischen Häuptlinge.

Die historische Genauigkeit nimmt Daniel Wolf sehr ernst. Gut recherchiert, mit der einen, oder anderen schriftstellerischen Freiheit referiert er für uns über ein Stück ostfriesischer Geschichte. Etwas freier gestaltet sich seine Interpretation vom Ende eines Klaus Störtebeckers und eines Gödeke Michels. Die historische Quellenlage zeigt uns ein anderes Ende der berüchtigten legendären Personen, die in Hamburg später recht kopflos dastanden.

Die ehemaligen Figuren aus dem ersten Band kommen selbstredend auch vor, stehen aber als Nebenfiguren nur in der zweiten Reihe. Etwas mehr erzählerischen Raum nimmt Abbe Osinga ein. Eine tolle Figur, deren Schicksal den Leser emotional mitnimmt.

Fazit

Spannende Reise in eine Küstenregion, die zwar flach ist – aber ungemein spannend erzählt werden kann. Eine „Piratengeschichte“ die Spannung verspricht.

Michael Sterzik

Samstag, 14. März 2020

Im Zeichen des Löwen - Daniel Wolf


Die Friesen ein germanischer Volksstamm im Norden von Deutschland und den Niederlanden. An der rauen Nordsee haben die bodenständigen Menschen im Laufe der Jahrhunderte gelernt mit den Gezeiten und mit immer wiederkehrenden, brachialen Sturmfluten zu leben. Bis zum Aufstieg der Hanse waren die Friesen erfolgreiche Händler und verstanden viel vom Schiffsbau und der Seefahrt.
Sie waren freie Männer, kein König regierte dieses selbstbewusste Volksgrüppchen.
Aus den eigenen Reihen wählten sie einen der ihren zum Richter. Also so etwas wie einen Adel gab es zwar, aber letztlich waren sie unabhängig, wie die Nordsee. Sie waren Christen, zollten aber ihren alten „Göttern“ noch Respekt und Achtung Der Fischfang, der Handel mit Salz und Bernstein, aber auch Ackerbau und Viehzucht hinter dem schützenden Deich, sicherten ihre Versorgung.
Christoph Lode hat unter seinem Pseudonym Daniel Wolf einen historischen Roman geschrieben – Im Zeichen des Löwen . Es ist der Auftakt zu einer neuen Reihe – der „Friesen Saga“. Bekannt wurde „Daniel Wolf“ mit seiner historischen „Fleury-Saga“, die noch immer sehr erfolgreich ist und sich im Genre „Historischer Roman“ einen Namen machte.
Die Erwartungshaltung ist hoch. Ja -. Ein Mittelalterlicher Roman – aber offensichtlich ohne das klassische Rittertum, ohne Kriege und andere Klischees!? Die Bühne ist vorbereitet für die Friesen, für den Handel, der Seefahrt und der Geburtsstunde der einflussreichen Hanse. Kann das spannend werden? Packend? Erfolgreich?
Friesland 1351: Schiffe zu bauen – das war schon immer der Traum des junge Zimmermanns Jann Wilken. Mit seinen genialen Ideen will er die Seefahrt revolutionieren und sich in den Häfen der Hanse einen Namen machen. Aber Jann hat es nicht leicht. Er ist der uneheliche Sohn des mächtigen Wilke Tammen Osinga, der den Bastard verabscheut und täglich erniedrigt. Der jähzornige Wilke führt eine Blutfehde gegen seinen Erzfeind Enne Rycken und zieht seine Söhne in den Konflikt hinein. Jann ist seit langem heimlich in seine Jugendfreundin Jorien verliebt. Doch als er ihr endlich seine Gefühle gestehen will, wird sein Dorf von Enne angegriffen, und es kommt zur Katastrophe ...(Verlagsinfo)
Christoph Lode – Daniel Wolf, hat vor der Fleury-Saga „Fantasy-Romane geschrieben, doch nun ist er literarisch gewachsen, sein Talent für den „Historischen Roman“ ist nicht nur allzu offensichtlich - mit „Im Zeichen des Löwen“ katapultiert er sich in den Olymp der deutschen Autoren, die sich diesem Genre verschworen haben.
