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Montag, 24. Mai 2021

Die Gebote des Templers - Tom Melley

 

Der Kampf um das Heilige Grab, die Kreuzzüge von denen sich die Ritter und Soldaten ein abenteuerliches und erträgliches Geschäft versprachen. „Gott will es“ und das Versprechen sich damit allen Sünden zu entledigen – all das waren Motive um legitimiert zu morden, zu plündern, zu vergewaltigen und vielleicht auch der Gerichtsbarkeit und anderen heimischen Herausforderungen hinter sich zu lassen. Alles in Namen „Gottes“.

Es gibt eine Menge an historischen Quellen, die uns ein gutes und authentisches Bild überliefern. Dazu gibt es noch eine Menge „Legenden“, eine ganze Reihe von erzählerischen Übertreibungen die etwas viel Glanz und Gloria über die Epoche verteilen. Im Genre Historischer Roman – gibt es unzählige Romane, die diese extreme, kriegerische Religionspolitik unterhaltsam erzählen. Viele haben mit einer auch nur annähernden Realität entfernt wenig bis gar nichts zu tun.

Kommen wir zurück ins Land der Märchen, Fabeln und Legenden und konzentrieren uns kurz auf die Tempelritter. Ein Orden mit festen Verhaltensregeln, Gesetzen, Richtlinien und einem unerschütterlichen Kodex der sich an die ritterlichen und menschlichen Wert orientiert. Humanitärer Kompass hin oder her – auch hier gibt es neben einer Vielzahl von historischen Quellen, auch viele Legenden um die Ritter in den weißen Waffenröcken, die das Symbol des Kreuzes trugen.

Im vorliegenden Roman „Die Gebote des Templers“ von Tom Melley thematisiert dieser, die „Tempelritter“ im Heiligen Land.

Das Heilige Land im Jahr 1193.
Guillaume de Born, ein skrupelloser Tempelritter, ist der fleischlichen Sünde überführt. Als Buße wird er mit einem selbstmörderischen Auftrag in das von Sultan Saladin besetzte Jerusalem gesandt. Dort stößt er auf einen Teil der verschollen geglaubten Bundeslade. Er verfolgt deren Spur bis zu einem jüdischen Goldschmied und stiehlt das vermeintliche Heiligtum.
Guillaumes Tod ist jedoch vom Großmeister der Templer längst beschlossen. Auf dem Rückweg in die Hafenstadt Akkon wird er plötzlich von seinen Tempelbrüdern überfallen. Sie nehmen den kostbaren Schatz an sich und er bleibt schwer verletzt in den Bergen Galiläas zurück. Durch die Hilfe einer Jüdin und eines Arabers überlebt er und schwört Rache. Doch das wertvolle Artefakt befindet sich jetzt in einer uneinnehmbaren Templerfestung, bewacht von einem erbarmungslosen Feind. (Verlagsinfo)

„Die Gebote des Templers“ von Tom Melley überzeugt durch eine absolut authentische, historische Perspektive. Der Autor hält sich nicht auf mit überflüssigen Beschreibungen, oder ziellos geführten Dialogen. Es gibt keine romantisierte Interpretation und Darstellung der Tempelritter. Tom Melley zeigt sie diese mitunter gewesen sei könnten, als Menschen, die sich im Orden versteckte, die Korrupt waren, die Verbrechen begingen, die jegliche selbstauferlegten Ideale verriet. Diese ritterliche Eliteeinheit, die die beiden Stände Ritter- und Mönchstum vereinte, waren sehr mächtig. Sie hatten einen unmittelbaren politischen Einfluss, den sie mithilfe ihrer finanzkräftigen Infrastruktur so lenkten, wie sie es selbst für richtig hielten. Sie waren ein Syndikat – eine legalisierte, teils verbrecherische Institution. Als „Kinder“ ihrer Zeit waren sie berühmt, berüchtigt, hoch beachtet und gefürchtet. Aber es gab auch eine Menge sehr positive Eigenschaften.

„Die Gebote des Templers“ überzeugt nicht über einen Spannungsbogen der aus der Story resultiert. Die Geschichte wird hauptsächlich von den Charakteren getragen und diese sind perfekt und mehrdimensional gestaltet. Das Storytelling ist sekundär – die erzählerische Perspektive wechselt und damit auch die verschiedenen  Motive die gespiegelt werden, sodass die Spannung personenbezogen wird.