„Im Zeichen des Löwen“ zeichnet sich nicht nur durch eine imposante, anhaltende Spannung aus, sondern überzeugt mittels so vielen überraschenden Wendungen, die den Roman atmosphärisch und selbstbewusst emporheben. Es ist natürlich auch eine Familiensaga, in der die klassischen Elemente nicht fehlen dürfen. Doch trotzdem hebt sich „Im Zeichen des Löwen“ von vielen anderen Romanen ab. Daniel Wolf erzählerischer Stil ist souveräner, bestimmter und selbstbewusster geworden. Das ist auch gut so – denn nur so gelingt es Spannung zu transportieren die zu fesseln vermag.
Familienfehden hin oder her – die Charaktere sind allesamt großartig. Der Wechsel der handelnden Charaktere ist gut strukturiert. Die Nebenfiguren stehen nicht weitab im Schatten, sondern unterstützen wo sie nur können. Liebe –Action – Freud und Leid – dürfen nicht fehlen und sind ebenfalls gut eingefügt.
Die Anzahl der Hauptfiguren ist übersichtlich und wirkt konzentriert. Neben dem Handel spielt natürlich an der Küste – die Seefahrt und der Bau der großen Handelsschiffe – der Koggen eine wichtige Rolle.
Der Roman spielt in den Anfängen des Hansebundes – aber konzentriert sich nicht auf die Städte und Regionen die maßgeblich dafür stehen. Mittelpunkt sind die Friesen – ihre Kämpfe untereinander, aber auch ihren Kampf gegen die Elemente, die immer wieder ihre Existenz überfluten können.
Der fast 1000seitige starke Band ist eine literarische Droge, die eine Abhängigkeit schnell herbeiführt. Um mich noch einmal zu wiederholen. Selten habe ich einen Roman gelesen – dessen Handlung mich phasenweise sehr überraschte, weil ich mit etwas völlig anderen gerechnet habe.
Doch es gibt auch einige Ansätze, die man hätte starker ausbauen können. Die Seefahrt – die Hanse – den Handel. Die Fehde zwischen den beiden friesischen Familien ist der „Point of Action“. Ich hätte gerne noch mehr über die Seefahrt und den Handel erfahren, aber das ist meine nur ganz persönliche Meinung.
Daniel Wolf hat sich als Autor weiterentwickelt – ist bereit etwas auszuprobieren und löst sich von den klassischen Elementen, die dem Vielleser fast schon inflationär in den Romanen rund ums Mittelalter begegnen.
Fazit
„Im Zeichen des Löwen“ geht Daniel Wolf nicht nur mit der Seefahrt neue Wege. Die Friesen sind ein bisschen, dass unentdeckte Land, dass man erforschen möchte. Schon jetzt gehört „Im Zeichen des Löwen“ zu einem der Romane, die man 2020 lesen sollte.
Auf zu neuen Ufern Herr Wolf. Brillante Wendungen – tolles Seeting – es geht vielleicht noch ein wenig besser – aber viel fehlt nicht mehr zum Perfektionismus
Michael Sterzik

Mittwoch, 19. Februar 2020

Interview - Daniel Wolf - Im Zeichen des Löwen


Hallo Herr Lode,

Vielen Dank, dass Sie sich für das Interview etwas Zeit nehmen. Soeben ist Ihr neuester Roman: „Im Zeichen des Löwen“ veröffentlicht worden. Ich bin sehr gespannt auf Ihren neuesten Roman und freue mich ebenfalls was Sie zu erzählen haben.

Nach dem großartigen Erfolg Ihrer historischen Fleury-Saga erscheint nun der erste Band ihrer neuen Reihe – Im Zeichen des Löwen – die Friesen-Saga.
Da der erste Band in zur anfänglichen Blützeit der Hanse 1351 spielt – ist es schon auffallend, dass Sie sich dem „Handel im Mittelalter“ durchaus als einen Mittelpunkt Ihrer Geschichten sehen, oder!?

Handel im Mittelalter spielt in der Fleury-Saga eine wichtige Rolle, in meinem neuen Roman »Im Zeichen des Löwen« ist das Thema eher untergeordnet. Die Hanse bekommt einigen Raum im Buch, aber die politischen Aspekte sind für die Geschichte relevanter als die kaufmännischen. Wie hat es sich auf die Nord- und Ostsee ausgewirkt, dass eine nichtstaatliche Organisation wie die Hanse zu einer Macht aufstieg, dass sie es mit Fürsten und Königen aufnehmen konnte? Das fand ich beim Schreiben sehr spannend.
Und dann ist da natürlich das Thema Seefahrt, das untrennbar mit der Hanse verknüpft ist. Meine Helden sind diesmal keine lothringischen Kaufleute, sondern ostfriesische Schiffsbauer, und sie entwerfen Koggen für hansische Kaufherren. Das ist das zentrale Motiv der Friesensaga.

Die Hansezeit war ein Zeitraum des Seehandels, und schloss mitunter nicht nur die Deutschen Städte ein. Welche Länder wird der Leser ihres neuen Titels, bzw. in den späteren Romanen besuchen dürfen?

»Im Zeichen des Löwen« spielt hauptsächlich in Ostfriesland, in dem fiktiven Hafenort Warfstede, wo die Familie Osinga Schiffe baut. Daneben sind Bremen, Lübeck, Travemünde, Köln, das nordfriesische Rungholt sowie das norwegische Bergen wichtige Stationen der Geschichte. Das Meer ist ein weiterer Schauplatz: Meine Helden bereisen die Nord- und die Ostsee, den Öresund, das Kattegat, den Skagerrak.
Die Hanse wird immer im Schwerpunkt als gut organisierter Innen- und Außenhandel bezeichnet. Doch die Hanse war erheblich mehr als eine Wirtschaftsmacht. Welche Ereignisse werden neben dem Handel, der Politik, die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Städten und Ländern, und auch die Religion und Kultur eine Rolle spielen?

Im Mittelalter prägte das Christentum jeden Bereich des Lebens; es ist also gar nicht möglich, das Thema auszuklammern, wenn man einen Mittelalteroman schreibt. »Im Zeichen des Löwen« streift daher auch diverse religiöse Fragen, etwa die vergleichsweise spät erfolgte Christianisierung Ostfrieslands, der Umgang der Kirche mit Ketzern oder das Alltagsleben der Beginen. Religion steht aber nicht im Vordergrund.
Von der hansischen Geschichte sind insbesondere die sogenannten »Waldemarkriege«, also die militärischen Konflikte der Hanse mit Dänemark, in den Roman eingeflossen. Daneben spielt der Bremer »Bannerlauf« – eine gewalttätige Auseinandersetzung innerhalb der Bremer Bürgerschaft – eine kleine Rolle.


Herr Lode - Sie schreiben unter dem Pseudonym Daniel Wolf „historische Romane“ , haben aber in der Vergangenheit auch über das Genre „Fantasy“ gute Erfolge erzielen können. In welchem Genre fühlen Sie sich nun am wohlsten?

Definitiv im historischen Roman. Ich liebe das Genre und habe fest vor, noch viele Historienromane zu schreiben. Ob ich noch einmal zur Fantasy zurückkehre, ist fraglich. Wahrscheinlicher ist, dass ich in den kommenden Jahren andere Genres ausprobieren werde. Ein Krimi reizt mich am meisten – daran werde ich mich demnächst versuchen.
Schreiben Sie einfach drauf los – oder haben Sie von Anfang an einen Plan denn konsequent einhalten?!