Grundstein dieser personenbezogenen Story ist die Suche nach Teilen der Bundeslade. Dieses religiöse Artefakt animiert noch immer viele Autoren, oder Produzenten es für eine Geschichte zu verwenden. „Der Zorn Gottes“ – die 10 Gebote die Moses von Gott empfangen hat – viele Verwendungsmöglichkeiten. Für die Geschichte ein Platzhalter – es hätte auch der „Heilige Gral“ sein können, oder die Kinder von Jesus und Maria Magdalena usw. – die Auswahl an Legenden ist vielseitig.

Tom Melley erzählt in Rückblenden immer wieder von tatsächlich historischen Ereignissen und bezieht hier eine neutrale Stellung. Es gibt kaum Nebengeschichten, was im Grunde sehr schade ist, denn es hätte dem Roman noch mehr an Tiefe gegeben. Ebenso verhält es sich mit den Nebenfiguren – und es ist interessant, dass die beiden „Ritter“ – dem Hauptcharakter in die zweite Reihe stellen. Diese beiden Charakter spielen übrigens im zweiten Band: „Der Krieger des Herren“ die Hauptrolle. Die Geschichte spielt allerdings vor den Ereignissen von „Die Gebote des Templers“.

Der Roman „Die Gebote des Templers“ ist großartig für ein Debüt. Tom Melleys Stil ist für einen Debütroman außerordentlich gut. Ausbaufähig – aber sein Talent inhaltlich kein Blatt vor dem Mund zu nehmen, und sich auf das wesentliche zu konzentrieren, wirkt packend und überzeugend.

Ein historischer Roman, muss letztlich auch über die Interpretation und Verwendung von Fakten überzeugen. Auch hier hat Tom Melley alles richtig gemacht. Im Nachwort erklärt er, welche Fakten und historischer Ereignisse er verwendet, oder schriftstellerisch frei interpretiert hat.

Fazit

„Die Gebote des Templers“ von Tom Melley sehr zu empfehlen. Authentisch überzeugend und die Figurenzeichnung ist brillant gelungen. „Geschichte in einer unterhaltsamen „Geschichte“ verwandelt. Ziel erreicht.

Man darf gespannt sein, was für Werke hier noch folgen werden. Ich empfehle, die Geschichte vom vorliegenden Band nicht weiter zu führen. Es gibt noch viel zu erzählen. Lesen Sie „Die Gebote des Herren“ – lassen Sie sich überraschen, sie werden begeistert sein. Prädikat: Unbedingt lesen.

Michael Sterzik

Sonntag, 21. August 2016

Das Gold des Meeres - Daniel Wolf


Christoph Lode hat nun unter seinem Pseudonym „Daniel Wolf“ den dritten Teil um die Kaufmannsfamilie Fleury  - „Das Gold des Meeres“ veröffentlicht.

Nach „Das Salz der Erde“ und „Das Licht der Welt“ steht die Familie der Fleurys im
Mittelpunkt der Handlung. In der dritten Generation, im Jahre des Herren 1260 steht es schlecht um das Familienunternehmen.  Nach dem gewaltsamen Tod von Michel Fleury, führt Balian Fleury die Geschäfte weiter. Doch weder hat er die Disziplin, dass Talent oder das Wissen von seinen Vorfahren geerbt ,um weiter erfolgreich sein zu können. Verschuldet begibt sich der junge Kaufmann, zusammen mit seiner Schwester Blanche auf eine vielversprechende Handelsfahrt.

Konzentrierte sich die Handlung der beiden Vorgänger Romane noch auf einem Schauplatz – das Dorf, die kleine Stadt Varennes-Saint-Jaques, in Lothringen, so lässt der Autor seine Protagonisten nun auf große Fahrt gehen. Die waghalsige Handelsreise, lässt die Hauptfiguren an ihre Grenzen gehen. Andere Länder – andere Sitten und neue Gefahren und Herausforderungen, und damit werden die Abenteuer, die zu bestehen sind, abwechslungsreich und dramatisch.

„Das Gold des Meeres“ ist ein Bravourstück im historischen Genre. Ein packender und spannender Roman mit vielen Actionelementen. Allerdings ist dieser der schwächster dieser bestehenden Trilogie. Sehr unglaubwürdige Abenteuer, lassen den Roman manchmal etwas sehr unrealistisch erscheinen. Sicherlich spannend, aber manchmal wäre etwas weniger, mehr gewesen.