Ich recherchiere zunächst gründlich für einen Roman und erarbeite ein Storyboard, also eine Zusammenfassung aller Szenen und Kapitel, das außerdem Informationen zu den handelnden Figuren und zu den Schauplätzen enthält. Daran orientiere ich mich beim Schreiben, aber das Storyboard ist keine Vorschrift, die ich sklavisch einhalte – mehr ein Kochrezept. Davon weiche ich beim Schreiben ab, wenn ich merke, dass die spontane Idee besser schmeckt.

Einen historischen Roman schreiben, heißt auch immer sich mit der „Geschichte“ auseinanderzusetzen. Wie recherchieren Sie und erleben Sie dabei auch mal „Überraschungen“ bei der Suche nach Ideen, Ereignissen und historischen Fakten?

Ich lese für die Recherche viele Fachbücher und -artikel. Darüber hinaus besuche ich nach Möglichkeit die Schauplätze und spreche mit Fachleuten über Detailfragen. Für »Im Zeichen des Löwen« beispielsweise war mein wichtigster Experte ein Namenforscher, der mich zu altfriesischen Personennamen beraten hat. Bei der Arbeit an der Fleury-Saga hat mich ein Spezialist für mittelalterliche Stadtgeschichte unterstützt.
Auf überraschende Fakten und spannende historische Details stoße ich ständig, das macht das Schreiben eines historischen Romans so interessant. Als ich für »Im Zeichen des Löwen« recherchierte, fand ich beispielsweise durch Zufall heraus, dass der päpstliche Inquisitor Walter Kerlinger zur Zeit der Romanhandlung Bremen besuchte. Dadurch ergaben sich für meinen Plot ganz neue Möglichkeiten.

Es gibt natürlich immer wieder Helden und Antihelden  - die „Guten“ und die „Bösen“ in einer immerwährenden Konfrontation. Gibt es bei den Charakteren in der neuen Reihe, die beides beinhalten?

Natürlich gibt es auch »Im Zeichen des Löwen« Gute und Böse, aber ich glaube, dass die Figuren insgesamt recht vielschichtig geraten sind und man viele Charaktere nur schwer in ein simples Gut/Böse-Schema einordnen kann. Ich bin gespannt, wie die Leser*innen das wahrnehmen.
Waren Sie als Schüler im Fach „Geschichte“ gut?

Ich war kein Überflieger, aber ich war ganz gut. Eine solide Zwei war meistens drin. Dass es selten für eine Eins gereicht hat, lag daran, dass – wie ich leider zugeben muss – meine Leidenschaft nur ausgewählten historischen Epochen galt. Das Altertum fand ich spannend, die römische Antike, den Ersten Weltkrieg, die NS-Zeit und natürlich das Mittelalter. Bei der Französische Revolution und beim 19. Jahrhundert dagegen ließ meine Begeisterung merklich nach ...

Werden Sie aktuelle Themen der Gegenwart in den nächsten Teilen Ihrer Reihe aufgreifen – die sich vielleicht vor Jahrhunderten ähnlich abgespielt haben? Verschiedene Geschäftsprozesse und Interessen? Militärische Ambitionen? Religiöser Fanatismus, dass Zusammenspiel und Leben anderer Kulturen? Lassen Sie solche Themen generell mit einfließen?

Das bleibt nicht aus. Ich beschäftige mich intensiv mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, sodass meine Ansichten dazu auch in die Romane einfließen – mal unbewusst, mal absichtsvoll. Aber immer dezent und zwischen den Zeilen, ich will die Leute schließlich unterhalten, nicht belehren.
Daneben finde ich es erstaunlich (und mitunter erschreckend), wie oft sich Geschichte wiederholt. Nehmen wir beispielsweise die Judenpogrome zur Pestzeit im 14. Jahrhundert und die aktuell grassierende Fremdenfeindlichkeit, die rassistische Gewalt in Deutschland und den Aufstieg extrem rechter Parteien: In beiden Fällen sind dieselben gesellschaftlichen Mechanismen am Werk. Diese Parallelen habe ich in meinem Buch »Die Gabe des Himmels« thematisiert.
Der neue historische Roman »Im Zeichen des Löwen« hat ebenfalls aktuelle Bezüge, aber diesmal sind sie indirekter, weniger offensichtlich. Es sei meinen Leser*innen überlassen, ihnen nachzuspüren.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus? Schreiben Sie jeden Tag und kann es passieren, dass Sie ganze Passagen einfach neu schreiben, weil die Figuren ggf. einfach nicht so reagieren, wie Sie eigentlich wollten?