Viele erzählerische Elemente sind inhaltliche Klassiker, aber der Autor hat diese insgesamt gut dosiert in die Handlung implementiert.

Die Charaktere sind multilateral konzipiert: mit viel Schwächen und Stärken und menscheln vortrefflich. Liebe, Enttäuschung, Mut, Ehre, Verluste und selbst die Dummheit und Naivität geben sich ihr Stelldichein. Natürlich fehlt die gute und ehrwürdige „Rache“ nicht, auch wenn diese nicht der Hauptmotivator ist.

Die Atmosphäre ist vielschichtig und lässt den Roman „leben“, sodass es zu langatmigen Passagen gar nicht kommt. Besonders gut gelungen, finde ich die nachhaltigen Nebenfiguren, die oftmals den Hauptakteuren die Show stehlen. Der junge Kaufmann Raphael, der ein Begleiter der Geschwister Fleury ist, erweist sich als heimlicher Star, des Ensemble. Kritisch, rebellisch, schlau, aber ehrlich herzlich stellt er Balian so manches Mal tief in den Schatten. Odet, Balian Diener dagegen, ist schrullig, vorwitzig, und obwohl er viel mit seinem Magen denkt, ein treuer Freund, den man an seiner Seite benötigt.

Fazit

„Das Gold des Meeres“ von Daniel Wolf ist ein Garant für den perfekten Lesegenuss. Auch der dritte Band überzeugt und öffnet den Leser „Türen“ in andere Länder. Eine Handelsreise mit Herz, wenig Verstand aber Glück.

Michael Sterzik


Sonntag, 31. Januar 2016

Die Henkerstochter und das Spiel des Todes - Oliver Pötzsch

Die Henkerstochter und das Spiel des Todes

Der Münchner Autor Oliver Pötzsch veröffentlicht mit seinem neuesten historischen Roman: „Die Henkerstochter und das Spiel des Todes“ seinen sechsten Roman der Reihe um den bärbeißigen Henker Jakob Kuisl und seiner Familie.

Der vorliegende Band spielt wie die letzten Geschichten, wieder in Bayern, diesmal in Oberammergau, einem kleinen beschaulichen Bergdorf, mit vielen verschrobenen Bewohnern und dunklen Geheimnissen. Im Jahre 1670 zum Zeitpunkt der Geschichte, also im späten Mittelalter, auch 22 Jahre nach dem großen 30-jährigen Krieg, herrschen noch immer der Adel und der Klerus über die einfachen Menschen. Doch die ersten Städte gehen die ersten Schritte in ein neues Zeitalter. Kaufmänner und Handwerke bilden eine starke Gesellschaft mit ihrem Zusammenschluss zu Zünften und Kammern. Es gibt Schulen, Universitäten die entsprechende Bildung und Talent fördern und ausbilden.

Doch jenseits dieser wachsenden Metropolen, in kleinen Dörfern und Gemeinden bilden die Religion und die Tradition den Grundstein für ein zumeist friedliches Zusammenleben. Hinzu noch Aberglauben, Mythen und Legenden, die das Leben unmittelbar beeinflussen. Oliver Pötzsch lässt auch hier durch perfekte Recherche den Lesern großen Anteil nehmen, die Lebensweise der Menschen in dieser Epoche nachzuempfinden. Das Passionsspiel in Oberammergau, dass alle 10 Jahre und noch bis heute aufgeführt wird, bilden den Pfeiler dieser Geschichte. Blutige Ritualmorde verängstigen die Menschen und Oliver Pötzsch lässt seinen Henker Jakob Kuisl und seinen Schwiegersohn Simon ermitteln.

Die Handlung ist durchweg spannend und verwebt sich gekonnt mit einigen Nebengeschichten und Schauplätzen, die Überraschungen bereithalten. Interessant auch, dass der sturschädelige Jakob Kuisl durchaus unter Druck gesetzt werden kann und ja, auch die noch stureren Bewohner des Gebirgsdorfes verlangen viel Geduld. Natürlich spielt auch die Henkerstochter Magdalena eine tragende Rolle, doch die befasst sich weniger mit den Morden, als mit den naiven Aktionen ihrer jüngeren Schwester.