Ich schreibe jeden Werktag, bis ich mein Pensum von mindestens 1500 Wörtern erreicht habe. Dafür brauche ich mal vier Stunden, mal acht. Das Wochenende ist frei – es sei denn, die Deadline dräut. Dann arbeite ich mitunter auch samstags und sonntags sowie länger an den Werktagen. Das ist zum Glück aber nur in der heißen Schlussphase eines Buches der Fall.

Ich gebe mich nie mit der ersten Fassung eines Textes zufrieden, ich überarbeite viel. Manchmal schreibe ich auch ganze Passagen neu, wenn die erste Version nicht funktioniert hat.

Die Schifffahrt und die Handelswege waren der Grundstein für den Erfolg der Hanse. Wie haben Sie sich auf den Roman vorbereitet? Haben Sie weitere Hansestädte besucht?

Zur Recherche habe ich mehrere Reisen unternommen. Ich war mehrmals in Ost- und Nordfriesland, in Bremen, in Lübeck und in Travemünde. In Wismar habe ich eine Fahrt auf der »Wissemara« mitgemacht. Die Wissemara ist ein originalgetreuer Nachbau einer spätmittelalterlichen Kogge, genauer gesagt ein Nachbau der vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammenden Poeler Kogge, die man 1999 bei der Insel Poel gefunden hat. Da der mittelalterliche Schiffsbau ein zentrales Thema des Romans ist, habe ich mir von der Fahrt nützliche Informationen über Koggen versprochen. Ich wurde nicht enttäuscht: Die Wissemara ist nicht nur sehr sehenswert. Die nette Crew hat außerdem meine Fragen zu mittelalterlichen Schiffen geduldig und kompetent beantwortet.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Eine Rezension zu Ihrem Titel werde in den nächsten Tagen veröffentlichten. 


Ich habe zu danken!

Michael Sterzik



Sonntag, 21. August 2016

Das Gold des Meeres - Daniel Wolf


Christoph Lode hat nun unter seinem Pseudonym „Daniel Wolf“ den dritten Teil um die Kaufmannsfamilie Fleury  - „Das Gold des Meeres“ veröffentlicht.

Nach „Das Salz der Erde“ und „Das Licht der Welt“ steht die Familie der Fleurys im
Mittelpunkt der Handlung. In der dritten Generation, im Jahre des Herren 1260 steht es schlecht um das Familienunternehmen.  Nach dem gewaltsamen Tod von Michel Fleury, führt Balian Fleury die Geschäfte weiter. Doch weder hat er die Disziplin, dass Talent oder das Wissen von seinen Vorfahren geerbt ,um weiter erfolgreich sein zu können. Verschuldet begibt sich der junge Kaufmann, zusammen mit seiner Schwester Blanche auf eine vielversprechende Handelsfahrt.

Konzentrierte sich die Handlung der beiden Vorgänger Romane noch auf einem Schauplatz – das Dorf, die kleine Stadt Varennes-Saint-Jaques, in Lothringen, so lässt der Autor seine Protagonisten nun auf große Fahrt gehen. Die waghalsige Handelsreise, lässt die Hauptfiguren an ihre Grenzen gehen. Andere Länder – andere Sitten und neue Gefahren und Herausforderungen, und damit werden die Abenteuer, die zu bestehen sind, abwechslungsreich und dramatisch.

„Das Gold des Meeres“ ist ein Bravourstück im historischen Genre. Ein packender und spannender Roman mit vielen Actionelementen. Allerdings ist dieser der schwächster dieser bestehenden Trilogie. Sehr unglaubwürdige Abenteuer, lassen den Roman manchmal etwas sehr unrealistisch erscheinen. Sicherlich spannend, aber manchmal wäre etwas weniger, mehr gewesen.

Viele erzählerische Elemente sind inhaltliche Klassiker, aber der Autor hat diese insgesamt gut dosiert in die Handlung implementiert.

Die Charaktere sind multilateral konzipiert: mit viel Schwächen und Stärken und menscheln vortrefflich. Liebe, Enttäuschung, Mut, Ehre, Verluste und selbst die Dummheit und Naivität geben sich ihr Stelldichein. Natürlich fehlt die gute und ehrwürdige „Rache“ nicht, auch wenn diese nicht der Hauptmotivator ist.

Die Atmosphäre ist vielschichtig und lässt den Roman „leben“, sodass es zu langatmigen Passagen gar nicht kommt. Besonders gut gelungen, finde ich die nachhaltigen Nebenfiguren, die oftmals den Hauptakteuren die Show stehlen. Der junge Kaufmann Raphael, der ein Begleiter der Geschwister Fleury ist, erweist sich als heimlicher Star, des Ensemble. Kritisch, rebellisch, schlau, aber ehrlich herzlich stellt er Balian so manches Mal tief in den Schatten. Odet, Balian Diener dagegen, ist schrullig, vorwitzig, und obwohl er viel mit seinem Magen denkt, ein treuer Freund, den man an seiner Seite benötigt.

Fazit

„Das Gold des Meeres“ von Daniel Wolf ist ein Garant für den perfekten Lesegenuss. Auch der dritte Band überzeugt und öffnet den Leser „Türen“ in andere Länder. Eine Handelsreise mit Herz, wenig Verstand aber Glück.

Michael Sterzik


Sonntag, 21. Dezember 2014

Das Licht der Welt - Daniel Wolf

Das Licht der Welt (Daniel Wolf)

Inhalt

In seiner Heimat tobt ein brutaler Krieg. Er kämpft für Frieden und Wohlstand. Doch er hat einen mächtigen Feind, der alles daransetzt, ihn zu vernichten.

Varennes-Saint-Jacques im Jahre des Herrn 1218: Eine Stadt, drei Menschen, drei Schicksale. Der Buchmaler Rémy Fleury träumt von einer Schule, in der jedermann lesen und schreiben lernen kann. Sein Vater Michel, Bürgermeister von Varennes, will seine Heimat zu Frieden und Wohlstand führen, während in Lothringen Krieg herrscht. Die junge Patrizierin Philippine ist in ihrer Vergangenheit gefangen und trifft eine folgenschwere Entscheidung. Sie alle eint der Wunsch nach einer besseren Zukunft, doch ihre Feinde lassen nichts unversucht, sie aufzuhalten. Besonders der ehrgeizige Ratsherr Anseau Lefèvre hat geschworen, die Familie Fleury zu vernichten. Niemand ahnt, dass Lefèvre selbst ein grausiges Geheimnis hegt ...(Verlagsinfo)

Kritik

Wer den ersten Teil „Das Salz der Erde“ gelesen hat, wird in dem vorliegenden zweiten Teil um den Kaufmann und Bürgermeister der Stadt Varennes, Michael Fleury eine imposante und sehr gelungene Fortsetzung finden. Der Autor lässt in seinen Roman „Das Licht der Welt“ seine Kaufmannsfamilien wieder vieles erleben und erleiden. 

Das dass Mittelalter eine dunkle, gar schwarze Epoche war, in der die Menschen unter dem Einfluss von Herrschern und Kirche lebend eine schwere Zeit hatte, bestätigt und widerlegt der Autor in seinem historischen Roman. Daniel Wolf tritt die Tür auf zu einem dramatischen Ensemble mit vielen historischen wie auch fiktiven Charakteren. Doch die eigentliche Hauptrolle spielen nicht die Protagonisten, sondern die von Adel, Kirche und kaufmännische Konkurrenz gebeutelte mittelgroße Stadt Varennes. Geschützt und geleitet durch einen starken Rat der Stadt, der geschickt Wohlstand und Frieden gewährleistet, lassen die inneren und äußeren Konflikte nicht lange auf sich warten. Es gibt andere Städte, die im Moseltal einen starken Einfluss und nicht wenig Macht ausüben. Voller Angst und Neid beobachten Sie die Entwicklung von Varennes, die zudem noch vom König das Markt- und Messrecht erhalten haben.