Die Story, die auch auf knappen 640 Seiten erzählt wird, garantiert großartige Unterhaltung. Nicht nur durch die anhaltende Spannung, sondern auch durch informative historische Elemente, überzeugt der Roman.

Oliver Pötzsch lässt seine Figuren in seiner Henkersreihe einige Abenteuer (über)leben, und ich finde es fantastisch, dass der Autor seine Charaktere weiter entwickelt. Sie werden älter, verändern ihre familiäre und soziale Position, bekommen Kinder, erleiden persönliche Verluste – hier herrscht kein Stilstand. Das Leben ist Veränderung und diese Entwicklungen sind lobenswert. Die Helden sind keine unrealistischen, überzeichneten Figuren,  sondern sie menscheln vortrefflich.

Als historischer Roman erfüllt er alles an Erwartungshaltung, was man sich ggf. erwünscht. Oliver Pötzsch, selbst ein direkter Nachfahre dieser Henkersdynastie legt viel Wert auf Detailreichtum und recherchiert nicht nur vom heimischen Schreibtisch aus. Im Nachwort lädt der Autor den Leser zu einer Schauplatztour ein. Für den regionalen Leser sicherlich eine Option mit Entdeckungsfaktor.

„Die Henkerstochter und das Spiel des Todes“ ist ein perfekter historischer Kriminalroman und Jakob Kuisl und Co. entwickeln sich zu einem aktuellen literarischen Kulturgut.

Lassen Sie sich entführen in die bayrische Bergwelt, mit ihren Legenden und sturen Bewohnern. Sie werden garantiert nicht enttäuscht sein.

Michael Sterzik




Sonntag, 21. Dezember 2014

Das Licht der Welt - Daniel Wolf

Das Licht der Welt (Daniel Wolf)

Inhalt

In seiner Heimat tobt ein brutaler Krieg. Er kämpft für Frieden und Wohlstand. Doch er hat einen mächtigen Feind, der alles daransetzt, ihn zu vernichten.

Varennes-Saint-Jacques im Jahre des Herrn 1218: Eine Stadt, drei Menschen, drei Schicksale. Der Buchmaler Rémy Fleury träumt von einer Schule, in der jedermann lesen und schreiben lernen kann. Sein Vater Michel, Bürgermeister von Varennes, will seine Heimat zu Frieden und Wohlstand führen, während in Lothringen Krieg herrscht. Die junge Patrizierin Philippine ist in ihrer Vergangenheit gefangen und trifft eine folgenschwere Entscheidung. Sie alle eint der Wunsch nach einer besseren Zukunft, doch ihre Feinde lassen nichts unversucht, sie aufzuhalten. Besonders der ehrgeizige Ratsherr Anseau Lefèvre hat geschworen, die Familie Fleury zu vernichten. Niemand ahnt, dass Lefèvre selbst ein grausiges Geheimnis hegt ...(Verlagsinfo)

Kritik

Wer den ersten Teil „Das Salz der Erde“ gelesen hat, wird in dem vorliegenden zweiten Teil um den Kaufmann und Bürgermeister der Stadt Varennes, Michael Fleury eine imposante und sehr gelungene Fortsetzung finden. Der Autor lässt in seinen Roman „Das Licht der Welt“ seine Kaufmannsfamilien wieder vieles erleben und erleiden. 

Das dass Mittelalter eine dunkle, gar schwarze Epoche war, in der die Menschen unter dem Einfluss von Herrschern und Kirche lebend eine schwere Zeit hatte, bestätigt und widerlegt der Autor in seinem historischen Roman. Daniel Wolf tritt die Tür auf zu einem dramatischen Ensemble mit vielen historischen wie auch fiktiven Charakteren. Doch die eigentliche Hauptrolle spielen nicht die Protagonisten, sondern die von Adel, Kirche und kaufmännische Konkurrenz gebeutelte mittelgroße Stadt Varennes. Geschützt und geleitet durch einen starken Rat der Stadt, der geschickt Wohlstand und Frieden gewährleistet, lassen die inneren und äußeren Konflikte nicht lange auf sich warten. Es gibt andere Städte, die im Moseltal einen starken Einfluss und nicht wenig Macht ausüben. Voller Angst und Neid beobachten Sie die Entwicklung von Varennes, die zudem noch vom König das Markt- und Messrecht erhalten haben.

Die Privilegien der Stadt und das beeindruckende Geschick des Rates ist aber auch der Kirche ein Dorn im Auge. Religion ist Macht – und als der Sohn von Michel Fleury in Varennes eine öffentliche Schule eröffnen will, reagiert die Kirche wenig tolerant und fortschrittlich. Sie fürchtet zu Recht, dass einfache Menschen aus dem Kreise der einfachen Handwerker ihre religiöse Weltanschauung verlieren und der Einfluss der Kirche immer weniger Raum einnimmt.

Der Autor Daniel Wolf katapultiert den Leser in ein Mittelalter voll Licht und Schatten. Das Licht steht hier für den Fortschritt, für die Unabhängigkeit der Städte, die nicht mehr gewillt sind, sich von Adel und Kirchenfürsten den Alltag aufzwingen zu lassen. Wissen ist Macht und langsam beginnen auch die Kaufmänner globaler zu denken, die ersten Handelsbeziehungen und Städtebünde entstehen, und deren Einfluss und Macht ist nicht zu unterschätzen. Doch für den Fortschritt müssen Opfer gebracht werden und auch Varennes sieht dunklen Zeiten entgegen.

Der Schatten steht stellvertretend für Tradition und das Recht mit Glaube und Schwert seine weltlichen und geistlichen Werte zu vermitteln. Daniel Wolf beschreibt lehrreich, anschaulich und absolut spannend diesen Wechsel zu erzählen.

Sicherlich gibt es auch unter den Hauptpersonen viele kleinere und größere Szenarien, die sich mit Liebe und Leid, Rache und Ehre beschäftigen, doch den eigentlichen roten Faden verliert der Autor niemals aus dem Blick. So geschickt einfach und stilsicher entwickelt er von Seite zu Seite eine spannende Atmosphäre, die auf der ganzen Linie überzeugt.

Selbst die Entwicklung des absoluten, und manchmal recht eindimensionalen Bösewichts Lefere läuft nicht ins Leere. Trotzdem ist dieser Charakter der Schwachpunkt der Handlung. Manchmal überspitzt der Autor die Handlungen dieses Kaufmanns. Es wäre für den Rat der Stadt einfach gewesen, diesen für immer zum Schweigen zu bringen. Egal, auf welchen Weg man sich des personalen Problems hätte entledigen können. Aber gut, stellen wir die Unterhaltung im Vordergrund und lassen die Realität mal kurz außen vor.

Der Großteil des 1151-seitigen Epos ist brillant be- und geschrieben. Nur am Ende des Romans wird es manchmal allzu fantastisch, doch unterhaltsam und spannend ist es trotz der leichten Schwächen immer noch.

Fazit

„Das Licht der Welt“ ist ein heller Punkt in dem fast schon unüberschaubaren Genre des „Historischen Romans“.  Prima recherchiert, lehrreich, spannend und mit viel Liebe fürs Detail wird hier von Fortschritt gesprochen, von festgefahrenen Dogmen abgeschworen und der Spaß an Geschichte nicht mal seitenweise verloren.

Am Ende im Nachwort geht Daniel Wolf großartig auf Fakten und Fiktion ein. Ein Glossar mit den üblichen Begriffen aus dem Mittelalter, runden das Bild in Perfektion ab.

„Das Licht der Welt“ ist ein farbenprächtiger, facettenreicher historischer Roman der absolut überzeugt. Ein literarisches Fest mit den Zutaten Spannung, Dramatik und Realismus. Perfekte Unterhaltung.

Michael Sterzik






Sonntag, 3. Februar 2013

Die letzte Hanseatin - Lena Falkenhagen


Lübeck – Die Stadt der sieben Türme an der Ostsee. Im Mittelalter der Dreh- und Angelpunkt für nationale und internationale Geschäfte. Nicht umsonst bezeichnet man Lübeck als die „Königin der Hanse“. Zeitweise war sie die wichtigste Handelsstadt im nördlichen Europa. Die meisten Hansetage – Versammlungen und Beratungen der Hansestädte fanden im Lübeck, im Rathaus der Stadt statt.

Die Autorin Lena Falkenhagen lässt in Ihrem vierten historischen Roman „Die letzte Hanseatin“ die Hansezeit, und das mittelalterliche Lübeck erneut aufleben.