Die Privilegien der Stadt und das beeindruckende Geschick des Rates ist aber auch der Kirche ein Dorn im Auge. Religion ist Macht – und als der Sohn von Michel Fleury in Varennes eine öffentliche Schule eröffnen will, reagiert die Kirche wenig tolerant und fortschrittlich. Sie fürchtet zu Recht, dass einfache Menschen aus dem Kreise der einfachen Handwerker ihre religiöse Weltanschauung verlieren und der Einfluss der Kirche immer weniger Raum einnimmt.

Der Autor Daniel Wolf katapultiert den Leser in ein Mittelalter voll Licht und Schatten. Das Licht steht hier für den Fortschritt, für die Unabhängigkeit der Städte, die nicht mehr gewillt sind, sich von Adel und Kirchenfürsten den Alltag aufzwingen zu lassen. Wissen ist Macht und langsam beginnen auch die Kaufmänner globaler zu denken, die ersten Handelsbeziehungen und Städtebünde entstehen, und deren Einfluss und Macht ist nicht zu unterschätzen. Doch für den Fortschritt müssen Opfer gebracht werden und auch Varennes sieht dunklen Zeiten entgegen.

Der Schatten steht stellvertretend für Tradition und das Recht mit Glaube und Schwert seine weltlichen und geistlichen Werte zu vermitteln. Daniel Wolf beschreibt lehrreich, anschaulich und absolut spannend diesen Wechsel zu erzählen.

Sicherlich gibt es auch unter den Hauptpersonen viele kleinere und größere Szenarien, die sich mit Liebe und Leid, Rache und Ehre beschäftigen, doch den eigentlichen roten Faden verliert der Autor niemals aus dem Blick. So geschickt einfach und stilsicher entwickelt er von Seite zu Seite eine spannende Atmosphäre, die auf der ganzen Linie überzeugt.

Selbst die Entwicklung des absoluten, und manchmal recht eindimensionalen Bösewichts Lefere läuft nicht ins Leere. Trotzdem ist dieser Charakter der Schwachpunkt der Handlung. Manchmal überspitzt der Autor die Handlungen dieses Kaufmanns. Es wäre für den Rat der Stadt einfach gewesen, diesen für immer zum Schweigen zu bringen. Egal, auf welchen Weg man sich des personalen Problems hätte entledigen können. Aber gut, stellen wir die Unterhaltung im Vordergrund und lassen die Realität mal kurz außen vor.

Der Großteil des 1151-seitigen Epos ist brillant be- und geschrieben. Nur am Ende des Romans wird es manchmal allzu fantastisch, doch unterhaltsam und spannend ist es trotz der leichten Schwächen immer noch.

Fazit

„Das Licht der Welt“ ist ein heller Punkt in dem fast schon unüberschaubaren Genre des „Historischen Romans“.  Prima recherchiert, lehrreich, spannend und mit viel Liebe fürs Detail wird hier von Fortschritt gesprochen, von festgefahrenen Dogmen abgeschworen und der Spaß an Geschichte nicht mal seitenweise verloren.

Am Ende im Nachwort geht Daniel Wolf großartig auf Fakten und Fiktion ein. Ein Glossar mit den üblichen Begriffen aus dem Mittelalter, runden das Bild in Perfektion ab.

„Das Licht der Welt“ ist ein farbenprächtiger, facettenreicher historischer Roman der absolut überzeugt. Ein literarisches Fest mit den Zutaten Spannung, Dramatik und Realismus. Perfekte Unterhaltung.

Michael Sterzik