Lübeck als Mittelpunkt der Hanse hat politische Schwierigkeiten mit England und gefährdet damit für die Stadt wichtige, wirtschaftliche Handelsbeziehungen. Und auch zwischen Dänemark und England herrscht kein wirklich entspanntes Verhältnis.



Die junge Kaufmannstochter Elise Lipperade gerät in ihrer Heimatstadt Lübeck, in einem tödlichen Konflikt. Die Verschwörung, auf die die junge Frau stößt könnte in einem Krieg zwischen der Hanse und England eskalieren. Und dieser Konflikt könnte die junge Frau, ihrem Sohn und ihrer gesamten Familie die gesamte Existenz rauben. Als junge Witwe hat sie es unter den Kaufleuten und dem Rat der Stadt nicht leicht. Erschwerend dazu kommt noch die Situation, dass ihr Schwiegervater auf See verschollen und vielleicht sogar Tod ist. Wie soll es weitergehen, wenn ihr Vormund wirklich verstorben ist? Der Vertreter plant schon die junge und nicht arme Kaufmannstochter zu heiraten?  Doch ihr Herz schlägt für den geheimnisvollen Herman Wanmate, einen schiffbrüchigen Engländer, den sie gerettet hat. In seinem Besitz befindet sich, eine alte Münze mit einem goldenen Sonnensymbol. Der Schlüssel zu dieser Verschwörung, in der auch Herman Wanmate eine Rolle spielen muss, scheint im fernen London zu liegen, und Elise macht sich auf ihr Schicksal zu suchen....

Die Hansezeit war die Blütezeit Lübecks. Doch nicht nur als wichtige Handelsstadt in Europa hatte Lübeck eine gewisse Verantwortung zu tragen. Auch politisch gesehen verfügte die reiche Hansestadt über Macht und Einfluss. Lena Falkenhagen, die Autorin des Buches „Die letzte Hanseatin“ schildert diese Aspekte interessant und durchaus spannend. Nichtsdestotrotz steht mit ihrer Protagonistin, der Kaufmannstochter Elise eine Frau im Mittelpunkt der Handlung. Dass diese in einer Welt der Männer um ihre soziale Stellung und Existenz kämpfen muss, ist ein wichtiger Handlungsstrang. Auch in diesem historischen Roman wird allerdings die Leserschaft mit einer, dramatischen und spannenden Liebesgeschichte beschenkt. Damit entspricht sie zwar der Erwartungshaltung der weiblichen Leser, doch auch für die Männer stehen einige Kämpfe, politische Intrigen und viele historische Details auf der Bühne. Lübeckern, wie auch viele die diese schöne Stadt schon mal besucht haben, werden fasziniert sein, wenn Elise durch die Straßen der Hansestadt schleicht und spaziert. Viele bekannte Straßen wie auch historische Gebäude und Kirchen werden bekannt sein und auch präsentiert uns die junge Autorin, ein farbenprächtiges und vielseitiges Lübeck. Ein Teil der Handlung spielt in London und auch hier lässt Lena Falkenhagen viel Flair der Englischen Großstadt auf die Leser los.

Die Figuren sind recht eindimensional gezeichnet, zwar überzeugend in ihren Handlungen dargestellt, doch voller Klischees und damit ist die Handlung recht vorhersehbar.
„Die letzte Hanseatin“ ist ein historischer Unterhaltungsroman, der spannend die Hansezeit als Thema wiedergibt. Die soziale Perspektive einer Frau ist mit das Kernthema dieses Romans. Die „starke“ Heldin ist zwar überzeichnet und die Liebesgeschichte etwas spröde, doch der Roman wird seine Leserschaft haben.

Die Autorin Lena Falkenhagen, hat mich mit diesem Roman nicht ganz überzeugen können. Schwer vermisst habe ich ein Personenverzeichnis, ein Glossar, evtl. eine Zeittafel. Ebenso hätte ein Nachwort der Autorin den ganzen Roman quasi positiv abrunden können.

Ich freue mich jedenfalls auf den nächsten historischen Roman aus ihrer Feder und bin mir sicher, dass sie ihr schriftstellerisches Talent noch weiter ausbauen kann.

Michael Sterzik



Die letzte Hanseatin
Historischer Roman

ORIGINALAUSGABE
Taschenbuch, Broschur, 416 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-453-47102-3
€ 8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 13,50* (* empf. VK-Preis) 

Verlag: Heyne
Erscheinungstermin: 14. Januar 2013